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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Umfrage: Cannabislegalisierung



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frerehugi
05.06.2003, 14:22
Das man als Eltern unweigerlich in Konflikte jedlicher Art gerät und das es dabei notwendig ist, seinen eigenen Standpunkt immer wieder neu zu überdenken, zweifelt wohl niemand an. Bei der jetzigen Thematik geht es aber in erster Linie (noch) nicht um unsere Kinder, sondern um unsere eigene Generation, in der es (zumindest bei uns im Norden) völlig normal ist, dass man Gelegenheitskiffer kennt oder selbst eine(r) ist (auf jeden Fall wird niemand, der es tut, schief angeguckt). Dieses, zumindest bei uns absolut nicht vorhandene Unrechtsbewußtsein was das Kiffen angeht, gepaart mit der starken Verbreitung (38%), lässt doch nur drei Schlußfolgen zu: entweder es wird nach holländischem Vorbild legal (mit klaren Regelungen was Alter und Fahrtüchtigkeit angeht), oder es wird weiterhin totgeschwiegen und der Gesetzgeber zieht sich nach und nach zurück (keine Strafanzeigen und Führerscheinentzüge mehr), oder der
Gesetzgeber weist endlich die Toxizität von Cannabis nach und untermauert damit das Verbot bzw. eine Verschreibungspflicht. Letzteres dürfte sich als schwierig gestalten, da zwar ein Neuronenverlust im Hippocampus bei Ratten einwandfrei nachgewiesen ist und der Rauch als solches die Inzidenz von Bronchialkarzinomen massiv erhöht, es aber keine klare Vergiftungssymptomatik und keine eindeutig nachgewiesenen Todesfälle gibt. Da es beim akuten Alkoholrausch zu einem wahrscheinlich weit höheren Neuronenverlust und beim Qualmen zu hohen Bronchial-Ca-Inzidenzen kommt, wird es für den Gesetzgeber schwierig, das Verbot vernünftig zu begründen. Von daher tippe ich auf Variante "totschweigen". VlG, frerehugi

Lava
10.06.2003, 11:51
Jedenfalls finde ich den status quo irgednwie beschissen. Es ist nicht wirklich ein Problem, an Hasch zu kommen, was ein Beschützen von Personen unmöglich macht. Wer kiffen will, tut das, da ändert kein Gesetz was dran. Also versucht man entweder, das rigors zu verhindern oder man legalisiert es und passt auf wie ein Schießhund, dass die Regulierungen eingehalten werden. Ich könnte mir vorstellen, dass eine kontrollierte Abgabe, härtere Strafen für bekifft Auto Fahren und Missbrauch bei Minderjährigen wirkungsvoller sind als die jetzigen Kontrollen.

milz
10.06.2003, 18:53
Hallo Janine,

ich hoffe daß die Politik auch mal auf den Trichter kommt. Aber meist passiert ja erst was, wenn der Karren ganz tief im Dreck steckt oder wie ich hier vermute, wenn die Durchsetzung des Cannabisverbots nicht mehr finanzierbar ist.
Und wenn man sich die Zahlen anschaut (http://www.cannabislegal.de/argumente/zahlen.htm ), erkennt man ja unschwer, wie wenig das Cannabisverbot bezüglich Konsumminimierung genützt hat und wieviel es noch kosten wird.

Lava
11.06.2003, 14:47
Das Problem mit den Politikern ist vielleicht, dass es sie einfach nicht interessiert! Mal abgesehen von den Grünen ist das Thema Cannabis doch eher weit weg von denen. Wie soll denn da eine vernünftige Diskussion zustande kommen??

frerehugi
12.06.2003, 00:56
:-dafür Bzw. wenn es denn mal angeschnitten wird, dann kommt sofort die Frage: "Haben wir denn in Deutschland keine anderen Probleme?" Das Problem ist einfach, dass gerade die beiden großen Parteien einfach den Ernst der Lage verkennen. VlG, frerehugi

milz
13.06.2003, 12:21
Zur Zeit läßt sich ja der Umgang der Gesellschaft und insbesondere der Massenmedien mit Drogenkonsumenten und der dabei zutage tretenden Doppelmoral recht anschaulich verfolgen.

Während in der Vergangenheit ein Harald Juhnke doch primär (und zu Recht) als zutiefst bedauernswertes Opfer des Suffs dargestellt wurde, wird ein Michel Friedmann (wie auch ehemals ein Christoph Daum) als Schwerkrimineller hingestellt. (Ich geh' jetzt mal davon aus, daß er "nur" konsumiert hat. Ist ja noch nicht geklärt.)

Ich persönlich finde es absurd und für ein Rechtssystem wie das unsere eigentlich untragbar, daß auf der einen Seite Leute, die sich (auf ganz spezifische Art) selbst schaden mit Gewaltverbrechern, Sexualstraftätern und ander Kriminellen gleichgestellt werden (auch was das Strafmaß angeht), während auf der anderen Seite jährlich in Bayern CSU-Abgeordnete die größte Sauforgie Deutschlands eröffnen (was sicherlich auch bei manchen einen ganz spezifischen Schaden anrichtet).

Da scheint ja Tradition und Moral dann doch mehr zu zählen, als der "gesunde Menschenverstand". (Wenn man sich anschaut, seit wann Frauen in der BRD erst wählen dürfen, seit wann Vergewaltigung in der Ehe strafbar ist usw. erhält man Einblick in die Frage, wieviiiiiel Vernunft und Zeit es braucht, um eine Gesetzeslage sinnvoll zu modifizieren, von daher erwarte ich auch keine Änderungen von heute auf morgen.)

Leider hatte Spinoza (1660) unrecht als er sagte: "Gesetze die gebrochen werden können, ohne daß dabei jemand zu Schaden kommt, werden belächelt."

Oder was meint Ihr? :-???

PEACEKEEPER
14.06.2003, 17:03
hier was zu Fiedmann:

PEACEKEEPER
14.06.2003, 17:08
h

hobbes
14.06.2003, 22:19
Original geschrieben von milz
Ich persönlich finde es absurd und für ein Rechtssystem wie das unsere eigentlich untragbar, daß auf der einen Seite Leute, die sich (auf ganz spezifische Art) selbst schaden mit Gewaltverbrechern, Sexualstraftätern und ander Kriminellen gleichgestellt werden (auch was das Strafmaß angeht), während auf der anderen Seite jährlich in Bayern CSU-Abgeordnete die größte Sauforgie Deutschlands eröffnen (was sicherlich auch bei manchen einen ganz spezifischen Schaden anrichtet).

Vorweg: Der Alkoholkonsum des Oktoberfestes ist nicht das Grundübel des Alkoholproblems einzelner Abhängiger. Ich denke nicht, dass dadurch eine Alkoholkrankheit entsteht oder gefördert wird. Aber du hast natürlich recht, ein Alkoholsuff ist gesellschaftlich tolerabel.

Auch mit dem Strafmass und der Problematik der Bestrafung von Cannabis-Konsumenten hast du eigentlich recht. Es stellt sich nur die Frage, inwiefern die Gesetzgebung geändert werden soll und wohingehend - dass sie geändert werden soll ist m.E. eindeutig. Jedoch halte ich eine Umkehr von Verboten zu Erlaubt (also eine 180° Wende) für falsch. Man muss dabei auch die dadurch vermittelte wertende politische und moralische Botschaft bedenken. Von mir aus kann man den Konsum für straffrei erklären, wenn gleichzeitig der Verkauf und die Produktion unter drakonischere Strafe gestellt wird und die Vollzugsbemühungen diesbezüglich verstärkt werden. Jedoch erscheint auch diese Lösung paradox.

Für mich ist auch entscheidend, mit welcher Argumentation und mit welcher Wertung eine Gesetzesänderung erfolgt. Welche Interpretation diese zulässt. Es geht nicht an, die negativen Folgen und Gefahren von Cannabis zu verharmlosen und eine Gesetzesänderung damit zu begründen.
Schon eher richtig wäre es, zu begründen dass ein Süchtiger wohl durch Strafe weder von seiner Sucht abgehalten werden kann, noch eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt und somit die Verhängung eines Strafmasses im Prinzip zwecklos ist. Dies ändert jedoch nichts an der Auffassung, dass Cannabis kein frei zuigängliches und legales Produkt sein soll.

Für ist klar, dass genau gleich wie bei rezeptpflichtigen Medikamenten der Verkauf und die Produktion von Cannabis verboten bleibt. Ob die Strafverfolgung für Konsumenten eingestellt werden soll - von mir aus.

PEACEKEEPER
14.06.2003, 22:54
Krass find ich auch das:

milz
15.06.2003, 14:16
Man muss dabei auch die dadurch vermittelte wertende politische und moralische Botschaft bedenken.

Gerade diese Botschaft kommt aber bei Jugendlichen nicht an, weil sie (zumindest was das Cannabisverbot angeht) auf einer Argumentation beruht, die einer kritischen Überprüfung nicht standhält und damit schlicht unglaubwürdig ist.

http://www.cannabislegal.de/argumente/procontra.htm

Der Handel harter Drogen, sollte natürlich strafbar bleiben. Der Konsum dagegen nicht, aus schon genannten Gründen.

Ich denke,daß das ganze Geld, daß u.a. in die Verfolgung von Kiffern gesteckt wird, in einer ehrlichen (!) und damit glaubwürdigeren Aufklärung schon im Kindes- und Jugendalter (bei uns in Schule hatte die in etwa das Niveau des Sexualkundeunterrichts) und in sekundärpräventiven Maßnahmen weit besser angelegt wäre.

Zum letzteren Punkt: Viele Heroinabhängige sterben nicht am Wirkstoff, sondern an den Folgen der Verwendung unsteriler Injektionsbestecke (lokale Infektionen, Sepsis), mit anderen geteilte Bestecke (Übertragung Virushepatitiden, HIV), Verunreinigungen und starke Konzentratiosschwankungen des Suchtmittels.
Die gegenwärtige Gesetzgebung verhindert dieses Elend nicht. Mit einfachen Mitteln läßt sich diese Situation für die Betroffenen aber entscheidend verbessern. Das wäre dann aber wieder eine eigene Debatte, wie das ausehen könnte. Es gibt ja schon einzelne Projekte in dieser Hinsicht.
Auch das Testen von Designerdrogen vor Diskos (wie weiter oben schon genannt), finde ich begrüßenswert.

Diese Art der Politik erfordert allerdings ein Umdenken, das bei uns leider erst in Ansätzen erkennbar ist.



Für ist klar, dass genau gleich wie bei rezeptpflichtigen Medikamenten der Verkauf und die Produktion von Cannabis verboten bleibt

Nur am Rande:
Was die Erzeugung suchtkranker Menschen angeht, kann sich auch die Ärzteschaft nicht die Hände in Unschuld waschen. Zumindest was rezeptpflichtige Medis angeht. Man denke an mangelnde Aufklärung der Patienten (Adumbran/Oxazepam) oder AO einer Bedafsmedikation bei chron. Schmerzen und dergleichen mehr. Das wäre dann aber wieder ein eigenes Thema.

http://www.hilfe24.de/statistik_medikamentensucht.htm

milz
26.06.2003, 09:43
Keine Sorge, dies ist mein letzter Beitrag zu diesem Thread :-top
Ich freue mich nur, meine Argumentation von höchstoffizieller Seite bestätigt zu sehen. :-top :-top :-top :-top :-top

www.bmgs.bund.de/deu/gra/themen/praevention/drogen/2386_2389.cfm

Cannabisreport 2002.
Studie i.A. des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung.

Für die, die zu faul zum Lesen sind, ein paar ausgewählte Zitate (mit meinem Kommentar):

"Es gibt keinen neurobiologischen Beweis für die Theorie, dass Cannabis eine Einstiegsdroge ist."

"Cannabis hat bei durchschnittlichem Konsum keinen klinisch relevanten Effekt auf irgendwelche Teile des menschlichen Organismus, außer den Lungen. Der Teer des Rauchs von Marijuana enthält 50 % mehr Karzinogene Stoffe als die vergleichbare Menge ungefilterter Tabaks."

(Kommentar: Man kann Kekse backen, dann ist das Lungen-Problem gelöst. Weiterhin müßte jemand 20(!) Joints am Tag rauchen, um gemäß dieser Rechnung den Karzinogen-Input wie der eines 30 Zigaretten-pro-Tag-Rauchers zu erreichen und ich kenn' absolut keinen, der sowas schafft.( Kiffer mein' ich, nicht Raucher.) Und was ist mit den ominösen vielfach diskutierten Hirnschäden??? Die wird man doch nicht etwa erfunden haben :-??? )

"Die Auswirkungen des Cannabiskonsums auf das ungeborenen Kind sind nur bei extrem hohen Dosen möglich, die jedoch über dem liegen, die der Mensch normalerweise konsumiert."

(Kommentar: Wenn bei "normaler" Dosierung Alkohol, Kaffee, Nikotin dem Ungeborenen schaden, aber Cannabis nicht, wie kann dann Haschisch gefährlicher sein. Trotzdem sollte man natürlich um Gottes Willen nicht in der Schwangerschaft kiffen! )

"Für das Vorliegen des Amotivationssyndrom sehen die Forscher keinen Beweis."

(Kommentar: Ich bin fassungslos)

"Auch ist bei Menschen eine physische Abhängigkeit von Cannabis nicht zu beobachten, wohl aber eine psychische, wenngleich das Abhängigkeitspotenzial geringer eingeschätzt wird als das von Tabak oder Alkohol."

(Kommentar: Ich bin noch fassungsloser)

"Die Untersuchungen von Pim Cuijpers befasst sich mit der Prävention. Viele Präventionsprogramme zeigen keine Auswirkungen auf den Konsum von Drogen."

(Kommentar: Mich wundert's nicht. Kein bisschen.)

"Massenmediale Kampanien führen nicht zu einer Reduzierung des Cannabiskonsums können aber einen positiven Effekt bspw. auf Programme auf Schulebene haben."

(Kommentar: Was will mir dieser Satz bloß sagen???)

"Beau Kilmer erklärt in seiner Studie, dass Länder mit Gesetzen, die entspannter mit der Ahndung von Cannabisdelikten umgehen, nicht unbedingt zu einem Ansteigen des Cannabiskonsums führen. Liberale Rechtsprechung hat nicht einen höheren Cannabiskonsum zur Folge als eine konservative Rechtsprechung. Der Autor schlägt vor, Modelversuche hierzu durchzuführen. Diese werden bereits in Australien und den USA durchgeführt, in Europa aber bisher nicht."

Kommentar: Dem schließe ich mich an.


Fazit: Warum ignoriert die Regierung Studien, die sie selbst in Auftrag gibt?
Denen ist es anscheinend noch nicht mal peinlich, die Ergebnisse auf ihre Internetseite zu stellen.


Korrektur:
Der Cannabisreport ist natürlich keine Studie, sondern "die Zusammenfassung der Ergebnisse der wissenschaftlichen Konferenz am 25. Februar 2002 in Brüssel, eine gemeinsame Initiative von Belgien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz".

palais79
05.08.2003, 08:03
Unterschied zwischen Alkohol und Cannabis: für Alkohol haben wir ein eigenes Enzym, welches extra dafür da ist, Alkohol abzubauen. Denn jeder Mensch, der sich in freier Wildbahn ernährt und versehentlich gegorene Pflaumen gefuttert hat, nimmt Alkohol zu sich. Das kann man von Cannabis ja irgendwie nicht sagen, es sei denn, der Urmensch ging versehentlich an zuvor getrocknetem und dann angezündetem Gras vorbei... :-sleppy

Außerdem folgendes: solange Cannabis illegal ist und es trotzdem jeder, der es möchte, raucht, haben wir mit damit eine Pufferzone zwischen "gar keine Drogen nehmen" und harten Drogen. Legalisieren wir Cannabis und tun so, als wäre es das normalste von der Welt, fällt diese Grauzone weg und der nächste illegale Schritt wären härtere Drogen.
Ich finde, man sollte Cannabis illegal belassen, damit zumindest noch eine kleine Warn- und Abschreckungfunktion von ihm ausgeht. Wer's will, nimmt's doch sowieso. :-dagegen

Tschöö,

Morty

milz
05.08.2003, 16:49
@palais79!


Unterschied zwischen Alkohol und Cannabis: für Alkohol haben wir ein eigenes Enzym, welches extra dafür da ist, Alkohol abzubauen. Denn jeder Mensch, der sich in freier Wildbahn ernährt und versehentlich gegorene Pflaumen gefuttert hat, nimmt Alkohol zu sich. Das kann man von Cannabis ja irgendwie nicht sagen, es sei denn, der Urmensch ging versehentlich an zuvor getrocknetem und dann angezündetem Gras vorbei...

1) Grundsätzlich mal:
Cannabinoide und deren Wechselwirkung mit spezifischen Rezeptoren und deren Effekte auf das ZNS sind für den Körper zumindest qualitativ nichts Neues.
Zitat:"The most far reaching of the recent advances in cannabinoid biology are the identification of two types of cannabinoid receptors (CB1 and CB2) and of anandamide, a substance naturally produced by the body that acts at the cannabinoid receptor and has effects similar to those of THC. The CB1 receptor is found primarilàúin the brain and mediates the psychological effects of THC. The CB2 receptor is associated with the immune system; its role remains unclear. "
Quelle:Studie der IOM (http://books.nap.edu/html/marimed/ch2.html)

2) Es besteht nicht der geringste Grund Alkoholkonsum zu bagatellisieren:

"Die Autoren Kerstin Horch und Eckardt Bergmann erstellten erstmals eine komplexe Kostenrechnung alkoholassoziierter Krankheiten in Deutschland. Die volkswirtschaftlichen Kosten betragen danach rund 20 Milliarden Euro pro Jahr. 42.000 Menschen sterben jährlich (in der BRD) an den Folgen ihres Alkoholkonsums."
Quelle:http://www.fu-berlin.de/presse/fup/archiv/pdw03/pdw_03_018.html

3) Wegen ethanolproduzierenden Darmbakterien hat übrigens jeder Mensch dauernd einen minimalen Blutalkoholspiegel.
(Quelle: Löffler/Petrides, Biochemie & Pathobiochemie, 7.Aufl., S.688)
Das rechtfertigt dann den Alkoholkonsum oder wie?

4) Der menschliche Organismus verfügt über ein ganzes Arsenal an Enzymsystemen zur Elimination toxischer Substanzen (wie zB. Alkohol). Wo ist da das Argument? Darf ich jetzt alle Gifte schlucken, für dessen Abbau ich ein passendes Enzym habe?

5) Auch Cannabinoide werden im Körper (etwa durch Enzyme?) metabolisiert. Die lipophilen Cannabinoide werden dabei durch Einfügung von OH-Gruppen zu wasserlöslicheren Metaboliten abgebaut und bekanntlich sehr langsam und dementsprechend lange (Tage bis Wochen) über den Urin ausgeschieden.

6) Wenn Du eine Abneigung gegen "körperfremde" Substanzen hast, dann solltest Du mal schleunigst auf Rohkost (aus dem eigenen Garten oder ökologischem Anbau versteht sich!) umsteigen.
Schau mal auf die Zutatenliste gängiger Lebensmittel!


Außerdem folgendes: solange Cannabis illegal ist und es trotzdem jeder, der es möchte, raucht, haben wir mit damit eine Pufferzone zwischen "gar keine Drogen nehmen" und harten Drogen. Legalisieren wir Cannabis und tun so, als wäre es das normalste von der Welt, fällt diese Grauzone weg und der nächste illegale Schritt wären härtere Drogen.

1) Zitat aus der Kleiber-Studie (http://www.praevention.at/forschung/studien/cannabisstudie.html):
"Auch der Status von Cannabis als "Einstiegsdroge" ist immer wieder Gegenstand heftiger Kontroversen: Während allgemein eine pharmakologisch begründete zwangsläufige Drogensequenz "vom Haschisch zum Heroin" abgelehnt wird, gehen die bisher vorliegenden Gutachten von einem möglicherweise doch vorhandenen Umsteigeeffekt aus, der jedoch mit der Illegalität beider Substanzen (bzw. dem gemeinsamen Markt) begründet wird."

Daraus folgere ich persönlich, daß Deine "Pufferzone" den Umstieg auf harte Drogen fördert!


2) Wo würdest Du Alkohol und Tabak einordnen?
a)keine Drogen
b)"Pufferzone"
c)harte Drogen



Ich finde, man sollte Cannabis illegal belassen, damit zumindest noch eine kleine Warn- und Abschreckungfunktion von ihm ausgeht. Wer's will, nimmt's doch sowieso.

Diese "kleine Warn- und Abschreckungsfunktion" wird durch das Verbot und dessen einleuchtender Begründung auch hervorragend erfüllt, wie man den seit Jahren steigenden Ge- und Mißbrauchszahlen entnehmen kann. Da kann man nur gratulieren!
(Sieht man mal davon ab, daß der Löwenanteil sozialwirtschaftlicher Schäden durch die legalen Drogen Alkohol und Tabak verursacht werden.)

Wenn der Staat also tatsächlich das Interesse und die Aufgabe hat, die Bürger gesundheitsbezogen (vor sich selbst) zu schützen, dann erklär mir mal bitte, warum sich Kinder ungehindert an Zigarettenautomaten bedienen können oder die Erhöhung der Tabaksteuer in 2 Stufen erfolgen soll (impliziert, daß nicht zu viele das Rauchen aufgeben) oder die Alkoholproduktion staatlicherseits massiv subventioniert wird!



Für den Leser, der nicht den ganzen Thread gelesen hat, fasse ich meine Argumentation für die Entkriminalisierung (Legalisierung wird es wegen bestehender internationaler Verträge eh nicht geben) gerne nochmal in einem Satz zusammen:

Obwohl die Hanf-Prohibition den Konsum nachweislich NICHT reduziert (seit Jahrzehnten wächst jährlich die Zahl der Konsumenten! Heute hat bereits ein Drittel der 18-25jährigen Cannabis mind. 1x ausprobiert! Die Zahl der Dauerkonsumenten liegt in der BRD prozentual höher als in den NL!), obwohl Hanfkonsum weit geringere Gesundheitsschäden provoziert als die legalen Drogen Alkohol und Tabak, obwohl Millionen von Deutschen durch das Verbot de facto zu Kriminellen abgestempelt werden (2002: knapp 139000 (hundertneununddreisigtausend) eingeleitete Ermittlungsverfahren in Zusammenhang mit Cannabis in der BRD!), obwohl Hanfkonsumenten mit ihrem Verhalten keinem Dritten schaden, obwohl die Prohibition gesundheitliche Schäden provoziert (Dealern ist es egal, ob der Stoff, den sie verkaufen, gesundheitsschädliche Beimengungen/Verunreinigungen enthält!), obwohl die Prohibition den Umstieg auf harte Drogen fördert (Dealer verkaufen idR. nicht nur Hanfprodukte!), obwohl die Jugend nicht davor geschützt wird (Dealer fragen nicht nach dem Alter!), obwohl Dealer und Mafia dank des Verbotes Millionen scheffeln können, obwohl dem Staat Unmengen an potentiellen Steuergeldern verloren gehen (Kiffer bezahlen nicht mal Mehrwertssteuer!), obwohl der Kampf gegen Hanf eine Unmenge an Steuergeldern verschlingt (Polizei, Justiz),
trotz der Tatsache, daß die Hanf-Prohibition in jeder Hinsicht gescheitert ist und die Fakten offen auf dem Tisch liegen , trotz alledem hält man am "Altbewährten" fest und der deutsche Steuerzahler bezahlt's!

So sieht's aus !


mfg


PS: Am bemerkenswertesten finde ich es immer noch, daß sich in der Umfrage ein Viertel (!) der Abstimmenden gegen eine medizinische Anwendung von Cannabis ausspricht, während es scheinbar in Ordnung geht, in der Apotheke rezeptfrei (!) Medis kaufen zu können, die nicht selten weit größere Risiken und Nebenwirkungen haben. (Siehe auch den Link in meiner Signatur.)
Da soll mir doch bitte keiner erzählen, daß eine solche Position rational begründet ist!

PS2: Entschuldigung für diesen Monsterbeitrag!

Froschkönig
05.08.2003, 16:58
Original geschrieben von milz
Wo würdest Du Alkohol und Tabak einordnen?
a)keine Drogen
b)"Pufferzone"
c)harte Drogen

A fällt weg wegen ist nicht und danach kommen wir erstmal zum grundsätzlichen Unterscheidungsmerkmal von Nikotin und Alkohol :

Der angesehendste Wissenschaftler der Welt kann Kette rauchen, hat nen hohen Hämatokrit, nen viel zu schnellen Puls und irgendwann mal ein Carcinom.

Der Dauersäufer hat Bewußtseinsstörungen, Leberschäden, hepatische Enzephalopatie und irgendwann ein Karzinom.

Merkst Du, worin sich beides unterscheidet ? Als raucher kannst Du intelektuell durchaus auf der höhe bleiben, im Dauersuff jedoch fällt das arbeiten wohl schwer.

Was ich damit sagen will ? Nur, daß der Alkohol wohl die "härtere" Droge von beiden ist, zumindest in Bezug auf soziale Bindungen und Erwerbsfähigkeit.

Alles wird gut
05.08.2003, 17:16
Original geschrieben von milz


Da soll mir doch bitte keiner erzählen, daß eine solche Position rational begründet ist!



Da hat er recht! Wer den medizinischen Nutzen obligatorisch ablehnt KANN dies eigentlich nur aus dogmatischen Gründen tun.

@palais79!

Hast Du schon mal versucht, dir mit vergorenen Pflaumen einen anzusaufen?!? Das wär mal ne tolle neue Jackass-Nummer - einzureihen beim Milch-/Eier-/Eierlikör- Kontest.... :-D
Abgesehen davon, dass das Argument der "natürlicheren" Droge an sich schon sehr unzulänglich ist, ist auch noch genau das Gegenteil der Fall: Um eine Flasche Schnaps/Bier o.ä. zu erhalten muss man viieeel mehr Arbeit investieren als um ne Knospe Gras zu trocknen! Gut da muss man noch ein Paper drumwickeln aber du trinkst dein Bier ja auch nicht aus der hohlen Hand, oder!? :-))

Froschkönig
05.08.2003, 17:23
Original geschrieben von Alles wird gut
Hast Du schon mal versucht, dir mit vergorenen Pflaumen einen anzusaufen?!?

Naja, vergorenes Obst rührt halt auch bei uns keiner an.
Es gibt genügend Doku´s von Affen, die auf Grund des Konsums vergorener Früchte besoffen durch die Gegend torkeln.

Alles wird gut
05.08.2003, 17:31
Die hab ich auch schon gesehen... Die Chimps vertragen halt nix!
Aber ob das als Legitimation gelten kann, dass man Alkohol konsumieren darf und Cannabis nicht??? Können ja mal Dolor fragen, was der von der Vorbildfunktion des Affen hält! :-D :-D :-D

Froschkönig
05.08.2003, 17:38
Original geschrieben von Alles wird gut
Können ja mal Dolor fragen, was der von der Vorbildfunktion des Affen hält! :-D :-D :-D

Legitimieren wollte ICH damit nix, das war jemand anderes....aber Du hast recht, laß uns Dolor fragen....zumindest mit Affen-Recycling kennt er sich ja bestens aus :-D:-D:-D:-D

milz
05.08.2003, 20:16
Diese bösen, kleinen Dinger findet man übrigens auch anderswo (http://www.medical-tribune.de/GMS/bericht/sucht) !





Scientologen empfehlen:
Sag Nein zu Schoki! Sag ja zum Leben! :-))