Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : keine HAES bei Sepsis?
Guedeltubus
09.03.2006, 00:24
Hi,
auf meiner Station ist es neudings so, dass Pat. mit einer Sepsis od. septischen Schock, keine HAES mehr bekommen.
Grund:
lt. einer Studie (ich weiss nicht inwieweit ich den Namen nennen darf, deshalb lass ichs weg) wurde rausgefunden, dass Pat. mit den o.g. Krankheitsgeschehen, mit HAES kein besseres Outcome haben im Vergleich zu PAt. die nur Ringer-Lösung (E 153) erhalten haben. Bei Pat. die HAES erhalten haben, wurde festgestellt, dass die Nebenwirkung v.a. im Berech der Nierenfunktion erheblich verstärkt wurden.
Habt ihr Erfahrungen auf diesem Gebiet?
Könnt ihr mir dass näher erklären warum HAES sicht negativ auf die Nierenfunktion auswirkt?
Gruß G.
Gasmann1
09.03.2006, 12:20
Hallo Guedeltubus,
HAES ist kein Allheilmittel, im angloamerikanischen Raum wird es ohnehin kaum eingesetzt. Den Namen der Studie solltest du aber ruhig mal reinsetzen - sonst kann es keiner mal schnell nachlesen, der die Arbeit nicht kennt (mich eingeschlossen).
Möglicherweise ist es ein ähnlicher Effekt wie bei den Schwerbrandverletzten, auch bei der Sepsis kommt es ja zum capillary leak, das HAES verlässt das Gefäss und bleibt im Interstitium liegen.
Gm1
RS-USER-Bärentöter
09.03.2006, 12:21
könnte mir auch vorstellen, daß die HAES-Moleküle die Niere "verstopfen"
Quisqualat
09.03.2006, 12:46
Ich könnte mir denken das es um diese geht:
Effects of hydroxyethylstarch and gelatin on renal function in severe sepsis: a multicentre randomised study.
Schortgen F, Lacherade JC, Bruneel F, Cattaneo I, Hemery F, Lemaire F, Brochard L.
Lancet. 2001 Mar 24;357(9260):911-6.
Guedeltubus
09.03.2006, 15:03
es ist die "Visep"-Studie,allerdings ist sie meines Wissen noch nicht komplett abgeschlossen.
Das o.g. Ergebnis wahrscheinlich erstmal von unserer Station
RS-USER-Katja
09.03.2006, 20:56
VISEP ist noch nicht durch, korrekt. Ich schreib' morgen oder Sonntag nochmal was dazu, wenn ich wieder wach bzw. wieder zurück bin :)
Studien gibt's zu Kristalloide/Kolloide wie Sand am Meer. Ein hübscher Übersichtsartikel (lesbar) ist in der vorletzten Intensiv Up2date, auch wenn er sich nicht speziell auf Sepsis bezieht.
RS-USER-Katja
12.03.2006, 17:43
Söööödele, da wäre ich wieder. Den Übersichtsartikel habe ich gerade nicht da, aber so im groben schreibe ich es mal zusammen, soweit ich es geregelt bekomme.
Die Frage, ob Kolloide oder Kristalloide bei hohem Volumenbedarf zu verwenden sind, ist so alt wie die Kolloide. Es geht offensichtlich beides, denn unsere amerikanischen Nachbarn nutzen seit den desaströsen Geschichten mit Dextranen eigentlich keine Kolloide, sondern schütten nur riesige Mengen Kristalloide in sepische Patienten oder solche mit Volumenmangel - und auch die überleben. Der Mensch verträgt halt viel Arzt. :grins:
HAES, die bei der Visep-Studie gegen Kristalloide getestet wurde (merke: Eine Zubereitung von HES, meines Wissens war es HAES steril 6% in isotonem Kochsalz- es gibt ja weiß Gott viele verschiedene HAES) soll eine erhöhte entzpndliche Membranperamebilität reduzieren und dem "capillary leak" entgegenwirken. Nachteil bei HES: Ist das Zeug erstmal außerhalb des Gefäßsystems, bleibt es da auch länger liegen und unterhält die Ödeme. Gezeigt werden konnte das allerdings in noch stärkerem Maß für Gelatine und für Humanalbumin (was man ja sowieso nicht nehmen soll). Andererseits ist HES zwar von den Kolloiden das inerteste, was immunologische Reaktionen angeht, scheint aber auch auf der anderen Seite "gute" Immunreaktionen abzudämpfen.
Die ewige nervige Frage, ob HES nicht ganz furchtbar die Blutgerinnung stört, beantworte ich jetzt mal ganz kurz mit "in normalen Mengen nicht, wenn es blutet, ist das ein anderes Problem" (Voluven 6% hat eine Tageshöchstdosis von 55ml/kg KG/d, soviel kippt man nicht mal einfach in irgendwen rein...).
Bei septischen Patienten sind in der Regel ja mehrere Organsysteme betroffen, so auch die Nieren; durch die Erhöhung des renalen Perfusionsdrucks können Kolloide die Nierenfunktion hier verbessern, führen aber auch zu einer sog. "Osmotischen Nephrose", also einer (reversiblen) Schwellung der Nierenepithelzellen. GLucose oder Mannitol oder Gelantine macht das auch. Da auch die Urinviskosität zunimmt, *müssen* zur Erhaltung der Nierenfunktion bei Intensivpatienten immer auch Kristalloide gegeben werden, sonst baut man sich selbst eine Nierenblockade! Das fand ich schonmal doof bei der VISEP-Studie, das das so nicht gemacht wurde...
BEi Kristalloiden sind nach einer Stunde post infusionem noch maximal (!) 10% (!!!) des infundieren Flüssigkeitsvolumens intravasal, der Rest ist in den Zellen (und somit auch in der Lunge, im Hirn, im Myokard usw.) verschwunden. Bei Kolloiden abhängig von Substanz und Substitutionsgrad (bei HES) ... für HAES bzw Voluven 6% sind es 100% Volumeneffekt für 3-4h. Jetzt rechnen wir das als kleine Aufgabe mal um, wieviel Kristalloide man braucht
:D
Verdammt viel. Und das muß alles hinterher wieder rausgenudelt werden aus dem Patienten.
Mal sehen, was VISEP im Ganzen rausbekommt. Ich fand allerdings die Einschlußkriterien sehr weit gefaßt (bei uns sind da auch Pat. reingegangen, die ich nicht so septisch gesehen habe...).
RS-USER-Brutus
02.04.2006, 18:10
Hallo,
da gab es vor ein paar Wochen eine ganz gute Fortbildung in Dortmund. Professor Zander / Physiologe hat da ein paar sehr weise Worte gesprochen.
Nachzulesen unter: www.physioklin.de
Vor allem die Mengen an RL, die benötigt werden, um das Volumen intravasal zu steigern, waren ihm deutlich zu viel.
Daher war sein Vorschlag HES 6% (Voluven(R))
Aber am besten mal auf seiner Seite nachsehen, die ist sehr gut.
MFG
Edit: Bei uns werden in einer Sepsis ordentliche Mengen an HES infundiert, neben EK's und FFP's...
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