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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Betteln in Deutschland



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docmezzomix
15.06.2003, 18:12
Wie gesagt, wenn unser System ein bisschen Fairer wäre, müsste niemand betteln, wenn er es nicht wollte (wie gesagt, es gibt ja Leute die wollen nix vom Staat sondern lieber das was Leute ihnen freiwillig geben(meiner Meinung nach eine nicht unbedingtverkehrte Einstellung).

Aber manchmal Frag ich mich halt auch wie blöd so mancher ist.
Wenn ich mich mal so umschau in den Statistiken, wie viel Leute in unserem alter schon Schulden haben. Ja muss ich denn mit um die 20 wirklich ein neues Auto auf Pump kaufen? Tut es denn nicht der 10 Jahre alte Fiesta? Oder den krassen Plasma Schirm? Oder das tolle Handy?

Da ist dann die Schuldenspirale schon vorprogrammiert, und bei vielen dann auch der Abstieg.


Gruß dMM

PS.Mitlerweile gibt es glaub ich auch ein Gesetz (oder zumindest ist es in vielen Verträgen so) die bei Arbeitslosigkeit den ausstieg aus einem Langzeit Vertrag ermöglichen (Fitness-studio) bzw. bei vielen Produkten ne Arbeitslosigkeitsversicherung.

Lava
15.06.2003, 18:17
Das ist wahrscheinlich wieder eins dieser Bürokratieprobleme.... zu viel Bürokratie in diesem Staat!

RettAss
20.06.2003, 11:37
Das Thema ist seit ein paar Posts von den Punks schon wieder weg, abwer ich möchte doch noch ein Statement dazu abgeben. Die Punks, die Ihr seht sind keine Punks, sondern Penner, die sich wie Punks verkleiden. Punk hat primär noch nichts mit Rumlungern zu tun, sondern erstmal mit Gesellschaftskritik. Eine solche Kritik per Rumgammeln und Verstand wegsaufen kann ich auch nicht unterstützen und die hat auch nix mit Punk zu tun. Wird aber aufgrund der eindrucksvollen Verkleidung natürlich alles in einen topf geschmissen. Ich hab auch eine zeitlang nen Irokesen getragen (hennagefärbt, sah sehr geil aus), war in der Zeit im öffentlichen Dienst beschäftigt und ein (wie ich denke) mündiges und vernünftiges (ergo kritisches) Mitglied der Gesellschaft. Meine Kollegen konnten so nicht mit mir arbeiten. Nach zwei Wochen Mütze (im Juli) hatte ich dann also eine Glatze, so ein, zwei Millimeter. Das wurde von jedem(!) als ordentliche Frisur anerkannt...

Zu Geld: Ich wüsste nicht, wo ich stehen würde ohne meine Eltern. Ich hab sehr zu tun mit der Umstellung von arbeitender Bevölkerung auf Student. Viel weniger Kohle zur Verfügung und wieder in der alten, eigentlich überwundenen Abhängigkeit. Richtig hungern musste ich noch nie. Ich konnte mir immer Tabak leisten. Aber ich ernähre mich von Spaghetti. Schadet mir nicht, aber das Buffet war schon reichhaltiger auch.

Gruß,

RettAss

Maja2908
25.06.2003, 14:50
Ich bin auch dafür, dass es viel mehr Kontrollen der Sozialhilfeempfänger geben muß.
Dann ist für die mehr da, die es wirklich brauchen.

Ich kenne auch so einige, die Leistungen bekommen, obwohl sie schwarz Geld dazu verdienen.
Die haben dann ein Handy, die neuesten Klamotten an, und sind andauernd in irgendwelchen Cafe`s.(die haben ja auch so viel Zeit)
Aber was soll man machen?
Soll man sie anschwärzen?
Vielleicht noch anonym? Nee, das ist nicht meine Art.

Aber mit Sozialhilfe auskommen kann wirklich hart sein.
Heute kostet alles Geld.
Man wird ohne Kohle ins Abseits befördert, und hat dann meist nicht mehr viele Freunde.
Wenn du in der Stadt auf`s Klo mußt: kostet 30 Cent; als Soziempfänger kommt es oft vor, dass man gegen Ende des Monats nicht mal noch einen Cent hat.
Fragen Freunde, kommste mit in den Biergarten?
Aber wie, ohne Geld?
Da leiden die sozialen Kontakte.
Im Internet surfen?
Kostet auch Geld, also für Sozialhilfeempfänger absoluter Luxus.

Diese Bedingungen fördern nicht unbedingt, dass die Betroffenen jemals wieder aus diesem Sumf rauskommen.

Bei mir war das, Gott sei, dank nur vorübergehend.
Eben nur wegen Krankheit.
Jetzt habe ich wieder einen Job, aber der wird so mies bezahlt; ist nicht viel mehr als Sozialhilfe. Für das Geld würden Andere nicht mal aufstehen.
Aber ich habe jetzt wieder Achtung vor mir, bin wenigstens nicht mehr auf Fremde Hilfe angewiesen.
Nach 2 jähriger Odyssee (5 Knie OP`s) bin ich froh, dass ich überhaupt wieder voll einsatzfähig bin.
Aber die Sozi zieht einem schon mächtig runter!

Wenn man in unserem System krank wird, bist du der Verlierer.
Verlierst du dann deinen Job, bist`e ein Sozialfall.
Dann sitzt du also krank zu Hause, würdest gerne arbeiten aber kannst nicht; und dazu immer die Geldnot!
Doppelt Bestraft, sag ich da nur.
Ist das denn richtig? Ist das Sozial?
Ich finde für Menschen, die wirklich ernsthaft krank sind, müßten die Leistungen erhöht werden.
Viele kranke Menschen haben doch nur noch über die Medien (Internet) die Möglichkeiten der sozialen Kontakte.
Aber Internet ist doch Luxus! Und Luxus will das Amt nicht finanzieren!
Das hat mir der Sozialberater wörtlich vor den Kopf geknallt!
Die Sozi ist dazu da, dass man nicht frieren und hungern muß....

Da Lach ich nur......!

Besteht denn das Leben nur aus einem warmen Zimmer und Essen?
Also nur satt und sauber, oder wie?

Haste Jahrelang gearbeitet; plötzlich wirst Du arbeitsunfähig;
wenn Du dann nicht vorgesorgt hast, haste den Schlamassel.
Immer brav gelöhnt, aber wenn Du dann selbst in Not bist,
muß die Sozi reichen!

So, das ist jetzt ganz schön lang geworden, aber ich könnte mich darüber stundenlang auslassen, denn das macht mich jedesmal wütend.

Also.... werdet bloß nicht krank!!


Gruß, Maja2908

funny
26.06.2003, 11:14
Ich will hier nicht über Situationen urteilen, die ich nicht kenne (z.B. als Sozialhilfeempfänger leben), aber die Idee ist doch eigentlich die: Mit der Sozialhilfe soll man überleben und nicht gut leben. Das klingt ziemlich arrogant und uneinfühlsam. Aber die Frage ist doch: Wo soll all das Geld herkommen? Wer zahlt das?
Wenn jetzt auch der Internetanschluß übernommen werden soll, damit man die sozialen Kontakte nicht verliert und jeden Tag in chatrooms gehen kann?

Und wenn jemand nach jahrelanger Arbeit durch Krankheit zum Sozialfall wird, dann wird er doch bitteschön auch was zur Seite gelegt haben während dieser jahrelangen Arbeit???

Ich vertrete hier nicht die "Friß trockenes Brot und trinke Wasser und finde dich damit ab" - Philosophie, aber wenn man sich andere Länder anschaut, wo das soziale System noch viel viel löchriger ist, dann geht es in Deutschland doch noch einigermaßen mit dem Überleben.

Man braucht kein Auto, kein Handy und keine teuren Hifi-Geräte. Desweiteren braucht man auch keine schönen Möbel oder einen neuen Fernseher. Wie gesagt, der Sozialstaat soll das Überleben sichern und nicht einen bestimmten Lebensstil weiterfinanzieren.

Das ist meine Meinung

Lisa
26.06.2003, 13:18
Original geschrieben von funny

Man braucht kein Auto, kein Handy und keine teuren Hifi-Geräte. Desweiteren braucht man auch keine schönen Möbel oder einen neuen Fernseher. Wie gesagt, der Sozialstaat soll das Überleben sichern und nicht einen bestimmten Lebensstil weiterfinanzieren.

Vielleicht hast du gar nicht so unrecht...aber Äußerungen wie diese haben für mich nur dann wirklich Bedeutung, wenn sie von jemandem gemacht werden, der die Erfahrungen eines Sozialhilfeempfängers gemacht hat.
Finanzielle Einschränkungen haben eben ab einem gewissen Grad wesentlich komplexere psychologisch-soziale Folgen als es aus pragmatischer Sicht scheinen mag.

milz
26.06.2003, 18:05
Finanzielle Einschränkungen haben eben ab einem gewissen Grad wesentlich komplexere psychologisch-soziale Folgen als es aus pragmatischer Sicht scheinen mag.

Das ist wohl wahr, trotzdem gebe ich funny recht. Es ist einfach nicht bezahlbar und meines Erachtens auch nicht gerechtfertigt, Sozialhilfeempfängern Luxusgüter -und dafür halte ich Handy, Stereoanlage und Auto- auf Kosten der Allgemeinheit zu gewähren, um der psychosozialen Gesundheit des Betroffenen willen.
Da wird der Sozialstaat zum Wohlfahrtsstaat und so geht's einfach nicht.
Ansonsten wird man wohl nie allen gerecht werden können. Den einen ist es tatsächlich zu knapp bemessen, andere bekommen mehr als sie brauchen.

Seaangel
26.06.2003, 20:27
Ich kann da auch aus eigener Erfahrung etwas beitragen.
Meine Mutter und ich waren durch eine ueble Scheidungssituation ploetzlich im absoluten finanziellen Abseits.
Der vater zahlte nicht, die Prozesse, bis er zu zahlen hatte, dauerten oft weit ueber den Monat raus und die Wohnung und leben wollte bezahlt werden.
Ich war um die 14 Jahre alt, stand in der Schule da, musste mich x Lehrern und weiss der Teufel wem offenbaren, damit ich mit auf Exkursionen oder die Studienfahrt konnte.
Hab jeden Pfennig umgedreht und konnte meine Freunde schlichtweg nicht anrufen, weil es zu teuer war.
Es ist nicht unbedingt einfach einen anderen zu fragen, ob, wenn Du anklingelst, er zurueck ruft.
Oder zu erklaeren, warum Du am WE nicht mit kannst.
Oder im Winter in die Kirche zu laufen und zu fragen, ob fuer die Tochter eine Jacke zu haben sei. Denn vom Sozialamt gabs nichts.
Ich fand das als Kind doch mit der Zeit schwer, weil ich auch gesehen habe, wie meine Mutter darunter gelitten hat.

Ich habe viel Dosenessen gekauft. Mal gabs moehren zu MIttag, mal Reis mit Pilzen, eben alles was irgendwie fuer ne Mark zu kaufen gab.

Aber wir haben es da raus geschafft. Meine Mutter war studiert und hat sich dann in dieser Situation Umschulen lassen muessen, mit Ende 40 zur Sekretaerin. Einfach nur um unabhaengig zu sein.

Ich bin der Meinung, dass es geht, irgendwie auch gehen muss. Wir haben uns durchgekaempft und wie oft war ich sauer, wenn ch Leute betteln sah, die dann wirklich mit Auto und Stereoanlage und mit 3fach besserer Kleidung rumgelaufen sind.

ich weiss noch wie meine Mutter aufs Sozialamt gegangen ist um fuer mich Geld fuer BH's und Unterwaesche ohne Loecher zu bekommen.

Das ist ziemlich erniedrigend. Und niemandem wuenschenswert.

Ohne viele geschenke von Freunden, haetten wir das so auch nicht geschafft.

Aber ich weiss, dass diese Dauerbettler etwas dagegen tun koennen und finde es nicht in ordnung, wenn man in so jungen jahren einfach aufhoert sich um sein Leben zu kuemmern.
Ich finde es verantwortungslos und zwar nicht nur sich selbst gegenueber, sondern vorallem auch denjenigen gegenueber, deren Geld man haben moechte.

Wenn man etwas von der gesellschaft haben will, hat man auch Pflichten um die man sich verdammt nochmal kuemmern muss.

Und ich denke, es waere dem Staat um einiges geholfen, wenn man mal die Buerokratie und deren "Handlanger" auf die Strasse und in die WOhnungen schicken wuerde, denen man seit Jahren Geld bezahlt.

Mir fehlt hier einfach die aktive Arbeit der Beamten vor Ort. Und ich bin sicher es wuerde sich lohnen in jeder Stadt zwei Leute nur zur Kontrolle extra fest einzustellen. Die wuerden dem Staat einiges Geld sparen, wenn sie tag fuer Tag einen Empfaenger nach dem anderen persoenlich kontrollieren wuerden.

Sea -etwas aufgebracht


P.S.: ich habe etwas in Prag erlebt. Eigentlich bin ich naemlich jemand, der bestimmten Bettlern gerne etwas gibt. Es sass einer am Boden und hat irgendwelche handgemachten Dinger verkauft.
Ich habe ihm etwas Geld gegeben, worauf er aufgestanden ist, gestrahl hat, in die Baeckerei gegenueber lief und mit einem frischen Broetchen in der Hand wieder rauskam.
Und wisst ihr was? Das ist das Groesste und ich habe in Prag so gerne Geld verteilt. Auch versucht jeder dort irgendwas zu machen, sei es Dinge zu verkaufen, Stadtfuehrungen anzubieten, oder zu malen oder zu singen.
Das fand ich faszinierend und hat mich tief bewegt.
Und dadurch, dass mein Geld dort so viel mehr wert war, war es fuer mich sehr leicht meoglich, sehr vielen zumindest eine kleine Freude zu machen. und die konnte ich sehen.
Waerend ich hier of dass gefuehl habe, der BLick heisst "was nur 10 Cent?"

Ok, ich hoer jetzt hier auf. bin da eben emotional etwas sehr betroffen.

funny
27.06.2003, 10:50
Das, was Seaangel geschrieben hat, hat mich ziemlich mitgenommen. Und ich habe höchsten Respekt vor den Müttern, Kindern und Vätern, die in solche eine Situation geraten sind, sie ausgehalten haben und da auch wieder rausgekommen sind. Das ist ein echter Sieg. Das folgende soll jetzt nicht wie Hollywood-Kämpfer-Romantik klingen. Aber ich glaube, daß man aus so einem dunklen und harten Lebensabschnitt eine Menge lernen kann an echter Menschenkenntnis, Empathie und Problemlösungskompetenz. Ich kann mir zum Beispiel meine ehemaligen "höhere-Töchter"-Mitschülerinnen einfach nicht vorstellen, wie sie einem Penner in Prag ein Brötchen schenken und dann seine Freude bemerkt hätten. Never. Die hätten höchsten Angst gehabt, zu sehr in dessen Nähe zu kommen. Im übrigen wären sie ohnehin viel zu sehr mit Einkaufen beschäftigt gewesen.

Bei uns in der Klasse war jedenfalls mal ein Junge, der sich in der 10. Klasse ein bestimmtes Buch für ca. 15 DM nicht kaufen konnte, weil es das Ende des Monats war und seine Familie dieses Geld wohl für Wichtigeres gebraucht hat. Das sagte er dem Lehrer nach dem Ende der Stunde auch. Die anderen Schüler hatten schon das Klassenzimmer verlassen, nur noch ca. 5 Mitschüler haben das mitgekriegt (ich auch). Da hat dann unser Lehrer ihm einfach 10 Mark geschenkt und ein anderer Mitschüler, (war aber nichtmal sein Freund) hat ihm auch noch 10 Mark geschenkt. Ohne große Worte, Nachfragerei oder Mega-Erstauntsein. Also, solche Mitschüler gab es auch. Trotzdem wars wohl schlimm für ihn.

Dennoch: Ein Staat, der sich auch noch neben dem Physischen um die Psychologisch-Sozialen Befindlichkeiten kümmert, existiert meines Wissens auf der Welt nicht (mehr). Also keine Levis vom Sozialamt. :-D

Count Less
16.02.2004, 19:51
Hallo liebe Forumsbesucher,

mein Name ist Wolfgang und ich lebe in Midleton, County Cork, in Irland. Ich fuehre Bewusstseinskampagnien in Irland durch und werde dabei immer gerne von den irischen Medien bekleidet. Zuletzt war ich als Bettler unterwegs und habe recherchiert wie sich mir, als Bettler, die Menschen gegenueber verhalten. Ausserdem stand sehr im Vordergrund wieviel Geld ich als Bettler "verdienen" kann. Ich habe an fuenf Tagen an fuenf verschiedenen Orten gebettelt. In kleinen laendlichen Ortschaften, mittelgrossen Kleinstaedten und in der zweitgroessten Stadt Irlands, naemlich Cork. Im Schnitt habe ich EUR 13,50/Std erbettelt, wobei der niedrigste Stundensatz bei EUR 7,27 und der hoechste Stundensatz (in Cork-City) bei sage und schreibe EUR 26,66/Std. lag. Da darf man sich nicht wundern das es immer mehr Menschen gibt, die ihre Ehre beiseite legen und sich mit offener Hand auf die Strasse begeben. Ich habe mich uebrigends dafuer entschieden passiv zu betteln, d. h. ich habe mich hingesetzt und ein Schild mit der Aufschrift: "Thank You, God bless you" in der Hand gehalten. Vor mir stand eine kleine Dose in die unentwegt Geld hineinflog. Ein und Zwei Euro Muenzen, sowie Scheine entnahm ich natuerlich sofort, so das Passanten nicht sehen wuerden wieviel Geld ich tatsaechlich einnahm. Die erbettelte Gesamtsumme habe ich natuerlich einen guten Zweck zukommen lassen und die Erkenntnisse die ich gesammelt habe wurden ueber diverse Radiosender und Druckmedien veroeffentlicht. Sollte jemand mehr Hintergrundinformationen zu diesem Projekt haben wollen, bin ich gerne bereit auf individuelle Emails einzugehen. Gruesse von der gruenen Insel.

hobbes
16.02.2004, 22:51
Falls dieses letzte posting nun wirklich ernsthaftig ist, halt ich es für hochinteressant. Wäre gerne an genaueren Details zu deinem Versuch interessiert.
Wenn sich das Betteln nun derartig lohnt, ist denn noch richtig Bettlern Geld zu spenden, ist die Doppelspürigkeit von staatlich verordneter Solidarirät per Steuern und freiwilliger Solidarität über Spenden noch haltbar? Wie oft werden wir über beide Spuren zum Narren gehalten?

Count Less
17.02.2004, 00:38
Oh ja, mein Beitrag war sehr ernst gemeint. Um ehrlich zu sein, ich habe schon einiges recherchiert, aber das war wohl das haerteste, besonders wenn Kinder zu mir kamen, in ihre Hosentasche griffen und mir ihre Muenzen gaben, weil sie glaubten zu helfen. Ich habe gelernt, so wie es ein anderer Forumteilnehmer bereits aufgefuehrt hat, dass man sich etwas vormacht, wenn man glaubt mit einer Bargeldspende einem Bettler zu helfen. Man foerdert die Situation in der sich der Mensch befindet, traegt allerdings nichts dazu bei diese zu aendern.
Mein letztes Projekt bestand darin, als nicht Rollstuhlgebundene Person in einem Rollstuhl durch Irland zu trampen. Dies tat ich fuer zwoelf Tage. Auf diesem Abenteuer traf ich immer wieder auf einen "Bettler". Ich traf ihn in Cork, in Limerick und dann wieder in Galway. In Galway sass ich einem kleinen Cafe und fruestueckte, als dieser "Bettler" hereinkam um das Kleingeld vom Vortag zu wechseln. Er schuettete EUR 117 aus einem kleinen Saeckchen. Ich bin davon ueberzeugt das das nicht alles war was er eingenommen hatte. Dieser "Bettler" war der Anlass zu dieser juengsten Recherche.

harlekyn
17.02.2004, 12:05
Das Problem, wenn jemadn von "uns" sozusagen Sozialhilfe braucht sit einfach die Tatsache, das wir zu STolz dafür sind. Wir wollen den andren nt auf der Tasche liegen, wollen unser Leben selbst finanzieren und dementsprechend benehmen wir uns auch gegenüber dem Sozialamt. Wenn uns das völlig schnuppte wäre und wir nur Geld wollten, würden wir das auch bekommen weil wir ohne Rücksicht auf irgendwas lügen und betrügen würden.
Wir sind aber rechtschaffend erzogen worden. Uns wurde beigebracht die eigenen Arbeit höher einzuschätzen als Geschenke und darum tun wir sowas net.
Durch meine Arbeit kenn ich den ein oder andren "Penner". Vielen geht es so, dass sie, wie schon vorher erwähnt, durch Schuldenspiralen in den Ruin getrieben wurden. Wenn man sie fragt, warum sie net zum Sozialamt gehen kommt dann oft: Warum sollen andre dafür bezahlen, dass ich mein Leben net auf die Reihe bekommen hab?
Und nochwas zu den Punks. Soweit ich weis sind die vielen Hunde für die einen Einnahmequelle. Ich glaube die bekommen das "Futter" vom Sozi bezahlt...

Alles wird gut
17.02.2004, 14:29
Original geschrieben von harlekyn

Und nochwas zu den Punks. Soweit ich weis sind die vielen Hunde für die einen Einnahmequelle. Ich glaube die bekommen das "Futter" vom Sozi bezahlt...

Mag sein, dass das als Bonus gerne in kauf genommen wird aber ich glaube nicht, dass Punks sich einen Hund des Wirtschaftsfaktors wegen anschaffen! ;-)
Hunde sind als Haustiere in der Szene einfach sehr beliebt und haben auch, wenn man häufiger mal besoffen draußen übernachtet, den Vorteil, dass sie auf einen aufpassen.