PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nurse Practitioner?



Seiten : [1] 2

RS-USER-Nufragnich
03.02.2004, 12:36
Hallo Liste!

Ich bin neu hier und hoffentlich im richtigen Forum ...
Ich habe mal eine Frage zu dem Beruf "Nurse Practitioner". Soweit ich weiß gibt es diesen Beruf nur in den USA. "Nurse Practitioners sind Krankenschwestern/-Pfleger die in eigener Praxis oder im Krankenhaus in der medizinischen Erstversorgung tätig sind und neben pflegerischen weitreichende medizinische bzw. ärztliche Kompetenzen (Erstuntersuchung von Patienten, Diagnostik, Erstellung eines Therapieplans, Verordnung von Medikamenten und Hilfsmitteln, usw.) haben. Diese Qualifikation wird über ein Aufbaustudium erworben.
Meine Frage: Wäre so ein Model in Deutschland denkbar/durchführbar?

Intensivling
03.02.2004, 13:36
Hallo nufragnich ....

ich habe 4 Monate in den USA als EMT gearbeitet und auch bisschen in der Klink ( Mount Sinai Queens NY ) reinschauen dürfen.
Die Ausbildung dort gliedert sich ja völlig anders als unsere. Nurse beginnt zusammen die ersten 3 Jahre mit dem ärztlichen Studium, d.h. Ärzte und Schwestern lernen das gleiche. Danach splittet sich das für die letzten 2 Jahre Ausbildung. Durch die enorm lange und auch sehr detailreiche Ausbildung hat eine Nurse in den USA mehr Ausbildung als bei uns ein AiP oder sogar Ass. Arzt.
Die Nurse Practitioners machen eine weitere Ausbildung ( APN specialist ) und es wird eine gewisse Berufserfahrung in der Präklinik sowie diversen Notaufnahmen gefordert.
Das hier in Deutschland durchzusetzen ist gar unmöglich, da der Stellenwert von Pflegern / Schwestern ein völlig anderer ist als in den USA. Man kann auch nicht so einfach die Ausbildung hier anpassen, da es dann ein Studium zu Beginn wäre, welches in Universitätskliniken etc. absolviert werden müsste. Zum anderen müsste das komplette Studium für Medizin umgestaltet werden um die Pfleger / Schwesternausbildung zu intigrieren.

Aber schön wäre es :D

PS : Selbst wenn du alle Fachweiterbildungen wie z.B. Intensiv / Anästhesie, OP etc. hast kommst du an die Ausbildung der Nurse bei weitem nicht heran.
Du wirst in den USA selten eine Nurse finden die Sch... putzt oder nen Pat. wäscht :D

Les folgenden Artikel ! (http://www.oegkv.at/download/2003/03/rappold3.pdf)

RS-USER-Nufragnich
04.02.2004, 10:40
Original geschrieben von Intensivling
Das hier in Deutschland durchzusetzen ist gar unmöglich, da der Stellenwert von Pflegern / Schwestern ein völlig anderer ist als in den USA. Man kann auch nicht so einfach die Ausbildung hier anpassen, da es dann ein Studium zu Beginn wäre, welches in Universitätskliniken etc. absolviert werden müsste. Aber schön wäre es :D




Ja, das ist schon traurig! Ich denke, dass Problem ist wohl auch, dass so ein Model von einem großen Teil der
Pflegenden überhaupt gar nicht gewünscht wird. Viele wollen wohl doch lieber
an den althergebrachten Strukturen festhalten :(
Als ich meine Ausbildung zum Krankenpfleger anfing (bin heute nicht mehr im Pflegebereich tätig)
hatte man uns gesagt, Pflegepersonal muss ein EKG zumindest ansatzweise beurteilen können. Soweit
die Theorie. In der Praxis sah es dann so aus (War ne Gyn-Stat.) dass ein großer Teil der Krankenschwestern
noch nicht einmal wußte, wie man das EKG bedient und wo die Elektroden anzubringen sind :confused:
Auch habe ich den Eindruck, dass viele in Pflegebereich der beginnenden Akademisierung dieses
Berufs eher kritisch gegenüberstehen. Bei meiner Ausbilung hatte ich oft das Gefühl, dass man sich
für das Lesen von Fachzeitschriften entschuldigen muss. Das ist allerdings schon ein paar Jahre
her. Vielleicht sieht das ja heute anders aus und vielleicht lag es ja auch an dem Krankenhaus,
an dem ich war.
Mich würde mal interessieren, wie dies eigentlich wo den Medizinern beurteilt wird. Ist man
auf ärztlicher Seite eigentlich daran interessiert/bzw. sieht man Möglichkeiten, dass das Pflegepersonal
mehr Kompetenz übertragen bekommt, was pflegerische und ärztliche Tätigkeiten betrifft?
Was müsste dafür geändert werden?

RS-USER-Kräuterhexe
04.02.2004, 11:07
Also , ich bin immer für eine Verbesserung der Ausbildung.
Ob das über ein Studium erreicht wird, weiß ich nicht!

Eine Bekannte, welche Pflegewissenschaft studiert und in der Schweiz arbeitet, schimpft ziemlich über die neuen Pflegestudenten/innen. Wenig Praxisbezug, selbst theoretische Defizite, da Theorie nicht mehr im praktischen Kontext gelehrt wird,... also das gleiche Dilemma wie hier in D mit dem Medizinstudium!
Auch hier in Deutschland wurde die Theoriestundenanzahl per Gesetz herauf gesetzt, ebenfalls soll die Zeit in der ambulanten Pflege erhöht, dafür die Stunden auf Intensiv reduziert werden.

Aber ich glaube, daß es einer Pflegekraft nicht primär drum gehen sollte, ärztliche Tätigkeiten zu übernehmen ( ärztliche Assistenz ist meiner Meinung nach der Beruf der ArztHELFER/IN), sondern eine Professionalisierung der Pflege an sich. Meiner Meinung nach wären so Themen wie health care, GesundheitsERZIEHUNG ( z. B. in den skandinavischen Ländern/ GB), Anleitung zur Pflege,... . Oder praktische Fertigkeiten wie Kinästhetik, basale Stimulation.....
Solange die Stellensituation so ist, wie im Moment, daß die originären Pflegetätigkeiten (ATL wieder erlernen/ unterstützen) zu "Gunsten" von EKG - schreiben, Blutentnahmen etc zu kurz kommen, finde ich es schon fragwürdig, wenn man danach "schreit" dies zu tun.
Ein sehr kleines Beispiel:
Pat mit fieberhaften Temperaturen nach Hemikolektomie, massiver Schweißausbruch;
als ich Wadenwickel ( mit Zitrone etc) machte, raunzte mich eine Kollegin an, warum ich nicht Novalgin angehängt hätte, würde doch schneller gehen und ich müßte ja schließlich noch die Visite begleiten!
HÄ?
das Kardex kann der Doc doch auch selber tragen, oder hat er was an den Händen? Und meine Infos interessierten ihn so wieso nie bzw. ich hatte das immer im Feld "Info Schwester an Arzt" dokumentiert.
Außerdem hat novalgin ja auch mehr Nebenwirkungen als ein Wadenwickel, die Temperatursenkung ist oft dramatischer, auch das ist kritisch zu sehen,...

Intensivling
04.02.2004, 14:35
Original geschrieben von Kräuterhexe
HÄ?
das Kardex kann der Doc doch auch selber tragen, oder hat er was an den Händen? Und meine Infos interessierten ihn so wieso nie bzw. ich hatte das immer im Feld "Info Schwester an Arzt" dokumentiert.
Außerdem hat novalgin ja auch mehr Nebenwirkungen als ein Wadenwickel, die Temperatursenkung ist oft dramatischer, auch das ist kritisch zu sehen,...

Ist das nicht die Aufgabe der Schwester ???? :D:D:D
Das haben wir unseren Ärzten gleich abgewöhnt, die heften sogar ihre Befunde selbstständig in die Kurven ein und die Visite erfolgt dann wenn wir einen Therapievorschlag machen *grins*

Aber mal im ernst, es ist doch leider so das wir mehr als ärztliches Hilfspersonal angesehen werden als ein eigenständiger medizinischer Beruf. Und woran liegt das ? Weil sich das bild der Schwester seit 25 Jahren nichtm ehr von der Stelle gerührt hat .... traurig !

RS-USER-Kräuterhexe
04.02.2004, 14:49
Original geschrieben von Intensivling


Aber mal im ernst, es ist doch leider so das wir mehr als ärztliches Hilfspersonal angesehen werden als ein eigenständiger medizinischer Beruf. Und woran liegt das ? Weil sich das bild der Schwester seit 25 Jahren nichtm ehr von der Stelle gerührt hat .... traurig ! [/B]


Leider :( :(
Wobei ich mich frag`, ob "wir" nicht manchmal selber schuld sind?
:confused:
Es gibt leider Kolleginnen, welche stolz sind, den Docs die Brötchen zu schmieren:grins: :grins:
Und ich wehre mich dagegen ärztliches Hilfspersonal zu sein ( auch wenn ich fremd gehe:( :D )
In der Schweiz ist z. B. dieser Passus, welcher bei uns im GESETZ drin ist, hinsichtlich der ärztlichen Assistenz gar nicht drin.
( Bei einer Kinästhetik - Fortbildung war mal eine Schweizer Krpfl., welche den Arzt entsetzt fragte, ob er denn nicht sehen würde, daß wir beschäftigt wären, und er sein Lasix nicht selber aufziehen könne; als er darum"bat". Sie war ganz geschockt, als wir erzählten, daß so etwas zu unserem Aufgabenkatalog gehören würde)

Intensivling
04.02.2004, 14:55
Das trifft doch den Grundsatz davon, der Schweizer hat doch auch recht. Ich bin ja nicht dafür da dem Arzt das silberne Tablett hinterher zu schleppen. Da wir eh mehr mit den Pat. zu tun haben als der Doc. ( i.d. Regel ist das ja so ) sehe ich auch nicht ein solche Sachen zu machen. Gut es mag auf einer Intensiv anders strukturiert sein, aber selbst auf Normalstation hab ich mich dagegen gewehrt, zum Leidwesen meiner Kolleginnen, die es dann meist getan haben..... selbst Schuld.

RS-USER-Nufragnich
05.02.2004, 09:52
Ja, ich denke auch dass es nicht in erster Linie um mehr ärztliche Assistenz geht, sondern um mehr Kompetenz, was pflegerische Massnahmen betrift. Obwohl ich der Meinung bin, dass gewisse
Tätigkeiten, wie z.B. i.v. Injektionen durchaus auch in den pflegeischen Bereich aufgenommen werden könnten und helfen könnten, der pflegerischen Komponente mehr Gewicht zu verleihen. Ich versetze mich da mal in die Lage des Patienten. Wenn eine Krankenschwester bei mir nur als die Person
auftritt, die die Betten macht und das Essen austeilt, würde ich ihr wohl keine Kompetenz zuerkennen, was pflegerische Aufgaben betrifft oder Bereiche der Gesundheitserziehung. Als
Patient weiß ich in der Regel ja nichts von den Ausbildungsinhalten des Pflegepersonals und ich kann nur aufgrund der Tätigkeiten, die ich direkt beobachten kann auf weiteres schliessen. Wenn also ein Patient beobachtet, dass eine Krankenschwester selbst einfache Dinge, wie s.c. Injektionen
oder Blutabnahme dem Arzt überlässt, wie groß ist das die Wahrscheinlichkeit, dass er sie in primär pflegerischen Bereichen oder auf dem Gebiet der Gesundheitserziehung für kompetent
hält? Aber das ist jetzt nur meine Meinung, als Fachfremder.
Das andere Problem ist ja meiner Ansicht nach auch, inwieweit sind die Ärzt bereit, pflegerische Entscheidungen komplett dem Pflegepersonal zu überlassen? Doch nur, wenn sie davon überzeugt sind, dass dies in den richtigen Händen ist. Bei meiner Ausbildung waren sehr viele letztendlich doch
froh, dass auch pflegerische Dinge von Arzt angeordnet wurden und sie nicht die Verantwortung übernehmen mussten. :rolleyes: Wenn ich ein Arzt wäre, wäre ich nur dann bereit, alle pflegerischen Anordnungen in die Entscheidungsgewalt des Pflegepersonals zu legen, wenn ich davon überzeugt wäre, dass sie sowohl das medizinische Wissen haben um zum einem pflegerische Massnahmen richtig einzuordnen und ich zum anderen überhaupt eine Basis habe, mich partnerschaftlich unterhalten zu können und wenn ich davon überzeugt wäre, dass sie auch pflegerisch kompetent sind und bereit sind die Verantwortung zu übernehmen.Während meiner "Klinik-Zeit" hatte ich leider schon den Eindruck, dass sich viele unter Wert
verkauft haben und gar nicht daran interessiert waren, Krankenpflege als eine der Medizin gleichwertige Diziplin
zu etablieren.
Ich denke, solange Krankenpflege ein Ausbildungsberuf bleibt, wird sich daran nichts ändern. Ich denke, eine Staffelung
wäre sinnvoll: Grundpflege und andere einfacherer pflegerische Aufgaben weiterhin als Ausbildungsberuf, komplexere Ausgaben
werden dann in einem Studium vermittelt, die so ausgebildete Pflegeperson hätte dann auch mehr Kompetenzen.
Zur Zeit gibt es z.B. an der FH Fulda ein grundständiges Pflegestudium, dass keine Ausbildung voraussetzt.
Alle praktischen Inhalte werden an einem Lehrkrankenhaus vermittelt, ich denke, dass ist ein ganz interessanter Ansatz.

Intensivling
05.02.2004, 10:23
Es wäre alleine schon sinnvoll die Ausbildung von Grund auf anders zu gliedern. Lernen nach den ATL oder AL finde ich in den heutigen Zeiten für total überholt. In meinen Augen kann man so keine ganzheitliche und vor allem kompetete Inhalte vermitteln und lehren. Ein Studium einzuführen ist wiederrum auch kompliziert, der erste Schritt wäre einfach die Ausbildung umzustrukturieren !

RS-USER-Kräuterhexe
05.02.2004, 11:22
Original geschrieben von Nufragnich
. Bei meiner Ausbildung waren sehr viele letztendlich doch
froh, dass auch pflegerische Dinge von Arzt angeordnet wurden und sie nicht die Verantwortung übernehmen mussten. :rolleyes: Wenn ich ein Arzt wäre, wäre ich nur dann bereit, alle pflegerischen Anordnungen in die Entscheidungsgewalt des Pflegepersonals zu legen, wenn ich davon überzeugt wäre, dass sie sowohl das medizinische Wissen haben um zum einem pflegerische Massnahmen richtig einzuordnen und ich zum anderen überhaupt eine Basis habe, mich partnerschaftlich unterhalten zu können und wenn ich davon überzeugt wäre, dass sie auch pflegerisch kompetent sind und bereit sind die Verantwortung zu übernehmen.Während meiner "Klinik-Zeit" hatte ich leider schon den Eindruck, dass sich viele unter Wert
verkauft haben und gar nicht daran interessiert waren, Krankenpflege als eine der Medizin gleichwertige Diziplin
zu etablieren.
.
Bin ich froh, daß meine Schule schon vor 11 Jahren uns sehr viel pflegerisches "Selbstbewußtsein" vermittelt hat!!! Unsere Leitung war eine Zeitlang im Amiland ( hat dort ihre Lehrerausbildung gemacht) und in der Schweiz. Das hat man schon bemerkt!
Ich glaube, ich hätte damals einen Schreikrampf gekriegt, wenn ein Arzt "Anordnungen" bei Pneumonie- , Decubitusprophylaxe/ Therapie vorgenommen hätte. :mad: :mad: Vorschläge ist ja auch o.k., ich machte ja auch welche hinsichtlich der "Medizin".
Es war eine Bauchchirurgie, von dem her war damals auch die Auskultation des Abdomens unser Job, Anleitung zur Stomaversorgung, Bedarfsinsulin/ Analgesie haben wir auch relativ selbständig geregelt, da die Chirurgen dauernd im OP waren. Manchmal ging es halt auch leider in die Hose ( ältere Kollegin hatte bei Gastritis - Patientin Diclofenac regelmäßig im Nachtdienst gegeben gehabt!==> Ulcusblutung!)
Auf der Station auf der ich jetzt arbeite geht das auch Hand in Hand ( o.k. ist eine Intensivstation).
Zweiklassenpflege gab es schon einmal in Deutschland!
Damals war es die Krankenpflegehelfer- und die Krankenpflegeausbildung. Ich bin kein Fan davon, weil man nie genau weiß, kann man sich darauf verlassen, daß die KPH im Rahmen der Grundpflege z. B. eine vernünftige Patientenbeobachtung oder Einschätzung der Resourcen vornimmt. Oder muß ich danach doch noch einmal "nachschauen" und ihr erklären" Herrn XY hättest Du nicht komplett waschen müssen. Er hat nämlich nichts an den Händen, nur Bettruhe"!!!
:grins: :grins: ( Habe ich wirklich schon ein paar mal erlebt ( oder daß ein praefinaler Patient unter die Dusche gezerrt wurde, weil es vor drei Tagen auch noch ging! rolleyes: )
So wirklich "ganzheitlich" ist dies auch nicht, oder?
s.c. und i. m. Injektionen sind pflegerische Tätigkeit ( Ärzte lernen das im Studium auch meistens gar nicht! )
Von dem her finde ich diese Zweiteilung Uni - Ausbildung sehr fragwürdig.
Von mir aus 4 - 5 jährige Ausbildung evtl. an der FH ( hat doch mehr Praxis).
Und ich finde es nicht schlimm andern den Hintern zu putzen ( wenn ich mir manches Gesäß nach einem "Bett"- Toilettengang anschaue, scheint es auch sehr schwierig zu sein, dies ordentlich zu tun ) :grins: :grins:

Aber ich hatte es ja auch schon erwähnt, daß sich erst einmal in den Köpfen der Kollegen/innen ändern müßte ( vorher wird sich auch in den Köpfen der Ärzte und Patienten auch nichts ändern!)
Ist Euch schon aufgefallen, daß nur wir drei darüber debattieren?
Und das, obwohl es hie bestimmt mehr Brüder und Schwestern gibt!
Auch so eine Sache: ich habe vor einem Jahr auf einer Station ausgeholfen, da haben sich die Mädels echauffiert, daß die neue PDL kund getan hat, daß die Schwestern sich vielleicht besser mit ihrem Nachnamen ( Fr. Maier, Krankenschwester) vorstellen sollten. Sie wären stolz " Schwester Anja" sein zu dürfen.:rolleyes:
Als ich erzählte, daß ich mich als Drittkursschülerin mit "Frau B" vorgestellt hatt, waren sie sehr erstaunt.
Bei den Brüdern ist es schon lange Usus sich mit dem Nachnamen von Patienten anreden zu lassen.

RS-USER-Nufragnich
05.02.2004, 11:48
Original geschrieben von Kräuterhexe
Auch so eine Sache: ich habe vor einem Jahr auf einer Station ausgeholfen, da haben sich die Mädels echauffiert, daß die neue PDL kund getan hat, daß die Schwestern sich vielleicht besser mit ihrem Nachnamen ( Fr. Maier, Krankenschwester) vorstellen sollten. Sie wären stolz " Schwester Anja" sein zu dürfen.:rolleyes:
Als ich erzählte, daß ich mich als Drittkursschülerin mit "Frau B" vorgestellt hatt, waren sie sehr erstaunt.
Bei den Brüdern ist es schon lange Usus sich mit dem Nachnamen von Patienten anreden zu lassen.

Ja stimmt! Bei uns hat sich auch jeder mit Schüler "soundso" oder Schwester "Vornamen" anreden lassen. Was geht dem Patient der Vorname an? Ich würde mich heute auch nur noch mit Herr H.
ansprechen lassen. Alles andere finde ich unprofessionell. Die Anrede mit dem Vornamen schafft meiner Ansicht ein zu vertrautes Verhältnis, so dass es schwieriger ist, eine gewisse Distanz zu bewahren. Ohne diese Distanz macht man sich schnell kaputt...

Intensivling
05.02.2004, 11:49
Original geschrieben von Nufragnich
Ja stimmt! Bei uns hat sich auch jeder mit Schüler "soundso" oder Schwester "Vornamen" anreden lassen. Was geht dem Patient der Vorname an? Ich würde mich heute auch nur noch mit Herr H.
ansprechen lassen. Alles andere finde ich unprofessionell. Die Anrede mit dem Vornamen schafft meiner Ansicht ein zu vertrautes Verhältnis, so dass es schwieriger ist, eine gewisse Distanz zu bewahren. Ohne diese Distanz macht man sich schnell kaputt...

Als wir neue Ausweise bekamen war dort neben dem Bild auch der komplette Name drauf. Darauf haben wir uns geweigert diese zu tregen bis der Vorname in ein K. geändert wurde :D

RS-USER-Nufragnich
06.02.2004, 12:10
Original geschrieben von Intensivling
Als wir neue Ausweise bekamen war dort neben dem Bild auch der komplette Name drauf. Darauf haben wir uns geweigert diese zu tregen bis der Vorname in ein K. geändert wurde :D

Allerdings, lieber sowas, als ein Schild mit der Aufschrift: "Freundlickeit hat einen Namen, es bedient sie ..."
:D :D :D

Intensivling
06.02.2004, 12:44
Hr. Pfleger... legen Sie mir doch bitte den Fuss aus der Sonne !!! :D:D:D

Sleepy-Sheep
18.02.2004, 19:08
Hallo! Zu diesem Thema könnte ich auch noch was sagen ;)
Erstmal zu dem Namen: Bei mir steht Krankenschwester + Vorname drauf, was auch vollkommen okay ist. Die Patienten müßen nicht wissen, wie ich mit Nachnamen heiße :cool:

Wir auf unserer Station (Internistisch) haben sehr viel Entscheidungsfreiheit. Das heißt, das wir selbst entscheiden, wie wir Decus, Ulcerationen ect. verbinden, welche Pflegemittel wir benutzen, die Insulinfrage wird nur bei neuen Diabetikern oder bei kritischen Patienten mit dem Arzt geklärt. Natürlich gibts auch bei uns Kolleginnen, bei denen das nicht immer klappt.

Nurse Practitioner ist bestimmt in den USA Sinnvoll, aber hier in Deutschland müßen wir erstmal eine Einheitliche Pflege bekommen, bevor sowas umzusetzten ist.
Ich bin eher daran interessiert, die Patiente zu sehen, sie zu versorgen, mit ihnen Gespräche zu führen und ihnen auch ein bischen Sicherheit zu vermitteln. Ich weiß nicht, ob das möglich ist, wenn ich nur noch Administriere. Oder ich bin dann eine der Schwestern, die sog. Hilfskräfte sind ;)
Klar ist Entscheidungsfreiheit schön und das ist in unserem Beruf sicherlich gegeben. Man muß sich nur zusammen setzten und das besprechen. Wenn sich das Team der Station darüber einig ist und die Ärzte mitziehen, sehe ich da keine Probleme...

Hörbird
10.07.2004, 14:48
Ich finde, das ist ein sehr schwieriges Thema in Deutschland. Wenn ich schon die ganzen Krankenhausserien sehe, wundert mich manches gar nicht mehr...

Während meinem Zivildienst auf einer Gefäßchirurgischen Station erlebte ich wie die Schweßtern selber die Spritzenpumpen mit Lsye-Medikament an die Katheter zu lokalen Lsye anschlossen. Damals sagte man mir, das dies eine eigentlich ärztliche Tätigkeit wäre, aber an sie aus diversen fadenscheinigen Gründen an sie delegiert wurden. Die Schweßtern waren damals darüber verärgert. Nun kam auch noch der Vorschlag, das i.V. Blutabnehemn an die Schweßtern zu delegieren, damit die Ärzte mehr Zeit hätten. "Außerdem hätte ihr dann echt ein paar Privilegien und mehr Kompetenz " so die Meinung der Ärzte. Auch hier Protest der Schweßtern. Damals stand ich auf der Seite der Ärzte.

Heute, nachdem ich schon ne ganze Weile in der Ausbildung bin und auch schon einiges Wissen mehr habe, muß ich dagen, stehe ich ganz klar nun auf der Seite der Schweßtern. Denn durch solche Arbeiten kommen andere wichtige Pflegemaßnahmen unter die Räder, sprich man hat keine Zeit mehr dafür !
Ich erlebe es als Schüler immer wieder, das man für so wichtige Sachen wie Kinästhetische Ausführung von Lagerungen und Mobilisationen, etc. keine Zeit hat. Wenn das alles noch dazu kommt, hat das nicht mehr viel mit Pflege zu tun.

RS-USER-Feife
10.07.2004, 16:12
zum Thema 'ärztliche Aufgaben':
Ich denke es ist völlig in Ordnung, wenn man im Rahmen der umfassenden Versorgung (speziell bei sehr pflegebedürftigen Patienten) auch teilweise ärztliche Tätigkeiten ausführt. (z.B. Blutentnahmen, i.v. Gaben). Man stelle sich vor man wäscht den Patienten gerade und plötzlich platzt der PJ-Vampir herein...
Von der Gestaltung des Arbeitsaublaufes kann der Tag auf diese Weise patientenorientierter werden. EDIT: Stichwort "ganzheitliche Versorgung" /EDIT
Hier hat mir bei meinem Wahleinsatz in England eines ganz gut gefallen:
Der Glaube an das "Therapeutische Team" (Ärzte, Pflegekräfte, Physiotherapeuten, usw.) Die Idee dahinter: Jeder kann ein bisschen von allem und weiß wer der Spezialist auf diesem Gebiet ist und zieht diesen zu Rate, wenn er Hilfe braucht.
Beispiel: Pflegepersonal kann ein wenig Atemgymnastik, Spezialisten hier: Physios.
Ärzte wissen ein wenig über Wundversorgung, Spezialisten hier: Pflegepersonal.


Thema 'Pflegeausbildung':
Die neue Pflegeausbildung gibt glaube ich schon eine ganze Menge her.
Professionalisierung ist zwar etwas wofür man werben kann (von Seiten der Lehrer und Berufsverbände) aber jeder einzelne muss sich dafür begeistern, sonst wird da nichts draus.
So bin ich in meinem Kurs der einzige, der im DBfK Mitglied ist. Einer von 23. Traurig, oder?

Hörbird
10.07.2004, 16:23
Der Glaube an das "Therapeutische Team" (Ärzte, Pflegekräfte, Physiotherapeuten, usw.) Die Idee dahinter: Jeder kann ein bisschen von allem und weiß wer der Spezialist auf diesem Gebiet ist und zieht diesen zu Rate, wenn er Hilfe braucht.

Das ist eine Idee die mir sehr gut gefällt, von der wir in Deutschland aber noch ein gutes Stück entfernt sind.

Was die Professionalisierung angeht, finde ichdie Idee an für sich gut, aber das Wort "Professionalität" ist etwas unglücklich gewählt.
Ich muß dabei immer denken, das wir davor in Deutschland nie professionell gepflegt haben, was aber so nicht richtig ist.
Denn das Verständnis der Pflege hat sich in Deutschland geändert, damit auch teilweise die Arbeitsweise, mehr aber auch nicht.

Das in deinem Kurs noch keiner im DBfK ist, verwundert mich nicht, in meinem Kurs z.B. ist überhaupt keiner. Und so lange ich noch in Ausbildung bin, und noch nicht sicher weiß, das ich der Pflege bleibe, ist die auch für mich kein Thema.
Erstmal möchte ich meine Ausbildung machen, bevor ich da richtig für die Anerkennung und Weiterentwicklung dieses Berufsstandes kämpfe.

Nursy
28.07.2004, 16:44
Die Idee mit dem "Therapeutischem Team" finde ich auch sehr sinnvoll !

Und ich bin der Meinung, das Blutabnehmen grundsätzlich in der Ausbildung mit aufgenommen werden sollte (Arzthelfer/innen machen das ja auch) damit man es einfach kann - obwohl ich auch dafür bin, das es weiterhin ärztliche Tätigkeit bleiben sollte und nur bei Engpässen ans Pflegepersonal delegiert werden sollte ...
Wenn ich Stress auf Station habe kann ich ja auch nicht zu dem Doc sagen " Waschen sie mir mal bitte meinen Patienten!"
Obwohl er das auch in seinem Pflepraktikum als Student gelernt haben müsste ...
Ich finde die Pflege/Arzt Beziehung in der hinsicht immer so einseitig !:(

Shanaria
28.07.2004, 20:50
Ich denke es gibt einfach innerhalb der verschiedenen Stationen noch zuviele Unterschiede, was Professionalität und Kontext "Schulische Ausbildung" angeht.. ich hab schon oft gehört "das ist zwar nicht schulisch aber wir machen das so und so" vor allem in Verbindung mit Kinesthetik..bei manchen reicht es nicht mal zum Bett-hochstellen.
Jetzt bin ich auf einer Station, auf der alle einen großen Wert auf diese Arbeitsweise legen und stelle mich an, wie der letzte Mensch.. das verunsichert und glücklich macht es mich auch nicht, aber ich hab jetzt wenigstens die Chance es mal alles richtig zu lernen und es geben sich wirklich auch alle Mühe, sich die Zeit zur Anleitung zu nehmen.. klar, manchmal passt mir das nicht in den Kram, sollte ich doch eigentlich schon mehr können, aber wenn ich ehrlich zu mir selber bin.. ich kanns halt noch nicht und muß meine Chance dort ergreifen, wo ich sie bekomme, denn ich weiß ich werd wieder auf anderen Stationen landen, wo Patienten mit Geris nach oben gewuchtet werden..