PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Tablettenintox



Seiten : [1] 2

RS-USER-Sani
28.05.2003, 17:22
So...dann will ich auch noch mal....

ihr werdet um Mitternacht zum Alkohol- und Tablettenintox mit NA alarmiert....Anfahrtszeit ca. 12 Min....

Vor Ort trefft ihr auf einen aufgeregten Ehemann, der berichtet, dass seine Frau eine unbekannte Menge verschiedener Tabletten genommen hat und dazu eine Flasche Wein (0,75l) getrunken...

Die Frau liegt im Arbeitszimmer auf einem ausgezogenen Sofa und will ihre Ruhe...

ach ja...der NA traf zeitgleich mit euch ein...

RS-USER-Sventilator
28.05.2003, 17:31
Welche Medis hat sie genommen, gibt es schachteln, blister etc...... War es suizidale Absicht, hat sie erbrochen?

Wirkt sie wach oder eher einegtrübt. Läßt sie das Diagnotsikprogramm durchziehen (RR;P;Spo2;EKG)

Dann Sauerstoffgabe, wenn NA da ist evtl. erbrechen lassen (Ipec-Sirup) bzw. Magenspülung.

Zugang legen.

und naja?!?

RS-USER-Sani
28.05.2003, 17:36
hm...der Ehemann zeigt uns einen ganzen Korb mit Medis...allerdings ist nicht klar, welche fehlen...er zeigt uns einen Streifen, der nach seinen Angaben zuvor noch komplett gefüllt war und nun keine Tabletten mehr enthält...waren irgendwelche Schlaftabs....

die Frau lässt sich grade mal so den Blutdruck messen...sie ist nicht somnolent...im Gegenteil....sie wirkt etwas agressiv und möchte, dass wir aus ihrem Zimmer verschwinden....

auf Nachfrage gibt sie an, die Tabletten in suizidaler Absicht genommen zu haben....aber kurz darauf bestreitet sie dies wieder...

erbrochen hat sie nicht...Sauerstoff toleriert sie nicht, da sie ja ihre Ruhe haben will und nicht versteht, was wir von ihr wollen....

RS-USER-Sventilator
28.05.2003, 17:39
ist der NA da?

Naja ich tippe jetzt mal auf ne Zwangseinweisung, das übersteigt jetzt mein Wissen was die rechtlichen Hintergründe angeht.

Wir können sie ja schlecht zu den Maßnahmen zwingen, also entweder abwarten bis sie bewußtlos wird und dann das volle Programm oder aber die Polizei/Ordnungsamt nachholen und wegen Eigengefährdung mit suizidaler Absicht ins KH

RS-USER-Sani
28.05.2003, 17:42
Original geschrieben von Sventilator
ist der NA da?

ich verweise auf die Signatur des Blinden....der NA kam zeitgleich mit dir an ...;)

dem Mann ist es auch lieber, wenn sie mit ins KH geht....aber sie weigert sich...und droht ihrem Mann....("Das zahl ich dir heim!")...es stellt sich heraus, dass es in der Ehe schon seit langen kriselt und sie 4 Jahre lang in Psychotherapie war und diese vor kurzem abgebrochen hat...

RS-USER-Schädelspalter
28.05.2003, 17:45
Zugang ist gut, Erbrechen auslösen eher schlecht. Dadurch erkauft man sich ein zu hohes Risiko für Komplikationen bei geringem Nutzen.
Wenn ich mutig wäre, würde ich eine Magenspülung im heimischen (nicht meinem :) ) Schlafzimmer machen,das ist aber eher was für die Notaufnahme - aber erstmal:

Zugang, Atmung- und Pulskontrolle, RR, EKG, Pulsoxymeter, GCS.

Intubation ist empfehlenswert als Aspirationsschutz und außerdem könnte das sehr schnell notwendig werden. Auf jeden Fall symptomatische Therapie evtl. Rhythmusstörungen, den Patienten nicht mehr als nötig bewegen (um die Resorption nicht zu beschleunigen) und Medikamentenschachteln sichern. Magensonde wäre gut, kann man Kohle drüber geben (oder bleiben lassen, wenn doch antiemetika geben). Dann schnell ins Krankenhaus.

Bewußtsein? Atmung? Kreislauf? EKG?
Der Mann soll uns die Schachteln holen oder wenigstens sagen, was so im Haus war.

RS-USER-Sventilator
28.05.2003, 17:45
also wie gesagt Pol nachholen und und sie bitten daß sie "freiwillig" mitkommt.

Ansonsten in ein Gespräch verwickeln, beruhigen etc....

RS-USER-Sani
28.05.2003, 17:49
hm...@Schädelspalter....wie geschrieben:

Pat. wach und ansprechbar..."nur" unkooperativ...
insofern kannste grade mal den RR messen....mehr ist net drin...kein EKG usw...

Sventilators Idee ist gut...das ham wir auch gemacht

RS-USER-Sventilator
28.05.2003, 17:50
ich würde ihr die zwei Möglichkeiten aufzeigen:

a: entweder sie kooperiert

b: oder die Polizei kommt und sie "kooperiert" auch.

RS-USER-Schädelspalter
28.05.2003, 17:51
sorry, ich war zu langsam. Bei Eigen- und Fremdgefährdung ist meines Wissens die Therapie (durch den Arzt) auch gegen den Willen des Patienten einzuleiten und das Vorgehen dann später vom Vormundschaftsgericht zu bestätigen. Ich würde das machen, die Frau notfalls gegen ihren Willen ruhig stellen und mich auf das BGHB (Nichtigkeit der Willenserklärung) und "rechtfertigenden Notstand" sowie "Geschäftsführung ohne Auftrag" berufen. Oder hat der Mann vielleicht sogar eine Betreuungsvollmacht (wäre zu schön). ;)

RS-USER-Sani
28.05.2003, 17:51
naja...während ihr auf die POL wartet, redet ihr mit der Dame....und dem Ehemann getrennt...

sie fragt uns, was wir denn wollen?? Sie gehe nicht mit....und wir könnten sie eh nicht abhalten....wenn sie es heut net schaffe, schaffe sie es übermorgen oder wann anders....Ausserdem sei es blöd, dass auf den Beipackzettel nicht draufstünde, wieviel man nehmen müsse, damit "ausreicht"

RS-USER-Sventilator
28.05.2003, 17:58
da kann man doch wunderbar drauf eingehen.

"Wieviel haben sie denn genommen? Wir kennen uns ja damit aus und können ihnen sagen wieviel da reicht. War es dieser Beipackzettel hier?"

Naja bei der Ltst. schon mal ein Bett auf der geschlossenen nachfragen, evtl. einen Psychiater ins KH rufen.

RS-USER-Sani
28.05.2003, 18:07
hm...sie will uns aber net sagen, wieviel und was sie genau genommen hat...

inzwischen ist die POL eingetroffen.....die Dame läuft nun im Haus umeinander und zieht sich Alltagsklamotten an...

über die Leitstelle wird ein Platz im Bezirkskrankenhaus abgeklärt...auf der geschlossenen Station für Suizidanten u.ä....

der POL ist die Familie bekannt, sie waren hier schon öfters wegen Ehestreitereien...nun möchte der Ehemann auf einmal, dass die Frau zuhause bleibt....

die POL und der NA versuchen die Frau zu überreden, dass sie doch freiwillig mitkomme....aber sie weigert sich immer noch...

über Tel. klärt die POL das bürokratische für eine Zwangseinweisung (Fax zum Gericht usw.)...die Frau weigert sich wehement....sie zieht sich vor allen Leuten aus....(zuerst ganz, dann zieht sie die Unterhose doch wieder hoch)....ein Polizist nimmt nun die Handschellen zu Hand...der Ehemann wird ausfallend....möchte sofort mit einem Anwalt sprechen...(bedenke: es ist inzwischen 1 Uhr nachts!!) ...

Sie zieht sich nun doch wieder an und kommt mit...der Polizist begleitet im RTW...der NA fährt mit dem NEF hinterher...

RS-USER-Schädelspalter
28.05.2003, 18:08
Original geschrieben von Sani
Sventilators Idee ist gut...das ham wir auch gemacht Erbrechen lassen? Das hat sie mitgemacht? Respekt!

Zu meiner Verteidigung: In meiner Toxikologie-Vorlesung wurde uns dringend davon abgeraten, präklinisch (und auch in der Klinik) Erbrechen auszulösen.
Der Dozent drückte sich so aus:
"wenn Sie meinen, Sie sind der David Copperfield der Magenspülung mit ich-spüle-dir-jeden-Patienten-mit-einer-Hand-auf-dem-Rücken-festgebunden-Talent, dann bitte sehr. Aber IPEC-Sirup oder schlimmer noch Apomorphin ist bäh. Besonders, wenn der Patient bewußtlos werden kann oder durch Sie wird..." Er verwies dann auf den Todesfall in Hamburg, der gesunde Mann der in Polizeigewahrsam von einem Arzt zum Erbrechen gebrcht wurde usw.

RS-USER-Sventilator
28.05.2003, 18:09
Original geschrieben von Schädelspalter
Erbrechen lassen? Das hat sie mitgemacht? Respekt!


Ich denke sie meinte die Sache mit der Polizei!

RS-USER-Sani
28.05.2003, 18:11
Original geschrieben von Schädelspalter
Erbrechen lassen? Das hat sie mitgemacht? Respekt!

NEIN !!

ruhig zureden !! *gg* und POL rufen

RS-USER-Schädelspalter
28.05.2003, 18:26
Dachte ich mir fast :D Irgendwie war ich der Meinung, dass sie nicht zugänglich war, deshalb die harte Gangart (wer lesen kann usw. :o ) Aber dem Fall hat dieses Mißverständnis ja nicht geschadet ;) So konnten wir uns wenigstens noch über präklinischen Einsatz von Emetika austauschen :)
Natürlich muß man den Patienten zuerst erreichen, einen Zugang zu ihm finden und ihn beruhigen (siehe Cartoon :) )

DerBlinde
28.05.2003, 18:27
Erbrechen sollte man tunlichst lassen. Spülen, OK, Erbrechen, ne! :D Besonders nicht wenn sogar Detergentien im Spiel sind ;)

RS-USER-Schädelspalter
28.05.2003, 18:46
Original geschrieben von DerBlinde
Erbrechen sollte man tunlichst lassen. Spülen, OK, Erbrechen, ne! :D Eben!

Besonders nicht wenn sogar Detergentien im Spiel sind ;) Wird witzig für den Rechtsmediziner :-p

RS-USER-Hoffi
28.05.2003, 20:14
Heute hatten wir einen Intox mit 60 Tabletten Antidepressiva. Den haben wir nur mit Fenta und Dormicum ruhiggestellt, intubiert und zur AI gefahren. War nen bißchen blöd das der aufm Hochbett lag.