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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Studienplatzklage



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Gersig
06.04.2003, 15:17
Ich habe jetzt im Losverfahren einen Studienplatz bekommen. Trotzdem: ich wünsche allen, die klagen, viel Erfolg. Meine einstweiligen Anordnungen werde ich jetzt zurückziehen!

Rock on! ;-)

hibbert
06.04.2003, 17:28
Gibt´s die Nachricht nicht erst am 15.april??

Rico
06.04.2003, 17:38
Original geschrieben von Miss
Ich mein, manche Leute, die da so hart urteilen, konnten zum Teil noch den Medizinertest machen...auch nochmal eine Chance gewesen, doch noch einen Platz zu kriegen, wenn man doch nicht immer schon ganz genau wußte, daß man Medizin studieren wollte und ein superAbi brauchte. Das gibts jetzt nicht mehr. Und erinnert sich auch noch jemand, wieso der Medizinertest worden ist? Weil er in hohem Maße mit der Abonote korreliert hat... will heißen: gutes Abi --> guter Medizinertest, schlechtes Abi --> schlechter Test.
Die 3,nochwas Leute, die sich damit noch in den Studienplatz gehieft haben, die sind genauso eine Ausnahme wie die Elektrohilfsgipser mit Abendschulabi-Ärzte.
Und wer behauptet, die Abinote habe nur bedingt etwas mit der Eignung zum Arztberuf zu tun, der müßte sich eigentlich auch schwer tun zu begründen, warum das Erkennen irgendwelcher obskuren dreidimensionalen Figuren, die nach außen gestülpt werden irgendetwas mit dem Arztberuf zu tun haben sollen.

Ach ja... ich hab übrigens auch keinen Medizinertest mehr machen brauchen.

Original geschrieben von Miss
Ich finde das eigentlich gut, wenn man genau weiß, was man will, und dafür kämpft. Nicht das *was*, sondern das *wie* ist entscheidend...

Original geschrieben von Miss
Es wird ja sonst auch immer über 1,0 Abi-Leute geschimpft, die ja doch nur "deswegen" Medizin studieren wüßten... Jaja, geschimpft wird immer auf die... mir sind aber noch nicht viele allzu viele untergekommen. Von der Sorte gibt es - glaube ich - keine relevante Anzahl.

Original geschrieben von Miss
...denn was stört mich das wirklich, wenn in meinem Physio-Seminar 22 statt 20 Leute sitzen??! Da redet aber einer wie der Blinde von der Farbe! :-???
Es macht sehr wohl einen Unterschied, ob ich im Präpkurs zu sechst, zu acht oder zu zehnt um eine Leiche stehe!!
Wer sich nämlich länger mit dem Ellenbogen seines Nachbarn als mit dem der Leiche beschäftigen muß, dessen Ausbildung leidet!

Und daß die Studentengruppen in Deutschland im internationalen Vergleich verflucht groß sind, daß ist nun wirklich kein Geheimnis (deshalb wurden ja auch in der neuen ÄAppO kleinere Gruppen vorgeschrieben!).

Ändern konnten die Uni bislang kaum etwas an den großen Gruppen, denn für jeden weiteren Mitarbeiter den sie zur Studentenbetreuung angestellt haben, bekommen sie ja von einem Anwalt gleich wieder ein paar Studenten mehr auf's Auge gedrückt...

daphnee
06.04.2003, 18:24
Also ich frage mich woher manche Leute die Arroganz nehmen und darüber urteilen wer einen Studienplatz bekommen darf! Am besten bekommen all die Leute einen Platz die sone richtig schöne Jugend hinterm Schreibtisch verbracht haben um damit und ihrem 1,0 Abi (davon gibt es nämlich sehr wohl ne ganze Menge, oder eben mit 1,1; 1,2; 1,3.......) gleich an die Uni zu marschieren! Ich hatte 2,3 habe damit 3,5 Jahre gewartet, ne Ausbildung gemacht und nach 4 Semestern Physikum bestanden. Mein bester Kumpel hatte 3,2 und ha das Physikum dieses Semster mit 2,0 bestanden. Soviel erstmal zu dem was die Abinote aussagt! Erstens hatten wir ne Klasse Zeit, wußten daß wir das genau machen wollten und hängen uns dafür auch richtig rein! Das fehlt aber garantiert den meisten 18/19jährigen!

Ich finde man müßte die Leute wie in Frankreich nach Leistung beurteilen, und zwar die Erbrachte an der Uni! Und wer nicht lernt fliegt raus! Damit schließt man die unterschiedlichen Arten Abitur zumachen von der Bewertung aus! Und man schließt damit die aus, die schön "entspannt" Studienplätze blockieren!


:-dafür .....und zwar für die die sich vorher Gedanken machen und nicht blindlings an die Uni rennen!

Lava
06.04.2003, 19:02
Wer nicht lernt, fliegt doch raus! Lernst du nicht, schaffst du die Klausuren nicht. Die meisten gehen dann freiwillig.

Und noch was: sorry, aber die Ausbildung dauert mir so schon lange genug! Da will ich nicht noch warten bis ich 23 bin oder so. Ich wusste vielleicht nicht genau, was ich da mache, aber ich bin froh, mit 19 angefangen zu haben. Und mittlerweile will ich nichts sehnlicher, als Ärztin zu werden!

Rico
06.04.2003, 21:28
Original geschrieben von daphnee
Also ich frage mich woher manche Leute die Arroganz nehmen und darüber urteilen wer einen Studienplatz bekommen darf!Das macht immer noch die ZVS....

Original geschrieben von daphnee
Am besten bekommen all die Leute einen Platz die sone richtig schöne Jugend hinterm Schreibtisch verbracht haben um damit und ihrem 1,0 Abi (davon gibt es nämlich sehr wohl ne ganze Menge, oder eben mit 1,1; 1,2; 1,3.......) gleich an die Uni zu marschieren! Klar gibt's ne Menge Leute mit 1,0-1,8.. Das bestreitet aber auch keiner.
Aber der großen Mehrheit von denen fliegt auch nichts zu. Keiner meiner Kommilitonen ist am Morgen vom Matheabi aus dem Haus gegangen und hat gesagt: "Ach ja, Mama, heut is Abi, ich komm vielleicht ein bisserl später!"
Wir haben genauso auf unser Abi lernen müssen wie alle anderen!
Und dieses Gerücht, daß 1-Komma-Abiturienten irgendwie introvertierte und sozial inkompetente Mauerblümchen sind, die alle erstmal grundsätzlich nicht für's Studium geeignet sind und die bloß studieren, weil Mama und Papa das so toll finden (und die Omi erst!!), ist der letzte Bullshit.

Ich (und viele die ich kenne) habe schon lange vor dem Abi gewußt, daß ich Medizin machen möchte und ich hatte schon mit 17 die geistige Reife, das das mit meinen damaligen Leistungen nix werden würde und mich daraufhin hingesetzt und gelernt.
Und jetzt soll ich einem meinen Platz räumen, der sich damals lieber "ne klasse Zeit" gemacht hat und nun das Geld hat, sich einen Anwalt zu leisten?
Was soll'n das denn für objektive Kriterien sein???


Original geschrieben von daphnee
Erstens hatten wir ne Klasse Zeit, wußten daß wir das genau machen wollten und hängen uns dafür auch richtig rein! Das fehlt aber garantiert den meisten 18/19jährigen! Das ist jetzt aber mal richtig arrogant!! Mit 22,5 Jahren hergehen und behaupten, die ganzen 19-jährigen Studienanfänger wüßten gar nicht, was sie da tun... da fällt mir nix mehr zu ein!!

Original geschrieben von daphnee
Ich finde man müßte die Leute wie in Frankreich nach Leistung beurteilen, und zwar die Erbrachte an der Uni! Und wer nicht lernt fliegt raus! Das verlagert das ganze Problem nur nach hinten... Denn dann kommen die ganz kleveren, die im Physikum gescheitert sind und klagen sich für die Klinik ein, weil sie es für unfair halten, wegen schlechter Leistungen in Physik und Biochemie nicht Chirurg werden zu können.
Denn wer meint mit Recht zu sagen "Warum muß ich ein gutes Abi bringen, wenn mein Beruf nichts mit Mathe und Geschichte zu tun hat", der darf dann natürlich auch fragen, wieso er ein gutes Physikum bringen muß, wenn sein Beruf nichts mit Physik und Biochemie zu tun hat.
Ich hab es schon an anderer Stelle gesagt: Die Note im 3. Stex als Zulassungskriterium für's Studium zu nehmen geht einfach nicht. Irgendwo vorher muß der Strich gezogen werden!

Und wer nach dem Abi überrascht feststellt, daß Medizin immer noch einen NC hat, der ist selber Schuld und muß eben warten - anderenfalls hätte er seiner scheins schier grenzenlosen Motivation ja schon beim Abi freien Lauf lassen können.

Entschuldigung, daß es so deutlich geworden ist, aber bei sowas geht mir der Hut hoch!

daphnee
06.04.2003, 22:25
Erstens hast Du keine Ahnung wie alt ich tatsächlich bin, also halte Dich mit Mutmaßungen zurück!

Zweitens hast Du meinen Post wohl nicht richtig gelesen! Also nochmal in Kürze: Wer Leistung bringt, soll belohnt werden, wer nichts tut soll rausfliegen!

Da jetzt wahrscheinlich gleich scharfsinnigerweise kombiniert wird, wer warten muß hat im Abi nichts geleistet. Abi hat mit dem Studium nichts zu tun, das wissen wir wohl alle selbst! Karten neu gemischt und basta wie bei jedem Lebensabschnitt!

Zulassungsbeschränkungen muß es natürlich geben, und die irgendwo zu ziehen ist natürlich schwer. Ich bin auch nicht fürs klagen, ich habe schließlich auch brav gewartet. Aber ein gutes Abi macht keinen guten Mediziner und je höher der NC umso mehr besteht die Gefahr, daß menschlich kompetente mit schlechtem Abi ich abwenden und was anderes machen und um die wärs schade!

@Rico:
warum solltest Du denn Deinen Platz räumen müssen? Leistung gegen Leistung, also müßtest Du Dir in so einem System doch keine Sorgen machen müssen!

Rico
07.04.2003, 00:18
1. Ich halt's mit der Mathematik: Mit 19 das Abi + 3,5 Jahre gewartet = 22,5 bei Studienbeginn. Wenn es jetzt ein paar Jahre hin oder her sind wäre es mir auch Wurscht, denn auch ein 30-jähriger hätte nicht das Recht, den 19-jährigen Studienanfängern pauschal die Qualifikation abzusprechen...

2. Vielleicht habe ich den Post zu genau gelesen und einen Unterton herausgelesen, daß diejenigen, die in der Schule Leistung bringen nicht für ihre Leistung mit einem Studienplatz belohnt werden sollen...

3. Wer warten muß hat nicht zwingend im Abi nix geleistet, er hat bloß nicht genug geleistet. Dafür zum Ausgleich sind die Wartezeiten da, die ich auch in Kauf genommen hätte, wenn es bei mir nicht gereicht hätte und daß Du gewartet und nicht geklagt hast finde ich gut. Natürlich nicht sooooo gut, daß ich deshalb in Lobeshymnen ausbreche und das hier in epischer Breite niederschreibe.
Aber im groben gilt: Wenn ich auf Passagen bei der Antwort NICHT eingehe, dann bin ich mit dem da Geschriebenen im großen und ganzen einverstanden und schließlich ist das ein Diskussionsforum und nicht ein Zustimm-Forum, sodaß ich bloß Sachen diskutiere, wo ich anderer Meinung bin.

4. Mit dem Karten-neu-Mischen bin ich allerdings gar nicht Deiner Meinung. Einiges was man in der Schule lernt ist sehr wohl von Bedeutung für das Studium und was man in der Schule nicht gelernt hat muß man sich mit extra Arbeit im Studium dazu erlernen. Natürlich, immer eine Sache des Fleißes und des Engagements...
Aber irgendwann muß meine Leistungsbereitschaft auch mal Konsequenzen haben.
Wenn wir das Abi jetzt zur Bedeutungslosigkeit verdammen, dann wackelt als nächstes das Physikum, das wegen seiner geringen klinischen Bezüge ja wohl kaum als Zulassungkriterium für die Klinik geeignet sein kann, wenn das Abi wegen seiner geringen medizinischen Bezüge nicht als Zulassungkriterium für's Studium taugt.

5. Gutes Abi macht keinen guten Mediziner, aber schlechtes Abi eben auch nicht.
Und so viele andere Kriterien gibt es nicht, wenn man den frischen Abiturienten nicht den Weg zur Uni auf Jahre "zwecks Selbstfindung" verbauen will.

6. "Platz räumen" im Sinne von nicht bekommen, weil ihn sich jemand anders "erklagt" hat.
Irgendwo müssen die Studienplätze ja herkommen, die die Anwälte da auftun. Die einen sagen, daß es ungenutze Kapazitäten sind, die da entdeckt werden (wobei es mich wundert, daß die Uni alle halbe Jahre ihre Kapazitäten immer wieder falsch festlegen).
Man hört aber auch immer wieder (v.a. von Klägern), daß die Unis Plätze für die Kläger zurückhalten (also Plätze nicht vergeben, weil sie wissen, daß sich eh welche reinklagen werden und damit sie dann nicht zuviele Studenten haben).
Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen, aber vermutlich würden ohne den Klägeransturm doch ein paar Studienplätze mehr auf konvetionellem Weg vergeben, was mehr im Sinne einer leistungsbezogenen Vergabe ist, als die Klagerei.

Mein Fazit. Die Fähigkeit, einen Anwalt zu bezahlen und einen Platz zu erklagen qualifiziert in KEINER Weise zum Studium und sollte deshalb als Kriterium nicht zulässig sein.
Willen und Durchhaltevermögen kann man auch beweisen wenn man wartet.

daphnee
07.04.2003, 14:53
Also um die "Besten der Besten der Besten" auszuwählen braucht es nunmal ein GERECHTE Beurteilung der Leistungen und die ist mit dem Abitur nicht gegeben! Die erste Bundeseinheitliche Prüfung die tatsächlich alle gleich machen müssen ist nunmal das Physikum und so leid es mir tut nicht das Abitur! Das ist ja nunmal bekanntermaßen nicht bundeseinheitlich und kann so als Kriterium nicht herangezogen werden! Denn wenn in einigen Bundesländern (jedenfalls zum Zeitpunkt meines Abiturs) Mathe abgewählt werden kann (was mir zum Beispiel nen Vorteil von 0,4 in der Note gebracht hätte) dann ist das ja wohl auch kein Beurteilungkriterium Plätze gerecht zu verteilen!

Rico
07.04.2003, 16:11
Als erklärter Freund des bundesweiten Zentralabiturs kann ich Dir nur zustimmen, was das bundeseinheitliche Kriterium angeht.

Mit der Idee des Physikums als "Zulasungskriterium" kann ich mich aus mehreren Gründen nicht anfreunden:
1. Führt eine Selektion nach dem Physikum zu einer heillosen Überfüllung der Vorklinik, wo unter immensem Material- und Personalaufwand haufenweise Studenten ausgeblidet werden, die später nie in dem Beruf arbeiten werden.
Die Qualität der Ausbildung derer, die dann doch weiterstudieren werden, muß darunter einfach leiden.
2. Halte ich es für unsozial gegenüber denen, die herauselektioniert (denn alle können - egal wie fleißig - nicht weiterkommen, da ja eine Studienplatzbegrenzung dann spätestens in der Klinik kommen müßte). Die werden bis zu 3,5 Jahre (2 Jahre Vorklinik + 3 Versuche, das Physikum zu bestehen) schlichtweg verschwenden!
Wer heute 7 Semester auf einen Studienplatz warten muß, der kann in der Zeit - wie Du - eine Ausbildung machen und wenn's dann mit dem Studienplatz doch nicht klappt, dann hat man wenigstens seine Ausbildung und einen Abschluß.
3. und letztens hat man ja ein besseres Kriterium zur Hand und das wäre das bundeseinheitliche Abi, denn das Abi muß sowieso jeder machen der studieren will.
Da leidet auch kein anderer Student drunter und keiner kann sagen, er wurde ungerecht behandelt.

Smibo
07.04.2003, 18:17
Rico,

ganz deiner Meinung. :-top

Schon in der Schulzeit wusste ich, dass ich ein 1er Abi brauche fürs Studium, um möglichst keine Zeit zu verlieren. Dass man als 1erAbi Schüler sozial inkompetent und zu jung zum studieren ist oder sogar im Studium ein vollkommer Looser iswt, ist doch eher ein dummes Gerücht. Dieses Gerücht verbreiten meistens die Leute, die einige Wartesemester gehabt haben.

Wat solls.

Smibo
07.04.2003, 18:28
Achja,

ich kenne ehrlich gesagt keinen Einser Abi Student, der 3Mal das Physikum wiederholen musste, jedoch kenne ich "grad- mal- abi- geschafft Leute", die ihr drittes Mal Physikum wieder "grad mal gepackt" haben.

Rico
08.04.2003, 00:14
Naja, die gibt es schon (wie haben wir in Biomathe so schön gelernt: "Traue keiner Studie, in der irgendwo 0% oder 100% steht"), aber es sind halt Minderheiten, die überhaupt nicht für repräsentative Rückschlüsse auf die Mehrheit der Studenten taugen.

Das Gerücht, das die "schlechten" Abiturienten mehr oder weniger automatisch gute Ärzte werden würden, ist hauptsächlich von den alten Ärzten verursacht, die vor 30-40 Jahren angefangen haben zu studieren.
Damals war das Abi ja noch viel schwieriger zu ergattern als heute und bloß 5-10% eines Jahrgangs haben Abi gemacht und die konnten dann nahezu NC-frei alles studieren.
Und wenn diese Ärzte jetzt die aktuellen NCs und ihre Abinote vergleichend anschaun sagen sie (fälschlicherweise), daß sie heute auch nicht mehr hätten studieren können mit ihrem Schnitt.
Die Leute, denen sie das erzählen (z.B. die Omi von einem, der grade keinen Platz gekriegt hat) gehen jetzt her und sagen sich: "Nein, so ein guter Doktor und heut würd der gar keinen Platz mehr bekommen! So eine Ungerechtigkeit!"

Der Denkfehler bei der Sache ist natürlich, daß immer noch bloß die besten 5-10% ins Studium kommen und bloß mehr das Abi schaffen, die es früher nicht geschafft hätten.

Im Umgkehrschluß zu meinem post weiter oben gilt übrigens auch, daß ein schlechtes Abi nicht zwingend zu einem schlechten Arzt führt.
Da ja nichtmal abschließend definiert ist, was ein guter Arzt ist (fachlich kompetent? zwischenmenschlich und sozial kompetent? guter Forscher? handwerklich geschickt?) ist es auch schwierig, "Dispositionen" für gute und schlechte Ärzte festzumachen.
Das Abi taugt hier höchstens als Leitlinie, weil es (mit den immer vorhandenen Ausnahmen) den Rückschluß zuläßt, daß jemand, der das mit Lernaufwand verbundene Abi gut geschafft hat, in einem lernlastigen Studium wie dem der Medizin mit höherer Wahrscheinlichkeit keine "lerntechnischen" Probleme kriegen wird als derjenige, der sich schon im Abi schwergetan hat.
Für alles weitere gibt es dann die Prüfungen im Studium...

Seaangel
08.04.2003, 10:08
Hallo zusammen,

nun ich muss mich dann hier wohl auch "outen."
Ich wusste auch schon ganz genau waerend der Schule, dass ich Medizin studieren wollte und habe mir fein ausgerechnet wieviel Punkte ich in den 2 Jahren Oberstufe sammeln muss und ab wann ich mich auf die faule Haut legen konnte.
Und irgendwie kriege ich hier so bei manchen Klägern den Eindruck als würde es vorher verschwiegen, dass man ein sehr gutes Abi braucht um Medizin zu studieren.
Man hat das Gefuehl, mancher hier sei eines MOrgens aufgewacht und dachte jippie, ich studiere Medizin, was brauche ich dafuer?
Oh nein, ein gutes Abi, wie unverschaemt, Abi hat doch nichts mit Medizin zu tun.

Bei uns lagen in der Schule immer diese ZVS-Heftchen rum, in denen man einsehen konnte, was man braucht und wie die Schnitt-Voraussetzungen der letzten Jahre an den verschiedenen Unis waren.
Ich finde ausserdem, dass ein Mediziner ein gutes Allgemeinwissen haben sollte und dass eben eine gute "Allgemeine Hochschulreife" doch gegebensein soll.
Hier wird argumentiert, Leute mit nem einser Abi seien herzlos, langweilige Stubenhocker, sozial desorientiert oder was weiss ich.
Und die anderen sind dadurch, dass sie ein schlechteres Abi haben viel menschlicher.
IN meiner Schulzeit hatte ich den Eindruck, es gäbe viele fähige Menschen, die lange auf einen Studienplatz warten müssten, wobei andere, menschlich vielleicht weniger kompentent, schon lange studieren dürfen.
Aber:
1. Es braucht ein Auswahlkriterium und ich finde da das Abi vollkommen in Ordnung und richtig.
Immerhin ist ist die Abinote nicht das Ergebnis einer Klausur, sondern einer Leistung ueber 2 Jahre und Abschlusspruefung. Zumindest bei uns in BW ist das so.
Welches andere Kriterium koennte ausgeglichener eine wertung ueber Leistung oder nicht Leistung geben, da es doch ueber Jahre geht.
Sogar die Leistungskurse darf man nach seinem Gutdünken waehlen. Und wer Physik nicht mag kann es abwaehlen und dafuer chemie oder bio behalten. Wie auch immer. Man hat beim Abi ja sogar die Moeglichkeit sich das bessere rauszusuchen: Musik oder Kunst- Englisch oder eine andere Sprache. Oder mehrere, wenn man da begabt ist.
Informatik oder Pychologie. Also man kann sich da doch auch als etwas schlechterer Schueler die Sachen so legen, dass was bei rauskommt.

UND:
Nicht alle die Medizin studieren werden Ärzte. Im Gegenteil, wenn ich das richtig mitbekommen habe, wird beklagt, wieviele davon in die freie Wirtschaft, Forschung usw. gehen.

Abgesehen davon, dass ich "soziale Kompetenz" in _keinem_ Zusammenhang zum Abischnitt sehe, sehe ich doch einen Zusammenhang zwischen gutem Abi und Lernfähigkeit und Durchhaltevermögen.
Medizin ist ein ernsthaftes Studium. Ein Arzt zu sein ist ein verantwortungsvoller Beruf.

Ich weiss nicht, wie verantwortungsvoll diejenigen mit sich selbst und ihrer Zukunft umgegangen sind, die mit 20 erschrocken vor der Tatsache ZVS stehen.
Was haben denn die Leute, die schon seit 2 Jahren wählen dürfen, sich für Gedanken über ihre eigene Zukunft gemacht?
Ich weiss nicht, ob es ein besseres soziales Kriterium sein soll, einen schlechteren Schnitt zu haben. Wirklich nicht.
Es geht eben um ein Auswahlkriterium. Und jemand der einen relativ guten Schnitt mitbringt zur Bewerbung hat schon die letzten Jahre angefangen verantwortungsvoll oder zumindest zukunftsorientiert zu denken.
Nun, wenn man sich um einen Ausbildungsplatz oder eine Stelle bewirbt, gibt es ueberall interne "Schnittgrenzen", dass Bewerber die schlechter als so und so sind, ueberhaupt nicht weiter angeschaut werden, wenn sie nciht gerade eine riesen latte an berufserfahrung oder Sonderkriterien aufweisen koennen.
Das ist unsere Welt. Und ein physikum als Auswahlkriterium ist fuer mich Quatsch. Schlichtweg Unsinn.

Ausserdem gibt es ja nun schon seit Fruehjahr 2001 (?) diese Extrakriterien, dass man beispielsweise Auswahlgespraeche an der Uni hat. Und ich habe hier ein paar Bekannte an der Uni, die mit 2,8 oder schlechter einen Platz ueber das Gespraech bekommen haben. Einige davon haben allerdings schon eine Ausbildung gemacht. Meist medizinisch.
Und wie man bei Heinz Wäscher sieht, kann man wohl davon sogar noch einiges anerkennen lassen.

Ich würde vielleicht denen, die jetzt keinen Platz bekommen haben raten, sich irgendwie in einem anderen Naturwissenschaftlichen Bereich zu immatikulieren und Physik, Chemie, Bio, Histo, Statistik und was es nicht alles gibt, zu machen und genau abzuchecken was sie davon anerkannt bekommen.
Ich denke, wenn man sich da ein gut durchdachtes System auskluegelt, kann man einiges in der Wartezeit gut machen.

Desweiteren wuerde ich vielleicht denen, die jetzt noch warten muessen raten, Orte auf der Wunschliste anzugeben, die eher unbeliebt sind. ich weiss nicht, wieviel das bringt. Aber ich koennte mir vorstellen, dass man dadurch doch vielleicht etwas bessere Chancen hat.

Ich wuensche jedenfalls jedem, der sich hier so engagiert einen Platz zu bekommen, das allerbeste und das dieses Engagement, dann auch noch da ist, wenn man dann endlich einen Platz hat.

Aber eine Frage haette ich noch. Woher habt ihr denn das Geld eigentlich zu klagen?
Ich jobbe durchweg, im Semester, waerend der Physikumsvorbereitungen und natuerlich in den Semesterferien um mir mein Studium zu finanzieren.

Woher habt ihr denn das Geld?

Fragende Gruesse,

Sea

daphnee
08.04.2003, 10:18
Aber ist es dann in den Augen derer die das Abi als einziges Zulassungskriterium gut finden nicht eine Unverschämtheit, daß Auswahlgespräche geführt werden oder sogar jemand ohne Abitur mit Medizinischer Ausbildung einen Studienplatz bekommen kann?

Feuerblick
08.04.2003, 10:31
Nein! Das Abi soll nicht das einzige Kriterium sein....Aber Klagen sollte überhaupt kein Kriterium sein!!!!

Seaangel
08.04.2003, 10:45
@Daphnee
Also ich finde Auswahlgespräche sehr gut und fände es unverschämt, wenn sich jemand herausnimmt, dass Abi sei das einzig und allein wahre Kriterium.
Desweiteren finde ich, dass ein Auswahlgespräch eine sinnvolle Ergänzung ist. Finde ich super! :-top

Nur fuer mich ist klagen nicht im Ansatz ein Kriterium, weil wenn wir das weiterspinnen, koennen sich nach diesem Kriterium nur die Reichen einen Studienplatz erstreiten.
Nur die, die Geld haben, koennen die Klageplaetze bekommen. Die, die keines haben, haetten nicht mal ein minimum an Chance einen Klageplatz zu bekommen.

Klagen ist _KEIN_ Kriterium :-meinung


Sea

Rico
08.04.2003, 12:32
Tja, mit den Auswahlgesprächen ist das so eine Sache...
Da ich noch bei keinem dabei war und auch noch nicht wirklich umfassend mitbekommen hab, worüber da geredet wird, ist es natürlich schwer, dessen Eignung als Kriterium einzustufen.

Wenn es so läuft, daß derjenige der Bewerber den Studienplatz kriegt, der vor dem Kommitee mit der größten Inbrunst oder besten Betonung sagt: "Ich will anderen Menschen helfen," dann kann man sich den Spaß eigentlich schenken...

Andererseits: Wenn das Auswahlgespräch den Bewerbern die Möglichkeit gibt auf gewisse medizin-relevante Dinge im eigenen Lebenslauf aufmerksam zu machen (z.B. Mitglied im DRK, Ausbildung in einem med. Beruf, sonstiges soziales oder ehrenamtliches Engagement, etc.) und diese dann auch bei der Vergabe berücksichtigt werden, dann kann es wirklich sinnvoll sein.

Allerdings sollte eine sorgfältige Überprüfung nicht fehlen, ansonsten wird Blendern und Dummschwätzern, die sich über Wert verkaufen können, ja Tür und Tor geöffnet.

Und was auch nicht vergessen werden sollte:
Das Auswahlgespräch ist überhaupt nicht objektiv!
Es abhängig von den Unileuten im Gremium und das sind nicht mal zwingend immer die gleichen, die da sitzen und entscheiden.
Erstens ist das nicht grade befriedigend, wenn es keine festgelegten Kriterien gibt und zweitens ist es auch nicht grade besonders rechtssicher (die Kläger stehen schon wieder in den Startlöchern und fühlen sich ungerecht behandelt) - außer unten auf der Einladung zum Gespräch steht was von wegen "Der Rechtsweg ist ausgeschlossen" :-))

Pünktchen
08.04.2003, 12:33
@ Seaangel :-)
deinen vorletzten Beitrag find ich gut....die ersten Zeilen haben mich an meine Schulzeit erinnert...
Ich hatte damals nicht so ein feines ZVS-Heftchen, jedoch wusste ich, daß man gut sein muss, um Medizin studieren zu dürfen. Und selbst wenn man in der Schulzeit noch nicht weiß, was man schlussendlich studieren will, sollte man einen möglichst guten Abshcluss anstreben, da das Abi nun mal "zukunftentscheidend" ist. Egal für welchen Beruf!!!!




Das System der ZVS finde ich nicht mal so schlimm. Die zusätzlichen Auswahlgespräche sind Geschmackssache. Denn so mancher Prof prüft shcon mal was du schon alles weißt....und jemand der nen gutes Abi hatte aber keinen BioLK kann manche Fragen nicht beantworten...und solche tollen Fragen, warum wollen sie Medizin studieren sind rein subjektiv zu betrachten und wenn der Prof gerade mal meint er möchte dich nicht dann nimmt er dich nicht???
(Ich kenn mich nicht so gut darin aus, vielleicht kann mal jemand über sein Auswahlgespräch, ob negativ oder positiv, berichten.)

Ansonsten ist das System ZVS und Auswahlgespräch nicht so schlecht, wie es oft gesehen wird!!!

Zum Thema Studienplatzklage
hmmm....ich denke nicht, daß man sich einen Studienplatz einklagen sollte. Warum auch? Früher war man "faul" und nun will man auf einmal mit Ehrgeiz ein Studium durchziehen??? das versteh ich gerade mal nicht....




Eine kleine Anmerkung:


Original geschrieben von Seaangel

Ich würde vielleicht denen, die jetzt keinen Platz bekommen haben raten, sich irgendwie in einem anderen Naturwissenschaftlichen Bereich zu immatikulieren und Physik, Chemie, Bio, Histo, Statistik und was es nicht alles gibt, zu machen und genau abzuchecken was sie davon anerkannt bekommen.
Ich denke, wenn man sich da ein gut durchdachtes System auskluegelt, kann man einiges in der Wartezeit gut machen.


Wenn du damit einen Quereinstieg meinst, ist das voll ok. jedoch bringt eine Immatrikulation in einen anderen Studiengang keinen Wartezeitvorteil. Wenn man etwas anderes Studiert bekommt man keine weitere Wartezeit angerechnet. Anders sieht es mit einer Ausbildung aus, da wird die Zeit als wartesemester angerechnet.



Gruß
Pünktchen :-)

Smibo
08.04.2003, 19:12
Ich habe eine Freundin mit einem Abi Schnitt von 3,8.
Sie hat innerhalb von 3
Semestern einen Studienplatz am Ende der Welt (Rostock oda so) bekommen und konnte dann schließlich in eine andere Stadt tauschen.
Sie hat es jedoch ziemlich clever gemacht, indem sie in dieser Zeit kleine Scheine wie Bio und Termi gemacht hat und nun hochgestuft wird.
Insgesamt hat sie jetzt nur ein einziges Semester verloren.

Ziemlich praktisch.