Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Umfrage: Cannabislegalisierung
Die Diskussion ist nicht uninteressant. Wer sich gegen eine Drogenliberalisierung stellt, der ist offenbar reaktionär, intolerant und seine Argumente sind 30-40 Jahre alt. Mal ganz abgesehen davon, dass neue Argumente nicht zwangsläufig die besseren sind, ist diese Argumentation keine sachliche.
Der Reihe nach:
Natürlich ist es wohl nicht möglich, den Konsum dieser Drogen de facto zu verhindern. Das ist genauso bei Übertretungen im Strassenverkehr oder bei jeden anderen Gesetzesbrechern oder beim Medikamentenabusus. Ergo: die nicht volle Umsetzungsfähigkeit und die Tatsache, dass ein Gesetz gebrochen wird; bedeutet nicht, dass dasselbige aufgehoben werden soll. Hinzu kommt noch, dass der politische Wille zur Umsetzung des Drogenverbotes längst verloren gegangen ist.
Es ist richtig, dass die Repression in der Aushebung der Grosshändler (und allenfalls auch Kleinhändler) geschehen müsste. Dafür wird wohl (aus politischen Gründen) zuwenig Gewicht gelegt. In jeder Stadt (das ist mir sehr wohl bekannt) gibt es Orte wo es sehr einfach ist, an diese Stoffe zu gelangen. Es wäre auch für die Behörden ein einfaches, dies zu unterbinden. Es ist also falsch, hier eine Unmöglichkeit zu postulieren, wo es sich doch um ein Nichtwollen handelt.
Cannabis führt nicht zu einer körperlichen Abhängigkeit – richtig. Kokain führt auch nicht zu einer körperlichen Abhängigkeit. Cannabis als psychoaktive Substanz führt jedoch sehr wohl zu einer psychischen Abhängigkeit (die dann mehr oder weniger leicht zu überwinden ist – je nach Persönlichkeit und mentaler wie psychischer sonstiger Verfassung).
Cannabis führt zu Gedächnisstörungen (Kognition): Tausende von Schülern gehen heute bekifft zum Unterricht. Diese könnten genauso gut zuhause bleiben. Denn in einen bekifften Schädel geht nichts mehr rein. Dieses Problem wurde von Fachpersonen, die sich mit Schulbildung und Schulproblemen beschäftigen anerkannt. Natürlich hängt dies ab von Persönlichkeit, sozialem Netz und Selbstdisziplin. Aber ist es nicht Aufgabe des Staates, seine schwachen und verletzlichen Bürger zu schützen? Es sind ja auffällig viele Jugendliche, die Cannabis konsumieren. Der Altersschnitt ist nicht vergleichbar mit Alkohol oder Tabak. Eine Legalisierung mit Jugendschutz ist aber wohl dann wirklich nicht umsetzbar und dies wäre für diese (schutzlosen) Jugendlichen verherrend. Bereits der heutige (von den Behörden tolerierte) Zustand ist tragisch.
Cannabis führt zu Halluzinationen, psychomotorischer Unruhe, Tachykardie und Hyperakusis, bei chronischem Konsum zu paranoider Reaktion. Und da lese ich Autofahren unter Cannabis sei im Prinzip kein Problem (hier im Thread). Ich nenne dies mal verantwortungslos.
Tragischere Wirkungen sind das beschriebene Amotivationssyndrom, die Induktion schizophrener Psychosen. Diese Wirkungen wären hinreichend einem Medikament die Zulassung zu widerrufen. Aber das soll nun völlig legal konsumiert und verkauft werden können.
Weiter lese ich, es sei eine pragmatische, nicht eine moralisierende Lösung anzustreben. In gewissem Masse wiederspiegeln jedoch die Gesetze eine common-sense Moral. Grund für das gesetzliche Verbot ist wohl aber der Schutz solcher Personen, die nicht in der Lage sind die Folgen des Konsumes selbst abzuschätzen. Und derer sind viele. Besonders dann, wenn Cannabis zu einer Modeströmung und zu Livestyle verkommt.
Natürlich ist es falsch, die Konsumenten zu kriminalisieren – nur dafür, dass sie sich selbst schädigen. Selbstmord ist ja auch nicht verboten (nicht mehr). Ich verstehe diese Argumentationsschiene, sehe dafür jedoch keine pragmatische Lösung. Vor allem solange die schwerwiegenden Wirkungen von Cannabis in der Öffentlichkeit derart verleugnet werden, ist eine Legalisierung keine Variante.
Ich sehe nicht ein, weshalb nun unbedingt dafür gesorgt werden muss, dass sich diese tolle Drogen noch weiter ausbreiten soll. Dafür gibt es überhaupt keinen Bedarf. Wenn mir ein persönliches statement erlaubt ist: es ist Zeit, dass in Deutschland wieder mal seriös gearbeitet wird, die Wirtschaft wieder mutig und zukunftsorientiert auf Vordermann gebracht wird und nicht dafür, dass sich alle Bürger mit Cannabis zudröhnen und in eine kollektive lethargisch-depressive Stimmung verfallen.
Alles wird gut
03.06.2003, 19:16
Original geschrieben von hobbes
Cannabis führt zu Gedächnisstörungen (Kognition): Tausende von Schülern gehen heute bekifft zum Unterricht. Diese könnten genauso gut zuhause bleiben. Denn in einen bekifften Schädel geht nichts mehr rein.
Komisch.... warum habe ich dann ein Abi von 1.9 gemacht???
Und auch Deine ganzen anderen Ausführungen habe ich auch noch nie erlebt, geschweige denn, von irgendwelchen anderen, mitunter sehr regelmässig, konsumierenden Leuten!
Das es bei Drogen auch eine Art Placebo-Effekt gibt, sollte euch einleuchten. Die geschilderten Symptome findest Du auf fast jedem Beipackzettel unter "Mögliche Nebenwirkungen".
Das diese "Horrorgeschichten" von Halluzinationen, sind, wenn überhaupt, absolute Einzelfälle... Da sterben wahrscheinlich weitaus mehr Menschen an ASS-Mißbrauch als Psychosen durch Hasch entstehen.
Es ist Blödsinn, zu glauben, dass wenn man einen Bahnhof als Drogenumschlagplatz "sauber" fegt, man die Verbreitung der Drogen stoppt! Es gibt Handys, um sich spontan zu verabreden- irgendwo. Die Leute ziehen sich in ihre Häuser und Wohnungen zurück und eine offene, halbwegs kontrollierbare Szene verwandelt sich in ein "Untergrundnetzwerk".
Jugendlich trinken und rauchen häufig viel früher als sie kiffen!
Bei uns uffm Dorff war man auf jeden Fall spätestens bei der Konfirmation wirklich hacke-dicht- gekifft haben da gaanz wenige schon mal. Ich bin übrigens nicht getauft...
Ich habe nebenbei auch nie behauptet, dass bekifft Auto fahren sicher sei, ich hab lediglich gesagt, dass das Fahrverhalten weniger riskant als angetrunken oder besoffen ist!!!
Mit der Legalisierung wird auch kaum die Verbreitung gefördert.
Kein Nicht-Kiffer wird sagen: "Och, eigentlich hab ich darauf gar keine Lust... aber wenn's schon mal legal ist...."
Dein Schlusswort bedarf meiner Meinung keinem weiterem Kommentar.... deutsche Ordnung, deutscher Fleiß, deutscher Mut.... schon klar... hab ich schon mal von gehört! :-(
Irgendwie beißen sich Deine Argumentationen selbst in den Hintern:
Wenn ich verallgemeinere, dann polemisiere ich, wenn Du das tust, ist das für die Diskussion nötig.
Geht aber noch weiter:
Original geschrieben von Alles wird gut
Komisch.... warum habe ich dann ein Abi von 1.9 gemacht??? Man könnte Dich sagen wir mal zum Beispiel einen "Einzelfall" nennen, ja?
Original geschrieben von Alles wird gut
Das diese "Horrorgeschichten" von Halluzinationen, sind, wenn überhaupt, absolute Einzelfälle... Kann ich logisch folgern, daß Einzelfälle für Deine Argumentation nicht von Bedeutung sind?
Original geschrieben von Alles wird gut
Da sterben wahrscheinlich weitaus mehr Menschen an ASS-Mißbrauch als Psychosen durch Hasch entstehen. Dieses Argument ist das mieseste überhaupt. Dieses ganze: "Aber das is erlaubt und viel schlimmer wohingegen das verboten und und doch gar nicht so schlimm." ist überhaupt keine Begründung für irgendwas.
Original geschrieben von Alles wird gut
Ich habe nebenbei auch nie behauptet, dass bekifft Auto fahren sicher sei, ich hab lediglich gesagt, dass das Fahrverhalten weniger riskant als angetrunken oder besoffen ist!!! Wird ja immer besser. Wenn ich mich recht erinnere, dann haben Freunde von mir nach Genuß von Canabis-Plätzchen eine ziemlich krasse Veränderung der Zeitwahrnehmung bemerkt ("10min um eine Straße zu überqueren").
So jemand sollte nicht zwingend Auto fahren, egal wie "vorsichtig" er fährt, denn wenn er die Reaktionszeit einer Nacktschnecke hat, dann überrollt er eben den Fußgänger in Zeitlupe.
Dem ist es glaub ich egal, ob er von nem Besoffenen oder nem Bekifften überfahren wird.
Original geschrieben von Alles wird gut
Mit der Legalisierung wird auch kaum die Verbreitung gefördert.
Kein Nicht-Kiffer wird sagen: "Och, eigentlich hab ich darauf gar keine Lust... aber wenn's schon mal legal ist...." Und was is mit Leuten, die jetzt sagen: "Ich würd ja schon mal gerne, aber es ist mit zu gefährlich" (meinetwegen von den Eltern erwischt zu werden)?? Es soll ja noch tatsähclich Leute geben, die sich an Regeln halten.
Unbedeutende Einzelfälle?
Alles wird gut
03.06.2003, 20:24
Zum "Einzelfall" Abitur: Da kenn ich noch VIIIIIIIIEEEEEEEEEEEL mehr Leute mit teilweise auch besserem Abi... und nebenbei auch "einige" Mediziner, die ihr Studium alle ganz gut auf die Reihe bekommen!
Den Rest der "Einzelfall"-Abhandlung find ich nicht weiter diskussionsfähig...
"Aber das is erlaubt und viel schlimmer wohingegen das verboten und und doch gar nicht so schlimm." ist überhaupt keine Begründung für irgendwas.
Für mich hat Rechtsprechung schon was mit "Logik" und eben auch Gerechtigkeit zu tun und Widersprüche dieser Art sind ausser mit Dogmen nicht zu begründen.
10 Minuten um ne Straße zu überqueren.... die warten auch immer "stundenlang" an der Bushaltestelle....
Ein gut bestücktes Plätzchen ist nebenbei mit nem kleinem Joint auch kaum vergleichbar, was Wirkung und Dauer angeht- das ist wirklich eine gaaanz andere Liga!
Auch kommt es sicherlich mit darauf an, wie "gewöhnt" man den Konsum ist... aber eigentlich brauchen wir und hier auch gar nicht streiten, da wir beide nicht für's bekifft Auto fahren sind!
Es geht nur darum, dass man mit ein "bisschen" Alkohol gerade noch fahren darf und nach nem Joint eigentlich das Auto min. einen Monat stehen lassen müsste, bis absolut keine Abbauprodukte mehr nachweisbar sind.
Vielleicht versuchen ja wirklich ein paar Leute mehr, ob ihr Feierabend durch ein Tütchen bereichtert werden kann. Aber wenn sie alt genug sind, sollten sie das Recht haben, sich diesem überschaubaren "Risiko" auszusetzen! In Holland werden die Altergrenzen in den Coffeeshops weitaus gründlicher kontrolliert als bei uns das "Gesetz zum Schutze der Jugend in der Öffentlichkeit"! Zumindest war das meine Beobachtung...
Tja lieber AWG: ich gebe mehr auf die Meinung meines Psychiatrie-Professor als auf deinen Selbsterfahrungsbericht und deine Analysen deiner Umgebung. Vielleicht tut es auch dir gut HIER einmal Fachliteratur zu Rate zu ziehen. Wenn du ein Kiffer bist, bist du deswegen noch lange nicht bewandert auf diesem Gebiet der Abhängigkeitserkrankungen.
PEACEKEEPER
03.06.2003, 20:39
Original geschrieben von hobbes
Es ist richtig, dass die Repression in der Aushebung der Grosshändler (und allenfalls auch Kleinhändler) geschehen müsste. Dafür wird wohl (aus politischen Gründen) zuwenig Gewicht gelegt. In jeder Stadt (das ist mir sehr wohl bekannt) gibt es Orte wo es sehr einfach ist, an diese Stoffe zu gelangen. Es wäre auch für die Behörden ein einfaches, dies zu unterbinden. Es ist also falsch, hier eine Unmöglichkeit zu postulieren, wo es sich doch um ein Nichtwollen handelt.
Sry aber dieses Statement zeigt, dass du zu dieser Thematik zumindest eine sehr konservatives Weltbild hast.
Der Otto Normalkiffer kauft doch sein Zeugs nicht am Bahnhof oder in irgendwelchen dunklen Ecken im Stadtpark. Da spucken echt noch die Bilder aus den 60er und 70er Jahren in Köpfen herum.
Es hat sich längst eine unkontrollierbare Szene gebildet, die sich im Privaten abspielt.
In der Regel ist der" Dealer" ein Bekannter aus dem Freundeskreis, der sich mit der Abgabe selbst seinen Konsum finanziert. Es gibt auch soviele Leute die sich die Pflänzchen selber ziehen, und das notige Equipment kann man völlig legal überall kaufen. Oder wenn man in Grenznähe wohnt, fährt man einfach nach Holland, und an der Grenze gibt soviele Übergänge ( zb durch den Wald und Wiesen) , die von der Polizei gar nicht kontrolliert werden können.
Um diese Szene auszutrocknen, müsstest du vor jedes Haus einen Polizisten stellen.
Das Argument mit dem Schützen der Schwächeren von Hobbes finde ich gar nicht mal so unwichtig! Kann ja sein, dass die, die was in der Birne haben vernünftig mit ihrem Konsum umgehen können. Aber was ist mit den ganzen Hip Hop Kiddies? Ich meine, in dieser "Subkultur" oder "Kultur" gehört Cannabis ja quasi dazu und wird meiner Meinung nach ziemlich verklärt. Gerade diese Argumenationen, wie ungefährlich doch alles sei, verleitet geradezu zu einem Missbrauch.
Erst mal:
Niemand soll/darf sich unter Einfluß von psychoaktiven Substanzen ans Steuer setzen. Da gibt's auch nichts zu diskutieren, da 'ne Fremdgefährdung vorliegt. (Auch wenn zB. ein Chirurg nach zig Stunden (Nacht-)Dienst noch operieren darf, obwohl das nachweislich einigen Promille Alkohol vergleichbar ist. Warum passiert da nichts?) Punkt ist hier, daß schon allein einmaliger nachgewiesener Konsum, unabhängig davon, ob man überhaupt Auto gefahren ist, dazu führt, daß einem die Fähigkeit zum Führen eines KFZ abgesprochen wird. Wo bleibt da die Verhältnismäßigkeit?
Zweitens:
Nur weil ein Verhalten von vielen praktiziert wird, kann das eine Legalisierung nicht begründen (Bsp. Rasen mit Auto). Stimmt.
Man kann/sollte aber doch mal überprüfen,
*inwieweit der angestrebte Nutzen durch die getroffenen Maßnahmen erreicht wird,
*ob der Aufwand dazu in einem vertretbaren Verhältnis steht und *ob das gesteckte Ziel vielleicht noch dem gegenwärtigen Erkenntnissstand angemessen bzw. überhaupt erreichbar ist.
Es macht einen großen Unterschied ob ich mir "die drogenfreie Gesellschaft"(die es noch nie gab und nie geben wird) oder "Schadesbegrenzung" zur Prämisse mache.
Wir haben das Verbot und trotzdem kiffen in der BRD ungefähr 2 Millionen Leute regelmäßig und noch viel mehr haben zumindest Erfahrungen in dieser Hinsicht. Diese Leute haben auch definitiv sehr viel mehr Probleme mit der Justiz als mit der Droge an sich.
Weiter:
Teenies sollten keine Drogen konsumieren.
Das Verbot hat dies bisher aber auch nicht verhindern können, was man dann ruhig auch mal zugeben kann.
Und das liegt mitnichten auch daran, daß die Horrorgeschichten, die da zum Thema verbreitet werden überzogen oder falsch sind. Der (experimentierfreudige) Teenager erlebt im Freundeskreis das Gegenteil und wird danach die Glaubwürdigkeit bestimmter Informationsquellen in Frage stellen, was sich dann, wenn's um tatsächlich sehr gefährliche Drogen geht, natürlich nachteilig auswirken kann.
Desweiteren bezweifle ich, daß in den Niederlanden oder in der Schweiz, die hier auch liberaler wird/ist alle Leute, die ursprünglich "clean" waren, im "Drogensumpf umkommen". Die Realität spricht da eine andere Sprache.
Schließlich:
Wenn ich als Erwachsener im Urlaub Ski fahre oder mir die Brüste mit Silikon aufblasen lasse oder mich auch nur einfach ins Auto setze, dann wird mir hier auch die Fähigkeit und das Recht zugebilligt, zu entscheiden, ob mir das die etwaigen gesundheitlichen Risiken wert sind, und die sind hier auch beileibe nicht gleich 0, wenn man Statistiken glauben schenken darf.
@Peacekeeper: Das der Konsum grösstenteils aus selbst gezüchteten Pflanzen im Bekanntenkreis gedeckt wird, ist so nicht richtig. Das betrifft nur einen (kleineren) Teil des Totalkonsums. Nach wie vor werden ganzen Industriegelände, Tiefgaragen (umfunktioniert zu Gewächsanlagen), Anbauzonen etc. ausgehoben. Es handelt sich hierbei nicht um Grossdealer, aber doch um Mittelgrosse Händler und Anbauer. Und es ist wirklich nicht schwierig, diesen ein Bein zu stellen (sofern man dies denn auch will). Wer sein eigenes Pflänzchen hat und davon konsumiert, damit kann ich leben (deswegen braucht es jedoch keine Liberalisierung) - aber wer solche Stoffe weitergibt, der macht (und soll dies auch) sich strafbar. Es wird heute zwar allenthalben nach diesen Drogen gefahndet, die Bestrafung ist jedoch meist inadaequat, bzw. unerheblich und daher wirkungslos.
@Janine: Ich finde Janine hat einen wichtigen Punkt ausgeführt. Ich kann nur empfehlen ihr posting nochmals nachzulesen.
@milz:
Wenn ich als Erwachsener im Urlaub Ski fahre oder mir die Brüste mit Silikon aufblasen lasse oder mich auch nur einfach ins Auto setze, dann wird mir hier auch die Fähigkeit und das Recht zugebilligt, zu entscheiden, ob mir das die etwaigen gesundheitlichen Risiken wert sind, und die sind hier auch beileibe nicht gleich 0, wenn man Statistiken glauben schenken darf.
Das stimmt so leider eben nicht. Silikon-Implantate wurden in zig Studien nach allen möglichen Kriterien geprüft. Für die Marktzulassung wurden diese Nachweise erbracht. Ergeben sich an der Unschädlichkeit dieser Produkte Zweifel, muss das Produkt vom Markt. Nach heutigem Kenntnisstand gibt es diese Zweifel jedoch nicht. Der Zusammenhang mit dem Mamma-Ca hat sich eindeutig NICHT bestätigt.
Von Cannabis kennen wird jedoch bereits heute schwerwiegende Nebenwirkungen, welche nicht mit einer Deklaration als "Unbedenklich" vereinbar wären. Auch sind die Risiken nicht unbedingt kalkulierbar. Weiter ist eben so, dass die Risiken den Konsumenten jetzt (auch sicher auch nach einer Liberalisierung) nicht bekannt sind. Beim Autofahren sind diese Risiken bekannt und diese werden durch die Regeln des Strassenverkehrs auch minimiert. Dazu ist die Durchsetzung des Strassenverkehrsrechts erforderlich. Damit wären wir wieder beim Schutzgedanken, welcher in Janines posting ausgeführt ist.
Der (experimentierfreudige) Teenager erlebt im Freundeskreis das Gegenteil und wird danach die Glaubwürdigkeit bestimmter Informationsquellen in Frage stellen, was sich dann, wenn's um tatsächlich sehr gefährliche Drogen geht, natürlich nachteilig auswirken kann.
Genau. Und deshalb muss dafür gesorgt werden, dass der Teenager gar nicht erst die Gelegenheit erhält, seiner Experimentierfreudigkeit zu frönen.
Es ist ein Irrglauben zu meinen, ein liberalisierter Markt sei noch irgendwie kontrollierbar. Dies zeigt die Nikotinprävention, welche jämmerlich versagt hat. Noch nie haben so viele jungen und noch nie so Junge geraucht wie heute. Und noch nie wurde mehr Geld für Prävention ausgegeben und noch nie gab es schärfere Paragraphen im Jugendschutz bei Nikotin. Dieses Rezept versagt mit Sicherheit.
PEACEKEEPER
03.06.2003, 23:23
Original geschrieben von Janine
Das Argument mit dem Schützen der Schwächeren von Hobbes finde ich gar nicht mal so unwichtig! Kann ja sein, dass die, die was in der Birne haben vernünftig mit ihrem Konsum umgehen können. Aber was ist mit den ganzen Hip Hop Kiddies? Ich meine, in dieser "Subkultur" oder "Kultur" gehört Cannabis ja quasi dazu und wird meiner Meinung nach ziemlich verklärt. Gerade diese Argumenationen, wie ungefährlich doch alles sei, verleitet geradezu zu einem Missbrauch.
Da hast du recht, und aus diesem Grunde sollte man Cannabis auch legalisieren.
Die Argumente sind ja schon mehrfach genannt worden, vorallem die Kontrollierbarkeit.
Natürlich soll ein 12Jähriger nicht in einen Coffeshop dürfen, der Zugang muss natürlich streng überwacht werden.
Gerade diese HipHopkultur, die du ansprichst, lebt ja davon Grenzen auszutesten und auch zu überschreiten.
Ist aber der Reiz des Verbotenen nicht mehr gegeben, wird auch Kiffen für Jugendliche eher uninterssant.
Und wer hat als Jugendlicher nicht seine Grenzen getestet? Und sei es nur, wenn man 1 Stunde später als verabredet zu Hause war.
Was mich einfach aufregt, ist die Tatsache, dass vorallem aus konservativen Kreisen Eigenverantwortlichkeit und sowas wie der mündige Bürger gepredigt wird, und auf der anderen Seite wollen diese Leute mir meine Mündigkeit absprechen.Mit Konservativ mein ich nicht unbedingt nur die CDU. Auch und gerade in der SPD gibt es genug Leute, die die gleichen Ansichten vertreten. Ich sag nur Otto Schilly. Ich glaub kaum, dass der für eine Legalisierung wäre :-D
PEACEKEEPER
03.06.2003, 23:40
Original geschrieben von hobbes
Es ist ein Irrglauben zu meinen, ein liberalisierter Markt sei noch irgendwie kontrollierbar. Dies zeigt die Nikotinprävention, welche jämmerlich versagt hat. Noch nie haben so viele jungen und noch nie so Junge geraucht wie heute. Und noch nie wurde mehr Geld für Prävention ausgegeben und noch nie gab es schärfere Paragraphen im Jugendschutz bei Nikotin. Dieses Rezept versagt mit Sicherheit.
Na aber warum hat die Nikotinprävention versagt bzw. wird sie nur halbherzig betrieben? Weil der Staat kein Intersse hat, der Tabakindustrie ihr Geschäft zu vermiesen. Und den Grund dafür kann sich ja wohl jeder denken. Tabaksteuer.
Der Staat subventioniert den Tabakanbau. hat bei der EU massiv Front gemacht gegen ein geplantes Werbeverbot usw.
Gleiches gilt natürlich auch für Alkohol. Es ist ein Unding, dass im Fernshen für Alkohol geworben werden darf.
Keiner hier fordert, dass Cannabis irgendwie propagiert wird, nach dem Motto " Gras für alle".
Es geht in erster Linie darum, dass man als unbescholtener und mündiger Bürger nicht mehr kriminalisiert wird, nur weil man ab und zu einen Joint raucht.
Froschkönig
03.06.2003, 23:47
Original geschrieben von PEACEKEEPER
Na aber warum hat die Nikotinprävention versagt bzw. wird sie nur halbherzig betrieben? Weil der Staat kein Intersse hat, der Tabakindustrie ihr Geschäft zu vermiesen. Und den Grund dafür kann sich ja wohl jeder denken. Tabaksteuer.
Dem muß man leider zustimmen. Was soll die Altersabhängige Abgabebeschränkung für Händler und Werbeverbot oder Werbeeinschränkung, wenn ein Säugling an der nächsten Ecke den Zigo-Automaten mit genügend Kleingeld plündern kann ?????
Solange es Zigarettenautomaten gibt, ist für mich das geschwafel von Raucher-Prävention blanker Hohn ! Aber wie bereits gesagt : DAS Steuerloch wäre wohl nicht zu stopfen.
[QUOTEDas stimmt so leider eben nicht. Silikon-Implantate wurden in zig Studien nach allen möglichen Kriterien geprüft. Für die Marktzulassung wurden diese Nachweise erbracht. Ergeben sich an der Unschädlichkeit dieser Produkte Zweifel, muss das Produkt vom Markt. Nach heutigem Kenntnisstand gibt es diese Zweifel jedoch nicht. Der Zusammenhang mit dem Mamma-Ca hat sich eindeutig NICHT bestätigt.
]
Ich hatte da jetzt auch mehr an allg. OP-Risiken (Wundinfektionen, Thromboembolie) gedacht, sowie ausgelaufene Implantate (höchstpersönlich im KH gesehen), sowie Einzelfälle von Erblindung (Doku im TV gesehen. Ist jetzt natürlich nicht hieb- und stichfest). Chirurgische Eingriffe mit 0-Risiko gibt es nicht.
Das war ja auch nur ein Bsp. zur Veranschaulichung dafür, daß tagtäglich von uns Selbstverantwortung und Entscheidungsfähigkeit erwartet wird.
Natürlich kann man nicht alles verbieten. Ich wunder mich halt nur, wie man doch mit vielerlei Maß mißt, und eben nur selten auf Grundlage wissenschaftlicher Argumentation.
Wie vorurteilsgebunden und emotional gefärbt der Umgang mit dieser Droge ist, zeigt schon, daß bei der bisherigen Umfrage (ist natürlich nicht repräsentativ) 1/4 der Studis eine medizinische Anwendung von vorneherein ausschließen.
(Nicht falschverstehen. Ich respektiere diese Meinung, finde es aber schon bezeichnend bzw. frage mich, welche Vorstellungen sie von diser Droge haben, bei der zudem noch kein einziger Todesfall glaubhaft belegt ist -sieht man von Hinrichtungen in manchen Ländern ab-, während an ASS-bedingten Magenblutungen wahrscheinlich schon ein paar Leute draufgegangen sind und noch werden. )
Grüße
frerehugi
04.06.2003, 08:59
Tach auch!
Aha...alle Jahre wieder kommt das Thema Cannabis (letztes Jahr auch so zur selben Zeit...muss am Sommer liegen :-)) )
Meiner Meinung nach ist ein offener und vor allem objektiver Umgang mit Cannabis nach holländischem Vorbild die einzige Möglichkeit, die unsere Gesellschaft diesbezüglich noch hat. Nach einer Spiegel-Analyse haben rund 38% der 18-24jährigen Erfahrungen mit Cannabis bzw. konsumieren regelmäßig. Damit steht für mich zumindest fest: ES IST AUS UNSERER GENERATION NICHT MEHR WEGZUKRIEGEN! Das heisst auch, dass gerade wir uns näher mit dem Thema beschäftigen sollten (was in den meisten Pharma- bzw. Psychatriebüchern steht finde ich lachhaft; unsrere Pharmas sind auch bis heute nicht auf die Idee gekommen Cannabis oder andere gängige Drogen mit ins Seminar zu bringen). D.h. wir brauchen A einen offenen, kontrollierten Umgang mit energischer Repression des Schwarzhandels, B eine vernünftge, objektive und nicht städig moralisch gefärbte Studentenausbildung/Ärzteweiterbildung und damit ganz eng verknüpft C eine offene und objektive Volksaufklärung zu dem Thema! VlG, frerehugi
Alles wird gut
04.06.2003, 14:18
Original geschrieben von Janine
Das Argument mit dem Schützen der Schwächeren von Hobbes finde ich gar nicht mal so unwichtig! Kann ja sein, dass die, die was in der Birne haben vernünftig mit ihrem Konsum umgehen können. Aber was ist mit den ganzen Hip Hop Kiddies? Ich meine, in dieser "Subkultur" oder "Kultur" gehört Cannabis ja quasi dazu und wird meiner Meinung nach ziemlich verklärt. Gerade diese Argumenationen, wie ungefährlich doch alles sei, verleitet geradezu zu einem Missbrauch.
Ich will hier gar nicht grundlegend widersprechen, allerdings bleibt zu ergänzen, dass Dope in eigentlich ALLEN Musikrichtungen etabliert ist und nicht nur bei den meist von vornherein leicht debilen Hip-Hopern in Baggy-Pants.
Was gebraucht wird ist eine gesunde Drogenkultur!!! Wo es weder schlimm noch gut ist, wenn man Hasch raucht, sondern einfach ganz normal.
@Hobbes: Das Du einem Kiffer seinen Eigenanbau zugestehst, spricht für Deine Toleranz! Allerdings übersiehst Du da eine Kleinigkeit... der private Eigenanbau ist nämlich leider auch verboten! Nur ganz wenige können sich auf Grund der Örtlichkeit erlauben, sich ne Dröhntanne zu ziehen.
Die nebenbei auch ohne Blüten eine wirklich schöne Pflanze ist, deshalb auch oft liebevoll Indische Ziernessel genannt. :-D
Aber gut, dass es angesprochen wurde, denn im Eigenanbau liegt die wohl mit Abstand dämlichste und aberwitzigste Regelung betreffend Hanf... Vor ein paar Jahren, nach der lange überfälligen "Auge-zudrück-Regelung", haben sich ein paar ganz schlaue Gesetzesmacher überlegt, dass man den Besitz von Hanfsamen, mit dem Besitz von einem Gramm Heroin gleichsetzen könne!!!!! :-??? Mit der Begründung, dass man aus einem Samen letztendlich ja tausende Pflanzen ziehen könne.... :-sleppy :-(( :-notify :-??? :-? :-( ....ich hab dann erstmal das Vogelfutter die Toilette runtergespült...
Aber genau in solchen Gesetzen und "Aufklärungen", wie eindrucksvoll auf den Scientologen-Seite demonstriert, liegt die Ursache für Verharmlosung der Gegenseite!
Jeder der's ausprobiert hat oder auch nur jemanden besser kennt, der's raucht, wird unweigerlich eigenstehen müssen, dass die Gefahren total überzeichnet dargestellt sind und schon wird gar nichts mehr geglaubt!
:-music Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.... :-music
Ist aber der Reiz des Verbotenen nicht mehr gegeben, wird auch Kiffen für Jugendliche eher uninterssant.
Eben das glaube ich nicht! Alkohol ist auch nicht verboten und wird in Unmengen konsumiert! Und zu den Grenzen: klar testet man die aus. Deshalb sollte man aufpassen, die Grenzen nicht immer höher zu stecken!
Whatever, Ecstasy ist mit Sicherheit wesentlich gefährlicher und ist wahrscheinlich auch viel zu weit verbreitet.
Was gebraucht wird ist eine gesunde Drogenkultur!!! Wo es weder schlimm noch gut ist, wenn man Hasch raucht, sondern einfach ganz normal.
Das wäre schön :-) Aber es ist utopisch, findest du nicht? Ebenso müsste man auch darauf vertrauen, dass die Menschen gesund mit Alkohol umgehen, was viel zu viele nicht tun.
Das denke ich auch. Die Geschicht mit dem Reiz des Verbotenen, an die mag ich auch nicht glauben.
Gut, ich verstehe, dass es nicht sinnvoll ist, Einzelkonsumenten und Heimpflanzenzüchter zu verfolgen. Letztlich geht es jedoch um eine Risikoabwägung und hier geht der Schutzgedanke eindeutig vor (nicht nur von Jugendlichen, es gibt ansonsten genügend psychisch labile Persönlichkeiten, bei welchen auch weiche Drogen verherrend Folgen bezüglich des weiteren Lebenswandels haben. Auch wenn die Drogen daran nur eine Partialschuld haben).
Eine gesunde Drogenpolitik? Das ist ungefähr so humorvoll wie eine lebendige Pathologie.
Froschkönig
04.06.2003, 22:08
Letztlich sieht es doch so aus : Wir haben 2 legale Drogen (3 wenn man Kaffe mitzählt ;-) )
Nikotin - Macht süchtig, macht krank, stinkt
Alkohol - bewußtseinsverändernd, berauschend, Familienzerstörend und sozial mißachtet (im gegensatz zum Rauchen)
Nun fordert da jemand die legalisierung von THC. Warum aber dann dort halt machen ? Was ist mit de Rezeptpflicht verschiedener ähnlich wirkender Pharmaka ? Was ist mit wirklich harten Drogen ? Eigentlich - logisch gedacht - müßte der Weg wirklich zum Verbot ALLER dieser Mittel (Inklusive Zigaretten und Alkohol) gehen und nicht umgekehrt !
Der Frosch
p.S. Mag sein, daß ich einiges wiederholt habe, aber so isses nunmal.
Nun fordert da jemand die legalisierung von THC. Warum aber dann dort halt machen ? Was ist mit de Rezeptpflicht verschiedener ähnlich wirkender Pharmaka ? Was ist mit wirklich harten Drogen ?
Na ja! Ein Argument der Befürworter der Legalisierung ist ja, dass Hanf schon seit Ewigkeiten genutzt wurde und es früher halt auch einfach normal war. Ich hab mal irgendwo gelesen, dass Hanf eine der am stärksten angebauten Nutzpflanzen in Deutschland war. Die werden dmalas sicherlich nicht nur Seile daraus gemacht haben.
Also gut, dann doch lieber Augen zu und volle Fahrt voraus.
Zum Thema, der "Schutzbedürftigen":
Möchte jetzt nochmal das Problem von einer konkreteren Seite her aufrollen:
Vielleicht habt Ihr jetzt oder in Zukunft mal Kinder, wo Ihr im "kleinen Modell" die Alltagstauglichkeit Eurer Theorien überprüfen könnt/müßt (und die volle Verantwortung dafür übernehmt). Und spätestens da, werdet Ihr mit der Realität konfrontiert.
Aber bitte, kann ja jeder selbst entscheiden.
Ich selbst bleibe da skeptisch (auch wenn ich noch keine Erfahrung mit eigenen Kindern habe.)
Da es da dann auch weniger um Details, als um die Grundhaltung geht, läßt sich das Ganze auch zwanglos auf andere Erziehungsfragen ausdehnen, mit denen Eltern regelmäßig konfrontiert werden:
"Soll ich meinem Kind das Taschengeld kürzen, wenn es für die Schule nichts mehr macht?", "Soll ich meiner 14jährigen die Pille verbieten, weil man in dem Alter keinen Sex haben soll?", "Soll ich dem Sprößling die Videospiele wegnehmen, weil man auch virtuell keine Menschen töten soll?"
Wenn Ihr glaubt, das es so einfach ist, Prävention zu betreiben, dann tut das.
Man kann sich ja in der Gewißheit wägen, daß man zumindest seinen Standpunkt klar gemacht hat und hinterher selbstgefällig sagen kann: "Ich hab Dich ja gewarnt! Hättest Du gehört! Selber schuld!"
Was einem dann aber, wenn's dann mal soweit ist, vielleicht doch eher die Tränen in die Augen treibt.
Abschließend, bin ich der Meinung
*daß man Kindern (wie Erwachsenen auch) Grenzen setzen muß,wo sie wohlgemerkt auch kontrollierbar (!) sein müssen sowie angemessen sind, und man vielleicht auch mal nicht um Sanktionierung (wie bei Erwachsenen auch) herumkommt.
*daß man dem Kind aber auch den Freiraum läßt (wie bei Erwachsenen auch), von selbst sein Hirn zu benutzen, was die Beurteilung von Gefahren jedweder Art angeht (das kostet Zeit und Rückschlage, ist aber unvermeidlich)
*daß man mit der Argumentationsschiene (natürlich nicht beim Kleinkind) sehr viel mehr erreicht, als mit der Verbots- und Drohschiene.
Da reichen dann auch psychologische Laienkenntnisse, um das zu erkennen.
So, egal wie Ihr's macht (sofern Ihr Kinder wollt), ich wünsche Euch dabei viel Erfolg.
PS.: Kann mir mal jemand erklären, wie das Zitieren funktiert. Oben auf zitet klicken und dann?
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