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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Notfall in Privatklinik



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RS-USER-DerDings
18.02.2008, 12:59
es ist kurz vor 12 uhr mittags, auf eurem tablett hat salat, fritattensuppe und das 1/2 backhendl platzgenommen, dazu gibt's noch ne semmel und zum nachtisch ein topfentascherl ohne rosinen. die vorfreude ist genauso wie der hunger groß, doch just als ihr das tablett auf den kantinentisch stellt geht der pieper los.
also eilt ihr mit umweg über das buffet (könnt ihr das bitte warmstellen) zu eurem RTW und erhaltet auf dem datenterminal folgende infos:

intern_notfall @ privatklinik XY
RTW & NEF angefordert

die anfahrt ist kurz, nach weniger als 7 min findet ihr die klinik, die station UND auch noch das zimmer (obwohl die gänge des hauses wie leergefegt sind?).
in selbigem steht ca. das gesamte pflegepersonal des stockwerks (ach deswegen!) & 1 arzt.
im patientenbett ein 80 jahre alter, adipöser mann, der sich im bett windet und stöhnt während ihn die schwestern "ans bett fesseln" (auf die uncoole art).
im zimmer herrscht lärm und hektik.

der arzt erklärt euch das der pt am vortag aufgenommen wurde, zur abklärung einer fraglichen TIA, das CT des vortags war oB, als am heutigen vormittag neue aufnahmen gemacht werden sollten fingen die schwierigkeiten an. diazepam ist schon drinnen, gebracht hat es nix, aber der (peripher-venöse)zugang ist dank der unruhe mittlerweile verloren gegangen (war aber eh nur eine rosane). auf einem tisch liegen außerdem transport- und überweisungschein auf die med. uni-klinik.

NEF kommt gleich.

RS-USER-Brummel
18.02.2008, 13:11
Also
1. was ist friattensuppe?
2. topfentascherl?


Dann sollten doch erstmal alle die nicht festhalten und nicht Arzt sind das Zimmer verlassen, sonst bekomme ich noch Atemnot.
gibts vom Arzt noch irgendwelche werte die erhoben wurden?
Kann ich mit dem Patienten sprechen oder reagiert er gar nicht?
Was weiß man noch über die Vorgeschichte des Pat (Vorerkrankungen / direkt vor Einlieferung)?
Kann ich irgendwelche Untersuchungen am Pat vornehmen, oder werden die alle "Erschlagen"?

Schim
18.02.2008, 14:00
Original geschrieben von Brummel
1. was ist friattensuppe?

Wenn dir "kleingeschnittene Palatschinken" nicht weiterhilft, dann siehe hier (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Frittatensuppe).

Original geschrieben von Brummel
2. topfentascherl?

Plunderteiggebäck mit Quarkfülle.

Können wir dann fahren? :D

RS-USER-Brummel
18.02.2008, 14:48
aaaahhhh....

bin doch schon unterwegs, auf der Anfahrt habe ich doch Zeit für solche Fragen, Danke für die Antwort.

RS-USER-gnuff
18.02.2008, 16:22
ohne (!) Rosinen, geil... ich will da arbeiten

zum Thema sag ich nix, weil ich ja noch garnicht da bin.

RS-USER-DerDings
18.02.2008, 17:07
Original geschrieben von Brummel
gibts vom Arzt noch irgendwelche werte die erhoben wurden?
Kann ich mit dem Patienten sprechen oder reagiert er gar nicht?
Was weiß man noch über die Vorgeschichte des Pat (Vorerkrankungen / direkt vor Einlieferung)?
Kann ich irgendwelche Untersuchungen am Pat vornehmen, oder werden die alle "Erschlagen"?

pulsoxy: SaO2 98%, HF 90
der pat spricht (flucht) undeutlich, ist aber völlig mit sich selbst beschäftigt: er schlägt nicht um sich, will aber nicht liegenbleiben.

bekannt ist art. hypertonie und eine spinalkanalstenose.

Morbus X
18.02.2008, 17:08
Hähhem - welche (Fach-/Orts-)Richtung hat die Privatklinik denn? Nur daß ich weiß wo ich grosszügig umfahren muss... :grins:

RS-USER-DerDings
18.02.2008, 20:13
um das zielpublikum zu erweitern:

NEF trifft ein.

RS-USER-Brummel
18.02.2008, 20:30
sonst keine Infos zur Vorgeschichte?
Schmerzen?
Psychische Auffälligkeiten?
redet der Arzt mit uns oder nur mit seinesgleichen?

RS-USER-DerDings
18.02.2008, 21:57
Original geschrieben von Brummel
sonst keine Infos zur Vorgeschichte?
Schmerzen?
Psychische Auffälligkeiten?
redet der Arzt mit uns oder nur mit seinesgleichen?

hypertonie & stenose, mehr nicht.. oder was meinst du mit vorgeschichte?
schmerzen: der herr windet sich/will sich aufrichten, stöhnt, flucht: ja. irgendwas tut ihm weh.
der doc redet schon mit euch. v.a. sagt er das er seinen pat gerne auf in der internen notaufnahme sehen möchte..

Schim
19.02.2008, 07:02
Wenn er sich unbedingt aufrichten will, dann lassen wir ihn doch mal. Vielleicht geht's ihm dann ja besser.

Wie siehts denn mit den Basics aus - Blutdruckmessung ist wohl nicht durchführbar? Hat in letzter Zeit mal jemand den Zucker gemessen? Was sagt uns der Anblick - Hautfarbe, Schweiß, etc?

Irgendeine Chance, rauszufinden, was ihm denn nun so weh tut? Ist die Schwester greifbar, die ihn zum CT brachte - die war ja zu Symptombeginn bei ihm.

Was meint der Arzt - hat er einen Verdacht?

Für einen unruhigen, schmerzgeplagten Patienten kommt mir eine HF von 90 etwas wenig vor, aber grundsätzlich bin ich mal planlos und freu mich über das Eintreffen des NEF ;)

Wenn wir was gegen die Schmerzen tun und ein EKG haben, sehen wir mal weiter.

Schim
19.02.2008, 07:03
PS: Gratuliere zur runden Zahl :)

DerDings
Registriert seit: Mar 2003
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Beiträge: 7000

Back to life machine
19.02.2008, 08:19
Ich weiß, man soll nicht so ins Blaue schießen sondern systematisch rangehen.
Aber wenn weder anamnestisch noch bei der Untersuchung was gescheites rauskommt denke ich bei solchen Krankheitsbildern immer an einen Harnverhalt. Gibt es eine Chance, den Unterbauch zu untersuchen?

RS-USER-emergency doc
19.02.2008, 12:21
Original geschrieben von Back to life machine
I
Aber wenn weder anamnestisch noch bei der Untersuchung was gescheites rauskommt denke ich bei solchen Krankheitsbildern immer an einen Harnverhalt.

Darf ich den in meine Liste der völlig sinnlosen, unbegründbaren aber immer wahren medizinischen Weisheiten aufnehmen? :)

Na gut, ich bin jetzt mal da. Gibt es irgend einen Grund, den Patienten festzuhalten? Alle mal loslassen, und vielleicht zur Ruhe kommen. Wenn der fällt übernehme ich die Verantwortung, bin ja Unfallchirurg...

RS-USER-DerDings
19.02.2008, 16:28
Original geschrieben von Schim
Wenn er sich unbedingt aufrichten will, dann lassen wir ihn doch mal. Vielleicht geht's ihm dann ja besser.


und siehe da! oberkörper hoch und der pt. ist zufrieden!
er hat zwar immer noch weh und ist nicht voll da, aber immerhin läßt er jetzt auch mal eine RR messung zu:
180 syst,
das pulsoxy bleibt jetzt auch am finger dran:
saO2 97%
HF 100

und auch das wiederholte nachfragen zeigt wirkung: der pt trübte beim CT ein, da wurde 1/2 ampulle narcanti gespritzt...

RS-USER-emergency doc
19.02.2008, 16:44
Original geschrieben von DerDings
und auch das wiederholte nachfragen zeigt wirkung: der pt trübte beim CT ein, da wurde 1/2 ampulle narcanti gespritzt...

Aha... und WARUM wurde Narcanti gespritzt?

RS-USER-Siebenschläfer
19.02.2008, 18:04
Original geschrieben von emergency doc
Aha... und WARUM wurde Narcanti gespritzt?
Darf ich mal raten?
1) Spinalkanalstenose = Schmerzen = Therapie mit (offenbar zuviel) Mô.

2) Spinalkanalstenose schmerzt bei nach vorne gebeugtem Rücken weniger als bei nach hinten gebeugtem oder geradem Rücken. Folglich erhöhter Oberkörper im Bett = richtige Haltung zur Entlastung gereizter Nerven.


Original geschrieben von Back to life machine
Aber wenn weder anamnestisch noch bei der Untersuchung was gescheites rauskommt denke ich bei solchen Krankheitsbildern immer an einen Harnverhalt.
Kann ich nur beipflichten, ist mir auch schon zig mal passiert (nein, natürlich nicht mir, meinen Patienten :rolleyes: )

RS-USER-Siebenschläfer
19.02.2008, 18:08
Original geschrieben von DerDings
der pt trübte beim CT ein, da wurde 1/2 ampulle narcanti gespritzt...
Was für ein CT? Wirbelsäule? Hirn?

RS-USER-DerDings
19.02.2008, 18:35
Original geschrieben von Siebenschläfer
Was für ein CT? Wirbelsäule? Hirn?

hirn.

narcanti: der pat trägt seit jahren ein fentanyl-tts

RS-USER-Schädelspalter
19.02.2008, 19:53
wenn sich der ärztliche Kollege alles aus der Nase ziehen läßt, greife ich halt zur Krankenakte :rolleyes:
Daraus könnte man z.B. ersehen, ob die Medikation verändert wurde (z.B. mehr Opioide),
ob die Nierenfunktion so stimmt (wegen Akkumulation von Opioiden oder Urämie),
ob es weitere Erkrankungen gibt als die o.g.,
worauf sich der Verdacht auf TIA gründete (Wesensveränderung oder doch Halbseite?)
und ob mal jemand Fieber gemessen hat.

Dass der Herr eine Oberkörperhochlagerung gut findet (vielleicht sogar mit angezogenen Beinen?) deutet auf ein kardiales, abdominelles oder spinales Problem hin.
spinal: siehe Siebenschläfers Post,
kardial: bei Stauung besser Luft im Sitzen (gute Sättigung deutet an, dass dies wohl nicht das Hauptproblem ist)
abdominell: bei angezogenen Beinen (bzw. im Sitzen) Entspannung der Bauchdecken - oft zu sehen bei Peritonitis, Koliken, Harnverhalt usw.

Wieweit toleriert der Mann denn jetzt eine körperliche Untersuchung?

BTW:
Frittatensuppe und Quarktasche OHNE Rosinen sind eine großarige Kombination. Ich vermisse Österreich (ein wenig jedenfalls) :D