Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Thoraxschmerz
RS-USER-Elektro-Dengel
15.06.2007, 22:42
Original geschrieben von serial2k
Diese Sache mit den Beinen irritiert mich... wenn man die außen vor lässt klingt es nach einem ACS.
Schon doof, wenn man Läuse UND Flöhe hat ?!
RS-USER-Blaumeise
15.06.2007, 23:33
Geistesblizt - oder höchstwarscheinlich auch eine totale Schnapsidee zu später Stunde: Wie steht es dann mit der Sensorik in den Beinen ? Möglich, dass da "etwas" von der Wirbelsäule resp. dem RM her krum läuft- jetzt auf die Beinschwäche bezogen. Schwäche trotz Durchblutung, (...Bandscheibenvorfall vor einigen Jahren..) -Zusammenhang möglich?:confused: .nun ja, damit wären natürlich die Thx-sz noch nicht vom Tisch (um die geht's ja eigentlich...)
Hat Pat. sonst die ganze Nacht gepennt? Spez. Vorkommnis am Vortag?
Lg Bm
RS-USER-DoktorW
15.06.2007, 23:48
Sensibilität ist voll vorhanden. Kein Trauma erinnerlich!
Die Schmerzen sind eher drückend, RR und Puls bleiben gleich.
RS-USER-emergency doc
16.06.2007, 09:15
Reflexstatus?
[ed]
RS-USER-DoktorW
16.06.2007, 09:18
untere Extremität (soweit beurteilbar): stark abgeschwächt
RS-USER-emergency doc
16.06.2007, 09:28
Sphinctertonus? Hat der Patient eingenässt oder so?
Ein Aortenaneurysma das descendierend einreisst kann bei Erreichen der Abgänge für die spinalen Arterien auch Lähmungen machen und würde die nahezu Plegie UND die Thoraxschmerzen erklären.
[ed]
RS-USER-DoktorW
16.06.2007, 09:45
kein Einnässen
wie geht´s weiter?
RS-USER-Katja
16.06.2007, 17:48
Problem weitergeben: 2 Hub Nitro und gucken, ob der Thoraxschmerz darauf reagiert; weil nicht sicher ob AA auf Aspisol definitiv verzichten und so aufschreiben.
Betablocker überlegen, ist aber gerade nicht das Problem der Wahl.
Ansonsten einpacken, KH der Maximalversorung ansteuern und die sollen rauskriegen, was das Problem ist. Unsere Aufgabe ist ja nur stabilisieren, behandeln was wir kennen und so gut wie möglich abliefern, wenn man keine Diagnose hat, kommt er eben so mit, denn DASS er ein Problem hat, wird keiner bestreiten ;) ... (pragmatischer Ansatz).
Wenn er seitengleiche Probleme in den Beinen mit der Motorik hat, ist es ein Problem auf Höhe der WS (kann Durchblutung sein, also Embolie, disseziertes AA kann auch normale Pulse haben, auch wenn es seltener ist; ich nehme an, wir haben kein Ultraschall? Oder eben tatsächliches Problem im Sinn eines spinalen Prozesses); er hat Schmerzen im Rücken, hat er Probleme mit den Knochen, irgendwas was eine Spontanfraktur verursachen könnte, Klopfschmerz? Wie schaut der Rücken aus? Nicht daß wir das Messer im Rücken übersehen ;)
RS-USER-DoktorW
16.06.2007, 18:24
der Schmerz ist Nitroresistent. Was machen wir mit der ST-Hebung? Ignorieren?
Messer, Schußverletzungen o.ä. sind nicht vorhanden. :-p
serial2k
16.06.2007, 19:12
Als Nicht-Studierter würde ich sagen zur Kenntnis nehmen, dokumentieren, einladen und zügig los.
Aber die Entscheidung überlass ich lieber jemandem mit mehr Ausbildung als mir ;)
RS-USER-Katja
16.06.2007, 19:40
Original geschrieben von DoktorW
der Schmerz ist Nitroresistent. Was machen wir mit der ST-Hebung? Ignorieren?
Dann kriegt er titriert Fentanyl gegen die Schmerzen. Was macht der Druck? Den hätte ich gern ein bißchen runter, wenn ich immer noch das blöde dAA im Hinterkopf halte. Vielleicht einen Hauch Dormicum, wenn er aufgeregt ist, aber wir wollen uns keinen intubationspflichtigen Patienten basteln, nur den Sauerstoffverbrauch am Herzen runternehmen ;)
Ignorieren? Nein, aber ich werde den Teufel tun und Heparin/Aspisol geben, solange ich das dAA nicht ausschließen kann. Drum nur Druck senken - wenn's das Fenty nicht tut und das Nitro nicht getan hat je nach Angebotslage Ebrantil oder Nitro iv.
Und dann hätte ich gern ein großes KH mit Kardiologie und Gefäßchirurgie.
Wie sehen eigentlich die Skleren aus? Blaß?
RS-USER-Schädelspalter
16.06.2007, 22:40
Bis zum Beweis des Gegenteils nehme ich hier eine Dissektion der Aorta an. Die neurologische Symptomatik passt zu "abgehängten" Rückenmarksversorgenden Gefäßen, die ST-Hebungen zu einer "abgehängten" Koronararterie - allerdings erwarte ich bei einer Dissektion, die den Abgang der linken Herzkranzarterie im falschen Lumen hat einen toten Patienten oder wenigsten einen riiiieeeesigen Vorder(&Seiten)wandinfarkt. Die ST-Hebungen können daher auch vegetativ bedingt sein (insbesondere, wenn sie nicht aus dem absteigenden R kommen)
Wenn die großen herznahem Gefäße im "wahren Lumen" liegen, merkt man in deren Durchblutungsbereich meist nichts. Oder es ist "nur" eine Dissektion der Aorta descendens.
Die "Läuse und Flöhe"-Sache finde ich auch gut :D z.B. embolischer Verschluß der Aorta descendens, Streß, Infarkt (also, um das richtig zu stellen: ich finde sowas nicht gut, es ist aber gut, an sowas zu denken ;) )
Therapie: Großlumige Zugänge, Analgesie, Blutdruck von (ich sach` ma` so) 120 systol. anstreben und wie ein rohes Ei aber zügig in eine Klinik mit Thoraxchirurgie. Kein ASS, kein Heparin.
RS-USER-Katja
17.06.2007, 00:29
:o Muß ich mich von einem Internisten an die großlumigen Zugänge erinnern lassen, wie peinlich... ;) :-blush
RS-USER-DoktorW
17.06.2007, 08:53
Bravo - der Fall wurde gelöst! Es handelt sich tatsächlich um eine Aortendissektion im Bereich des Aortenbogens!!
Aufgrund kleiner (großer?) Probleme, ist nicht alles optimal gelaufen. Da möchte ich aber nicht darauf eingehen.
RS-USER-Schädelspalter
17.06.2007, 11:45
Original geschrieben von Katja
:o Muß ich mich von einem Internisten an die großlumigen Zugänge erinnern lassen, wie peinlich... ;) :-blush
Also grün :D
Im Ernst, da kann es ganz schön schnell "losgehen". Man sollte es aber nicht so machen wie ein Kollege, dem eine grüne und eine orangene Kanüle nicht genug waren und noch eine Schrittmacherschleuse in die Leiste legen wollte, bei der Seldinger-Punktion aber die A.femoralis traf -> retrograde Dissektion bis Nierenarterien (wobei nicht klar war, ob er das tatsächlich ausgelöst hatte)
Back to life machine
18.06.2007, 14:01
Original geschrieben von Schädelspalter
...die ST-Hebungen zu einer "abgehängten" Koronararterie - allerdings erwarte ich bei einer Dissektion, die den Abgang der linken Herzkranzarterie im falschen Lumen hat einen toten Patienten oder wenigsten einen riiiieeeesigen Vorder(&Seiten)wandinfarkt. Die ST-Hebungen können daher auch vegetativ bedingt sein (insbesondere, wenn sie nicht aus dem absteigenden R kommen)
Sehen wir aber gar nicht so selten, teilweise sind es auch nur Teilverlegungen bzw. der Flap hängt mal vor dem Ostium und geht dann wieder weg. Mein letzter Pat. präsentierte sich auch als STEMI der VW, interessanterweise habe ich die rechte Kranzarterie nicht darstellen können. (Hat überlebt).
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