PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Neues aus Stenkelfeld ....



Intensivling
28.03.2004, 19:39
Wer kennt sie nicht, die ultra coolen CD´s aus dem Nordstädtchen Stenkelfeld ..... hier einmal ein kleiner Auszug was da so los ist :


{Weihnachtsbeleuchtung}

Sonntag, 1. Advent 10.00 Uhr: In der Reihenhaussiedlung Dunkelstieg lässt sich die Rentnerin Erna B. durch ihren Enkel Norbert 3 Elektrokerzen auf der Fensterbank ihres Wohnzimmers installieren. Vorweihnachtliche Stimmung breitet sich aus, die Freude ist groß.
10 Uhr 14: Beim Entleeren des Mülleimers beobachtet Nachbar Ottfried P. die provokante Weihnachtsoffensive im Nebenhaus und kontert umgehend mit der Aufstellung des 10-armigen dänischen Kerzenset zu je 15 Watt im Küchenfenster. Stunden später erstrahlt die gesamte Siedlung Dunkelstieg im besinnlichen Glanz von 134 Fensterdekorationen.

19 Uhr 03: Im 14 km entfernten Kohlekraftwerk Sottrup-Höcklage registriert der wachhabende Ingenieur irrtümlich einen Defekt der Strommessgeräte für den Bereich Stenkelfeld-Nord, ist aber zunächst arglos.

20 Uhr 17: Den Eheleuten Horst und Heidi E. gelingt der Anschluss einer Kettenschaltung von 96 Halogen - Filmleuchten, durch sämtliche Bäume ihres Obstgartens, ans Drehstromnetz. Teile der heimischen Vogelwelt beginnen verwirrt mit dem Nestbau.

20 Uhr 56: Der Discothekenbesitzer Alfons K. sieht sich genötigt seinerseits einen Teil zur vorweihnachtlichen Stimmung beizutragen und montiert auf dem Flachdach seines Bungalows das Laserensemble Metropolis, das zu den leistungsstärksten Europas zählt. Die 40m Fassade eines angrenzenden Getreidesilos hält dem Dauerfeuer der Nikolausprojektion mehrere Minuten stand, bevor sie mit einem hässlichen Geräusch zerbröckelt.

21 Uhr 30: Im Trubel einer Jul-Club-Feier im Kohlekraftwerk Sottrup-Höcklage verhallt das Alarmsignal aus Generatorhalle 5.

21 Uhr 50: Der 85 jährige Kriegsveteran August R. zaubert mit 190 Flakscheinwerfern des Typs Varta Volkssturm den Stern von Bethlehem an die tiefhängende Wolkendecke.

22 Uhr 12: Eine Gruppe asiatischer Geschäftsleute mit leichtem Gepäck und sommerlicher Bekleidung irrt verängstigt durch die Siedlung Dunkelstieg. Zuvor war eine Boing 747 der Singapur Airlines mit dem Ziel Sidney versehentlich in der mit 3000 bunten Neonröhren gepflasterten Garagenzufahrt der Bäckerei Bröhrmeyer gelandet.

22 Uhr 37: Die NASA Raumsonde Voyager 7 funkt vom Rande der Milchstrasse Bilder einer angeblichen Supernova auf der nördlichen Erdhalbkugel, die Experten in Houston sind ratlos.

22 Uhr 50: Ein leichtes Beben erschüttert die Umgebung des Kohlekraftwerks Sottrup-Höcklage, der gesamte Komplex mit seinen 30 Turbinen läuft mit 350 Megawatt brüllend jenseits der Belastungsgrenze.

23 Uhr 06: In der taghell erleuchteten Siedlung Dunkelstieg erwacht Studentin Bettina U. und freut sich irrtümlich über den sonnigen Dezembermorgen. Um genau 23 Uhr 12 betätigt sie den Schalter ihrer Kaffeemaschine.

23 Uhr 12 und 14 Sekunden: In die plötzliche Dunkelheit des gesamten Landkreises Stenkelfeld bricht die Explosion des Kohlekraftwerks Sottrup-Höcklage wie Donnerhall. Durch die stockfinsteren Ortschaften irren verwirrte Menschen, Menschen wie du und ich, denen eine Kerze auf dem Adventskranz nicht genug war.



Und jetzt kommen Sie .... !

Intensivling
28.03.2004, 19:42
Ein normaler Tag in der
Kraftfahrzeugzulassungsstelle Stenkelfeld Nord



Montag, 04. Juli
Schon um 7:58 trifft Lagerist Erwin B. in der Kraftfahrzeugzulassungsstelle Stenkelfeld Nord ein, wo der
Schalterbetrieb um 9 Uhr beginnt. Seine Pünktlichkeit wird nicht belohnt. 262 Mitbürger waren schneller.

9:06 Uhr
Durch das Spalier der schwitzenden Warteschlange - Sitzplätze gibt es nur 16 -bahnt sich Amtsinspektor Alfred Köppel mit eisiger Mine seinen Weg zur Öffnung der Büroräume.
Der seit halb sechs wartenden Nummer 3 der Warteschlange, raunt Köppel nach einem flüchtigen Blick auf dessen Dokumente, noch ein nachsichtiges "Nutzfahrzeuge Nachmittags!" zu und verschwindet in seinem Büro.

9:28 Uhr
Aufruf des Antragstellers Nummer eins, der auf dem Gelände übernachtet hatte.

9:29 Uhr
Antragsteller Nummer eins verlässt als gebrochener Mann den Amtsraum.
Die Zündschlüssel für sein Fahrzeug werden später zusammen mit einem Abschiedsbrief und einer ungültigen ASU-Bescheinigung am Ufer des Stenkelfelder Sees gefunden.

11:38 Uhr
Der maschinelle Stempel auf Erwin B's Versicherungsdoppelkarte wird von Amtsinspektor Köppel als mögliche Fälschung moniert. Beim Versuch, unanfechtbaren Ersatz zu beschaffen, wird Erwin B. auf dem Weg zur Versicherungsagentur wegen überhöhter Geschwindigkeit in einem nicht zugelassenen Fahrzeug vorläufig festgenommen.

Donnerstag, 07. Juli
Nach einer unruhigen Nacht vor dem Hauptportal des Landratsamtes, in der Erwin B. immerhin auf Platz fünfzehn vorstoßen konnte, sickert durch, dass Donnerstags neuerdings nur noch Krafträder bis 500 ccm, sowie landwirtschaftliche Zugmaschinen mit ungeradem Baujahr bearbeitet werden.

Freitag, 08. Juli
Gegen 12:07 Uhr gelingt Erwin B. überraschend der Vorstoß an den Schreibtisch von Amtsinspektor Köppel. Der vorherige Antragsteller musste das Zulassungsverfahren für seine fabrikneue Borgward Isabella nach 40 Jahren vorzeitig abbrechen, weil Neuwagen ohne Katalysator nicht mehr zugelassen werden. Da die Antragsfrist werktags um 12 Uhr endet, kommt es nur noch zu einer mürrischen Begrüßung zwischen Erwin B. und Köppel und dem Verweis auf die Bürozeiten der nächste Woche. Erwin B. beschließt, diesmal allen anderen Antragstellern zuvor zu kommen.

Montag, 11. Juli
Nach einem tristen Wochenende im engen Garderobenschrank der Amtsräume hat Erwin B. an Startnummer eins kein Glück. Der bestens ausgeruhte Amtsinspektor erkennt auf einen Blick die nachlässige Entgratung der Bohrlöcher auf den alten Nummernschildern, sowie das teilweise unleserliche Datum auf der Abmeldebescheinung. Zu allem Unglück fällt Köppel über eine gravierende Unregelmäßigkeit in den Antragsdokumenten.
Erwin B.s kürzlicher Umzug vom Önkelstieg 31 nach 31b gehe aus den letzten ASU-Berichten nicht hervor. Aus einer menschlichen Regung heraus verzichtet Köppel zwar auf Strafverfolgung dieser Tatbestände, muss den Antrag natürlich dennoch ablehnen.

Dienstag, 11. Juli, 7:17 Uhr
Amtsleiter Köppel lehnt unter Hinweis auf das fehlende polizeiliche Führungszeugnis des Vorbesitzers, sowie die verjährte Unbedenklichkeitsbescheinigung für die selbstklebende Parkmünzbox, den gesamten Zulassungsantrag erneut ab.

7:31 Uhr
Drei entsicherte Eierhandgranaten mit gültiger Nato-Prüfplakette rollen vom Hauptportal kommend mit hohlem Geräusch durch den sorgsam gebohnerten Flur der Kraftfahrzeugzulassungsstelle. Vier Sekunden später erschüttert eine gewaltige Detonation den historischen Marktplatz.

7:54 Uhr
Das Landratsamt Stenkelfeld ist nicht mehr. Aus rauchenden Trümmern befreien sich verwirrte Menschen ohne Hoffnung. Antragsteller, wie du und ich, die nur mal ein Kraftfahrzeug anmelden wollten.

Intensivling
28.03.2004, 19:44
Eine Weihnachtsfeier wie du und ich...


Dienstag, 14. Dezember: In der festlich geschmückten Werkstatthalle des Autohauses "Oertel" im Gewerbegebiet Stenkelfeld treffen die ersten Belegschaftsmitglieder zur Weihnachtsfeier ein.

20.16: Nach einem Tusch der Zweimannkapelle "Die Avocados" aus Foxtrup vergisst Seniorchef Heinrich Oertel in seiner unbeholfenen Begrüßungsansprache die obligatorischen Dankesworte an den Festausschuss - ein Fehler, der sich noch rächen soll.

20.30: Werkstattleiter Düwelskirchen entfacht unter den Angestellten eine latente Angriffsbereitschaft gegen den Partyservice Westerkamp. Ein halbherziger Schlichtungsversuche der Seniorchefin Marie Oertel, mit dem Hinweis, die gereichte Rinderkraftbrühe sein immerhin schön heiß, stößt ins Leere. Die hämischen Nörgeleien am Essen nehmen zu.

21.03: Die Avocados drohen erstmals mit dem Abbruch ihres Auftritts, nachdem sich Altgeselle Horst B, beflügelt durch den hastigen Genuss von 11 Gläsern Glühwein, mit einem herumliegenden Bolzenschneider an den Lautsprecherkabeln der Gesangsanlage zu schaffen machte. Zuvor war sein Musikwunsch "Alte Kameraden" von der Kapelle mit einem hämische Grinsen ignoriert worden.

21.58: Bürolehrling Kerstin B. verrichtet mit hochrotem Kopf ihre Notdurft auf dem Rücksitz eines Kundenfahrzeugs. Der Grund: Seit 21.00 Uhr ist die einzige Damentoilette der Firma besetzt. Seitdem fehlen auch - wie jetzt auffällt - der smarte Juniorchef Peter Oertel und eine junge Angestellte aus der Reparaturannahme.

23.14: Lagerist Walter K. aus der Ersatzteilausgabe erörtert am Telefon mit seinem Anwalt die Chancen einer Verleumdungsklage gegen den Urheber des ihm gewidmeten Julklappgedichtes mit der Textzeile "Am Teiletresen, Mittelschicht, steht hier das dümmste Sackgesicht". Zeitgleich ermittelt Seniorchef Heinrich Oertel hasserfüllt den Absender eines ihm zugedachten Geschenkkartons mit ca. 4 Pfund gefrorenem Hundekot. Die Veranstaltung droht zu kippen.

0.41: Eine Gruppe von Kfz-Lehrlingen bedroht den Organisten der Avocados, Knut R., mit einem 24er Maulschlüssel, weil die zuvor erzwungene Darbietung eines ACDC-Titels viel Wünsche offen ließ. Minuten später zerfetzt die Kurbelwelle eines Mercedes-Transporters das neuwertige Instrument von Avocado-Schlagzeuger Sascha P:. Fortan kommt die Musik vom Plattenspieler.

1.07: Während der völlig betrunkene Juniorchef unter dem Gejohle der Verkaufsabteilung das Spitzenhöschen der jungen Angestellten aus der Reparaturannahme vor der nun frei gewordenen Damentoilette amerikanisch versteigert, gerät ein altes Innungskunststück mit 2 Schneidbrennern und einer alten Bremsleitung, vorgeführt von Werkstattleiter Düwelskirchen, außer Kontrolle. Die Explosion des Tanklagers ist bis ins Stadtzentrum zu hören.,

1.35: Die Bergungs- und Löscharbeiten im Autohaus Oertel kommen wegen Personalmangels nur mühsam voran. Große Teile der Rettungsmannschaften sind bereit auf Weihnachtsfeiern in umliegenden Ortschaften im Einsatz.

3.00: Schließlich gelingt es einer Hubschrauberbesatzung des THW, durch das Dach der Werkstatthalle den Altgesellen Horst B. aufzunehmen, der bis zuletzt mit einem abgebrochenen Scheibenwischer am Plattenspieler "Alte Kameraden" dirigierte.

5.28: Das Gewerbegebiet Stenkelfeld ist nicht mehr. Die rauchenden Trümmer des Autohauses "Oertel" sowie des benachbarten Getreidehandel sind stumme Zeugen eines festlichen Beisammenseins von Menschen, Menschen wie du und ich, die nur mal im Kollegenkreise weihnachtlich feiern wollten.

Intensivling
28.03.2004, 19:59
Grillparty in Önkelstieg

Sonntag, 11. Juni, 11:03 Uhr
In der Reihenhaussiedlung Önkelstieg nutzt der Berufsschullehrer
Herman S. ein kurzes Zwischenhoch. Die schmale Rauchsäule aus
seinem mit zwei tiefgefrorenen Thüringern belegten Holzkohlegrill
wird zum verheerenden Signal an die Nachbarschaft. Der
überraschende Startschuss in die Grillsaison bringt die gesamte
Siedlung völlig unerwartet in Zugzwang.

11:17 Uhr
Aufgrund von Rohstoffmangel erfolgen nur vereinzelte Konter von
den Nachbargrundstücken. Halbherzige Experimente mit
Fleischkonserven und gemischtem Aufschnitt in Alufolie schlagen
fehl. Der beißende Geruch einer angebrannten Mortadella erstickt
dann letzte Hemmungen.

11:30 Uhr
Die verzweifelten Rufe der Rentnerin Emilie H. nach ihrem
verschwundenen, mehrfach preisgekrönten Zwergfasan "Hänschen"
verhallen ungehört. Zur selben Zeit schmückt der arbeitslose
Rohrleger Otto W. liebevoll den Kopf seiner sechsjährigen Tochter
mit einer langen, gelben Schwanzfeder während auf seiner hastig
improvisierten Feuerstelle eine nachlässig gerupfte Vogelleiche
schmort.

12:06 Uhr
Neid und Missgunst der gesamten Anwohnerschaft richten sich auf
den üppig belegten Tessiner Rundgrill des Bordellbesitzers Kurt
S. Wie üblich kann ihm auch dieses Mal eine Straftat nicht
nachgewiesen werden, sodass die Strafanzeige vom zweiten
Vorsitzenden des Kaninchenzüchtervereins "die Steher" über den
Diebstahl seiner zwanzig gekürten Riesenrammler der Rasse "Varus
Rustikus" gegen Unbekannt formuliert wird.

12:21 Uhr
In einem benachbarten Waldgrundstück bemerkt der Direktor des
dort kampierenden kleinen Wanderzirkus Schöller das Verschwinden
des ausgewachsenen Nilpferdbullen "Romeo".

12:40 Uhr
Wegen der Größe des von seinen Söhnen erbeuteten Grillguts
erweitert Luftwaffenmajor außer Dienst Ottfried von F. seinen
Bratenrost mit Stahlmatten von einer nahegelegenen Großbaustelle
auf zehn Quadratmeter. Als Zündhilfe für die durchfeuchteten
Birkenstämme kommt erstmals ein bislang unerprobter
Raketentreibstoff aus seiner einstigen Dienststelle zum Einsatz.
Die hundertfünfzig Liter Hydrometanolnitrat aus dem
Kampfjägerbattallion "Petra Kelly" werden, wie sich
augenblicklich zeigt, dem langjährigen Forschungsaufwand gerecht.

12:42 Uhr
Beim ökumenischen Gottesdienst "Brot für die Welt" in der 16 km
entfernten Sottrupper St.-Johannes-Kathedrale ist soeben der
Koral "Bittet, so wird Euch gegeben" verklungen, als ein 3 Tonnen
schweres, goldbraun gebackenes Nilpferdfilet krachend das schwere
Kupferdach des Hauptschiffs durchschlägt und auf der
mundgemeißelten Elfenbeinorgel aus dem 14. Jahrhundert landet. Mit
bewundernswertem Improvisationstalent verkündet Bischof Krögel
seiner staunenden Gemeinde, der Herr sei bisweilen auch zu
Scherzen aufgelegt.

12:50 Uhr
Die Reihenhaussiedlung Önkelstieg ist von zwei Hundertschaften der
Polizei umstellt. Die vom gefesselten Tierpfleger des Wanderzirkus
Schöller abgegebene Täterbeschreibung: Hawaiihemd, hellgraue
Shorts, Tennissocken, dunkelbraune Herrensandalen der Marke
"Öztaler Wanderspaß" engt den Kreis der Verdächtigen auf ca. 400
ein. Durch dunkle Rauchschwaden und verkohlte Tierkadaver taumeln
Familienväter zur Vernehmung, Menschen wie Du und ich, die mal
ganz spontan am Sonntag grillen wollten.

Intensivling
28.03.2004, 20:04
Silvester


Freitag, 30. Dezember, 10:43 Uhr.
Gut 37 Stunden vor dem Jahreswechsel lastet eine schier unerträgliche Spannung über der Siedlung Önkelstieg, deren Bewohner der Stunde Null entgegenfiebern, um endlich losschlagen zu können.

10:46.
Ein an sich unbedeutender Zwischenfall wird sich noch bitter rächen. Nachdem sie in einem Stallgebäude ihres Kleingartens die Kaninchen versorgt hat, entreißt ein Windstoß der Rentnerin Erna B. die Schuppentür, die mit vernehmlichem Knall hinter ihr zufällt. Von nun an überschlagen sich die Ereignisse.

10:48.
Der vermeintliche Erstschlag aus der Nachbarschaft trifft den Familienvater Fred S. völlig unvorbereitet. In einer viel zu flachen Flugkurve startet sein hastig gezündeter Raketensatz "Cape Canaveral", dessen Werbeaufdruck. Eine Zündung - sechsmal Sternenzauber" unterwegs sein Versprechen hält.
Ein Sternenzauber findet mit unglücklicher Präzision den Weg in einen Lüftungsschacht der Bäckerei Brörmeier. Die anschließende Mehlstaubexplosion in der Backstube macht die vor Wochen von Bäckermeister Erwin Brörmeier großspurig angeregte Firmenaktion "Brot statt Böller" mit einem Schlag unglaubwürdig und zerstreut letzte moralische Bedenken in der Siedlung.

11:02.
Der siebzehnjährige Kfz-Lehrling Sven G. verliert als nächster die Nerven. Seine in mühevoller Kleinarbeit selbst entwickelte Bombenkette aus 12 gegeneinander geschraubten VW-Zylindern belohnt mit fulminanter Wirkung sein reges Interesse am fachkundlichen Unterricht in der Kreisberufsschule.

Gegen 14:00 verhilft der auflebende Südostwind dem großen familienfreundlichen Silvestersortiment "Feuerball" mit 17 Leuchtraketen und mehr als neunzig bunten Effekten zu ungeahnter Reichweite.

14:02.
Immerhin fünfzehn dieser bunten Effekte erreichen am 3km entfernten Ostufer des Stenkelfelder Sees den Balkon des 83jährigen Kriegsveteranen und Militaria-Händlers August R. Vom Feuerschein und alten Erinnerungen geweckt,
beschließt er, sein kostbarstes Sammlerstück zu opfern. Minuten später gleitet ein acht Meter langer Torpedo der V-Klasse vom seinerzeit vor Danzig havarierten U-435 aus seinem Bootsschuppen und nimmt Kurs auf das gegenüberliegende Seeufer. Nach vier Minuten und zwölf Sekunden erfolgt der Einschlag in die Uferterrasse des Gasthofs Knollmeier.

14:09.
Ein Gartenstuhl und zwei Sonnenschirmbetonständer durchschlagen das dünne Holzdach der Wachbaracke an der Martin-Luther-Kaserne im Nachbarort Heringsmoor und verfehlen den wachhabenden Hauptgefreiten Ronald C. nur um
Haaresbreite. Der durch den hastigen Genuss von anderthalb Flaschen Küstennebel ungewohnt entschlussfreudige Berufssoldat trifft in dem durch den Weihnachtsurlaub entvölkerten Militärstützpunkt eine einsame Entscheidung.
Die sechzehn Luftabwehrraketen vom Typ Herkules-3 erheben sich majestätisch in den Dezemberhimmel.

14:15.
Das Hachmannsfelder Gehölz, die Siedlung Önkelstieg, die Straßenzüge Schmöller Damm/Bölterkamp/Sögelweg/Blömkeallee, weite Teile des Industriegebiets Sottrop sowie der Rangierbahnhof Höklage sind nicht mehr. Durch die rauchenden Trümmer einer Mondlandschaft irren Menschen. Menschen wie du und ich, die mit ihrem Silvesterfeuerwerk einfach nicht
mehr warten konnten.

RS-USER-Feuerblick
28.03.2004, 21:15
*ggg* Intensivling, das machst du klasse, aber du wirst zugeben müssen, daß man eigentlich Stenkelfeld mal gehört haben muß...nur lesen reicht da nicht ;)

Intensivling
29.03.2004, 10:28
Genau Feuerblick ... deswegen hier meine 2 absoluten Lieblinge zum mitlachen und zuhören :

Grillspaß in Stenkelfeld ! (http://www.intensivling.de/grillen.mp3)

Weihnachtsbeleuchtung (http://www.intensivling.de/beleuchtung.mp3)

RS-USER-DerDings
29.03.2004, 13:00
ROTFLMAO :grins: :grins: :grins: