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RS-USER-DerDings
26.02.2007, 18:48
mEn ist die sache schon gelaufen, der konflikt mit dem pfleger ist da und verschwindet in der stresssituation so schnell nicht wieder. so wie katja die situation beschreibt ist leicht zu erkennen das der patient selbstständig atmet - sogar das erc ist der meinung das jeder laie den unterschied zwischen atmen und nicht.atmen feststellen kann, wenn diese fachkraft zu einem anderen ergebnis kommt...
mit meiner qualifikation: von einem intensivpfleger erwarte ich mir (aus persönlicher erfahrung) in sachen reanimationsmaßnahmen i.d.R. fundierteres wissen und vor allem mehr erfahrung als ich sie besitze, deswegen überprüfe ich meine notfalldiagnose nocheinmal, dann versuche ich ihn ein letztes mal zu überzeugen (den pfleger) selbst wange, ohr und aug anzulegen um mich zu bestätigen...
wenn er dann immer noch meint auf der brust des pat rumturnen zu müssen würde ich wohl versuchen den pat durch handauflegen in stabiler seitenlage zu halten um weiteres rippenbrechen zu verhindern. dem "publikum" würde ich mehr aufmerksamkeit schenken, versuchen in ruhigem tonfall meine position zu erklären; ein zwei sollen doch selbst sehen, hören, fühlen.
erst als allerletzes würde ich den "zuerst mußt du an mir vorbei" tonfall anschlagen... und dann trifft hoffentlich der rd ein...

Toxic_Lab
26.02.2007, 19:03
Katja ist doch doc... oder täusch ich mich da?

Ober sticht Unter :D

RS-USER-Katja
26.02.2007, 20:20
Original geschrieben von Toxic_Lab
Katja ist doch doc... oder täusch ich mich da?

Ober sticht Unter :D
Soweit richtig, aber es ist ja nicht mir passiert (davon ab bin ich halt klein und blond und den "Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt" glaubt mir auch nur selten jemand ;) )

Okay, wir versuchen es auf die nette Tour und fordern den Herrn Flachpfleger auf, doch mal rumzukommen und die Vitalparameter (nachdem wir es sehr demonstrativ vorgemacht haben, auch für's eigene Gewissen, denn man soll sich ja immer wieder versichern) selbst zu überprüfen. Der Patient hilft, indem er kurz hustet, nochmal dabei. Während der gemeinsamen Überprüfung rollt auch der RTW cum NEF ein, was bei kollektiver Übergabe da noch ein bißchen Entspannung bringt.
Die Seitendetails kann man ja abseits der Menge noch kurz übergeben... woher die Rippenserienfraktur kommt :D Neine, nur ein Witz, nichts passiert.

Der Patient ist, wie sich herausstellt, langjähriger Typ-I-Diabetiker, seit kurzem auf Betablocker wg. Hypertonus, was ihm ärgerlicherweise seine üblichen Unterzuckerungssymptome verschleiert, so daß er nicht rechtzeitig reagieren konnte. Er hat es schon noch gemerkt (daher das Gummibrötchen), aber halt zu spät. BZ war 18, nach 18g Glucose war er wieder vernehmungsfähig und klar.
Zucker macht auch Zuckungen :D ;)

Spannend war hier - wie im richtigen Leben auch - vor allen Dingen die Interaktion mit dem wahnsinnig wichtigen Pfleger, der sich furchtbar aufplusterte und vernünftiger Rede kaum zugängig war. "Seine" Intensivstation hat aber auch keinen guten Ruf und sein ERC-Kurs war sicher noch nicht gebucht.

Die Umstehenden mit einzubeziehen ist sicher eine gute Idee, auch das "Sieh/hör/fühl selbst" ist bestimmt besser als reines Reden, was bei entsprechendem Gegenüber den üblichen Kindergartencharakter annimmt (Nein -Doch- Wohl!- Nein! - Du mich immer 1000 mal mehr... bis einer heult!).

Sehr gut
:kiss: D:-)

saddamski
26.02.2007, 21:49
Zum Abschluss möchte ich noch sage, dass ich es trotzdem in betracht ziehen würde die POL zu rufen. Es geht ja nicht nur um die 3min. bis der RTW eintrifft, sondern auch die Zeit danach. In dem Fallbeispiel ist es jetzt gut gegangen, vielleicht war die Situation auch nicht zu bedrohend wie ich Sie interpretiert habe. Es gibt aber dennoch die Zeit nach dem RTW ;)

serial2k
27.02.2007, 15:47
Gut, ich bin jetzt einfach mal davon ausgegangen, dass sich diese Kompetenzgranate von Pfleger spätestens von der RTW-Besatzung umstimmen lassen würde... und selbst wenn nicht, dass wenigstens das Publikum dem Personal in Rot, welches da mit Blaulicht angedonnert kommt, zutraut, die Situation besser einzuschätzen als diesem kleinen "Raufbold" ;)

Wenn nicht, wäre es natürlich ohne Polizei blöd geworden.

RS-USER-Schädelspalter
28.02.2007, 11:52
So eine Situation ist echt brenzlig. Hätte ja auf den ersten Blick alles Mögliche sein können (Subarachnoidalblutung, ICB, Lungenembolie, Aorten- oder Carotisdissektion, Myokardinfarkt, Rhythmusstörung, Hypoglykämie, vasovagale Synkope,...).
Auf Intensivstationen laufen jede Menge Leute rum, die meinen, dass es nur 2 Meinungen gibt: ihre und die Falsche ;)
Am Anfang hat mich da niemand ernst genommen (jetzt auch nicht jeder). Für Vorschläge bin ich immer dankbar (umso mehr, wenn derjenige mehr Erfahrung als ich hat), aber wenn ich weiß, dass das Konzept meines Gegenübers nicht gut ist, hilft mir häufig ein Trick:
viele fühlen sich ernst genommen und wichtig, wenn man die Kritik in einem Lob versteckt, denn mann schreit ja niemanden zusammen, der gerade was Nettes gesagt hat. Hier wäre mein erster Gedanke, dem Pfleger sowas zu sagen wie: "Das Drücken war echt gut, Du hast es geschafft, jetzt braucht er es nicht mehr: hör selbst!"
Zumindest wirkt das deeskalierend. Und man kann ihm dann immern noch sagen, dass er den Ar5ch offen hat :D

RS-USER-opus
28.02.2007, 19:45
Original geschrieben von saddamski
Zum Abschluss möchte ich noch sage, dass ich es trotzdem in betracht ziehen würde die POL zu rufen. Es geht ja nicht nur um die 3min. bis der RTW eintrifft, sondern auch die Zeit danach. In dem Fallbeispiel ist es jetzt gut gegangen, vielleicht war die Situation auch nicht zu bedrohend wie ich Sie interpretiert habe. Es gibt aber dennoch die Zeit nach dem RTW ;)

Nein, die Polizei hätte ich hier erstmal draußen gelassen, solange mich niemand körperlich angreift.
Zum einen geht es um einen überschaubaren Zeitraum, der überbrückt werden muss, bis die Profiretter da sind und deren Richterspruch wird sich, wie serial2K schon sagte, zumindest das Puplikum vermutlich fügen. Ist der RTW weg, hält mich nichts mehr am Ort des Geschehens. Da brauchen wir auch keine Polizei mehr.

Das Problem ist jedoch, bei allem Dilettantismus muß man anerkennen, dass der Kamerad überhaupt geholfen hat! Und allein dieser Umstand ist in der Öffentlichkeit in dieser Zeit nicht genug zu lobpreisen.
Entferne ich ihn mit Hilfe der Polizei vom Ort des Geschehens, bekommen mindestens hundert Schaulustige die Botschaft: 'Wenn bei der Ersten Hilfe etwas nicht ganz richtig läuft, bekommst du sofort mit der Polizei zu tun, wirst du angezeigt, zahlst du Schadenersatz, musst du ins Gefängnis...'

Diese Schaulustigen würden in der nächsten Zeit um jeden Hilfsbedürftigen einen ganz großen Bogen machen...., wie so viele andere ja auch schon.

Von daher sollten wir diese Flachzange lieber eifrig loben, einbeziehen und ablenken, so wie es ja gesagt wurde. Niemals jedoch offen kritisieren, keinen Expertenstreit vom Zaun brechen.
Tut so, als würdet ihr ihn ernst nehmen, auch wenn's schwer fällt.
Nachher kann man ja immer noch 'aufarbeiten'.

saddamski
01.03.2007, 09:17
Ich wollte die Polizei ja auch nicht, damit Sie Ihn von meiner Meinung überzeugt.

Ich mag etwas falsch aufgefasst haben, dachte aber, dass der Pfleger aggressiv wird.
Wegen einem Wortgefecht würde ich natürlich auch nicht die Polizei rufen. Wenn ich aber merke dass jemand anfängt aggressiv zu werden und ich davon ausgehe, dass das ganze in Gewalt umschlägt, rufe ich doch gerne die Polizei.

Habe die Situation aber wohl falsch eingeschätzt :)