PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rezepte gegen Grippe



RS-USER-Claudi
01.04.2006, 13:16
Angesichts der Wetterlage und aufgrund der Tatsache, dass offensichtlich jeder 2. in Deutschland immer noch (bzw. wieder) erkältet ist, folgender Text von Kurt Tucholsky:

;)

Beim ersten Herannahen der Grippe, erkennbar an leichtem Kribbeln in der Nase, Ziehen in den Füßen, Hüsteln, Geldmangel und der Abneigung, morgens ins Geschäft zu gehen, gurgele man mit etwas gestoßenem Koks sowie einem halben Tropfen Jod. Darauf pflegt dann die Grippe einzusetzen. Die Grippe - auch "spanische Grippe", Influenza, Erkältung (lateinisch: Schnuppen) genannt - wird durch nervöse Bakterien verbreitet, die ihrerseits erkältet sind: die so genannten Infusionstierchen. Die Grippe ist manchmal von Fieber begleitet, das mit 128° Fahrenheit einsetzt; an festen Börsentagen ist es etwas schwächer, an schwachen fester - also meist fester. Man steckt sich am vorteilhaftesten an, indem man als männlicher Grippekranker eine Frau, als weibliche Grippekranke einen Mann küsst - über das Geschlecht befrage man seinen Hausarzt. Die Ansteckung kann auch erfolgen, indem man sich in ein Hustenhaus (so genanntes "Theater") begibt; man vermeide es aber, sich beim Husten die Hand vor den Mund zu halten, weil dies nicht gesund für die Bazillen ist. Die Grippe steckt nicht an, sondern ist eine Infektionskrankheit.

Sehr gut haben meinem Mann ja immer die kalten Packungen getan; wir machen das so, dass wir einen heißen Griesbrei kochen, diesen in ein Leinentuch packen, ihn aufessen und dem Kranken dann etwas Kognak geben - innerhalb zwei Stunden ist der Kranke hellblau, nach einer weiteren Stunde dunkelblau. Statt Kognak kann auch Möbelspiritus verabreicht werden. Fleisch, Gemüse, Suppe, Butter, Brot, Obst, Kompott und Nachspeise sind während der Grippe tunlichst zu vermeiden - Homöopathen lecken am besten täglich je dreimal eine Fünf-Pfennig-Marke, bei hohem Fieber eine Zehn-Pfennig-Marke.

Die Schulmedizin versagt vor der Grippe gänzlich. Keinesfalls vertraue man dieses geheimnisvolle Leiden einem so genannten Arzt an; man frage vielmehr im Grippefall Frau Meyer. Frau Meyer weiß immer etwas gegen diese Krankheit. Bricht in einem Bekanntenkreis die Grippe aus, so genügt es, wenn sich ein Mitglied des Kreises in Behandlung begibt - die anderen machen dann alles mit, was der Arzt verordnet. An hauptsächlichen Mitteln kommen in Betracht: Kamillentee. Fliedertee. Magnolientee. Gummibaumtee, Kakteentee. Diese Mittel stammen noch aus Großmutters Tagen und helfen in keiner Weise glänzend. Unsere moderne Zeit hat andere Mittel, der chemischen Industrie aufzuhelfen. An Grippemitteln seien genannt: Aspirol. Pyramidin. Bysopeptan. Ohrolax. Primadonna. Bellapholisiin. Aethyl-Phenil-Lekaryl- Parapherinan-Dynamit-Acethylen-Koollomban-Piporol.

Bei letzterem Mittel genügt es schon, den Namen mehrere Male schnell hintereinander auszusprechen. Man nehme alle diese Mittel sofort, wenn sie aufkommen - solange sie noch helfen, und zwar in alphabetischer Reihenfolge, ch ist ein Buchstabe. Doppelkohlensaures Natron ist auch gesund.

Besonders bewährt haben sich nach der Behandlung die so genannten prophylaktischen Spritzen ("lac", griechisch; soviel wie "Milch" oder "See"). Diese Spritzen heilen am besten Grippen, die bereits vorbei sind - diese aber immer. Amerikaner pflegen sich bei Grippe Umschläge mit heißem Schwedenpunsch zu machen; Italiener halten den rechten Arm längere Zeit in gestreckter Richtung in die Höhe; Franzosen ignorieren die Grippe so, wie sie den Winter ignorieren, und die Wiener machen ein Feuilleton aus dem jeweiligen Krankheitsfall. Wir Deutsche aber behandeln die Sache methodisch: Wir legen uns erst ins Bett, bekommen dann die Grippe und stehen nur auf, wenn wir wirklich hohes Fieber haben: Dann müssen wir dringend in die Stadt, um etwas zu erledigen. Ein Telefon am Bett von weiblichen Patienten zieht den Krankheitsverlauf in die Länge.

Die glücklich erfolgte Heilung erkennt man an Kreuzschmerzen, Husten, Ziehen in den Füßen und einem leichten Kribbeln in der Nase. Diese Anzeichen gehören aber nicht, wie der Laie meint, der alten Grippe an sondern einer neuen. Die Dauer einer gewöhnlichen Hausgrippe ist bei ärztlicher Behandlung drei Wochen, ohne ärztliche Behandlung 21 Tage. Bei Männern tritt noch die so genannte "Wehleidigkeit" hinzu; mit diesem Aufwand an Getue kriegen Frauen Kinder.

Das Hausmittel Cäsars gegen die Grippe war Lorbeerkranz-Suppe; das Palastmittel Vanderbilts ist Platinbouillon mit weichgekochten Perlen. Und so fasse ich denn meine Ausführungen in die Worte des bekannten Grippologen Professor Dr. Dr. Dr. Ovaritius zusammen: Die Grippe ist keine Krankheit - sie ist ein Zustand!
-----------
Kurt Tucholsky (*1890) starb am 23.12.1935. Somit ist nach 70 Jahren das Copyright dieses großartigen Künstlers erloschen und die Texte gehen sozusagen in das Gemeineigentum über und dürfen von jedem frei nachgedruckt werden.

Diese Satire wurde unter seinem Pseudonym "Peter Panter" in der "Vossischen Zeitung" vom 3.2.1931 veröffentlicht.

RS-USER-Küchenhexe
28.05.2006, 19:58
Schottisches Lieblingsrezept:

Bei einer Grippe lege man sich gut zugedeckt in ein Bett, neben dem so viele Flaschen mit Whisky wie möglich in Reichweite stehen. Man trinke davon, so viel man kann.:):prost::)

Wenn man aufwacht und sich immer noch schlecht fühlt, widerhole man das Ganze so oft wie nötig.:D

Die Grippe wird vielleicht nicht schneller weg sein, aber es ist einem egal.

rebliflo
06.06.2006, 02:42
Original geschrieben von Küchenhexe
Schottisches Lieblingsrezept:

Bei einer Grippe lege man sich gut zugedeckt in ein Bett, neben dem so viele Flaschen mit Whisky wie möglich in Reichweite stehen. Man trinke davon, so viel man kann.:):prost::)

Wenn man aufwacht und sich immer noch schlecht fühlt, widerhole man das Ganze so oft wie nötig.:D

Die Grippe wird vielleicht nicht schneller weg sein, aber es ist einem egal.

aber man ist von innen desinfiziert gell und :prost:

Rettungshaserl
06.06.2006, 14:36
Solang einen die Erkältung noch nicht erwischt hat, kann man sich in der Sauna "abhärten"..

Hat bei mir leider nicht mehr funktioniert. die Erkältung war schneller als ich in der Sauna :mad: ..*g* das Ergebnis is ein Schnupfen, der sich nicht mal mehr mit Antibiotika verscheuchen lässt..

Aber die Exeu von Hexal.. also die Eukalyptuskapseln halten das schlimmste in Grenzen :D Ich bin eigentlich nicht so der "Medikamente-auf-Pflanzenbasis-Fan" aber die sind echt gut.

Gute Besserung an alle, die bei dem Sauwetter auch ne Erkältung erwischt haben.

Gruß Alexandra

RS-USER-Obelix
06.06.2006, 14:59
Original geschrieben von Rettungshaserl
das Ergebnis is ein Schnupfen, der sich nicht mal mehr mit Antibiotika verscheuchen lässt..


Wieso sollte sich auch ein viraler Schnupfen von Antibiotika beeindrucken lassen?

RS-USER-rettungshamster
24.10.2006, 13:31
Frischer Ingwertee !

Den hab ich mir gerade angedeihen lassen.

Eine ganze Ingwerknolle schälen, klein schnippeln und dann in kochenden Wasser vor sich hin köcheln und durchziehen lassen. Absieben und dann evtl. mit Honig süßen.

Chön Charf...aber lecker ;)

RS-USER-Linda
25.10.2006, 11:54
Oh ja, und tut einiges gegen Besiedelungen im Rachenraum... so kommts mir zumindest immer vor, wenn es sich den Weg nach unten brennt. Aber lecker und macht auch warm.
Zitronensaft kommt dazu auch ganz gut, mit oder ohne Honig.