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Ruediger
10.04.2006, 13:21
Da stimme ich Dir 100%ig zu! ;)

und... ich hab dich auch lieb! :D

RS-USER-Bärentöter
10.04.2006, 13:23
ich mache dennoch gewisse Unterschiede, das gebe ich offen zu.
Z.B. für Slobodan Miloševic konnte ich keine Trauer empfinden, und ich würde ihn auch nicht als "liebenswert" bezeichnen.

RS-USER-Claudi
10.04.2006, 14:07
@Bärentöter: Ich denke so weit in die Ferne muss niemand schweifen. Das nähere Umfeld reicht völlig aus.

Wie ist es z. B. mit dem torkelnden, verwanzten, stinkenden Obdachlosen am Bahnhofsklo?
Fragen sich wirklich viele Menschen, wie es in einem reichen Land so weit kommen konnte? Gibt es viele Leute, die so ein Leben als "wertvoll" bezeichnen würden? Ich frag absichtlich provokativ, denn die Antwort liegt auf der Hand: Den allermeisten ist dieser Mensch piepegal - das ist ein Sozialstaat und wenn der Typ nicht soviel saufen würde, hätte er sich um ein anderes Leben kümmern können. Selbst schuld, oder? Wer macht sich schon die Mühe und hinterfragt den individuellen Hintergrund?
Ich bezweifel mal, dass in seiner Todesanzeige etwas von einem besonders wertvollen Menschen stehen würde - ich bezweifel sogar, dass irgendjemand zu seiner Beerdigung geht.

Soviel zum Thema: "So oft in unserem Leben werden wir selbst fallen gelassen, sind am Boden zerstört und kriechen vielleicht im Schmutz - und fühlen uns wertlos. Aber all das ändert ebenso wenig etwas an unserem Wert, wie das was ich mit diesem Schein tat, seinen Wert änderte. Der Wert von jedem einzelnen uns bleibt immer erhalten, wie schmutzig, arm oder verloren wir auch immer sein werden."

klingt mit diesem Kontext fast ein bisschen höhnisch.

RS-USER-Bärentöter
10.04.2006, 14:16
das ist dann wohl der Unterschied zwischen ideellem und gelebtem Humanismus.
Ich habe nichts gegen "Penner", auch wenn ich ihnen zugegebenermaßen lieber aus dem Weg gehe.

Ruediger
10.04.2006, 14:23
@Claudi

Da spielt aber doch auch eine ganze Portion "Selbstwertgefühl" mit.

Der 50.- Euro Schein behält seinen Wert an sich, egal ob schmutzig, zerknittert und nass. Steck diesen in einen großen, frischen, stinkenden Hundehaufen und die Zahl derer die ihn haben möchte sinkt rapide !

Der Mensch, der, durch welche Umstände auch immer, am Boden zerstört ist, "behält" auch seinen Wert an sich. -> Selbstwertgefühl.
Nur wer sich selbst aufgibt und nicht mehr an sich glaubt hat es wirklich extrem schwer - zugegebener maßen

Solange ich noch selbst an mich glaube und Kraft und Willens bin an mich zu glauben und mich wieder aufzurappeln geht es weiter.

Ich gehe sogar mal soweit das es bestimmt jemanden gibt der auch an denjenigen glaubt der vollkommen im Schmutz liegt.
Nur ob er gewillt ist die Hilfe anzunhemen, oder ggf. aus Scham ablehnt, muss wohl im Einzelfall geklärt werden.

Da könnten wir beide stundenlang philosophieren ;)
;)

RS-USER-Claudi
10.04.2006, 14:41
ähm - du kannst aber nicht behaupten, ich sei vom Thema abgeschweift.
:o

Ich denke da an einen aktuellen Fall, vorgefallen vor ein paar Wochen, der mir noch im Kopf rumschwirrt: Musste in der Innenstadt eine kleine Horde Kinder/Jugendlicher (so 13,14) mit meinem Gehstock verprügeln (nein - ganz so extrem wars nicht, ein paar scharfe Worte: "verschwindet, sonst zieh ich euch den Hosenboden stramm" hat gereicht...) , weil sie ganz übel einen Penner, der wirklich kaum noch krauchen konnte, aufgemischt haben. In der Fußgängerzone wohlgemerkt. Und glaub nicht, es habe auch nur einen der anderen interessiert.
Da geht mit Sicherheit auch das letzte bisschen Selbstwertgefühl den Bach runter, wenn die Gesellschaft dich täglich wissen lässt, was du ihnen "wert" bist. Ich möchte den sehen, der so über längere Zeit seinen Selbstwert erhalten kann.

Claudi (voll im Thema :-p )

Xaxis1
10.04.2006, 14:48
@Claudi:

Der Penner kriegt einen Kaffee (bis Monatsmitte...*hüstel), wenn er mag und "kommunikationsfähig" ist ... nur dazusitzen und zuhören bringt schon viel !
Und es ist lustig, wie die "lieben" Mitmenschen auf einmal glotzen, wenn da jmd "normeles" beim "Penner" auf der Straße hockt und ihm beim Essen hilft...

Meist steckt eine ziemlich fiese Geschichte hinter den "zerknüllten" Menschen...

und Rüdiger, da net jeder ein soziales Netz hat, net mal die Möglichkeit wie wir hier, uns auszuk***, ist das mit dem Hochrappeln auch net so einfach... net vergessen, jeder, der hier ist, hat einen bestimmten Bildungshintergrund, bei vielen auf der Straße reicht der bis zum Grundschulende in etwa...

Es gibt eine Randgruppe, bei der ich Probleme hab, deren Wert zu erkennen; aber das gehört hier net her...

Jedenfalls ist das niemand, der Hilfe annehmen kann und will !

RS-USER-Bärentöter
10.04.2006, 14:55
Original geschrieben von Xaxis1
Es gibt eine Randgruppe, bei der ich Probleme hab, deren Wert zu erkennen; aber das gehört hier net her...

diese Probleme habe ich bei den netten Herrschaften mit Bomberjacke, Springerstiefeln und Lonsdale-T-Shirts, die so nette doitsche Musik hören.

Wobei die auch meist ihre Vorgeschichte haben...

RS-USER-Claudi
10.04.2006, 14:58
Original geschrieben von Xaxis1


Meist steckt eine ziemlich fiese Geschichte hinter den "zerknüllten" Menschen...

weiß isch.
Kümmer mich selbst ein bisschen seit einigen Jahren um diese Menschen.

Es ist mehr das absolute Desinteresse des Großteils der Bevölkerung das mich schockt.

Ruediger
10.04.2006, 15:02
Das Thema ist ein guter Themenansatz für das nächster RS-Treffen.

Sehr groß und mit sehr viel Tiefgang.
Mehr als ich gewillt bin hier öffentlich in Web zu stellen.

Ich möchte, für meinen Abschluß hier zum Thema, noch das folgende posten.

===============================
Irischer Segen aus dem Jahr 1692

Geh deinen Weg ruhig - mitten in Lärm und Hast,
und wisse, welchen Frieden die Stille schenken mag.

Steh mit allen auf gutem Fuße, wenn es geht,
aber gib dich selber nicht dabei auf.

Sage deine Wahrheit immer ruhig und klar
und höre die anderen auch an,
selbst die Unwissenden, Dummen -
sie haben auch ihre Geschichte.

Laute und zänkische Menschen meide.
Sie sind eine Plage für dein Gemüt.

Wenn du dich selbst mit anderen vergleichen willst,
wisse, dass Eitelkeit und Bitterkeit dich erwarten,
Denn es wird immer größere und geringere
Menschen geben als dich.

Freue dich an deinen Erfolgen und Plänen.
Strebe wohl danach weiterzukommen, doch bleibe bescheiden.
Das ist ein guter Besitz im wechselnden Glück des Lebens.

Übe dich in Vorsicht bei deinen Geschäften.
Die Welt ist voll Tricks und Betrug.
Aber werde nicht blind für das,
was dir an Tugend begegnet.

Sei du selber - vor allem:
heuchle keine Zuneigung, wo du sie nicht spürst.
Doch denke nicht verächtlich von der Liebe, wo sie sich wieder regt.

Sie erfährt soviel Entzauberung, erträgt soviel Dürre
und wächst doch voller Ausdauer, immer neu, wie das Gras.

Nimm den Ratschluß deiner Jahre mit Freundlichkeit an.
Und gib deine Jugend mit Anmut zurück, wenn sie endet.

Pflege die Kräfte deines Gemüts, damit es dich schützen kann,
wenn Unglück dich trifft, aber überfordere dich nicht durch Wunschträume.

Viele Ängste entstehen durch Enttäuschung und Verlorenheit.
Erwarte eine heilsame Selbstbeherrschung von dir.

Im übrigen aber sei freundlich und sanft zu dir selbst.
Du bist ein Kind der Schöpfung,
nicht weniger wie die Bäume und Sterne es sind.
Du hast ein Recht darauf, hier zu sein.
Und ob du es merkst oder nicht -
ohne Zweifel entfaltet sich die Schöpfung so. wie sie es soll.

Lebe in Frieden mit Gott, wie du ihn jetzt für dich begreifst.
Und was auch immer deine Mühen und Träume sind
in der lärmenden Verwirrung des Lebens -
halte Frieden mit deiner eigenen Seele.

Mit all ihrem Trug, ihrer Plackerei und ihren zerronnenen Träumen -
die Welt ist immer noch schön!
Amen.


===============================
Quelle: http://netprayers.de/cmsde/modules/sections/index.php?op=viewarticle&artid=15

RS-USER-Claudi
10.04.2006, 15:06
Original geschrieben von Ruediger
Das Thema ist ein guter Themenansatz für das nächster RS-Treffen.

Sehr groß und mit sehr viel Tiefgang.
Mehr als ich gewillt bin hier öffentlich in Web zu stellen.


... weil das Thema zu viel Tiefgang für dieses Forum hat? :confused:
Na, dann bin ich wohl raus aus der Diskussion. :o

Ruediger
10.04.2006, 15:09
Lesen und verstehen :rolleyes:

Mehr als ich gewillt bin hier öffentlich in Web zu stellen.

Xaxis1
10.04.2006, 15:15
Original geschrieben von Claudi
... weil das Thema zu viel Tiefgang für dieses Forum hat? :confused:
Na, dann bin ich wohl raus aus der Diskussion. :o

Ich glaub, da interpretierst was rein...:peace:

hier weiterdiskutieren oder anderen Thread aufmachen ?

Jambe
11.04.2006, 14:46
ich denke, es sind nicht nur die Obdachlosen oder Randgruppen, die in der Gesellschaft zunehmend verloren gehen.

Vor einiger Zeit gab es eine Doku zum Thema "die vergessenen Toten" - ein Bericht über das Ordnungsamt der Stadt Köln - ca. 620 Fundleichen gibt es pro Jahr (das sind beinahe 12 pro Woche!). Fundleichen - also gestorbene Menschen, die niemand vermisst. Erst wenn sich Nachbarn über den Gestank, der aus der Wohnung kommt beschweren oder wenn der Pfandleiher vor der Tür steht um nicht bezahlte Rechnungen einzutreiben, fällt auf, dass etwas nicht stimmt.

Kurzes Zitat:
An diesem Sommertag änderte sich manches, wie Höveler sich erinnert: «Die Mitarbeiterin der Hausverwaltung berichtete mir, dass einer meiner Mieter seit einiger Zeit nicht mehr gesehen wurde. Außerdem bemerkten Nachbarn einen durchdringenden Geruch aus der Wohnung.» Der Hausmeister brach die Türe auf und fand den 43-jährigen Mieter bei eingeschaltetem Fernseher auf dem Sofa sitzend, schwarz verfault und offenbar seit Tagen tot.


Also kein alter Mensch, der einfach keine Angehörigen mehr hat.
Es gibt verdammt viele Menschen in Deutschland die keinerlei soziale Kontakte haben und es werden immer mehr.
Ursache möglicherweise die zunehmende Gleichgültigkeit und Rücksichtslosigkeit der Leute den Mitmenschen gegenüber.

Man könnte wirklich lange und ausgiebig darüber diskutieren, auch wenn ich persönlich keine so tief gehende Meinung vertrete, dass ich sie nicht öffentlich kundtun würde.
@Xaxis1: Verstehe ich das richtig (ich möchte nicht auch unter die Rubrik "lesen und verstehen..." fallen :grins: ) - evtl. ein neues Thema dafür aufmachen??
Mit dem Titel: "vom Wert des Menschen?" (?) Ich dachte, so heißt dieses Thema hier.

RS-USER-Katja
11.04.2006, 20:54
Original geschrieben von Jambe

Es gibt verdammt viele Menschen in Deutschland die keinerlei soziale Kontakte haben und es werden immer mehr.
Ursache möglicherweise die zunehmende Gleichgültigkeit und Rücksichtslosigkeit der Leute den Mitmenschen gegenüber.

"Es werden mehr" - gibt es da Statistiken zu? Meine Brandpatschen sagen nämlich, daß es früher viel mehr mehrtägig Tote waren, die irgendwo rausgeholt werden mußten und daß es in den letzten Jahren eher weniger sind.

Zum Empfinden der sozialen Gleichgültigkeit: Da amüsiert mich immer, wie sehr einerseits diese beklagt wird und andererseits zwei Atemzüge später jemand über Frau MeierMüllerSchmidt meckert, die würde dauernd im Fenster hängen und alles in der Straße kontrollieren und so... :rolleyes:

MatthiasKlemens
12.04.2006, 14:13
in zusammenhang mit dem titel des threads:

meistens erkennt man den wahren wert von etwas erst, wenn man es verloren hat........

Xaxis1
12.04.2006, 15:12
Original geschrieben von Jambe

@Xaxis1: Verstehe ich das richtig (ich möchte nicht auch unter die Rubrik "lesen und verstehen..." fallen :grins: ) - evtl. ein neues Thema dafür aufmachen??
Mit dem Titel: "vom Wert des Menschen?" (?) Ich dachte, so heißt dieses Thema hier.

Da ging es nur um Cookie/Rüdiger...

ich dnek, ma kann schon hier weiterdiskutieren - sofern der Wert eines Menschen wirklich objektiv beurteilbar ist....

serial2k
12.04.2006, 16:30
Zum Empfinden der sozialen Gleichgültigkeit: Da amüsiert mich immer, wie sehr einerseits diese beklagt wird und andererseits zwei Atemzüge später jemand über Frau MeierMüllerSchmidt meckert, die würde dauernd im Fenster hängen und alles in der Straße kontrollieren und so...

Und wenn Frau MeierMüllerSchmidt bemerkt, dass irgendwas anders ist als sonst, unternimmt sie dann was? Hat aus dem Fenster glotzen überhaupt was mit "sozialen Kontakten" zu tun? Ich habe den Eindruck, vielen diese Leute ist egal, was mit den anderen passiert, hauptsache sie haben was zum gucken.

Zum Thema Menschen ohne soziale Kontakte bzw. Gleichgültigkeit der Mitmenschen ein kleiner Einsatzbericht, vor 2 Wochen so in Dortmund passiert. RTW + NEF werden alarmiert, Einsatzmeldung ist "Atemnot".

Beim Betreten der Mietwohnung liegt ein etwa 60-70 jähriger Mann leblos auf dem Boden im Wohnzimmer, reanimationspflichtig.

Ebenfalls in der Wohnung ist eine gleichalte Frau in einem völlig verwahrlosten Zustand, Haare total verfilzt und bis unter den Bauchnabel lang. Finger- und Fußnägel wohl seit Jahren schon nicht mehr geschnitten, solange anscheinend auch nicht mehr gewaschen. Definitiv kein alltäglicher Anblick. Beim Befragen der Frau, welche übrigens den Notruf abgesetzt hatte, stellt sich heraus, dass diese von ihrem Mann seit sechs Jahren in der Wohnung gefangen gehalten wurde. Da sie sowohl körperlich als auch psychisch in einem schlechten Zustand ist wird noch ein KTW nachalarmiert, der sie in ein Krankenhaus bringen soll.

Die Nachbarn der Wohnung gegenüber stehen natürlich auch schon in der Tür, man darf ja nichts verpassen von diesem Spektakel, drei rote Autos vor der Tür! Darauf angesprochen, ob sie sich nicht gewundert haben, dass die Frau vor sechs Jahren auf einmal nicht mehr zu sehen war kam ein "ja, schon". Ob sie denn mal gefragt hätten, was mit ihr los sei - die klassische Antwort der heutigen Zeit: "nee, geht uns ja nix an".

RS-USER-Katja
12.04.2006, 17:07
Meckern hilft nie, besser machen ist die Devise :)
Und Frau MüllerMeierSchmidt unternimmt häufig was (meiner Erfahrung nach) - zumindest in der Regel mehr als die jüngeren Mitbewohner, die da nur wohnen wollen, denen Hausgemeinschaft und sowas eher unangenehm sind und die tatsächlich glauben, daß man sich gegenseitig in Ruhe lassen muß, weil sie gern in Ruhe gelassen werden wollen (und alle anderen ja sowieso Spießer sind).
Trotzdem nochmal die Frage: Glaubst Du ernsthaft, sowas hat es "früher" nicht gegeben und kann irgendwer belegen, daß die Vor-Auffindung-Langlieger tatsächlich mehr geworden sind? Für Göttingen zumindest stimmt das Gegenteil... (wir sind zugegebenermaßen keine Weltstadt ;) )

RS-USER-Möhre
13.04.2006, 19:15
Das gab es glaube ich vorher auch schon, nur gab es da RTL noch nicht .....