Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : No-Go in der Wundversorgung
RS-USER-Sargnagel
31.10.2006, 12:29
nochmal zurück zu Octenisept bzw. beta-Salbe
1. wer sagt dass die Salben den Schlauch angreifen? In den Fachinfos der entspr. Produkte hab ich nix dazu gefunden.
2. wer sagt dass das bei Octenisept net auch so sein könnte?
3. hab ich im Wundforum der Fa. Hartmann gelesen dass Jod, auch noch stark vedünnt, z. B. bei MRSA wirksamer sei wie Octenisept.
4. beide Wirksoffe sollen in der Wundversorgung nicht länger wie 14 Tg angewendet werden, zumindest sagen das die Hersteller.
und nu :confused:
RS-USER-rettungshamster
31.10.2006, 21:04
Kurzinfo zum Umgang mit der Beta-Salbe....rezitiert aus dem Fachmagazin Ambulante Chirurgie / 9.Jahrgang Heft 3/2005
Was ist "out" in der Therapie von Problemwunden ?
Therapeutisch ist "out"....weder pharmakologisch noch kaufmännisch oder rechtlich zulässige Therapieansätze:
- Lokaltherapie mit Betaisodona / Iruxol gleichzeitig oder im täglichen Wechsel
Therapeutisch "out"...weil es seit Jahren wirksamere und verträglichere Alternativen gibt:
> Farbstoffe
> Rivanol
> Kaliumpermaganat
> PVP Jod
> Flammazine
> Lokalantibiotika
PVP - Jod:
Jod hat zwar ein relativ gutes, breitgefächertes Wirkspektrum, verursacht allerdings auch allergische Reaktionen und systemische Nebenwirkungen (Schilddrüse). Die Wundbeurteilung ist durch die Einfärbung erschwert. Jod wird durch Blut, Eiter und Wundexsudat inaktiviert. Auch Jodprodukte sind durch moderne Antiseptika zu ersetzen.
Ein kurzes Wort zu den Salben:
Salben müssen steril sein und eine Zulassung für die Behandlung von offenen Wunden laut Packungsbeilage erfüllen. Die Wundbeobachtung wird oft erschwert, da die Salbe die Wunde bedeckt. Fette Bestandteile von Salben behindern zudem die Zellteilung und -bewegung!
Und um dann noch die Kurve zu der "Salbenkompresse" (wie es ja dann im Falle eines Beta-Verbandes bei der PEG wäre) ;) zu bekommen, sei hier angemerkt, dass die Salbenkompresse eigentlich ein Verkleben mit der Wunde verhindern sollte. Oft tritt aber schon nach einigen Stunden genau dieser Effekt ein. Die Folge ist ein sehr schmerzhafter Verbandswechsel mit Gewebsschädigung. Salbenkompressen dauen die Wundränder an, mazerieren die Umgebungshaut, verkleben die Poren und bewirken somit eine Austrocknung der Wunde und das Absterben der Zellen.
RS-USER-rettungshamster
31.10.2006, 21:11
Original geschrieben von Sanitoeter
im Bereich der Wundversorgung gibt es immer mehr nicht alkoholische Desinfektionsmittel, wie z.B. Octenidin (Octenisept) oder Polyhexanid (Lavasept bzw. Prontosan).
Wen es interessiert ;)
Polyhexanid 0,04 % (Lavasept 0,2 %)...als Handelsname bekannt unter Lavasept Spüllösungen oder Lavasept Wundgel sind Apotheken-Eigenherstellungen. Es sind keine zugelassenen Handelsprodukte in Deutschland.
RS-USER-Sanitoeter
31.10.2006, 21:31
LAvasept ist, laut Apotheke, zur äußerlichen Anwendung geeignet, nicht zur Wundspülung. Prontosan hingegen hat diese Zulassung und wird auch dahingehend vertrieben (soweit ich weiß auch das einzige Mittel).
RS-USER-rettungshamster
31.10.2006, 21:37
Original geschrieben von Sanitoeter
LAvasept ist, laut Apotheke, zur äußerlichen Anwendung geeignet, nicht zur Wundspülung.
Es gab auch schon Fälle wo es als Spüllösung zum Einsatz kam. Aber da wird es jede Apotheke mit der Indikationsstellung unterschiedlich handhaben....what ever. Bei mir kommt das in keinen Therapievorschlag ;)
RS-USER-Sargnagel
01.11.2006, 08:48
ich bin noch immer nicht restlos überzeugt......
weil:
ich persönlich mit beta Salben in der kurzfristigen Anwendung infizierter Hautgebiete bei mir selbst und meinen Patienten nur gute Erfahrungen gemacht habe. Allergische Reaktionen können von jeder Substanz ausgelöst werden.
Falls ein Inhaltsstoff dieser Salben wirklich den Schlauch angreifen sollte könnte man ja ersatzweise auf eine Beta Lsg. ausweichen.
Wenn es aber fundierte Ansätze gibt, die gegen diese Anwedung sprechen bin ich gern bereit umzudenken, sofern wirksame Alternativen zur Verfügung stehen.
Was die rechtliche Zulässigkeit anbelangt muss ich ganz klar widersprechen! Rechtlich zulässig ist jede (ärztliche) Anordnung eines Medikaments, das lt. Fachinformation für dieses Anwendungsgebiet zugelassen ist.
Octenisept enthält übrigens u. a. Glycerol und das ist meines Wissens ein Weichmacher. Was sagt der PEG Schlauch dazu?
RS-USER-Bärentöter
01.11.2006, 08:55
mir kommt das manchmal vor wie Damenmode... mal sind Miniröcke in, mal lange Röcke. Und nächstes Jahr wieder das von vor 20 Jahren.
RS-USER-Sanitoeter
01.11.2006, 11:23
Wundversorgung bei entzündetem Stoma
(...)
Nach Rücksprache mit dem Arzt täglicher bis mehrmals täglicher Verbandwechsel in trockener und steriler Form. Bei zunehmendem Sekretfluss und Entzündung von Stomakanal und umliegenden Hautpartien ist ein mikrobiologischer Erregernachweis mittels Abstrich und Kultur vorzunehmen.
Trotz Entzündung ist die innere Halte-platte immer leicht bis zum spürbaren Widerstand anzuziehen und in der äußeren Halteplatte, die mit Schlitzkompressen unterpolstert wird, zu fixieren. Ein zu großer Spielraum ist in diesen Fällen zu vermeiden, da durch die Peristaltik des Magens die Sonde dann erst recht im Stoma bewegt wird, wodurch weitere Reizungen bzw. eine Vergrößerung des Stomakanals entstehen.
Gegebenenfalls die Punktionsstelle mit warmem Wasser abduschen und anschließend gut trocknen lassen. Sind zusätzliche Pflegemittel zwingend erfor-derlich, bevorzugt Tinkturen einsetzen, um die Kontaktzeit zum PEG-Schlauch kurz zu halten. Salben nur unter strenger Indikationsstellung zeitlich begrenzt verwenden, da durch die längere Kontaktzeit neben der Aufweichung der
Haut auch der Polyurethan-Schlauch geschädigt werden kann.
Sind Salbenverbände unumgänglich, wie z.B. bei einer Pilzinfektion, wenig Salbe, und nur so lange wie therapeutisch erforderlich, verwenden.
Produkte, die den Polyvidon-Jod-Komplex enthalten, nur als Tinktur und zeitlich begrenzt anwenden, da es zu Wechselwirkungen mit dem Schlauchmaterial kommen kann. Hierzu gehören beispielsweise Betaisodona, Braunovidon und insbesondere Braunol 2000. Diese Präparate nicht als Salbe zur Stoma-pflege verwenden, da die Inhaltsstoffe bei längerer Kontaktzeit zu einer Versprödung des Schlauchmaterials führen können.
(...)
(Auszug aus dem Text "Qualitätsmanagement in der PEG-Pflege" der Firma Fresenius Kabi
RS-USER-rettungshamster
16.03.2007, 09:00
Was auch immer wieder fantastisch ist zu sehen ist folgendes:
Pat. hat ein Dekubitus welcher mit Varihesive versorgt wird. Hilfskraft hat ihn gewaschen und aufgrund des vielen Stuhlganges auch dann die Platte entfernt....(is ja soweit in Ordnung...aber dann...)
Statt dann einer exhumierten Kraft (wahlweise die PDL) Bescheid zu geben, wird die Wunde mit einer Kompresse versorgt, neue Windel angelegt und es wird darauf gewartet bis ich 3 Stunden später zum Dienst erscheine um die Wunde dann wieder zu versorgen :-keule
KofferschleppEngelchen
24.10.2007, 16:26
Hab da auch noch was nettes damals im Ambulanten PD erlebt....
Waren zusammen bei einer Pat. mit Ulcus Cruris am Unterschenkel....
Gespühlt wurde die Wunde alle 2 Tage mit 6Monate abgelaufenem NaCl aus einer 1L Flasch (steril und keimarm ist was anderes...) und anschließend kam ein hydrogel drauf aus einer neuen Tube.... nun machen manche neuen Tuben am Anfang einen "Pups* wo n kleine Menge "rausgepupst" wird.... So auch in diesem Fall. Hydrogel wurde auf das Sitzkissen vom Stuhl "gepupst" und die Trulla wollte ja sparsam sein und hat einfach mit dem finger den Klecks aufgenommen und in die Wunde geschmiert..... KOmpresse druff und zugemacht....
HALLOOOO.... ?!
Hab später im Büro allgemein mal gefragt ob das denn so ginge mit dem abgelaufenen NaCl und so (da standen noch 2 weitere abgelaufene 1L NaCl im Schrank).... Antwort darauf war "Ja klar, man kann ja immer wieder den Deckel drauf machen und dann passiert da ja nix mit...."
Aber dieser Verein war mir damals schin immer sehr suspekt in seiner Arbeitsweise... war nicht das einzige Mal, dass die sich solche Schoten leisten... andere Mitarbeiter hattens auch drauf gefährliche Pflege durchzuführen.....
RS-USER-emergency doc
24.10.2007, 16:53
Also man muss glaub ich zwei Dinge unterscheiden.
Einmal Dinge, die out sind weil sie wissenschaftlich out sind (z.B. Mercurochrom) und zum anderen Dinge, die out sind, weil selbsternannte Wundpäpste es einfach so propagieren.
Flammazine ist so ein tolles Beispiel für etwas, was jeder Wannabe-Wundpapst als absolut out und "wird nirgendswo mehr verwendet" bezeichnet, das aber erstaunlicherweise noch in JEDER Abteilung, die Verbrennungsmedizin betreibt benutzt wird.
Ich muss zugeben, daß ich allmählich nicht mehr hören kann, wenn sich geltungsbedürftige Pflegekräfte nach einem Wochenendkurs als Wundmanager aufspielen und ohne Sinn und Verstand irgendwelche auf industriegesponsorten Veranstaltungen propagierten Dinge zwanghaft einführen wollen, und einen fast schon religiösen Eifer entwickeln.
Wir hatten hier welche, die die teuren Varesiveplatten sogar PROPHYLAKTISCH auf fersen etc. geklebt haben, damit es keinen Ulcus gibt, und die mich als inkompetent bezeichneten, weil ich eine komplett eitrige Wunde als ungeeignet für eine Varesiveplatte bezeichnete.
Glücklicherweise gibt es immer mehr Pflegekräfte, die sich mit dem Wundmanagement auskennen, so daß man nicht auf diese "Wundmanager" angewiesen ist.
Achja, dolle Sache die ich erlebt hab: Patientin kam nach Kratzverletzung am Finger durch ihre Katze. Der Tierarzt hatte ihr da Zugsalbe(!) drauf gemacht!!! Nach 3-4 Tagen I.V.-Antibiotikatherapie konnte eine operative Revision der Handphlegmone noch abgewendet werden...
chrissitier
20.01.2008, 17:17
Ich hätte gestern töten können :mad:
Meine Oma wohnt zwar bei meinen Eltern, wird aber seit Jahren an Werktagen morgens von einem Pflegedienst versorgt (geduscht, Hilfe beim anziehen, ihr nochmal erklären, dass sie tatsächlich hier wohnt) weil meine Eltern beide berufstätig sind.
So... ja.... inkompetente Wunderversorgung...
Sie hatte einen kleinen Dekubitus am Unterschenkel, der morgens halt mit einem Hydrokolloidpflaster versorgt wurde. Und die Expertin von Urlaubsvertretung, die meine Oma seit Montag versorgt, hat es tatsächlich geschafft, montag Morgen vor dem Duschen einmal eins zu kleben.... und es seitdem nicht gewechselt.
Zwischendurch war sie folglich 5 mal damit unter der Dusche, sodass sich ein klitschnasses, moderndes Wundmilleu gebildet hat, Hurra! :-keule
Gemerkt hat keiner was, da Oma ihr Nachthemd selbstständig anziehen kann. Außerdem ist sie dank ihrer Medikation nichts gespürt. Schöne Scheiße.
Jetzt ist es kein kleiner Dekubitus mehr, sondern ein matschiger, modernder infizierter Ulcus, der zum Himmel stinkt.
Bin dann erstmal auf Rivanol und trockenen Verband umgestiegen. Ihre Hausärztin wird morgen 'nen Schreikrampf bekommen.
EDIT: nach Vertrag sollte das hoer von exaninierten Fachkräften gemacht werden; laut Mappe ist die gute Frau aber Pflegediensthelferin.... is ja toll, dass bin ich auch, da kann ichs auch gleich selber machen
RS-USER-Küchenhexe
20.01.2008, 17:50
Moderne Verbandmaterialien können in den richtigen Händen ja Wunder bewirken - aber wenn sich der Anwender nicht damit auskennt, machen sie einfach unglaublich viel kaputt. Eine mir leider gut bekannte Krankenschwester knallt mit Octenisept satt getränktes Alginat in alles, was ihr in die Finger fällt. Ich darf mich dann mit den mazerierten Hautarealen im Wundbereich auseinandersetzen :mad: ! Ihr ist einfach nicht beizubringen, daß "alles aufweichen" nicht immer toll ist.
Leider bekommen wir auch immer wieder antike Hydrocolloidauflagen auf infizierten Wunden zu sehen. Auch Jod- und Zinksalbe als Allheilmittel auf Wunden sind leider Standard (am besten mit höchstens wöchentlichem Verbandwechsel).
Gottseidank gibt es auch ein paar gute Docs hier in der Gegend, zu denen man Katastrophenpatienten bedenkenlos schicken kann. Mein Favorit in der Hinsicht ist bei den Pflegediensten der Umgebung schon bekannt; er schaut ganz genau drauf, daß da genau das gemacht wird, was er angeordnet hat... und als Ergebnis hatten wir letzte Woche einen Patienten in der Ambulanz, dessen Ulcus nach zweijähriger Odyssee in vier Wochen Geschichte war :)
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