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RS-USER-apoplex
25.04.2005, 17:00
Original geschrieben von Rippenspreizer
Gute Strategie, apoplex!
Danke für die Blumen, ist aber auch ein sehr interessantes Fallbeispiel

[B]F1000 ml aus der Drainage ist schon sehr ordentlich und erfordert eine zügige Thorakotomie. Gibt es mittlerweile Hinweise auf Vorgänge im Abdomen, ein orientierender Body-Check brachte ja nichts in der Richtung, sollte aber auf jeden Fall vor Abfahrt wiederholt werden. Wenn ohne Zeitverlust machbar und die Schraube hat ein Sono, würde ich den Schallkopf mal draufhalten. Eigentlich habe ich mit "komplettem Monitoring" auch einen BZ-Test gemeint, jetzt, mit der Fremdanamnese will ich sogar den Wert wissen.
Wenn kein Hinweis auf weitere Verletzungen bis auf die imponierende Tx-Verletzung schneller Transport per RTH (30 min. Fahrzeit entsprechen etwa 8 min Flugzeit) nach Vorankündigung (Thoraxchirurgieteam sollte bereitstehen).
Wenn der RA des NEF jetzt frei ist, bietet sich dieser dann natürlich zur weiteren Unterstützung des RS i.A. und der Hubschraubercrew an (Umlagern).
Beatmung mit PCV - sehr fortschrittlich, hat der RTW einen Oxylog 3000 / LTV 1000 oder ist das Ding aus der Schraube?

BFHier bleibt nur die Fortsetzung der Rea nach Standard, was ergibt die Auskultation des Thorax, mittlerweile dürfte die FW die Krachmacher ja ausgemacht haben.
Als Prophylaxe gegen weiteres Auskühlen kann die FW auch ein paar 1000 W Strahler um die Pat. stellen, auch wenn das RTW-Team dann quasi in einer Sauna reanimiert. Allerdings hatten wir kurzzeitig einen Rhythmus, was schon mal nicht das allerschlechteste ist.
Falls sich die Hubschraubercrew zum Lufttransport entschließt, sollte man die Pat. in den RTW verbringen und dort die Maßnahmen fortsetzen.

Der Feuerwehrmann Gut. 5.Regel des "House of God" erfüllt (Zuerst an Verlegung denken)

Intensivling
25.04.2005, 19:33
Original geschrieben von apoplex
BFHier bleibt nur die Fortsetzung der Rea nach Standard, was ergibt die Auskultation des Thorax, mittlerweile dürfte die FW die Krachmacher ja ausgemacht haben.
Als Prophylaxe gegen weiteres Auskühlen kann die FW auch ein paar 1000 W Strahler um die Pat. stellen, auch wenn das RTW-Team dann quasi in einer Sauna reanimiert. Allerdings hatten wir kurzzeitig einen Rhythmus, was schon mal nicht das allerschlechteste ist.
Falls sich die Hubschraubercrew zum Lufttransport entschließt, sollte man die Pat. in den RTW verbringen und dort die Maßnahmen fortsetzen.


Wobei man sich schon fragen sollte ob nach 20 Minütigem Kammerflimmern und dem Verletzungsbild eine langandauernde Reanimation rechtfertigen bzw. es sinnvoll ist sie lange aufrecht zu erhalten.

Laut Fallbeispiel haben wir weite kaum lichtreagible Pupillen und immer noch keinen messbaren RR. Es ist also ziemlich sicher das im cerebralen Bereich bereits Schädigungen abgesehen vom Unfallgeschehen eingetreten sind. Zudem sollte man immer noch mit bedenken das es durch das Unfallgeschehen schon zu massiven cerebralen Verletzungen gekommen ist.

Zu dem Rest kann ich nichts mehr schreiben da der übriggebliebene Pat. bereits bestens versorgt und bald schon wieder in der Reha liegen wird :D

RS-USER-apoplex
25.04.2005, 19:47
Zwischendurch hatte die Dame auch einen Eigenrhythmus (vermutlich durch Supra indiziert)

Es erfolgten 2x jeweils 3 Defibrillationen und Katecholamingaben, dabei kurzzeitiger Eigenrhythmus. Aktuell weiterhin Kammerflimmern.
Die Prognose ist sicher schlecht, da gebe ich dir Recht, allerdigns kann man jemanden mit VF nicht einfach liegen lassen, immerhin spricht Flimmern ja dafür, dass die Herzmuskelzellen noch arbeiten, also etwas bringt die Rea schon.
Man könnte natürlich auch zur Erfolgskontrolle aufs Kapnometer schauen, sofern vorhanden.

RS-USER-Rippenspreizer
25.04.2005, 22:01
Okay, es ist schon spät und mein OV hatte gerade eine (todlangweilige) Mitgliederversammlung *gähn*

Bringen wir es zum Ende!

F: Kreislaufstabil entscheiden wir uns, ihn per RTH in eine Klinik der Maximalversorgung zu fliegen, optimalerweise mit einem Team Thoraxchirurgen Standby. Dort kommt er auch nach 8 Minuten an, also 60 Minuten nach Unfallbeginn; im Schockraum stellt sich ein gedeckter Einriss des rechten Hilus dar, der dank PEEP und PCV auch erstmal gedeckt blieb. Nach operativer Versorgung und Massentransfusion mit 17 EK´s und 15 GFP´s sowie 2 TK´s erhält der Patient in den den darauffolgenden Tagen eine weitere unfallchirurgische Versorgung sowie ein internistisches Konsil. Der BZ war übrigens bei Aufnahme in der Klinik "LOW", d.h. nicht ermittelbar. Extubation erfolgt am 4.postoperativen Tag. Nach insgesamt 8 Wochen kann der Patient ohne wesentliche Folgeerkrankungen in eine Reha entlassen werden.

BF: Trotz mehrfach erfolgloser Defibrillation und Katecholamingabe wird die Patientin unter laufender HDM in ein nahegelegenes Kreiskrankenhaus gefahren. 70 Minuten nach Eintreffen des 1.RTW und 45 Minuten nach Reanimationsbeginn bricht der aufnehmende Arzt die Massnahmen ab. Die BGA-Analyse offenbart einen Hb von 2,2, Pupillen sind weit und lichtstarr, im EKG zeigt sich seit 10 Minuten eine Asystolie.

Der Feuerwehrmann quittierte seinen Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr und benötigte zahlreiche Wochen um die Ereignisse zu verarbeiten.

Sehr sauber gearbeitet, liebe KollegInnen. Trotz des tragischen Ausganges für einige Beteiligten haben wir - zumindest theoretisch - unser Bestes getan. Bleibt mir noch hinzuzufügen, dass es sich bei allen Angaben um fiktive und frei erfundene Angaben handelt und ich keinen vergleichbaren Einsatz als Vorlage für dieses Szenario gewählt habe.

Kommentare, Fragen oder eine Diskussion zur im Verlauf gewachsenen Behandlung sind ausdrücklich erwünscht. Hätte etwas besser laufen können? Wurde etwas übersehen? Mögliches Thema wäre "EK´s 0 negativ zur Einsatzstelle/präklinische Transfusionen" Pro & Contra.

RS-USER-DerDings
26.04.2005, 01:20
Ad Spineboard - kenne ich bislang nur aus ami-filmen/serien. ein pro/con (praxis!) gegenüber "landesüblichen" berge-/lagerungsmassnahmen wie schaufeltrage und vakuummatraze würde mich interessieren...

silver tabby
26.04.2005, 03:36
Nur zwei Dinge von meiner Seite:

Unter Reanimation mit Katecholaminen wäre ich für meinen Teil vorsichtig mit "weiten, trägen Pupillen"...

Denn was machen doch gleich Adrenalin und Noradrenalin? Weite Pupillen...

Also deswegen nicht zu früh die Flinte ins Korn werfen, erst entrundete Pupillen sind böse...

UNd zweitens:

Ich habe ein Schei... Angst, dass ich mal zu so einer Situation komme und hoffnungslos überfordert bin....:(

RS-USER-Rippenspreizer
26.04.2005, 05:40
Original geschrieben von silver tabby
Unter Reanimation mit Katecholaminen wäre ich für meinen Teil vorsichtig mit "weiten, trägen Pupillen"...
Also deswegen nicht zu früh die Flinte ins Korn werfen, erst entrundete Pupillen sind böse...
Deswegen hat der Kollege ja auch 45 Minuten reanimiert. Bei dem Hb und der Asystolie plus MG-# und der vermutlich massiven Aspiration wäre da vermutlich ohnehin nicht mehr viel zu reissen gewesen. Reanimationspflichtige Polytraumen haben eine Überlebenswahrscheinlichkeit von 0,3%.
Trotzdem ist Dein Hinweis natürlich im Hinblick auf jede herkömmliche (internistische) Reanimation vollkommen richtig!
Und wenn genügend Personal vor Ort ist, würde ich persönlich jede Chance ergreifen, die ein Verletzer hat.


Ich habe ein Schei... Angst, dass ich mal zu so einer Situation komme und hoffnungslos überfordert bin....:(
Das haben wir alle. Ich sag nur: Karfreitag :(
Da wünsche ich mir manchmal ein bisschen "Reanimator-Mentalität" :-p
Persönlich halte ich es daher mit der Devise: "No fear but respect"!

In diesem Sinne; ich muss los nach Fulda. Den ein- oder anderen von euch werde ich dort ja sehen; allen anderen eine schöne Woche.

Daniel

RS-USER-Kermit
26.04.2005, 10:15
Zur Therapie des Fahrers:
Wäre eine Narkose mit Ketanest/Dormicum nicht sinnvoller? Wenn die Systole sowieso nur noch bei 70 ist, ist da Eto nicht ungünstig?
Und warum erst Eto nehmen und dann mit Katecholaminen den Druck anheben? Damit verschlimmere ich ja die Verbrauchskoagulopathie nur, oder?

RS-USER-apoplex
26.04.2005, 10:48
Original geschrieben von Kermit
Zur Therapie des Fahrers:
Wäre eine Narkose mit Ketanest/Dormicum nicht sinnvoller? Wenn die Systole sowieso nur noch bei 70 ist, ist da Eto nicht ungünstig?
Und warum erst Eto nehmen und dann mit Katecholaminen den Druck anheben? Damit verschlimmere ich ja die Verbrauchskoagulopathie nur, oder?

Ketanest ist bei erhöhtem Hirndruck nicht umbedingt Mittel der Wahl und dieses konnte bei ihm ja nicht ausgeschlossen werden (V.a. SHT).
Ansonsten hat Eto noch relativ gering ausgeprägte kardiovasculäre NW, Propofol haut den Blutdruck ganz anders in den Keller.
Letztendlich hat der Notarzt Wahlfreiheit und er sollte das Medikament nehmen, mit dem er am besten vertraut ist, sofern keine KI´s vorliegen. Wenn der Doc jeden Tag 5 Narkosen mit Eto macht und dieses Medikament daher gut kennt, why not. Gerade in Notfallsituationen mit weniger gut bekannten Medikamenten anzufangen, ist auch nicht das Optimum.
Gerade bei der Narkose führen viele Wege zum Ziel!


Ad Spineboard - kenne ich bislang nur aus ami-filmen/serien. ein pro/con (praxis!) gegenüber "landesüblichen" berge-/lagerungsmassnahmen wie schaufeltrage und vakuummatraze würde mich interessieren...
Unsere Feuerwehr besitzt mehrere Spineboards für die Rettung aus PKW.
Besitzt viele Vorteile gegenüber der Schaufeltrage, die manchmal auch für so etwas herhalten kann.
Das Optimum ist das KED-System, bei den beiden Patienten war es aber nicht möglich (KI u.a. Thoraxtrauma, außerdem relativ großer Zeitverlust durch die Anlage). Außerdem waren beides Kandidaten für eine Crash-Rettung (Rea bzw. mass. Hypotonie trotz Infusion und zunehmende Atembeschwerden mit Interventionsbedarf).
Das Brett ist relativ schmal, lässt sich so nach HWS Immobilisation etwas zwischen Sitz und Patient einschieben, dann wird der Patient mit möglichst vielen Helfern gerade und gleichmäßig auf das Board gezogen und erst, wenn er darauf liegt, wird es in die Horizontale gebracht.
Von dem Brett kann der patient dann bei Bedarf mittels Schaufeltrage auf die Vakuummatratze umgelagert werden oder auch auf dem Brett fixiert werden, ist auch eine Form der WS-Immobilisation.


Der BZ war übrigens bei Aufnahme in der Klinik "LOW",
Schade, dass man den Wert nicht während des Fallbeispieles nicht ermittelt hat, wäre eine DD zur Bewusstlosigkeit.

RS-USER-fwpbl
26.04.2005, 11:30
Original geschrieben von DerDings
Ad Spineboard - kenne ich bislang nur aus ami-filmen/serien. ein pro/con (praxis!) gegenüber "landesüblichen" berge-/lagerungsmassnahmen wie schaufeltrage und vakuummatraze würde mich interessieren...


Meine FW hat kein Spineboard. Wir nutzen ein Rettungsbrett, das kürzer als ein Spineboard ist und somit teilweise im zusammengeschobenen PKW einfacher einzusetzen. Zum lagern kann man es allerdings nicht nutzen. Der Pat. kommt dann meist mit Brett auf die RTW Trage.Wir haben damit durchweg positive Erfahrungen gemacht, und auch der RD ist Zufrieden damit, (zitat RA beim Abolen des Bretts nach dem letzten VU:"Wenn ich noch Platz aufm RTW hätt wärs schon verladen":D :D )

RS-USER-blacksheep
26.04.2005, 12:09
Original geschrieben von apoplex

Schade, dass man den Wert nicht während des Fallbeispieles nicht ermittelt hat, wäre eine DD zur Bewusstlosigkeit.

Es wurde doch im Fallbeispiel danach gefrag oder? Für mich gehört auch bei einem chirurgischen Patienten eine BZ-Kontrolle zu einer Routineuntersuchung. Spätestens wenn nen Zugang gelegt wird. Gestochen hat man ja eh von daher.

RS-USER-Feuerblick
26.04.2005, 18:28
1. Spitzenmässiges Fallbeispiel!!!

2. Wieso finde ich sowas immer erst dann, wenns schon gelaufen ist??? *heul* Mehr davon, biiiitteeeee!!

RS-USER-fwpbl
26.04.2005, 19:31
Original geschrieben von Feuerblick
1. Spitzenmässiges Fallbeispiel!!!

Dem kann ich mich nur anschließen, endlich mal ein Fallbeispiel zu dem ich nen gewissen Bezug hab, wenn ich mich auch nicht so sehr mit den RD Fachlichen Einzelheiten auskenn. Meine Sache is halt ehr die Technische Rettung.
Aber ansonsten, (leider) recht bekannte Gesamtsituation.

RS-USER-First_Responder
26.04.2005, 21:19
hab das fallbeispiel zwar leider zu spät bemerkt, habs aber in unseren fortbildungsabend mit der FW einfließen lassen.

is super angekommen und hat klasse gepasst!

MatthiasKlemens
26.04.2005, 21:48
unser chefe ist halt doch der beste! :)

:RS:

silver tabby
27.04.2005, 22:07
So, habe die Diskussion über RS-Online- Übung HIERHER (http://www.rippenspreizer.de/forum/showthread.php?s=&threadid=4557)

verschoben....

Bitte hier nur noch zum Fallbeispiel posten, wird sonst unübersichtlich!

Gruss,
die Katze