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Rettungszwergin
19.04.2007, 11:14
RTW normal

hätte aber etwas früher den Notruf gemacht, auch wenn ein Arzgt anwesend ist, um einen zügigen Transport ins nächste KH zu gewährleisten

außerdem wegen dem ominösen Gegenstand die Polizei informieren, evtl. steht Anzeige wegen Körperverletzung an.

Con
19.04.2007, 11:24
OK, RTW kommt.

Auf was achtet Ihr beim Transport? Transportiert Ihr mit oder ohne Sondersignal? Fordert sich jemand ein arztbesetztes Rettungsmittel nach? Wenn ja, warum? Voranmeldung? Es ist Samstag abend und das von der Leitstelle zugewiesene KH ist etwa drei Kilometer entfernt.

serial2k
19.04.2007, 11:40
Wenn wir die Möglichkeit für ein Monitoring haben (SpO2 sollte reichen) kann das gerne genutzt werden, ansonsten den Bewusstseinszustand überwachen, am Besten in dem man ein bisschen mit der Dame quatscht ;).

Transport alleine ohne SoSi oder Voranmeldung, das Verletzungsmuster schreit ja geradezu "Commotio".

RS-USER-Neal
19.04.2007, 11:47
Also meine Frage ist kann dieses Augenzittern nicht auch auf den Konsum von Ecstasy hinweisen ? Und jetzt mal eine ganz gewagte Theorie, kann man so was auch nach einem Kranmpfanfall aufweisen ? Auch wenn kein Zungenbiss vorhanden ist, man weiß ja nie??

Con
19.04.2007, 12:11
Während des Transport ist die Patientin stabil und abgesehen von ein wenig Kopfweh hat sie keine Beschwerden.

Der Drogenschnelltest ist negativ, Blutalkohol 0,0 ‰, Blutzucker nach wie vor 90 mg/dl.

Ich lös mal auf. Der diensthabende Chirurg veranlasst wegen der unklaren Anamnese bezüglich des Gegenstandes der sie am Kopf getroffen hat ein CCT. Dieses zeigt keine Fraktur oder Blutung, die Mittellinie ist da wo sie hingehört. Da ihm die Sache nicht ganz geheuer ist beschließt er die Patientin stationär aufzunehmen. Mangels Betten auf der Unfallchirurgie legt er sie nach Rücksprache mit seinem OA und dem diensthabenden der Anästhesie auf die Anästhesiologische Intensivstation. Die Nacht verbingt sie völlig ereignislos auf der Intensiv, der initiale Nystagmus tritt weder in der Notaufnahme noch auf der Intensiv nochmal auf. Am nächsten morgen beschliessen wir sie trotzdem vom Neurologen beurteilen zu lassen. Bei der Anamnese stolpert auch der über den Nystagmus. Er nimmt die Dame in Augenschein und kommt nach seiner Untersuchung auf uns zu und besdauert keine Videokamera dabeizuhaben. Dann zeigt er uns warum, als er sie untersuchte fand er keinen Nystagmus sondern ein sogenanntes Ocular Bobbing vor. Im transkraniellen Doppler findet er nichts, rät aber zu einem MRT. Da wir das nicht haben verlegen wir die Patientin mit dem Intensivverleger und der Veradchtsdiagnose Subarachnoidalblutung in die Neurochirurgie. Da sie klinisch Stabil ist ,wird sie nach MRT heimatnah verlegt und kurze Zeit später als geheilt entlassen.

Glück gehabt.

serial2k
19.04.2007, 12:15
@Neal:

Ja, ein Nystagmus kann unter anderem auch Zeichen einer Amphetamin-Intoxikation und noch ner ganzen Bandbreite anderer Krankheiten sein, darum orientiert man sich für gewöhnlich nicht nur an einem Symptom, zumal der Nystagmus hier nicht Leitsymptom ist, das wären in diesem Fall die Kopfschmerzen und die kurze Bewusstlosigkeit nach Gewalteinwirkung auf den Kopf --> V.a. Commotio cerebri (SHT 1°)

@Con: Interessant, occular bobbing sagt mir gar nichts, hast du ein paar Infos dazu?

RS-USER-Medi-Fischi
19.04.2007, 13:03
MDS, DMS (egal wie) ist auch bei Sachen interresant, die vl neurologisch sein könnten. Die durchblutung dabei neigentlich weniger, aber so nach dem motto, spürt sie noch all ihre 10 Finger usw. Fühlt sich irgendwas komisch an. Aber irgendwie, wenn ichs mir genauer überleg, da sie ja einen schlag auf den Hinterkopf bekommen hat, ist das irgendwie mehr als flüssig, überflüssig ;)
Sorry, war gestern ein langer Tag mit wenig schlaf in der Nacht davor

RS-USER-Neal
19.04.2007, 13:37
@serial2k
danke für die schnelle Antwort.

@Con sehe ich das richtig, dass ich das nie wirkllich geklärt werden konnte was der jungen Dame nun eigentlich fehlte?!

R.Klein
19.04.2007, 13:49
Original geschrieben von serial2k


@Con: Interessant, occular bobbing sagt mir gar nichts, hast du ein paar Infos dazu?

nun ich habe mir mal erlaubt google diesbezüglich zu fragen und bin in einer dissertation zum thema locked in syndrom von der uni bamberg fündeig geworden.



„occular bobbing“ (ruckartige, unwillkürliche. Augenbewegungen in der Vertikalen nach unten)

Con
19.04.2007, 19:45
Entschuldigt bitte, ich war vorhin etwas in Eile.
Der Verdacht auf die SAB bestätigte sich erst im MRT, die Blutung war aber so klein, das nicht operativ interveniert werden musste. Weil dieses Ocular bobbing insgesamt recht selten vorkommt, fand es unser Neurologe eben so schade das er keine Kamera dabei hatte um seinen Befund mal Studenten demonstrieren zu können.

Die Kollegen im realen Fall haben genau so gehandelt, wie Ihr das hier vorgeschlagen habt und auch an eine Commotio gedacht. Ich fand es nur darum interessant den Fall hier zu demonstrieren, da unsere Patientin wirklich gar nichts an Symptomen zeigte, die man da so erwartet. Keine Übelkeit, kein Erbrechen, keinen Schwindel, kein Meningismus oder irgendwelche pathologischen Reflexe, sie war immer orientiert und nur einmal ( initial ) kurz bewußtlos und hatte Schmerzen, die sich allein mit Paracetamol beheben ließen.

Abschließend kann ich nur sagen, das in diesem Fall richtig gut zusammengearbeitet wurde und vor allem haben angefangen beim Sanitätsdienst über den Rettungsdienst bis zum Krankenhaus alle exakt und lückenlos Dokumentiert. Der SanDienst hat sogar sein Protokoll kopiert und mit in die Klinik gegeben, in einer Stadt wo öfters mal kein RD - Protokoll in der Klinik abgegeben wird nicht schlecht.

Später stellte sich dann heraus, das die Patientin von einem aus der Menge Richtung Spielfeld geworfenen Puck getroffen wurde.

RS-USER-Phil
19.04.2007, 22:24
Original geschrieben von Con
Der SanDienst hat sogar sein Protokoll kopiert und mit in die Klinik gegeben, in einer Stadt wo öfters mal kein RD - Protokoll in der Klinik abgegeben wird nicht schlecht.

Wie bitte? Wird nicht mit Durchschlägen gearbeitet? *leicht verwirrt bin*

Con
20.04.2007, 09:43
Es gibt halt Städte in denen andere Regeln gelten. Das soll nicht bedeuten das ich diese gut finde, man kann es nur nicht ändern. Die Sanitätsdienstprotokolle des günstigsten Sanitätsdienstanbieters in der betreffenden Stadt sind einseitige DIN-A4 Blätter, bei denen das Blanko eine Kopie ist. Und wie gesagt ist es auch eher eine Ausnahme in dieser Stadt, wenn der reguläre Rettungsdienst einen Durchschlag seines Protokolls in der Klinik abgibt. Und von den wenigen abgegebenen Exemplaren ist nur ein Bruchteil so ausgefüllt, das wir in der Klinik überhaupt etwas damit anfangen können. Diese Unsitte zieht sich wie ein roter Faden durch alle Anbieter und Beschwerden bei der aufsichtführenden Behörde, die selbst auch Anbieter ist, bringen nichts.

RS-USER-Phil
20.04.2007, 10:28
Soviel zum Thema Dokumentation und Rechtssicherheit ...