Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie geht ihr mit dem Sterben um?
Blaulicht-shaolin
01.11.2005, 22:03
Habe eben auf ARTE eine Sendung zum Thema "Sterben in Würde" gesehen.
Wer hat diese Sendung auch gesehen?
Hier (http://www.arte-tv.com/de/geschichte-gesellschaft/In_20W_C3_BCrde_20sterben/1008926.html) der Link dazu.
Das Ganze hat mich ziemlich berührt weil es dort um geliebte Menschen geht für die die Angehörigen gekämpft haben damit ihre Liebsten in Würde gehen können.
Dabei gingen mir einige Gedanken durch den Kopf. Wie denkt ihr denn über das Sterben?
Klar gibt es die Patientenverfügung, die Gesetze die uns im RD verpflichten alles mögliche zu tun um den Patienten am Leben zu erhalten, das Abgebrühtsein wenn man mit dem Tod im Dienst konfrontiert wird, usw.....
Aber wie denkt ihr PERSÖNLICH darüber? Was habt ihr für eine Einstellung zum Sterben und dem Tod?
Ich für meinen Teil bin mir mit meiner Familie einig wie "über mich entschieden" werden soll wenn ich z.B. auf der Apallikerstation landen sollte....
RS-USER-Sani
01.11.2005, 22:13
Ich hoffe, dass ich nicht ewig dahin siechen werde, wie es leider viele Leute in Alten- und Pflegeheimen tun.
Nur kann ich das dann noch beeinflussen ? Werden sich die Ärzte / RD'ler / Pflegepersonal an meine Patientenverfügung halten und keine lebensverlängernden Maßnahmen mehr einleiten ?
Wahrscheinlich wünschen sich viele von uns einen schnell und nach Möglichkeit schmerzlosen Tod. Entweder zuhause einschlafen und einfach nicht wieder aufwachen. Oder bei einem Verkehrsunfall auf der Stelle tot sein. Sollte es soweit sein hoffe ich, dass sich das entsprechende Personal an meine "Anweisungen" (sprich: Patientenverfügung) hält.
Ob ich für aktive Sterbehilfe bin ? Gute Frage, die ich so leider (noch) nicht beantworten kann. Ich weiß auch nicht, wie ich in ein paar Jahren darüber denken werde. Auch kann ich nicht sagen, wie ich bei meinen Angehörigen reagieren werde, sollte mal jemand im Sterben liegen und sich den Tod wünschen. Vielleicht will ich mich damit auch einfach nicht auseinandersetzen und verdränge das erstmal.
An sich habe ich keine Angst vor dem Tod, man weiss halt nicht, ob bzw. was danach kommt. Durch den Job im Rettungsdienst wurde man halt recht früh damit konfrontiert, was das Sterben im Allgemeinen angeht.
Blaulicht-shaolin
01.11.2005, 22:20
Original geschrieben von Sani
Nur kann ich das dann noch beeinflussen ? Werden sich die Ärzte / RD'ler / Pflegepersonal an meine Patientenverfügung halten und keine lebensverlängernden Maßnahmen mehr einleiten ?
Bis zu einem gewissen Punkt kann man ja "vorarbeiten.
Mit den Angehörigen über dieses Thema sprechen, mitteilen wie man selbst darüber denkt und was man dann für einen Willen hätte.
Auch mal zuhören wie die eigenen Leute darüber denken und was sie selbst wollen für sich.
Die Patientenverfügung (so eindeutig wie möglich geschrieben) ist auch nur so stark wie der Angehörige der sie dann durchsetzt!
Wir RD´ler sind ja von der Patientenverfügung eh ausgeschlossen! Aber die Ärzte und das Pflegepersonal hat danach die diagnostischen Mittel und auch die Zeit um sich mit sowas auseinanderzusetzen, mit den Angehörigen zu reden, die Verfügung durchzulesen und eben auch zu erwägen was man tun oder nicht tun soll.
saddamski
01.11.2005, 23:23
Habe die Sendung nicht gesehen.
Wie Sani schon sagte, wünsche ich mir persöhnlich dass mein Tod, der noch lange auf sich warten kann ;), nicht zur Qual wird.
Ich selber habe gar keine wirkliche Einstellung zum Tod. Weil man den Tod nicht wirklich kontrollieren kann(Dabei gehe ich davon aus dass man psychisch Korrekt im Kopf ist).
Ich habe eher eine andere Einstellung zum Leben bekommen.
Man sieht im RD und KTP so viele Menschen die krank sind und sich nichts sehnlicheres wünschen als einfach gesund zu sein.
Da geht man mit seinem Leben irgendwan schon anders um. Ich zumindest. Ich jammer nicht mehr über Sachen, über die ich sonst gejammert habe. Ich achte etwas mehr auf mich und mein Verhalten. Man sieht eben wie gut es einem doch geht, im Gegensatz zu anderen Menschen, die teilweise nur ein paar Meter von einem entfernt wohnen.
Um so mehr ärgert es mich, wenn ich sehe wie andere Ihr Leben einfach so "weg werfen"...ein Leben, was sich so mancher wünscht, der grundlos krankgeworden ist.
Ich finde jedoch, dass man jedem Menschen ein würdevolles sterben ermöglichen sollte. Wobei das manchmal gar nicht so einfach ist. Denn irgendwo ist doch jemand, der darüber entscheidet...bzw darüber entscheiden muss. :peace:
Habe jetzt bereits schon sehr viele Menschen im Krankenhaus sterben sehen. Die meisten starben alleine, aber es gab auch welche, bei denen dieAngehörigen am Bett mitwachten und sogar Lieder für den Sterbenden sangen. Wie vor zwei Monaten, als ein russischer Aussiedler starb: Es wurden Lieder in russisch wie auch in Deutsch gesungen - hat mich unheimlich berührt.
Wie gehe ich mit dem Tod um?
Nun, der Tod gehört für mich zum Leben mit dazu, er ist ein Teil davon. Wie der Punkt am Ende dieses Satzes - der Tod beendet zwar das Leben, ist aber ein teil davon. Ohne ihn kann das Leben nicht beendet werden bzw. ist er nicht vollständig und es kann kein neues Leben entstehen. Kein Tod ist damit sinnlos.
Schön für mich auch zu sehen, das viele Menschen nun darüber nachdenken und der Meinung sind, das Leben nicht um alls in der Welt zu verlängern. Bei uns wird im KH immer versucht abzuklären, ob man reanimieren darf oder nicht. Ich halte das wichtig um die Würde des Menschen aufrecht zuerhalten.
Trotzdem bin ich gegen die Euthanäsie - und für den Hospizgedanken.
Gruß
HörBird
In meiner Familie war das Thema gerade aktuell: Am 28.09. ist mein Vater an Bronchial-Ca gestorben.
Im August war er wegen eines Kreislaufzusammenbruchs im Krankenhaus. Meine Mutter hatte den Notarzt geholt, weil er auf dem Sofa lag und nicht mehr erweckbar war. RR 50 zu nichts, Puls 180... So hat man ihn natürlich mitgenommen. Als er dann auf Station wieder wach wurde, lehnte er jede weitere Therapie ab - mit dem Ergebnis, dass man inständig auf ihn einredete doch wenigstens einige weitere Untersuchungen machen zu lassen - für die Gewissheit, dass er wirklich am Lungenkrebs sterben wird und damit man eine zielgenaue Therapie festlegen kann. Er lehnte dankend ab. Der Stationsarzt reagierte daraufhin ziemlich kurz angebunden und machte der Familie klar, dass er natürlich "weg muss - raus aus dem Krankenhaus", wenn er denn jede Therapie ablehnen würde. Ob wir ihn nicht wenigstens zu einer Bestrahlungstherapie im Rahmen der Aktion "schöner sterben" überreden wollten. Das hat er wörtlich so natürlich nicht formuliert. Nur auf die Frage, was denn so eine Therapie bringen würde sagte er: "Er stirbt dann schöner" - so O-Ton.
Wir haben ihn mit nach Hause genommen - als Pflegefall. Meine Mutter macht sich heute noch Vorwürfe, dass sie damals den Notarzt gerufen hat - aber ich hätte es auch getan. Sieben Wochen später ist er dann gestorben. Meine Mutter war bei ihm, so war er nicht allein.
Auch wenn es eine harte Zeit war, aber ich bin sicher, dass es das Beste für Sterbende ist, zu Hause zu sein (wenn denn die Angehörigen es gemanagt kriegen) - in der gewohnten Umgebung die letzten Tage oder Wochen zu erleben, einige Dinge noch zu erledigen und dann im eigenen Bett zu sterben. Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn er weiter in irgendeinem Krankenhaus oder gar Heim geschmort hätte. Mit Sicherheit wäre er allein gestorben (übrigens hat er sich bei Bewusstsein vom Leben verabschiedet, er hat also mitbekommen, dass meine Ma bei ihm war).
Ich finde, Tod und Sterben sind die Tabuthemen unserer heutigen Gesellschaft und darum bringt man Sterbende lieber weit weg. Man wird bei ihrem Anblick zu sehr an den eigenen Tod erinnert. Und darum lässt man Menschen auch nicht gerne sterben.
Jemand sagte mal: Wir wissen, dass wir sterben müssen, aber wir glauben es nicht.
RS-USER-rettungshamster
05.11.2005, 09:23
Es ist ja nicht nur das Sterben was als Tabu in der Gesellschaft gilt. Ebenso wie das Sterben in andere Einrichtungungen verlagert wird (Altenheime, Kliniken etc.) wird ja auch das freudige Ereignis der Geburt eines Kindes in den meisten Fällen in eine Klinik verlagert.
In einer Vielzahl der Fälle können wir uns auf Station auf den Sterbeprozess eines Menschen einstellen. Versuchen die Angehörigen (soweit von ihnen die nötige Compliance vorliegt) miteinzubeziehen.
Wie gehe ich mit dem sterben meiner Bewohner um ? Unterschiedlich. Kommt bei mir auch immer auf die Qualität der Beziehung an, welche wir hatten. Aber in den meisten Fällen, versuche ich einfach nur da zu sein - auch für die Angehörigen.
Nach ihrem Tod und meinem Feierabend sitze ich dann zu Hause auf dem Sofa, mache mir einen Tee, höre Musik und denke über diesen Menschen nach und schreibe mir die Gedanken auf, welche mir in den Sinn kommen.
Auf diese Art und Weise komme ich nun schon seit gut 10 Jahren klar. Sicher gibbet immer wieder Ausnahmen...aber die sind eher selten. Wichtig in diesem Fällen ist mir jemand, welcher mir einfach nur zuhört, da ist. Mehr brauch ich dann nicht.
Im März diesen Jahres hat sich mein Arbeitskollege das Leben genommen. Ich hatte an diesem Tag Nachtdienst. Meine Kollegin und ich haben eigens für ihn eine Kerze angezündet und seiner gedacht.
Und da sich nun auch wieder das Jahr seinem Ende zu neigt, fängt nun auch wieder vermehrt das Sterben bei den Bewohnern an.
Schwester Rabiata
05.11.2005, 21:36
Für mich gehört der Tod zum Leben untrennbar dazu.
Tod nach schwerer Krankheit macht Sinn, Probleme hab ich mit "sinnlosem" Tod, nach Unfall, Verbrechen etc.
Für mich ist es schön zu sehen wie Sterbende sich durchaus bewusst von ihrer Umwelt verabschieden - wenn man sie lässt und den Tod und das Sterben nicht tabuisiert.
Auch Kinder nehmen schon bewusst Abschied....
Einen würdevollen Tod erleben zu dürfen, ohne unnötige ärztliche Intervention, ist ein besonderes Erlebnis...
Rabiata
Blaulicht-shaolin
05.11.2005, 23:23
Original geschrieben von Schwester Rabiata
Für mich gehört der Tod zum Leben untrennbar dazu.
Tod nach schwerer Krankheit macht Sinn, Probleme hab ich mit "sinnlosem" Tod, nach Unfall, Verbrechen etc.
Geht mir auch so... es ist unheimlich "schwierig" bei solchen Sachen einen Sinn zu verstehen. Ich sage mir dann immer dass das schon irgendeinen Sinn hat, wir verstehen ihn nur momentan noch nicht...
Original geschrieben von Schwester Rabiata
Für mich ist es schön zu sehen wie Sterbende sich durchaus bewusst von ihrer Umwelt verabschieden - wenn man sie lässt und den Tod und das Sterben nicht tabuisiert.
Auch Kinder nehmen schon bewusst Abschied....
Einen würdevollen Tod erleben zu dürfen, ohne unnötige ärztliche Intervention, ist ein besonderes Erlebnis... Ja das denke ich auch. Wer schon die Möglichkeit hat sich vor dem "Gehen" noch verabschieden zu können - dem sollte es auch ermöglicht werden, und zwar so angenehm wie es der Sterbende wünscht.
Leider haben meistens die Leute dieses Problem die es wohl am meisten wünschen - nämlich diejenigen die sich selbst nicht mehr äussern können.:(
Und genau dort sollte man ansetzen - jede noch so gute Patientenverfügung ist nur so gut wie die Angehörigen sie durchsetzen können/wollen.
Schwester Rabiata
06.11.2005, 08:20
Original geschrieben von Blaulicht-shaolin
Und genau dort sollte man ansetzen - jede noch so gute Patientenverfügung ist nur so gut wie die Angehörigen sie durchsetzen können/wollen. [/B]
Mein Onkel (starb mit 93 an Altersschwäche zuhause) hatte keine Verfügung - aber die pssenden Angehörigen :rolleyes:
Er hatte die Wochen zuvor langsam das Essen eingestellt, dann das Trinken. Er war wach, hat aber bewusst verweigert.
Trotzdem (seltsam, mit wie wenig der Körper auskommen kann) ging es ihm gut, war ruhig und lebte "in seiner Welt".
Er war nie alleine, wurde immer noch ins Familienleben integriert.
Genervt hat die mobile Pflege - die wollten ihm unbedingt nen Katheter legen - weil die Schwester morgens den Uringeruch der Attends nicht mochte. :(
Da hab ich doch mal was anderes erzählen müssen...
Die hat am letzten Lebenstag auch hysterisch nach nem Arzt verlangt und stationärer Aufnahme - für was???
Er durfte dann in seinem Bett friedlich einschlafen, mit der gesamten Familie drumherum.
Und es mag pervers klingen - aber es war ein ganz besonderer Moment... so friedlich, ohne Hektik...
Rabiata, die sehr gerne in einem Hospiz arbeiten würde
Stephan2204
06.11.2005, 10:08
Nun, ich sehe das genau so, das Sterben mit zum Leben gehört.
Ich möchte, sofern möglich, auch nicht als Apalliker "dahinsichen", sondern am liebsten entweder Tot umfallen oder abends ins Bett und Morgens nicht mehr wachwerden.
Zum Thema Patientenverfügung: Ich glaube das "Problem" haben alle RD´lers: Auch wenn eine Verfügung vorliegt, in einer akutsituation fragen wir ja erstmal nicht danach, sondern handeln, dsa es dem Patienten initial besser geht.
In der Klinik ist das ja dann ein anderes Theman, wenn Angehörige die Patientenverfügung vorbeibringen bzw. diese Gefunden wird. (Gut, auch wenn da steht, das der/diejeniege keine lebenserhaltenden massnahmen möchte, aber intubiert/beatmet gekommen ist, kannste die Leute ja och net einfach dann von der Beatmung abnehmen).
Ich bin auch der Meinung, das Menschen in der Sterbephase keine Schmerzen haben müssen.....
RS-USER-rettungshamster
06.11.2005, 11:52
Original geschrieben von Stephan2204
Zum Thema Patientenverfügung: Ich glaube das "Problem" haben alle RD´lers: Auch wenn eine Verfügung vorliegt, in einer akutsituation fragen wir ja erstmal nicht danach, sondern handeln, dsa es dem Patienten initial besser geht.
Ausnahmen bestätigen die Regel.....und das ist gut so. Hatten wir im Frühjahr diesen Jahres. Dass der AZ einer Bewohnerin sich derart akut verschlechtert hatte. Das Ende war unumgänglich und dann haben die RD´ler auch die Maßnahmen aufgrund vorliegender PV eingestellt. Auch wenn es (ganz offensichtlich) ihnen schwer gefallen ist.
Grillmaster T
06.11.2005, 14:42
Ich komme mal auf den Ursprungsbeitrag zurück: ich habe auch die Reportage gesehen und war deutlich beeindruckt. Auf der Intensivstation, auf der gedreht wurde, gab man den Patienten die Chance, "in Würde" zu sterben, indem die Intensivtherapie nicht bis zum Äußersten getrieben und nach Feststellung der Aussichtslosigkeit die lebenserhaltenden Maßnahmen eingestellt wurden.
Das ist eine Einstellung die ich in hiesigen Kliniken / von hiesigen Ärzten oftmals vermisse. Hier geht es weitestgehend darum, JEDE MACHBARE Therapie auf Biegen und Brechen anzuwenden, auch wenn der Fall aussichtslos erscheint.
Ich musste das im familiären Bereich selber mal erfahren. Das trifft allerdings selten für infauste Krankheiten, wie Krebs oder Aids zu.
Im Umgang mit diesen sterbenden Menschen ist man in Deutschland mittlerweile schon soweit, durch Palliativmedizin ein würdevolles Sterben zu ermöglichen. Leider tut man sich bei akuteren Geschichten, wie Hirnblutungen, Organversagen, usw. da deutlich schwerer und läuft lieber Gefahr, "nicht-lebenswertes Leben" mit den Möglichkeiten der modernen Intensivtherapie zu erhalten, statt die schwierige Entscheidung zu treffen, diesen Menschen "gehen zu lassen". Begründet mit dem "hippokratischen Eid". Ich bin mir sehr bewusst, daß ich mit meiner These nicht auf grenzenlose Zustimmung stoße, weil ich ja unterschwellig sage, daß man nicht alles therapieren sollte. Und das meine ich auch so. Wir müssen nur so gut ausgebildete Mediziner haben, die solche Entscheidungen auch zweifelsfrei treffen können, bzw. mit den Angehörigen in der Art diskutieren können, daß auch die Angehörigen diese Entscheidungen aufgeklärt treffen können. Ich hoffe es wird deutlich, was ich sagen will.
Ein Beispiel aus der Reportage: eine Patientin mit einem geplatzten Hirnaneurysma wurde extubiert und ist nach 1 oder 2 Tagen verstorben. Vorher wurde geklärt, ob sie operiert werden könnte. Das wurde zwar bejaht, aber mit der Folge, daß sie absolut bewegungsunfähig und nicht in der Lage sein wird, ihre Umwelt wahr zu nehmen. Daraufhin hat man auf die OP verzichtet und mit den Angehörigen besprochen, die Intensivmedizin einzustellen.
Zum Thema „Sterben im Umfeld der Liebsten“: Das stellen wir uns alle als das Idealbild des Sterbens vor. Aber ich bezweifle aus eigener Erfahrung und Gesprächen mit Pflegepersonal einer „Krebsstation“, daß dies immer das Idealbild ist.
Ende letzten Jahres ist meine Mutter an Krebs gestorben. Meine Frau, mein Vater und ich waren in den letzten Stunden dabei. Meine Mutter machte einen 14stündigen Todeskampf durch, den wir begleiteten. Zu Ende ging es, als mein Vater eine rauchen ging und ich mir auf dem Flur die Beine vertreten habe.
Das Pflegepersonal beobachtet das sehr sehr häufig, daß die Menschen just in dem Moment versterben – loslassen - , wenn ihre Angehörigen „gerade mal vor der Tür“ sind. Viele möchten ihre am Bett sitzenden Liebsten einfach nicht verlassen.
RS-USER-Sani
06.11.2005, 14:49
Original geschrieben von Grillmaster T
[...]daß die Menschen just in dem Moment versterben – loslassen - , wenn ihre Angehörigen „gerade mal vor der Tür“ sind.
So war es auch bei meiner Oma, meine Mutter fuhr nur mal kurz nach Hause, um nach meinem Bruder zu schauen. Sie kam gerade zur Tür rein, als das Telefon klingelte.
Die Klinik hatte angerufen und meinem Vater mitgeteilt, dass Oma gerade gestorben sei. Mein Opa starb alleine in der Klinik, da seine Frau in einer anderen Klinik lag und meine Mutter 400km weit weg war.
Schwester Rabiata
06.11.2005, 22:49
Als Schülerin war ich einmal vom üblichen Stationsdienst freigestellt um einen sterbenden Säugling zu betreuen.
4 Monate, Hydrocepalus evacuo, Streckkrämpfe, Temp-regulationsstörungen etc.
Drei Tage war ich nur für ihn da, hielt ihn im Arm, hab sondiert, abgesaugt, war einfach nur immer da.
Dann musste ich einen Tag freinehmen - die Sr. sind nur ins Zimmer wenn es absolut notwendig war.
Er ist dann gestorben als er alleine war...
Ich war damals grade 20 Jahre alt, wollte selbst mal Kinder haben. Und fand das Verhalten der Eltern nur schrecklich. Die haben lediglich einmal am Tag angerufen und gefragt ob er noch lebt.
Einmal hab ich sie auf Station gesehen, sie haben das Kind nicht angefasst.
Da wurde mir klar, dass wenn ich einmal ein solches Kind hätte ... es dürfte bei mir sterben!
Ich hätte auch ein Kind mit nicht überlebensfähiger Behinderung niemals abtreiben können - auch diese Kinder haben das recht würdevoll im Arm eines Menschen zu sterben - und nicht intrauterin zerstückelt und abgesaugt zu werden... (okay, meine Meinung)
Doch, ich muss sagen, dass dieses Erlebnis mich ganz entscheidend geprägt hat - nicht nur beruflich.
Rabiata
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