PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Selbstverteidigung im Rettungsdienst? Bonus oder notwendiges Übel?



Seiten : [1] 2

RS-USER-DocMezzoMix
20.09.2006, 02:16
Aloha liebe Rippenspreizer!

Mich würde mal interessieren, wie ihr mit Gewalt gegen euch im Dienst umgeht, was euch persönlich, oder Kollegen schon passiert ist? Wie häufig so etwas bei euch vorkommt? Ist es die Ausnahme? Ein ungewöhnliches, aber nicht unbekanntes Ereigniss? Oder eine Sache, die zwar nicht jeden Tag, aber doch schon ab und an mal vorkommt?

Wie bereitet ihr euch auf solche Situationen vor?
Habt ihr ein spezielles Selbstverteidigungstraining?
Plant ihr schon beim betreten der Wohnung die Flucht?
Gab es spezielle Ausbildungen, oder meint ihr, ihr kommt alleine klar?

Ich habe mal 2 Umfragen oben gestartet, bitte beteiligt euch an beiden. Ach ja, und für mich beginnt "Gewalt gegen RD eigentlich schon beim Suffski der nach einem schlägt, wenn man ihn fragt ob alles ok ist.

Es sind Mehrfach-Antworten möglich, bitte alles zutreffende ankreuzen.

RS-USER-DocMezzoMix
20.09.2006, 02:46
Kennt jemand ein ähnliches Angebot wie www.dt4ems.net in Deutschland?

RS-USER-schmoelzi
20.09.2006, 09:42
Ich selbst wurde im RD ein einziges Mal geschlagen, aber das war eine 84 jährige, geistig verwirrte Oma, die statt zu sagen, dass den Gurt auf der Trage ablehnt, einfach hergeboxt hat.
Sie hat mich nicht verletzt und es hat gereicht, dass ich einfach zurückgewichen bin und mal etwas lauter wurde was ihr denn eigentlich einfällt.

Mit mehr hatte ich zum Glück auch nicht zu tun und ich weiß auch nicht, dass Kollegen im Einsatzgebiet irgendeiner Gefahr ausgesetzt waren.

RS-USER-schmutz
20.09.2006, 10:33
Bei uns sind meines Wissens nach gezielte Attacken und Prügelein kein Thema. Was gelegentlich mal vor kommt, sind "Übergriffe" verwirrter Personen. Das aber eher, weil sich diese nicht verstanden oder durch unsere massive Päsents verunsichert fühlen.
Ich für meinen Teil, hab in meiner Laufbahn erst einmal einen Versuch eines absichtlichen tätlichen Angriffs miterlebt. Denn konnt ich allerdings mein verbales und körperliches Auftreten davon überzeugen nicht tätlich zu werden.

RS-USER-DoktorW
20.09.2006, 10:36
Ich bin einmal angegriffen worden. Zum Glück fuhren aber im selben Moment die Sheriffs auf den Hof und das gleich mit 4 Streifenwagen. Da hat der Gute leider dann den kürzeren gezogen.

Bei der Bereitschaft hatten wir eine FoBi zu dem Thema und ich hab doch einiges dazugelernt!

Geduldsbalken-Träger
20.09.2006, 12:27
Wir haben mal in einem benachbarten DRK-Kreisverband eine FoBi "der gewaltbereite Patient" besucht.
Geleitet wurde die FoBi neben einem LRA von einem Kriminalkommissar "Prävention" und dem Schulleiter einer Selbstverteidigungsschule.

Nicht nur das Thema Deeskalation war Thema, sondern auch Eigensicherung (ggü. dem gewaltbereiten Pat.) aber auch wie man ggf. einen Patienten "überwältigt" der gerade den Kollegen niedermacht.

...aber natürlich auch "Tipps" für den privaten Gebrauch, wenn jemand etwas unfreundlicher um eine Spende bittet - mitten in der Nacht im Stadtpark z.B.

War sehr interessant.

Ich selbst habe es erst einmal am Funk mitbekommen, dass Kollegen angegriffen wurden.

Gruß
Klaus

RS-USER-rettungshamster
20.09.2006, 13:58
Als ich noch im Behindertenwohnheim gearbeitet habe, hatten wir einen Bewohner der regelmäßige "ausgestiegen" ist. Dabei hat er dann sämtliches an Möbel durch den Gruppenraum geworfen, hat rumgebrüllt oder nach dem Personal geschlagen und getreten.

Ihm zu Ehren hatten wir dann eine Fortbildung "Umgang mit aggressiven Verhalten" etc.
Ein Punkt war auch der praktische Teil, in dem wir lernten die körperliche Gewalt abzuwenden / in den Griff zu bekommen.
War recht lehrreich.


Im Altenheim selbst kommt es auch immer wieder mal vor, dass ein BewohnerIn im Zuge einer Verwirrtheit um sich schlägt / tritt....aber damit kann ich eher umgehen wie mit dem Fall im Behindertenwohnheim.
In den wenigeren Fällen kommt es im Altenheim auch schon mal zu gezielten aggressiven Handlungen - aber diese Kanditaten kennt man mittlerweile und man kann sich darauf vorbereiten.

Knusperriegel
20.09.2006, 15:04
Hallo !

Mein erster Beitrag bei rippenspreizer - ich will mich kurz fassen:

Für Interessenten aus dem Rhein-Main-Gebiet gibt es die Möglichkeit bei der BePo in Mühlheim (hinner Offebach...)
in Tagesveranstaltungen sehr reale trainings zu absolvieren.
Es steht hierfür eine komplett eingerichtete Wohnung, ein Verkaufskiosk und ein Gaststättenraum zur Verfügung.

Anfragen an Hermann Friedrich; Verfasser des Buches "Eigensicherung im Rettungsdienst", vor einigen Wochen im s&k-Verlag neu erschienen.

Ich war selbst mehrfach Teilnehmer und begeistert vom realitätsnahen Training mit dem Schwerpunkten:
- Erkennen von Gefahren beim häuslichen Einsatz
- Umgang mit bewaffneten Patienten

Alle Szenarien werden mit Kamera in einen Nebenraum übertragen - die Kollegen sehen genau, wie man in die Falle läuft !

RS-USER-DocMezzoMix
20.09.2006, 15:22
Hallo Knusperriegel!

Danke für den Tip, ich erinner mich, ich glaub die hatten wir auch mal gebucht.

Heiße Quellen? Landeshauptstadt?

Willkommen bei Rippenspreizer!

Con
20.09.2006, 18:43
Den grössten Teil meiner RD - Zeit habe ich in der frankfurter Innenstadt verbracht. Gerade am Hauptbahnhof und der Gegend drumherum kam es öfters vor, das wir Gewalt ausgesetzt waren. Das Spektrum reichte von der Gewaltandrohung mit Worten, Gesten und Gegenständen bis zur Ausübung körperlicher Gewalt, teilweise mit gefährlichen Gegenständen gegen ein Teammitglied oder auch das gesamte Team. Glücklicherweise sind uns Personenschäden erspart geblieben. Entweder hat die doch erhebliche Polizeipräsenz schlimmeres verhindert oder wir konnten durch Flucht selbst Schaden abwenden. In Einzelfällen war es jedoch nötig selbst Gewalt in einem begrenzten Rahmen anzuwenden, um den Rückzug zu ermöglichen. Zum damaligen Zeitpunkt gab es keine Fobi´s zum Thema Gewalt in meiner Firma. Wie die Sache heute aussieht ist mir nicht bekannt.

Die Legende sagt, das die BF bei einem Einsatz in einem sozialen Brennpunkt mit fliegenden Pflastersteinen begrüsst wurde. Die BF zog sich daraufhin, vorerst, zurück um den brennenden Müllcontainer kurze Zeit später mit dem auf dem GTLF installierten Monitor, dieser kann im Führerhaus bedient werden, zu löschen. Dabei gab es wohl einen kleineren "Kollateralschaden".

Nun arbeite ich seit sieben Jahren, von einigen Ausnahmen abgesehen, nahezu ausschließlich in der Klinik. Gewalt von Patienten kenne ich hier weniger, das mag auch daran liegen, das ich auf der operativen Int bin. Dennoch ist sie mir auch hier nicht unbekannt. Es kam schon diverse Male in der Notaufnahme vor, das den Kolleginnen dort die Nase geplättet wurde. Bei einer war es soweit, das die nach der Aktion die Nacht als Patientin bei uns verbracht hat. Fortbildungen zum Thema finden bei uns nicht statt.

Privat kam ich noch nie in die Verlegenheit mit Gewalt konfrontiert zu werden. Und ich wiege ganz bestimmt keine zwei Zentner, die wohl laut der Ansicht mancher, vor Gewalt schützen. Auf meine 175 cm kommen 75 kg KG und der zweite Meistergrad in einer zur Selbstverteidung geeigneten Sportart.
Außerdem will ich lieber nicht wissen was mein Bruder ( 190 cm / 100 kg ), mit dem ich größtenteils im Doppelpack auftrete, so alles beim Bund gelernt hat.

RS-USER-DocMezzoMix
20.09.2006, 19:06
Original geschrieben von Con

. Und ich wiege ganz bestimmt keine zwei Zentner, die wohl laut der Ansicht mancher, vor Gewalt schützen. Auf meine 175 cm kommen 75 kg KG und der zweite Meistergrad in einer zur Selbstverteidung geeigneten Sportart.

Weder das eine, noch das andere schützen ;) Habe den Beweis:rolleyes:

Con
20.09.2006, 19:39
Original geschrieben von DocMezzoMix
Weder das eine, noch das andere schützen ;) Habe den Beweis:rolleyes:

Hab auch mit keinem Wort behauptet das das andere schützt, es lehrt dich aber dein Gegenüber einzuschätzen. Ist dein Gegenüber aber ne Gruppe von zehn Leuten, hilft dir das auch herzlich wenig. Ich hätte an Deiner Stelle aber genauso gehandelt.:troest:

saddamski
21.09.2006, 12:29
Ein Kollege wurde einmal bei einem RTW Einsatz angegriffen. Der Pat. war geistig verwirrt, hatte Hallos, ist nackt durch eine Glastür gerannt etc. Er griff nach meinem Kollegen um ihn in die Wohnung zu ziehen. Wir haben Ihn dann losgerissen und sind ins Auto gegangen. POL brauchte leider sehr lange weil gerade zur selben Zeit, kack Murphie, eine riesen Massenschlägerei in der Stadt war.

Ansonsten waren es bei mir eigentlich immer betrunkene Menschen. Meistens konnte man denen die Gewaltbereitschaft schon ansehen. Das ganze reicht von dummen Sprüchen, bishin zu schupsen und aggresives anpacken. Einen Schlag o.ä. habe ich noch nie abbekommen. Zum Glück.
Hatte auch noch nie die Situation wo mir mehrere, gewaltbereite, Personen gegenüber standen.
Habe mal vorgeschlagen eine Fortbildung zu machen.
Ich denke dass man z.B. bei der Polizei viel über Deeskalation und Präventation lernen kann. Die haben mit sicherheit hier und da eine menge Tipps wie man mit Menschen umgeht die nicht gerade aufs Reden aus sind.

Hat aber leider nie irgendwas in dieser Richtung an FoBi gegeben bei uns. Finde ich sehr schade, da es an sich ein sehr wichtiges Thema ist und man sich eine Menge ärger sparen kann. Wahrscheinlich wird es da erst eine FoBi geben wenn jemanden etwas passiert :(

Con
21.09.2006, 17:35
Meiner Meinung nach sind Präventionsfortbildungen der einzige Weg sich als Retter sauber aus der Affäre zu ziehen. Spirenzchen wie Pfeffer - Spray, Teleskopschlagstöcke, Elektroschocker usw. haben meiner Ansicht nach im RD nichts zu suchen. Vom Einsatz eines Messers zur SV rate ich dringend ab. Erstens lernt noch nicht mal der Ottonormal - Polizist mit dem Messer zu umzugehen( erst SEK / MEK / ZUZ / GSG 9 bzw. SEK der Feldjäger / KSK / Kampfschwimmer / Prisenkommandos werden ausgebildet ) und zweitens stellt der Einsatz eines Messers per se eine gefährliche Körperverletzung dar und ist garantiert nicht das bereits erwähnte mildeste Mittel.

El Mosquito
21.09.2006, 18:07
Ey Finger weg von Messern (und das von einem der eigentlich immer eins Dabei hat) und auch wenn der ein oder andere von der KreisSparKasse, damit umgehen kann ist das für uns absolutes No-Go.

Und diese MagLite als Meinungsverstärker-Phase ist hoffentlich auch wieder vorbei.

Achja wer jemanden mit einem Teleskopschlagstock verhaut (beweis erstmal das Gegenteil) hat ein Problem und das nennt sich Körperverletzung.

RS-USER-DocMezzoMix
21.09.2006, 19:21
Das nennt sich übrigens nicht Köperverletzung sondern gefährliche Körperverletzung (da "mit Waffe") und bringt im Zweifel ein paar Extrajährchen. auch weil sich evtl. Vorsatz nachweisen lässt, wenn jemand ein solches Gerät mit sich führt.

Wobei ich zugebe das ich ein Pfefferspray mit mir führe.
Über die Einsatzindikationen (Tierabwehr) und die davon ausgehende Gefahr bin ich mir allerdings bewußt, und die schwelle der Anwendung ist bei mir mit Sicherheit sehr hoch.
Naja, vielleicht bin ich auch einfach ein wenig Schizo nach dem letzten Jahr :rolleyes:

El Mosquito
21.09.2006, 20:35
Recht hat der Doc, da hab ich im Eifer des Gefechts doch ein Wort vergessen gehappt.

Con
22.09.2006, 14:25
Original geschrieben von El Mosquito
Ey Finger weg von Messern ...

Und diese MagLite als Meinungsverstärker-Phase ist hoffentlich auch wieder vorbei.

...

Das wollte ich damit sagen. Der aufmerksame Leser hat bereits in meinem vorigen Beitrag gelesen das ich der Meinung bin das diese Sachen NICHTS im RD verloren haben. Die MagLite hab ich nicht mehr erwähnt, da ich dachte die wäre vom aussterben Bedroht. Es gibt ja mittlerweile kompaktere, leichtere und leuchstärkere Alternativen, aber das ist Nebensache.

Es ist eigentlich egal welches "Werkzeug" man benutzt um sich zu verteidigen. Als Retter ist es immer schlecht sowas zu tun. Wie bereits öfters gesagt: Prävention und wenn diese nichts hilft gilt es das für die Situation mildeste Mittel anzuwenden. Mir half bisher immer mein Daumen oder die flache Hand.

Meine Dr. jur. Bekannte sagt, das es immer schlecht kommt, wenn man Messer, Sprays, Schlagstöcke oder ähnliches zur SV einsetzt. Das Gericht könnte das Mitführen dieser Gegenstände von Rettern als Vorsatz werten.

Con
22.09.2006, 14:46
...

El Mosquito
22.09.2006, 15:07
Wir müssen hier mal differenzieren.

Diese "Selbstverteidigungshilfsmittel" kann man erstmal grob in 2 Gruppen unterteilen:

Gruppe 1:
Wird bewusst gekauft um sich aktiv oder passiv zu verteidigen, darunter fallen:
(Teleskop-)Schlagstöcke, Pfefferspray, CS-Gas, Elektroschocker, etc...

und Gruppe 2:
Gegenstände die man aus Verzweiflung oder falscher Selbstsicherheit zur Verteidigung nutzt,z.B.:
Taschenmesser (wer hat nicht ein Multitool am Gürtel oder nen Taschenmesser inner Hosentasche), Taschenlampen,
Bordwerkzeug, Medizinische Geräte.

Und da haben wir schon das Problem "Gruppe 2" findet man bei so gut wie jeder Besatzung.
Also müssen die Leute aus ihrer Naivität geholt werden das sie damit imponieren und sie müssen lernen (und zwar nicht erst auf der Strasse, da ist es zu spät), wie und womit man sich wehren kann.
Denn wenn man mit 120 Kilo lebendgewicht (Wer rettet, verfettet) und Rucksack aufm Rücken die Flucht antritt klappt dat vielleicht nicht ganz.