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RS-USER-DerDings
11.02.2008, 22:24
Letzter gedruckter Brockhaus
"Die Marktanalysen zeigen eindeutig, dass die Kunden künftig Sachinformationen in erster Linie online nachschlagen werden", berichtete der Sprecher. "Die 21. Auflage der Brockhaus-Enzyklopädie war voraussichtlich die letzte - ab jetzt findet alles online statt."

http://futurezone.orf.at/business/stories/256091/




finde ich furchtbar schade - ich hab den brockhaus in 24 bänden und bin stolz drauf, er ist die zierde meiner wohnung und ich benutze ihn auch regelmäßig...
"internet killed the encyclopedia-star"

RS-USER-Küchenhexe
11.02.2008, 22:33
Das ist wirklich nicht so gut - da geht eine Legende...

Aber warten wir's mal ab: vor über 10 Jahren wurde schon behauptet, gedruckte Bücher würden demnächst aussterben. Das war zum Glück ja auch eine Ente, es geht doch nichts über bedrucktes Papier!

Und Totgesagte leben bekanntlich länger.

RS-USER-emergency doc
11.02.2008, 22:57
Naja, ich glaube auch nicht, daß Bücher in den nächsten 20-30 Jahren aussterben, schon allein, weil die Alternatiuven noch recht unhandlich zu handhaben sind. Wer möchte schon Harry Potter auf einem PDA-Bildschirm lesen?

Eine Enzyklopädie in Druckform hat aber einen ganz entscheidenden Nachteil gegenüber einer online-Version: Sie ist nicht so aktuell und wird auch nicht weiter aktualisiert. IMHO sollte der Brockhausverlag eine online-Enzyklopädie werden. Man stelle sich ein Wikipedia ohne Löschkriege und Klugscheisser vor... wie wunderbar!

RS-USER-Küchenhexe
11.02.2008, 22:59
Andererseits: hast Du schon mal in einer richtig alten Enzyklopädie gestöbert? Wahre Schätze der Forschungsgeschichte, sage ich Dir! Wenn alle alten Erkenntnisse einfach gelöscht werden, wird die Menschheit auch ärmer...

RS-USER-emergency doc
11.02.2008, 23:09
Original geschrieben von Küchenhexe
Andererseits: hast Du schon mal in einer richtig alten Enzyklopädie gestöbert?

Ich sammle antike Medizinbücher... Es ist in der Tat eine wahre Fundgrube, z.B. in einem Chirurgiebuch aus dem 18. Jahrhundert zu blättern.

RS-USER-DerDings
11.02.2008, 23:20
und auch rein vom ästhetischen gesichtspunkt betrachtet... so ein brockhaus im bücherregal sieht schon richtig g...ut aus, jedenfalls hab ich ihn taktisch günstig, sprich vom bett aus gut sichtbar, postiert ;) :D
es gibt zustelldienst für alle erdenkbaren gerichte, trotzdem gehört eine küche in jede wohnung, musik kann man sich im internet runterladen: ne cd/lp sammlung muss trotzdem in jeden haushalt der sich musikinteressiert schimpft, es gibt öffentliche verkehrsmittel, aber am liebsten fährt man doch mit dem eigenen auto (auch wenns schon jahre aufm buckel hat) - genauso gehört mMn eine enzyklopädie in jedes gute bücherregal *spinn*
(okay, die sind schweineteuer - aber gerade deswegen sollte es doch wenigstens noch die möglichkeit geben eine gedruckte ausgabe zu erstehen, so einfach den schwanz einziehen finde ich %@$#!!!!!!!!!)

Rettungshaserl
11.02.2008, 23:40
Man war ich als Kind stolz als ich in der Brockhaussammlung meines Vaters was für die schule nachschlagen durfte. Edle Brockhaussammlung mit Goldbestaubung dass die Bücher ned allzusehr verstauben.

Aber die sind nicht mehr aktuell. Aber solche Einzelstücke gibt man nicht mehr aus der Hand ;)

@emergency Doc. Da hab ich ja dann noch jemanden gefunden der alte Medizinbücher mag.

RS-USER-Küchenhexe
12.02.2008, 00:18
Von mir behaupten ja auch viele Leute, ich sei nicht bibliophil, sondern biblioman... ich verstehe gar nicht, warum; schließlich habe ich doch nur die allernötigsten Bücher hier und bunkere den Rest zu Hausen bei meinem Vater...

Allerdings muß ich zugeben, daß ich keine eigene X-bändige Enzyklopädie mein eigen nenne. So ein paar Taschenbuchausgaben, na gut - aber ansonsten habe ich eher Fachbücher zu den Themen, die mich interessieren. Das, was der Brockhaus mir zu Paläopathologie erzählen kann, reicht mir halt einfach nicht. Und wenn die eigene Bibiliothek nicht ausreicht, dann muß halt eine Unibibiliothek herhalten. Am besten mit einem leistungsfähigen Kopierer, denn "was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen".

Was alte medizinische Fachbücher angeht, habe ich eine Kollegin, die das zum Glück ausnutzt. Sie weiß immer, was sie mir zum Geburtstag oder zu Weihnachten schenken kann... Die "Pathologische Anatomie" von Ludwig Aschoff (kennt noch jemand hier die Aschoff- Tawara-Schenkel?) und die "Allgemeine Chirurgie" von Walter Schmitt waren die letzten Gaben... einfach schön!

Mein "Schätzchen" ist ein Physikbuch von 1798. Schon spannend, wie die Leute sich Feuer erklärt haben.

RS-USER-emergency doc
12.02.2008, 00:26
Original geschrieben von Küchenhexe
Mein "Schätzchen" ist ein Physikbuch von 1798. Schon spannend, wie die Leute sich Feuer erklärt haben.

Ich finde es gerade im medizinischen Bereich faszinierend, wie die Leute bei fallberichten gewissenhaft dokumentieren, wie der Patient geplant und zielstrebig in eine Sepsis hineinmaneuvriert wird, um am Ende eine ganz plötzliche "...und genas nach weiteren 3 Wochen."-Wendung (schon klar...) zu erfahren...
:)
Alle medizinischen Fallberichte vor 1800 sind die besten... Ab ca. 1880 wird überall gekokst. "Von der Anwendung des Kokain bei kindlichem Husten" etc. sind in den Zeitschriften der Zeit gängige Artikel...

RS-USER-Küchenhexe
12.02.2008, 00:52
Ach ja...:)

... und besonders spannend finde ich es, wenn man historische Berichte (gerne auch als Nachdruck - Vesalius' "Anatomia" oder das "Feldbuch der wundartzney" von Hans von Gersdorff könnte ich mir im Original sicher nicht leisten) quasi im Original nachvollziehen kann...

Ein antikes Gräberfeld auszugraben und dann die Knochen zu "lesen" ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber es ist unglaublich spannend. Eines Tages wird Vater Staat wieder genug Geld haben (oder was wahrscheinlicher ist: ich werde im Lotto gewinnen; vielleicht sollte ich mal 'nen Schein ausfüllen...:D), und dann werde ich wieder solche Sachen erforschen. Gut, die Compliance der Patienten ist gleich null, aber sie widersprechen auch nicht. NPC, sozusagen, und das ist schließlich immer noch ein Plus!

Und bis dahin... ach, Bücher...

RS-USER-Hoffi
12.02.2008, 09:16
Ich habe leider keine aktuelle Enzyklopädie, aber zu Hause bei meinen Eltern steht noch Meyers Konversations Lexikon von 1896 und das ist echt interessant dort rumzublättern.

RS-USER-opus
12.02.2008, 22:24
Schade.

Wieder eine Epoche zu Ende, auch wenn ich schon lange damit gerechnet habe. Denn mal ernsthaft, wer kaufte sich den laufenden Meter?

Als bewußte Käufer gab es wohl schon Vertreter des Bildungsbürgertums, dazu vielleicht noch ein paar, die den Vertreter nicht anders losgeworden sind, oder die nach 12 gelieferten Bänden die Serie nicht abbrechen wollten. Die sowieso knappe Ressource an potentiellen Kunden leisteten sich das zudem sicher nur einmal im Leben (den dekorativen Zwecken im Bücherschrank genügt dies ja auch).

Zu Zeiten von Google und Wikipedia, die dem alltäglichen Informationsbedarf ebenso und meist noch aktueller gerecht werden, ist sowas schlicht nicht mehr bezahlbar.

Dennoch, Wehmut umwölkt auch mich. Auch wenn ich dem Schmökervergnügen nur in Uni- oder Landesbibliotheken nachkommen konnte (meine Eltern waren mit dem dreibändigen DBG-Lexikon Jahrgang 1957, das steht noch immer bei meiner Mutter, zufrieden), ich tat es, wann immer ich die Zeit dazu fand.

Und so alt mussten die dabei garnicht sein. In der württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart, wie in der Kölner Unibibliothek gibt es noch immer die komplette Meier-Enzyklopädie ca. 1980 aus Leipzig. Da stehen zu Begriffen wie 'Westberlin' auch recht interessante Ansichten drin.

Tempi passati!

... ach, Bücher... ;)

Hörbird
12.02.2008, 22:38
24 Bände Brockhaus zu haben, wäre für mich Luxus! Ehrlich!
Ihc habe als Kind wahnsinnig gerne in Lexikas gelesen, danach kam der Pschyrembel - solche Bücher sind unheimlich wichtig!

Ich kann trotzdem verstehen, das der Verlag nun so handelt.
Aber so schlecht ist ja dann das neue Angebot nicht: es ist kostenlos dann - was ich vom Duden leider nicht behaupten kann!

RS-USER-Küchenhexe
12.02.2008, 22:48
Bei Wikipedia und Co. sehe ich ein Problem in der Zuverlässigkeit. Wenn ich die daraus bezogenen Informationen für wissenschaftliche Arbeiten oder ähnliches benutzen will, muß ich also konsequenterweise alles überprüfen; und ich bin da schon einige Male über nicht verifizierbare oder gelegentlich auch schlicht falsche Aussagen gestolpert... das ist mir bei gedruckten Fachlexika noch nie passiert, und "U-Boote" sind i.d.R. erkennbar oder bekannt.

Dabei fällt mir eine nette Begebenheit aus meiner Unizeit ein: für unsere Bibiliothek wurde der "kleine Pauly" beschafft, also die handlichere, abgespeckte Ausführung des regalfüllenden (und schon vorhandenen) Lexikons der Altertumswissenschaften. Wie das nun so üblich ist, wurde die Rechnung eingereicht, um den Betrag von den Steuern absetzen zu können. Kurze Zeit später hielt unsere fassungslose Institutssekretärin die Ablehnung dazu in der Hand... Begründung: "Kinderbücher sind nicht steuerlich absetzbar"...:D :D :D

RS-USER-opus
12.02.2008, 23:02
Original geschrieben von Küchenhexe
Bei Wikipedia und Co. sehe ich ein Problem in der Zuverlässigkeit. Wenn ich die daraus bezogenen Informationen für wissenschaftliche Arbeiten oder ähnliches benutzen will, muß ich also konsequenterweise alles überprüfen; und ich bin da schon einige Male über nicht verifizierbare oder gelegentlich auch schlicht falsche Aussagen gestolpert... das ist mir bei gedruckten Fachlexika noch nie passiert, und "U-Boote" sind i.d.R. erkennbar oder bekannt.

[...]

Deshalb sprach ich auch vom 'alltäglichen Informationsbedarf' und für alles weitere gibt es 'Google'. Hier man muss sich sowieso an Fachinformationsquellen halten, denn auch der Brockhaus bediente stets 'nur' das Allgemeinwissen.
Ein Fachbuch ersetzte er in letzter Konsequenz nie.

RS-USER-Küchenhexe
12.02.2008, 23:07
Original geschrieben von opus
Ein Fachbuch ersetzte er in letzter Konsequenz nie.

Das ist sicherlich richtig, aber Quellenangaben waren - soweit angeführt - in der Regel korrekt. Und im Zweifelsfall gab es einen verantwortlichen Ansprechpartner. Auch das ist Gold wert!

Maulwurff
20.03.2008, 13:54
Ja das gute, alte Lexikon. In Vorbereitung auf Vorträge in der Schulzeit habe ich ganz oft mit der Brockhaus Enzyklopädie gearbeitet. Wir haben zwar keine komplette, aber Omi hatte diese in der Schrankwand stehen. Zu der Zeit wurde zwar auch schon viel mit dem Internet gearbeitet. Aber es gestaltete sich häufig schwierig die genauen Quellen zu bestimmen. Und irgentwas übernehmen das war noch nie mein Fall. Und meine Gymnasiallehrer sahen es gar nicht gern. Meistens gabs dann schon Punktabzug.
Wenn ich heute mal schnell was nachschlagen will, erwisch ich mich auch das ich zuerst mal "google". Was aber ganz oft der Fall ist, ist das ich mit Büchern und Internet symbiosiere. Das gefällt mir sehr gut. Ich möchte auf das gute Buch auch heute nicht verzichten. Ein Buch ist manchmal auch zum schnellen Nachschlagen handlicher, der Laptop passt nicht in die Jackentasche :D (ich weiß da gibts heutzutage auch schon allerhand Technik. Ein Kollege von mir hat die gesamte, aktuelle Version vom Psyrembel auf seinen Handy. ) Aber trotzdem ein Buch bleibt ein Buch.

@ Küchenhexe: Ich nutze Wikepedia zwar sehr gern zum Nachschlagen, aber so richtig 100% vertrauen das das stimmt was ich lese, hab ich da auch nie. Aber zur Info ist OK.

Gruß Maulwurff

RS-USER-emergency doc
20.03.2008, 18:51
Original geschrieben von Maulwurff
Ein Buch ist manchmal auch zum schnellen Nachschlagen handlicher, der Laptop passt nicht in die Jackentasche

Der Brockhaus aber auch nicht ... :-p :D

RS-USER-Claudi
21.03.2008, 09:33
was ich besonders "schade" finde ist, dass davon ausgegangen wird, dass jeder wirklich jeder einen PC hat und selbstverständlich ins Internet geht. :rolleyes:

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit oder wie?

RS-USER-emergency doc
21.03.2008, 10:14
Naja, also Internet ist denk icjh inzwischen so anzusiedeln, wie vielleicht Telefon vor 35 Jahren. Klar gibts auch Leiute die das nicht haben... :rolleyes:

Auf der anderen Seite: Es wird ja jetzt keiner rumrennen, und Brockhaus-Enzyklopedien einsammeln, damit es den nur noch im Internet gibt...