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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unfall im Chemieunterricht



Josanni
04.11.2003, 13:35
Los gehts,

Ihr bekommt um 10:15 die Einsaztmeldung: "Unfall im Chemieunterricht- Verd. auf Verätzung". Ihr fahrt mit einem RTW und NEF mit Sondersignal zu einem Gymnasium. Dort angekommen begegnet Euch der Lehrer der den Unfall gemeldet hat und führt euch in den Chemieraum. Auf dem Weg dortin erklärt er Euch die momentane Lage und das ein Versuch mit 32%iger Salzsäure durchgeführt wurde. Im Chemieraum findet Ihr einen 16jährigen Jungen stehend vor einem Waschbecken vor und um ihn lauter Klassenkameraden die sein Gesicht und seine Unterarme mit einem drucklosen Wasserstrahl abspülen. Der Junge schreit ununterbrochen durch die Gegend. Sein Blutdruck
beträgt 130mmHg/ 95mmHg.
Welche Maßnahmen ergreift Ihr und was kann der Notarzt für Medikamente verabreichen?

Viel SpassD:-)

RS-USER-DerDings
04.11.2003, 13:47
Wir lassen mal schön weiterspülen (haben die keine pufferlösung für solche unfälle rumstehen ???) während der Doc 'nen zugang legt und was gegen die schmerzen gibt...

sind die augen betroffen ???

Intensivling
04.11.2003, 13:49
Original geschrieben von DerDings
Wir lassen mal schön weiterspülen (haben die keine pufferlösung für solche unfälle rumstehen ???) während der Doc 'nen zugang legt und was gegen die schmerzen gibt...

sind die augen betroffen ???

Prophylaktisch was entzündungshemmendes und vorsichtige Analgetika Therapie ... keimfreie feuchte Wundauflage und dringender Transport ins KH.

Josanni
04.11.2003, 14:08
Pufferlösung ist vorhanden, aber nicht in ausreichender Menge.

Josanni
04.11.2003, 14:09
Die Augen sind nur leicht betroffen.

Knecht
04.11.2003, 14:33
Sofort auch Augenspülung, von der Nasenwurzel Richtung Augenwinkel, entweder mit Wasser oder mit der Augenspülflasche aus dem Koffer.

RS-USER-Obelix
04.11.2003, 14:45
Also, erstmal viiiiiiiiiiiiiiiiiiel Wasser zum abspülen. Die Augen mit einer Augendusche (Die muß in jedem Labor vorhanden sein)

@Knecht: Die Spülrichtung ist aber anders herum! Von den Augenwinkeln zur Nasenwurzel.
EDIT: SORRY, Knecht, Du hattest REcht, ich hab nochmal nachgeschaut. IN allen Büchern steht von der Nase nach außen hin. Dann sind zwar sämtliche festinstallierten Augeduschen die ich kenne falscherum....

Und mindestens 15 min bei offenem Lidspalt spülen!!!
Was ich nicht so ganz versteh, warum der Schlüer so Schmerzen hat. So schnell ätz Salzsäure auch woeder nict und wenn die gleich mit dem Abspülen angefangen haben, sollte daß eigentlich halb so wild sein. Aber wenn er wirklich so Schmerzen hat, kann man ja sich ja mal einen NA zur Analgesierung bestellen.
Dann die Verätzungen steril abdecken. Und ab in die Klinik.
Wie gesagt Verätzungen mit Salzsäure seh ich jetzt nicht so kritisch. Ist eigentlich halb so wild das Zeug.
BTW: 32%ige Salzsäure = konzentrierte Salzsäure

EDIT: Und laßt so ein Scheiß wie Pufferlösung oder evtl noch mit Lauge neutralisieren. Einfach nur viiiiiiel Wasser. Da muß man dann halt mal 15 min abspülen. Bei großflächigen Verätzungen Klamotten aus und unter die Notdusche gestellt.

nefgeländefahrer
04.11.2003, 14:48
jo und dann ab zum bgarzt......oder augenklinik......

Knecht
04.11.2003, 14:58
Oh. Ich war sicher, das mal anders gelernt zu haben, allerdings nur mündlich...
Man lernt ja nie aus!
Nie! ;)

DerBlinde
04.11.2003, 16:42
Ja, früher hieß es mal, von der Nasenwurzel zum Augenwinkel spülen, damit nicht akkzidentiell Säure/Lauge in das andere Auge auch noch kommt...
Wie Obelix schon sagte, laßt den Quatsch mit Puffer, Lauge, etc. Den möchte ich mal sehen, der das genau austitriert bekommt :D Und dann macht ihr den Schaden nur noch größer... :rolleyes:

RS-USER-Obelix
04.11.2003, 16:48
Wenn wir schon bei Chemieunfällen sind. Dann entwerf ich mal ein theoretisches Szenario. Diesmal keine Schule sondern ein Analytiklabor, daß sich auf die Glasanalyse spezialisiert hat. Eine Laborantin hat versucht eine Platinschine mit Flußsäure (40%)zureinigen. Dabei hat sie jedoch das Becherglas verschüttet und dabei die Flußsäure auf ihren Handrücken bekommen. Da sie keinen Schmerz verspürte hat sie erst die Sauerei beseitigt und ist erst dann zum Wasserhahn um die Säure abzuspülen. In dem Moment kommt ihr an. Was macht ihr? Das selbe wie beim Fall mit Salzsäure oder macht ihr was anders?

nefgeländefahrer
04.11.2003, 17:28
trotzdem spülen......viggo legen blutentnehmen und ab damit ins labor vorraus....
und ab in kh mit dialyse.....

unter umständen kann Sie noch mit dem hut sammeln bei ihren kollegen für Ihren den kranz.....

DerBlinde
04.11.2003, 17:51
Wieso hat die Liese das auf die Hand bekommen? Ich dachte, beim Umgang mit Flußsäure sind Handschuhe aus Viton (nein, nicht Luis :D) vorgeschrieben?! :-p
Wie immer, erstmal spülen ;) Habt ihr Calciumgluconat-Gel da? Wenn ja, das auf die Wunde und steril abdecken.

nefgeländefahrer
04.11.2003, 17:54
Original geschrieben von DerBlinde
Wieso hat die Liese das auf die Hand bekommen? Ich dachte, beim Umgang mit Flußsäure sind Handschuhe aus Viton (nein, nicht Luis :D) vorgeschrieben?! :-p
Wie immer, erstmal spülen ;) Habt ihr Calciumgluconat-Gel da? Wenn ja, das auf die Wunde und steril abdecken.

mann sieht selten laborantinnen mit den handschuhen weil das so ein schöner fingernagelkiller ist......oder die haben erst gar keine.......

DerBlinde
04.11.2003, 18:02
Original geschrieben von ganskow
mann sieht selten laborantinnen mit den handschuhen weil das so ein schöner fingernagelkiller ist......oder die haben erst gar keine.......

Naja, ich arbeite auch viel im Labor, zwar kein Chemielabor, aber trotzdem... Und unsere Leute tragen andauernd Handschuhe :-p ;)

nefgeländefahrer
04.11.2003, 18:29
in den labors mit digatlen abläufen wird gern darauf verzichtet....

vorallem wenn es anlernkräfte sind.......

RS-USER-Obelix
05.11.2003, 08:48
Original geschrieben von Knecht
Oh. Ich war sicher, das mal anders gelernt zu haben, allerdings nur mündlich...
Man lernt ja nie aus!
Nie! ;)
SORRY, Knecht, Du hattest REcht, ich hab nochmal nachgeschaut. IN allen Büchern steht von der Nase nach außen hin. Dann sind zwar sämtliche festinstallierten Augeduschen die ich kenne falscherum.... Sorry nochmal, hätte erst nachschauen sollen und dann den Mund aufmachen.

RS-USER-Obelix
05.11.2003, 09:17
Ok, weiter geht's.
Also, die Liese hatte keine Handschuh getragen, weil sie ja nur schnell die Platinschiene mit einer Zange aus der Flusäure nehmen wollte. Das macht sie schon immer so, wieso Handschuhe. BG-Vorschriften?.... Naja, Handschuh anziehen hätte soviel Zeit gekostet.
Calciumgluconatgel ist vorhanden, muß auch vorhanden sein. Jetzt ist die Flußsäure allerdings schon etwas länger in die Haut eingedrungen. Was droht? Was für Maßnahmen ergreift denn der Rettungsdienst? Wird ein NA nachgefordert?

PS: Haben hier grad tierische Netzwerkprobleme. Meine Antworten können deshalb dauern.

RS-USER-Obelix
05.11.2003, 14:49
Original geschrieben von ganskow
unter umständen kann Sie noch mit dem hut sammeln bei ihren kollegen für Ihren den kranz.....

Naja, das kann passieren, muß aber vielleicht nicht.

RS-USER-Obelix
05.11.2003, 17:23
So, hier noch ein paar Möglichkeiten zur Behandlung von Flußsäureverätzungen. Damit das nicht so endet wie von ganskow angedeutet.

Fluoridionen haben die Eigenschaft, körpereigenes Calcium und Magnesium zu binden.
Patienten mit erheblicher Fluoraufnahme sind wegen des Verlustes von intrazellulärem Calcium und Magnesium vital gefährdet, cave: Kammerflimmern. Ärztliche Behandlung und intensivmedizinische
Uberwachung sind erforderlich. Nach den heute vorliegenden Erfahrungen kann folgende Behandlung von Flußsäureverätzungen empfohlen werden:
· Einatmen
– Nach Einatmen von Fluorwasserstoff kann sich ein Lungenödem entwickeln, so daß möglichst frühzeitig entsprechende Therapie erforderlich ist (z.B. Glucocorticoid-Dosieraerosol und hochdosiert Prednisolon i.v.).
– Intravenöse Gabe von Calciumgluconat und Magnesiumsulfat ist anzuraten (initial 10-20 ml Calciumgluconat 10 %ig und 10 ml Magnesiumsulfat 10 %ig i.v. als Infusion).
– intensivmedizinische Beobachtung und eventuell Behandlung.
· Verschlucken
– vorsichtige endoskopische Untersuchung und schnellstmögliche
Magenentleerung
– Magenspülung mit 1 %iger Calciumgluconatlösung
– anschließend 40 g Calciumgluconat instillieren und belassen
– intensivmedizinische Beobachtung und eventuell Behandlung.
· Augen
– Verätzungen der Augen müssen sofort mit viel Wasser oder physiologischer Kochsalzlösung gespült werden.
– Anschließend lokale Anwendung von Corticosteroid-Augentropfen im Übergang zur augenärztlichen Behandlung.
– augenärztliche Behandlung.
· Haut
In vielen Fällen lokaler Einwirkung geringen Ausmaßes, d.h. bei Vorliegen einer nur oberflächlichen Reizung bzw. Rötung der Haut, genügt das Fortführen des geschilderten Einreibens mit Calciumgluconatgel. Anschließend eventuell messerrückenstarkes Auftragen einer Glucocorticoid-Salbe.
Bei Eindringen der Flußsäure unter den Fingernagel: Fingernagelextraktion in Oberst'scher Leitungsanaesthesie.
Bei Vorliegen stärkerer lokaler Einwirkungen (zweitgradige oder drittgradige Verätzungen) haben sich die folgenden drei Methoden zur Behandlung von Flußsäureverätzungen bewährt:
1. Methode
Bei zweit- und drittgradigen Verätzungen sollte das verätzte Hautareal mit Calciumgluconat 10%ig bis zur Schmerzfreiheit unterspritzt werden (für ein Areal von etwa 6 cm Durchmesser benötigt man 1 Ampulle Calciumgluconat = 10 ml).
2. Methode
Bei bestehenden Hautnekrosen (Verätzungsgrad 2 b und 3) und bei vitaler Bedrohung durch großflächige Verätzungen sollte die energische, primäre dermatochirurgische Wundrevision mit sauberer Entfernung aller schon nekrotisch und irreversibel geschädigt erscheinenenden Hautpartien mit primärer Hauttransplantation erfolgen. Als Erstbehandlung muß hier auch die Unterspritzung (1. Methode) durchgeführt werden. Bei ausgedehnten Verätzungen muß Calcium und Magnesium substituiert werden. Ab einer etwa handflächengroßen drittgradigen Verätzung empfiehlt sich die i.v.-Gabe von mindestens 20 ml Calciumgluconat 10 %ig und 10 ml Magnesiumsulfat 10 %ig. Diese vital gefährdeten Patienten sind intensivmedizinisch zu überwachen.
3. Methode
Die unten beschriebene Behandlungsmethode sollte ausschließlich in Kliniken von Ärzten mit Erfahrung in intraarterieller Injektionstechnik durchgeführt werden. Bei Vorliegen von großflächigen, zweit- und drittgradigen Verätzungen im Hand- und Fußbereich kann die intraarterielle Calciumgluconatgabe in die zentral der Läsion gelegene Arterie diskutiert werden.
Vorgehen:
Punktion der zentral gelegenen Arterie, Einbringen eines arteriellen Katheters, intraarterielle Perfusion von 10 ml Calciumgluconat 20 %ig und 40 ml NaCI 0,9 % über 4 Stunden, Thromboseprophylaxe mit 400 E Heparin/Stunde. Beim Auftreten
von erneuten Schmerzen kann eine 2. Injektionsbehandlung notwendig werden. Die intraarterielle Calciumgluconatperfusion ist nur nach kritischer Indikationsstellung vorzunehmen.

PS: Ich habe aber auch schon in Arbeistkreisen gearbeitet, wo die Methode Drahtbürste favorisiert wurde. Also schnellstmögliches Entfernen des betroffenen Gewebes.