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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : GESUNDHEITSREFORM 2007



RS-USER-Rettungsente
29.03.2006, 11:10
Ich habe gerade bei Focus"online" diesen doch sehr bemerkenswerten Beitrag gelesen:
http://focus.msn.de/finanzen/versicherung/krankenkassen_nid_26841.html

Die seit gut zwei Jahren geltende Praxisgebühr soll nach einem Zeitungsbericht zum 1. Januar 2007 erhöht werden.

Auch die Zuzahlung bei Medikamenten werde steigen, berichtete das Bielefelder „Westfalen-Blatt“ am Mittwoch.

Bei der Praxisgebühr werde derzeit von Gesundheitsexperten der Regierungskoalition eine Verdoppelung von zehn auf 20 Euro diskutiert. Bei der Arzneimittelzuzahlung solle der Mindestbetrag von fünf auf zehn Euro und der Höchstbetrag von zehn auf 20 Euro steigen. Spitzenpolitiker von Union und SPD wollten am Mittwochabend in Berlin über die Gesundheitsreform beraten.

Rürup rechnet mit Krankenhaussterben

Das Mitglied des Sachverständigenrates der Bundesregierung, Bert Rürup, habe bereits Anfang des Jahres in einem vertraulichen Gespräch mit Vertretern des Deutschen Facharztverbandes erklärt, dass höhere Belastungen für die Patienten zu erwarten seien beispielsweise durch höhere Praxisgebühren und erhöhte Zuzahlungen bei Medikamenten, schreibt das Blatt unter Berufung auf ein Protokoll der Zusammenkunft.

Rürup habe außerdem ein Krankenhaussterben von 25 Prozent in den nächsten drei bis fünf Jahren prophezeit. Ferner würden Kliniken in Zukunft in erheblichem Umfang ambulante Leistungen anbieten.

Das ist ja wohl die Oberhärte :-kotz !

VG Rettungsente

Hörbird
29.03.2006, 12:11
Original geschrieben von Rettungsente

Rürup rechnet mit Krankenhaussterben

...

Rürup habe außerdem ein Krankenhaussterben von 25 Prozent in den nächsten drei bis fünf Jahren prophezeit. Ferner würden Kliniken in Zukunft in erheblichem Umfang ambulante Leistungen anbieten.

Das ist ja wohl die Oberhärte :-kotz !

VG Rettungsente [/B]

Ja, aber leider schon sehr lange bekannt - hat mit der Fallpauschale zu tun.
Der Trend geht immer mehr zur ambulanten Versorgung.
Bedeutet allerdings auch, das es mal wieder ein paar weniger Arbeitsplätze geben wird.:(

RS-USER-Cookie
29.03.2006, 13:16
Die Praxisgebühr ist doch eine ganz tolle Erfindung... :mad:
Ich war vor kurzem bei meinem Hausarzt, weil ich wegen meiner ständigen Rückenschmerzen ein Rezept für Krankengymnastik / Massage haben wollte. Da ich in diesem Quartal noch nicht beim Arzt war, habe ich brav meine 10 € bezahlt. Tja, und dann sagte mir mein Arzt, es täte ihm ja wirklich furchtbar leid und er würde mir wirklich gern helfen, aber zum Quartalsende erlaubt es ihm sein Budget einfach nicht mehr, mir ein Rezept auszustellen. Er wäre schon verwarnt worden, und die paar Rezepte, die er noch ausstellen darf, muß er für Notfälle (z. B. frisch Operierte) aufheben. Nicht ganz so dringende Fälle müssen sich halt bis zum nächsten Quartal irgendwie anders behelfen, und wenn es mit Schmerztabletten ist! :mad:

Und so habe ich 10 € bezahlt, um mich mit meinem Arzt 10 Minuten nett zu unterhalten und dann ohne Rezept wieder abzuziehen. :rolleyes:

Also irgendwas ist an diesem System doch nicht in Ordnung...

Hörbird
29.03.2006, 13:18
Original geschrieben von Cookie
Die Praxisgebühr ist doch eine ganz tolle Erfindung... :mad:
Ich war vor kurzem bei meinem Hausarzt, weil ich wegen meiner ständigen Rückenschmerzen ein Rezept für Krankengymnastik / Massage haben wollte. Da ich in diesem Quartal noch nicht beim Arzt war, habe ich brav meine 10 € bezahlt. Tja, und dann sagte mir mein Arzt, es täte ihm ja wirklich furchtbar leid und er würde mir wirklich gern helfen, aber zum Quartalsende erlaubt es ihm sein Budget einfach nicht mehr, mir ein Rezept auszustellen. Er wäre schon verwarnt worden, und die paar Rezepte, die er noch ausstellen darf, muß er für Notfälle (z. B. frisch Operierte) aufheben. Nicht ganz so dringende Fälle müssen sich halt bis zum nächsten Quartal irgendwie anders behelfen, und wenn es mit Schmerztabletten ist! :mad:

Und so habe ich 10 € bezahlt, um mich mit meinem Arzt 10 Minuten nett zu unterhalten und dann ohne Rezept wieder abzuziehen. :rolleyes:

Also irgendwas ist an diesem System doch nicht in Ordnung...

Vergiß nicht, das Du bei der rankengymnastik auch noch was draufzahlen mußt.

RS-USER-Cookie
29.03.2006, 13:19
Original geschrieben von Hörbird
Der Trend geht immer mehr zur ambulanten Versorgung.


Bedeutet auch wieder Mehrkosten für die Patienten bzw. enormen Bürokratieaufwand, weil Krankentransporte zu ambulanten Behandlungen nur in besonderen Fällen mit vorheriger Genehmigung von den Krankenkassen bezahlt werden.

RS-USER-Cookie
29.03.2006, 13:21
Original geschrieben von Hörbird
Vergiß nicht, das Du bei der rankengymnastik auch noch was draufzahlen mußt.

Das Ende vom Lied war dann, daß ich meine Krankengymnastin privat bezahlt habe. Aber immer kann man das auch nicht machen.

Hörbird
29.03.2006, 13:23
Original geschrieben von Cookie
Das Ende vom Lied war dann, daß ich meine Krankengymnastin privat bezahlt habe. Aber immer kann man das auch nicht machen.

Habe 26 Euro an die KK zahlen müssen für glaub ich 6 x Gerätetraining in einem Rehazentrum.
So zahle ich bei denen 4 Euro für die gleiche Leitungsstunde und habe noch ein Bewegungsbad dabei!

RS-USER-Elektro-Dengel
29.03.2006, 14:01
Spitze,
Im Klartext bedeutet das für die Patienten, dass sich ihre Zuzahlungen verdoppeln. Das wird natürlich primär diejenigen hart treffen, die eh schon arm dran sind (Rentner, Arbeitsunfähige, Schwerkranke).
Aus 40€ Praxisgebür im Jahr werden halt 80 und je mehr Medikamente man braucht umso mehr darf man draufzahlen.
Und obwohl ich, nachdem ich meine KK-Beiträge bezahlt habe und auch noch hunderte Euros selbst zugezahlt hab (die rezeptfreien Medikamente die ich das ganze Jahr über auf eingene Verantwortung kauf sind da noch nicht mal mit drin), erzählt mir der Arzt, dass ihm die KK aufs Dach steigt, wenn er mir überhaupt was verschreibt.

Leute, in unserem Gesundheitssystem läuft irgendwas ganz gewaltig schief. Warum sind Krankenkassen-Gebäude eigentlich immer solche Prachtbauten, und warum hört man immer wieder von Mio. Überschüssen, die die KK produzieren?

Tja wenn man ständig die Leistungen kürzt, dafür aber die Beiträge immer wieder erhöht, dann kann sich das leisten.

Ein Kumpel von mir ist Fachangestellter bei einer großen dt. KK und hat mir mal erzählt wie da gearbeitet wird und wie über Leistung oder eben "nicht" Leistung entschieden wird. Da kann einem echt schlecht werden, wenn man so wie wir (Ärzte, Pflege, RD) den Patientenkontakt haben und sehen was der Patient davon hat.

Wärend schwerkranke ihre Amulanzfahrten nicht bezahlt bekommen, obwohl es anders als mit dem KTW nicht geht, fahr ich als Alki-Taxi sturzbesoffene Assis zum wiederholten mal durch die Gegend und muss mich für diesen kostenlosen Service (die KK zahts ja) auch noch dumm von ihnen anmachen lassen!

:mad: :mad:

frustrierte Grüße

Der Dengel

folken_vanehl
29.03.2006, 15:14
Das sind bittere Aussichten! Ich kann nur sagen das sich unsere Patienten dann bald die ambulante Chemo nicht mehr leisten können. Die können die finanzielle Last jetzt kaum bewältigen und wenn sich die Zuzahlungen jetzt erhöhen kommt bald keiner mehr zur Therapie.
Es kotzt mich an das Gesundheit scheinbar nur noch was für die Wohlhabenden ist.

Zu so einem System fällt mir nix mehr ein!:-keule

RS-USER-First_Responder
29.03.2006, 19:48
Tolle Geschichte von meinem (noch nicht) Schwiegerpapa:

Er hatte einen eingewachsenen Zehennagel der scheinbar wirklich tierisch weh getan haben muss. Da er aufgrund von ambulanter Chemo eh im KH war zeigte er das seiner Ärztin und die hat es dann gleich operiert. Das war Freitag nachmittag, er hätte also keinen Termin bei nem niedergelassenen Chirurgen bekommen.
Sonntags musste er zur Nachsorge. Da sagte man ihm das er jetzt zum Hausarzt müsse, der ihm eine Überweisung zum niedergelassenen Chirurgen gibt, der wiederum eine Überweisung zum KH schreibt.



UND DAS ALLES SOLL DURCH ZEHN €URO PRAXISGEBÜHR FINANZIERT WERDEN???????


Nie im Leben!!!!