Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : nächtlicher Überlandeinsatz



Seiten : 1 [2]

RS-USER-DocMezzoMix
21.01.2004, 23:48
Lieber Ghoose,

ich bin leider weder Neurochirurg, noch Radiologe.
Ich erkenne darauf einen großen Fleck in einer der Hemissphären (re)(da ich gerade am überlegen bin, MRT guckst du von unde oder obbe?)
Das kann ne Blutung sein, oder ein riesiger Bahlsen Butterkeks (den haben glaub ich viel mehr) daher meine bitte, ich würde ja sagen SAB, aber du sagst nö, warum?

Grundkurs bilderlesen für nicht Neurochirurgen. Was ist da zu sehen, War das typisch? Wie ging die Therapie weiter. (Ist ja schon recht groß oder (aber kein Einbruch in ein Ventrikel oder hab ich mich verschaut, weil klein ist es auch noch.

Versteh mich nicht falsch, ich war sehr gespannt was die Lösung des Falles betrifft (sitz nur deswegen hier) und will jetzt ALLES wissen. Bitte bitte bitte

(Ach sag mal, arbeitest du eigentlich auch mal Tagsüber???)

LG docmezzomix

MatthiasKlemens
21.01.2004, 23:50
Original geschrieben von DocMezzoMix
Lieber Ghoose,

ich bin leider weder Neurochirurg, noch Radiologe.
Ich erkenne darauf einen großen Fleck in einer der Hemissphären (da ich gerade am überlegen bin, MRT guckst du von unde oder obbe?)
Das kann ne Blutung sein, oder ein riesiger Bahlsen Butterkeks (den haben glaub ich viel mehr) daher meine bitte,

Grundkurs bilderlesen für nicht Neurochirurgen. Was ist da zu sehen, (wo ist es links oder rechts?). War das typisch? Wie ging die Therapie weiter. (Ist ja schon recht groß oder (aber kein Einbruch in ein Ventrikel oder hab ich mich verschaut, weil klein ist es auch noch.

Versteh mich nicht falsch, ich war sehr gespannt was die Lösung des Falles betrifft (sitz nur deswegen hier) und will jetzt ALLES wissen.

(Ach sag mal, arbeitest du eigentlich auch mal Tagsüber???)

ich glaube er arbeitet NUR nachts! *fg*

ich wills jetzt auch WISSEN!

RS-USER-DocMezzoMix
22.01.2004, 00:01
Original geschrieben von MatthiasKlemens
ich glaube er arbeitet NUR nachts! *fg*

Dich trifft man aber auch eher nach einbruch der Dunkelheit hier:D

Ghoose
22.01.2004, 00:02
*herzlichlach* sorry Doc. ich wollte es ein bischen spannend machen. nicht dich auf die Folter spannen. :knuddel:
Also die Diagnose lautet "Falxmenigeom" Meningeome gehen von der Spinngewebshaut (Arachnoidea) aus. Diese überzieht das Gehirn unterhalb der harten Hirnhaut. Meistens sind diese Tumore gutartig und wachsen langsam. Bisweilen können sie verkalken. Häufig wachsen sie in die Hirnhaut ein und können sie zerstören. Gleichzeitig beobachtet man in vielen Fällen eine begleitende Verbreiterung des darüber liegenden Knochens (Hyperostose). Die Tumore können eine knotige und raumfordernde oder eine flächige Wachstumsform zeigen. In sehr seltenen Fällen können Meningeome bösartig sein ( Häufigkeit 1.7% aller Meningeome). Auch schnellwachsende Varianten werden beschrieben. 15 % aller neuentdeckten Raumforderungen bei Erwachsenen sind Menigeome. Bildgebende Diagnostik der ersten Wahl ist das CT mit Kontrastmittel. (im Anhang ein nur ganz kleines Meningeom im Saggitalschnitt -also vertikal von vorne durchs Hirn- im MRI, dass allerdings bereits Krampfanfälle auslöste.)
Du siehst meist eben stark verkalkende Raumforderungen, die von der Hirnhaut verdrängend auf das Gehirn drücken. Ein normalerweise typisches Ödem des komprimierten Hirnparenchyms ist nur diskret oder gar nicht vorhanden. Oft ist grade die "sichel" der Hirnhaut, die die linke Grosshirnhemisphäre von der rechten trennt der Ursprungsort. deshalb "Falx" =Sichel. Typischerweise machen sie sich durch das langsame Wachsen eben "nur" zuerst mit möglichen Kopfschmerzen, Wesensveränderungen (Druck auf die Frontalhirnrinde=Sitz der Persönlichkeit, Teil des Limbischen Systems) und eben auch Krampfanfällen bemerkbar.

Die Therapie ist primar operativ, evtl macht man vorher noch ein Angiogramm, um die Gefässversorgung im Operationsgebiet darzustellen. Die Prognose ist meist sehr gut. Es kann aber zu Rezidiven kommen. Eine Bestrahlung ist normalerweise nicht nötig.

CT- und MRI-bilder sieht man sich sozusagen von "unten" an, wie du schon richtig bemerktest, wenn sie horzontal geschnitten sind. also ist rechts eigentlich links. und umgekehrt.

Danke für Euer Interesse. zufrieden? oder noch Fragen? fandet Ihr es nachvollziebar? Also ich fand es damals extrem spannend.

RS-USER-DocMezzoMix
22.01.2004, 00:15
DANKE!!!!!!!!
*Puuuh,erleichterung*

Hast du extrem gut erklärt, ich glaube das kann jeder nachvollziehen!(Nicht nur ich, der gerade überm Trepel sitzt und Hirnnervenkerne lernt(hast du es auch gehaßt?))
Und wieder bewiesen, die richtige Antwort ist immer (im weiteren Sinne) Krebs.

Jetzt mal ne ganz dumme Frage: Wenn ein Meningeom langsam wächst, das dargestellte also schon seit einiger Zeit besteht, warum kam es dann zu so einer akuten Verschlechterung innerhalb eines Tages (wesensveränderung und "Bewußtlosigkeit/Krampfanfall?) kann das Gehirn so lange kompensieren? Weil ich schätze es ja schon auf Haselnussgroß, mindestens.

Ich fand das Fallbeispiel extrem Klasse! Was für dich jetzt ein wenig blöd ist, den nun wirst du uns in Regelmäßigen abständen mit neuen Versorgen müssen, sonst gibt es im Rippspreader-Arms nur noch Wasser für Dich ;)

LG dMM:knuddel:

MatthiasKlemens
22.01.2004, 00:20
Original geschrieben von DocMezzoMix
DANKE!!!!!!!!
*Puuuh,erleichterung*

Hast du extrem gut erklärt, ich glaube das kann jeder nachvollziehen!(Nicht nur ich, der gerade überm Trepel sitzt und Hirnnervenkerne lernt(hast du es auch gehaßt?))
Und wieder bewiesen, die richtige Antwort ist immer (im weiteren Sinne) Krebs.

Jetzt mal ne ganz dumme Frage: Wenn ein Meningeom langsam wächst, das dargestellte also schon seit einiger Zeit besteht, warum kam es dann zu so einer akuten Verschlechterung innerhalb eines Tages (wesensveränderung und "Bewußtlosigkeit/Krampfanfall?) kann das Gehirn so lange kompensieren? Weil ich schätze es ja schon auf Haselnussgroß, mindestens.

Ich fand das Fallbeispiel extrem Klasse! Was für dich jetzt ein wenig blöd ist, den nun wirst du uns in Regelmäßigen abständen mit neuen Versorgen müssen, sonst gibt es im Rippspreader-Arms nur noch Wasser für Dich ;)

LG dMM:knuddel:


ich schließe mich dem dann mal an!:knuddel:

Ghoose
22.01.2004, 00:22
*rotfl* ok. drohen ist nicht nett, und mit Guinnessentzugdrohen ist fast schon gemein. Ach was, es IST gemein. aber mal sehen was sich so machen lässt...wenns so ruhig ist wie jetzt in der Nacht, dann können wir drüber reden. macht mir ja auch spass. ausserdem ist es ja auch eine gute Repetition.

Zu deiner Frage: tatsächlich kann es sehr lange dauern, bis bei langsam wachsenden Raumforderungen erste Symptome auftreten, besonders wenn eben die erwähnten Ödeme ausbleiben. In diesem Fall gab es ja nur die Kopfschmerzen in der Anamnese, sowie eine gewisse Gereiztheit. Wenn dann Stress oder andere Belastungssituationen auftreten, kann es eben zu solchen "Ausbrüchen" kommen. Der Krampfanfall wurde whs. durch den sich langsam aufschaukelnden Stress (Kopfschmerz, sich verfahren, usw.) ausgelöst und führte dann zum Glück zur Diagnose. Interessanter Fall mit zum Glück glimpflichem Ausgang. Wir haben uns mehr als einmal überlegt, was wohl passiert wäre, wenn das mit 160 km/h auf der Autobahn passiert wäre....:rolleyes:

RS-USER-DocMezzoMix
22.01.2004, 00:25
Original geschrieben von Ghoose
*rotfl* ok. drohen ist nicht nett, und mit Guinnessentzugdrohen ist fast schon gemein. Ach was, es IST gemein. aber mal sehen was sich so machen lässt...wenns so ruhig ist wie jetzt in der Nacht, dann können wir drüber reden. macht mir ja auch spass. ausserdem ist es ja auch eine gute Repetition.

Interessanter Fall mit zum Glück glimpflichem Ausgang. Wir haben uns mehr als einmal überlegt, was wohl passiert wäre, wenn das mit 160 km/h auf der Autobahn passiert wäre....:rolleyes:

Auuaaaa, der Mann von Amnesty International hat mich gerade gehauen und gesagt, Guinnessverbot wäre nach Genferkonventionen Verboten. Also wandeln wir um, für jedes Fallbeispiel gibt es ne Runde Guinness von mir:prost: da ich dann mitdrink und nicht dein trauriges Gesicht gegenübersitzen hab (was mir ja auch ein wenig den Spaß verderben würde:D ) Denke ich, ist ne gute Sache!

Wäre ja nicht der Erste, der bei nem Krampfanfall sein Auto zerlegt:rolleyes:

Ghoose
22.01.2004, 00:31
so sei es! also dann, prost! :prost:
auf unsere Schutzengel !

MatthiasKlemens
22.01.2004, 00:34
:prost: :)

RS-USER-DocMezzoMix
22.01.2004, 00:39
Jetzt wird sogar schon im Trainingscenter gesoffen, das nimmt langsam auswüchse an:D

:prost:

RS-USER-Cookie
22.01.2004, 06:29
Als Büroschnecke hab ich ja keine Ahnung von Medizin, aber ich lese hier interessehalber öfter mal mit. Die Geschichte war echt spannend! *immernochFingernägelkau* D:-) Mehr davon! :D

ambulancedriver
22.01.2004, 09:38
Super Fallbeispiel!!!:D

Auch wenn ich bisher nur "passiv" daran teilgenommen habe, bitte unbedingt mehr davon!!!


:RS:

Ghoose
22.01.2004, 21:31
danke. bis zum WE überleg ich mir was! Wie wärs mit was aus der Pädiatrie?

RS-USER-DocMezzoMix
22.01.2004, 21:49
JJJJAAAAAAAAA Kinder!!!

Wie kommst DU den gerade auf dieses Thema:D

Ghoose
22.01.2004, 23:51
hm. keine Ahnung. äh. jetzt echt nicht. war so ne spontane Eingebung
:D

silver tabby
23.01.2004, 13:56
Also ein Pädiatrie Beispiel wär auch echt Klasse!
Aber mal eine kleine Frage zu den Bildern:
Sind Meningeome nicht normalerweise eher gleichmässig KM-anreichernd? In der kleinen Ansicht sieht es aber doch so aus, dass da `n ziemlich gosses "Loch" drin ist, wäre das nicht untypisch bei Meningeom? (Auch wenn die Bilder aus`m Lehrbuch sind...)
Habe hier im Exil leider nicht Bücher, um alles nachzulesen...

RS-USER-Defi Brillator
23.01.2004, 14:56
Wenn ich mich richtig erinnere, sehen Meningeome i.d.R. in CT und MRT homogen aus und nehmen ordentlich Kontrastmittel auf, es können allerdings auch zystische und verkalkte Strukturen gesehen werden.
Sollte sich in dem kleinen Bild um eine zystische Struktur handeln, würde sie ja kein KM aufnehmen und sich somit hypodens darstellen??? Oder könnte es ne (alte) Einblutung sein?
Mal gucken, was Ghoose sacht...

Ghoose
26.01.2004, 00:23
sorry, das ich nicht früher antworte, aber ich hab im Moment einfach arg viel zu tun dieses Wochenende.
Ganz wie Defi schon gesagt hat, ich kann mich nur anschliessen. je nach lokalisation und ursprung, Grösse und Wachstum kann es ein homogen-Kontrastmittelanreichernder solider Tumor sein, aber auch zentrale Nekrosen oder inhomogenen Bereiche enthalten. Aber ich bin kein Radiologe, vielleicht kann hier noch ein zum Thema etwas versierterer Fachmensch als ich es bin ein paar erklärende Worte abgeben.
Mit dem Fallbeispiel wird es dieses WE wohl nix mehr, aber ich hab jetzt Urlaub, und wenn ich mein Modem zum Laufen bringe, melde ich mich.

LG vom Ghoose