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RS-USER-DocMezzoMix
18.04.2006, 09:51
Wenn ich ehrlich bin-> nix weiter,
Ich würde jetzt einfach mal nen Apoplexverdacht in den Raum husten, sitzen tut er ja bereits und ihn in ne Neurologie schippern. Ereignis ja bereits einige Zeit her (Wer hat wann und warum angerufen???) ich tippe mal auf 2 Tage.
Minimalistenlösung, aber gut.
Man könnte jetzt natürlich noch O2 geben (im Auto dann, nicht im Sessel auf der Treppe) und evtl. ein Zugang legen.
Aber ansonsten hätte ich mich jetzt mal auf Apoplektischen Insult eingeschossen. Weitere Diagnostik macht präklinisch wenig Sinn, er scheint stabil.
Gruß dMM
tneumann
18.04.2006, 11:22
Melder ist ein Geschäft, das im gleichen Haus residiert und ihn sonst jeden Morgen zur gleichen Zeit sieht und sich daher Sorgen gemacht hat. 2 Tage ist das Ereignis sicher nicht her, da er sich sonst sicher an der Heizung verbrannt hätte. Eher im Minuten/Stunden-Bereich.
Aus diesem Grunde entscheiden wir uns zur Nachalarmierung eines NEF mit Verdachtsdiagnose Apoplex und legen was rosafarbenes in den rechten Handrücken.
Das NEF trifft nach kurzer Zeit ein. NA folgt unserer Theorie und strebt ebenfalls eine Neurologie an.
Einvernehmlich wird der Pat. auf den Tragestuhl umgelagert. Noch im Stehen äußert der Patient: "Jetzt wird mir komisch."
Im Stuhl angekommen krampft der Patient zunächst fokal im linken Bein. Von dort ausgehend generalisiert sich ein tonisch-klonischer Krampfanfall, der schließlich in konvulsivischem Aufbäumen seinen Höhepunkt findet. Nun ist auch 1 Amp. Valium aufgezogen und fix injiziert. Gut, dass wir einen Zugang gelegt hatten; der Anfall ließ sich mühelos durchbrechen. Der nunmehr schlappe und daher somnolente Pat. wird in den RTW verbracht.
Um noch die letzten Meter das Falles auszukosten versetzen wir uns nun alle in die Rolle des NA:
- Sollten wir noch irgendwas therapieren?
- Begleiten wir den Trsp.?
- Melden wir an? Schlagen wir der aufnehmenden Klinik Diagnostik vor?
RS-USER-DocMezzoMix
18.04.2006, 11:38
Opala, ich hätte weder nen NA geholt, noch unbedingt einen Zugang gelegt. Allerdings ist dies wieder sehr abhängig von dem vor Ort gebotenen Bild (~Bauchgefühl), jetzt formell hätte ich keinen Grund gesehen. Aufgrund der kurzfristigkeit des Ereignisses (hab da wohl was falsch verstanden, hätte ich vermutlich eher einen zügigen Trnsp. anstelle des NA rufes angestrebt.
Als NA würde ich begleiten (kost ja nix) und die weitere Behandlung der Stroke/Neurologie nach CT überlassen.
Ob anmelden nötig oder nicht, liegt an den örtlichen Besonderheiten, ich denke ein Anruf kostet ja auch nix.
Allerdings würde ich den Trnsp. zügig von statten gehen lassen. (Zeitfenster).
Im Fz. natürlich Standartbehandlung (O2&Co).
RR würd ich lassen wie er ist.
Gruß dMM
tneumann
18.04.2006, 11:59
Hatte versucht, das Bauchgefühl so gut wie möglich zu vermitteln. Ich hoffe, dass mir das einigermaßen gelungen ist, weil es mir ja gerade darum gegangen ist.
NA holen hat in diesem Fall (recht nah an der Wache, gut versorgte Großstadt) nicht viel länger gedauert wie Zugang legen.
Der NA hat begleitet und während des Transportes angemeldet (CT hochfahren...)
Christbaum und Glockengeläut waren eingeschaltet.
O2 usw. gab's natürlich ebenfalls.
Der Pat. wurde von uns direkt ins CT verbracht. Dort hatte unser NA die Chance genutzt, einen klitzekleinen Blick auf die Bilder zu werfen. Zumindest eine Blutung hat er auf die Schnelle nicht gesehen.
Kurzer Epikrise-Versuch:
Aktuell gehen wir von einer äthyltoxischen Hirnschädigung aus, die sich hier erstmalig in 2 aufeinanderfolgenden Krampfanfällen manifestiert hat.
Wir lernen:
ein Pat., der in eigenartiger Lage, die ihm offensichtlich unangenehm ist, aus der er sich aber nicht selber befreien kann, aufgefunden wird und dann die ganze Zeit im Sitzen gehalten werden muss, verdient eine umfassende neurologische Untersuchung und gehört nicht halbherzig untersucht ins nächste Akut-KH transportiert. Auch nicht, wenn er ne "Säufernase" hat. ;-)
Und wie so oft: lieber ein Zugang oder eine NA-Alarmierung zu viel als zu wenig.
Und zu guter letzt: trotz Halbseitensymptomatik war der gute alte Kreuzgriff völlig unauffällig. Der bedeutend sensitivere Armhalteversuch vermochte die linksseitige Pathologie bedeutend besser darzustellen.
Ich hoffe, es hat allen Teilnehmern ein wenig Spaß gemacht. Fragen zum Fall bzw. meiner Intention beantworte ich natürlich gerne auch weiterhin.
Grüße,
tn
serial2k
20.04.2006, 22:38
Original geschrieben von tneumann
Und zu guter letzt: trotz Halbseitensymptomatik war der gute alte Kreuzgriff völlig unauffällig. Der bedeutend sensitivere Armhalteversuch vermochte die linksseitige Pathologie bedeutend besser darzustellen.
Ich fühl mich grade ein bisschen dumm, den "Armhalteversuch" habe ich bis jetzt nämlich noch nie gehört oder gesehen, was verbirgt sich dahinter?
Der Patient wird aufgefordert, bei geschlossenen Augen die Arme supiniert (Handflächen nach oben) nach vorne zu halten. Einseitiges Absinken und Pronation (Einwärtsdrehung der Handflächen) sind dann Anzeichen einer Parese.
serial2k
21.04.2006, 09:38
Ich danke vielmals :)
Habe ich so bis jetzt hier noch nie gesehen, immer nur den Kreuzgriff. Muss ich mir mal merken.
tneumann
21.04.2006, 17:20
Naja, was heißt Zufall. Wer eh schon eine cerebrale Schädigung hat, kann ja durchaus auch noch Gleichgewichtsstörungen zeigen...
RS-USER-Sanitoeter
25.07.2006, 22:42
Wenn man schon in die neurologische Richtung denkt, Babinski? Wurde der kontrolliert?
tneumann
28.07.2006, 17:43
Nein, wurde er in der Wohnung nicht. Weiß auch spontan jetzt nicht, ob uns das Wissen um eine Pathologie in der Pyramidenbahn nach vorne gebracht hätte...
Ehrlich gesagt, mache ich den nur bei völliger Ahnungslosigkeit. ;-)
Bin aber gerne bereit, mich eines besseren belehren zu lassen.
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