Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angst und Atemnot
Hm, zwei Docs hatten geschrieben, dann seid ihr auch da für mich :D
Wir melden an: Pat männlich, 21 Jahre, intern, Atemnot mit Verdacht auf.... :confused:
Ja was nun... tippe auf einen entzündlichen Prozess, die Frage ist wo?
In der Lunge läuft beidseitig alles rund, was kann sich da entzünden, zur luftnot führen und dann keine pathologischen Atemgeräusche hinterlassen?
Herz zeigt keine Veränderungen im EKG, das muss nix heißen, aber wenn es irgendwo am Herzen zu einer Funktionsminderung gekommen wäre (Klappen, Myokard, sonstwas), müsste es doch mittlerweile auch zum Lungenödem gekommen sein... außer nur das rechte Herz ist in irgendeiner Form nicht zur Kooperation bereit... oder ich bring hier grad alles durcheinander :rolleyes:
(In jedem Fall, tolles Fallbeispiel, danke :) )
Oder Mäuse und Flöhe: Wirklich ne Lungenembolie nach zu viel World of Warcraft und gleichzeitig Fieber, seit wann hat er das denn?... aber dagegen spricht irgendwie das langsame schlimmer werden...
Edit: Mäuse und Flöhe, Läuse und Möhe, Fäuse und Löhe... ich hoffe ihr wisst was ich meine :-blush
RS-USER-fruehgriller
30.09.2008, 19:21
Wenns kein Trauma ist, und Entzündungszeichen da sind greift Plan B
Myocarditis
Auf jeden Fall irgendwas, das die Pumpfunktion beim Rücklauf des Lungenkreislaufs (?) stört, daher die gestauten Halsvenen
Ich hoffe, das mit dem Lungenkreislauf stimmt, ist schon bischen her, der Lehrgang (und außerdem: ich bin übergeleitet;) )
Ich würde sagen Ab mit Karacho!!D:-)
RS-USER-Kassiopeia
30.09.2008, 19:22
Original geschrieben von Pr0st
Mäuse und Flöhe, Läuse und Möhe, Fäuse und Löhe... ich hoffe ihr wisst was ich meine :-blush
:confused: Häh? :confused: Ungeziefer? Was willst du uns sagen?
Verstehichnicht....
RS-USER-emergency doc
30.09.2008, 21:06
Fassen wir mal kurz zusammen:
21 Jahre, männlich, geht nicht gern zum Arzt (d.h. Symptome bestehen offenbar schon länger und sind immer schlimmer geworden), schweißig mit Temperaturerhöhung, Luftnot ist nur aufrecht erträglich.
Irgendwie hört sich das entweder nach kardialer Ursache oder restriktiver Ventilationsstörung an, z.B. ein Pleuraerguß, vielleicht ein Empyem. Möglich wäre natürlich auch eine (z.B. rheumatische) Perikarditis mit der vorgeschlagenen Perikardtamponade.
RS-USER-Daniel1979
30.09.2008, 21:23
Gibts denn irgendwelche Zeichen für eine untere Einflußstaung?
(Druck)schmerz im Bereich der Leber, distendierte Venen der unteren Extremität, abdominelle Beschwerden (Stauungsgastritis)?
Eine isolierte obere Einflußstauung muss ja rein pathophysiologisch im Bereich der Cava superior liegen.
Wichtigste Differentialdiagnosen wären hier wohl Thrombosen und mediastinale Raumforderungen.
Der Patient wäre ja im besten Alter für ein Lymphom, die langsame Zunahme der Symptomatik und das Fieber würden passen.
Irgendwelche anderen paraneoplastischen Symptome (Nachtschweiß, Gewichtsverlust) oder dicke Lymphknoten.
Auf alle Fälle züggiger Transport ins KH, am besten eines mit Thoraxchirurgie. Mit sedierenden/atemdepressiven Medis wäre ich hier äußerst zurückhaltend solange ein "Mediastinal Mass" Syndrom als Möglichkeit im Raum steht.
RS-USER-Küchenhexe
30.09.2008, 22:02
Die Antworten zum Thema "Nachtschweiß & Gewichtsverlust" würden mich nun aber auch mal interessieren!
Wie sieht's mit Müdigkeit und allgemeinem Krankheitsgefühl aus? Hustet oder hüstelt der Patient in letzter Zeit öfter (auch ohne Auswurf)?
Nennt mich verrückt, aber ich würde eine Tuberkulose nicht ausschließen und daher für den meiner Meinung nach dringend notwendigen Transport mindestens auf Maske und Handschuhe, aber noch lieber auf den auch bei MRSA üblichen Infektionsschutz (Maske, Handschuhe, Einmal-Overall, Haube, evtl. Schutzbrille) bestehen!
RS-USER-Katja
30.09.2008, 23:26
Seeeeehr schön.
Ja, er hat Gewicht verloren in letzter Zeit, und schwitzen tut er nachts auch so. Lymphknoten sind tastbar am Hals.
Keine Zeichen einer unteren Einflußstauung.
Der Patient wird sitzend ohne Sedierung ins KH gebracht (mit Zugang), dort wird voa Röntgenthorax, später dann CT und Lymphknotenbiopsie die Diagnose eine Non-Hodgkin-Lymphoms gestellt, das sauber die Vena cava superior (und diverse andere Venen und STrukturen und die Trachea) ummauert und uns das Mediastinal Mass-Syndrom hier beschert.
Wie Daniel richtig sagt, kann einem bei so einem Patienten bei schon mittlerer Sedierung zur Ateminsuffizienz kommen und auch wenn man ihn intubiert bekommt (was so sicher nicht einfach ist), kann in der Trachea der Tumor weiter zu einem Verschluß führen. Ganz lästige Sache...
ich schreibe von zu Hause nochmal mehr dazu, muß jetzt weiterarbeiten :o
RS-USER-Katja
03.10.2008, 17:21
So, jetzt aber... tut mir leid, war eine verrückte Woche.
Also:
Das "Mediastinal Mass Syndrom" ist eine uneinheitliche Gruppe von pathologischen Geschehen, die ein ähnliches Symptomenbild verursacht. Dadurch, daß die "Masse" im Mediastinum sitzt, umschließt sie früher oder später große Gefäße wie die Vena cava superior, ggf. die Aorta, die Carotiden usw., was zu gestauten Venen im Abflußgebiet (Kopf, Hals, Arme) führen kann oder im Fall der Arterien auch Schwindel, Synkopen usw. verursachen kann.
Oft beklagen die Patienten Husten, in späteren Stadien kommt die Dyspnoe, besonders beim Liegen hinzu.
Je nach betroffenen Nerven kann es zu unterschiedlichen Ausfällen kommen (z.B. Hornersyndrom mit hängendem Augenlid, Doppelbildern, eingefallenem Auge, oder einer Zwerchfelllähmung, wenn der Vagus betroffen ist usw). Manchmal findet man auch exotische Sachen wie Patienten, die Haare hochhusten, wenn sie eine Dermoidcyste haben, die sich nach außen geöffnet hat, aber das ist glaube ich eher ein Case report als die Regel ;) Wenn die Trachea solide umbaut ist und die darunter liegenden Strukturen auch, ist Atemnot leicht zu erklären.
Man unterscheidet anteriore und posteriore "Massen" von denen des mittleren Mediastinums. Je nachdem, wo der Tumor liegt, ist eine andere Genese wahrscheinlich. Anterior sind es meist Thymome oder sonstige Prozesse des Thymus, Lymphome oder Schilddrüsen- oder Parathyroidprozesse; im mittleren Mediastinum sind es meist Abnormitäten der Aorta (Dissektionen, Aneurysmen, ein doppelter Aortenbogen wie beim Krokodil :) ) oder auch Tumoren der Schilddrüse, der Trachea oder Zysten vom Perikard oder bronchiale Zysten. Im hinteren Mediastinum findet man dann Oesophagustumore, auch Gefäßanomalien, von der Wirbelsäule ausgehende Prozesse und Exotika wie extramedulläre Hämatopoese. Ich habe bestimmt noch ganz viele Dinge vergessen, die häufigsten grundlegenden Erkrankungen sind aber beim Erwachsenen Lymphome und Thymome, im höheren Alter holen dann die Gefäßanomalien auf.
Sedierung kann hier wie erwähnt richtig gefährlich werden, besonders bei den Patienten, die so schon über Atemnot klagen. Wenn solche Patienten operiert werden, werden sie meist sitzend fiberoptisch intubiert, denn die Anatomie ist nicht normal und der Kehlkopf u.U. gar nicht dort, wo man ihn erwartet (vorher CT ist Pflicht, aber auch kein ungefährliches Vergnügen für den Patienten, der ja nicht recht liegen kann). Nach der Intubation ist man aber immer noch nicht sicher damit, den Patienten hinzulegen, denn die Tumormassen können dann auch mal die Carotis verschließen oder die Cava... kein Vergnügen. Glücklicherweise sind die Lymphome ohne OP gut behandelbar und sprechen auf Chemo und Bestrahlung an, so daß man die extremem Patienten seltener sieht. Aber wenn, dann ist es richtig spannend ;)
RS-USER-emergency doc
04.10.2008, 21:33
Wie gewohnt gut und lehrreich dargestellt! Vielen Dank!:)
RS-USER-Rugger
05.10.2008, 11:28
Sehr interessant.
Auf ein neoplastisches Geschehen wäre ich nicht gekommen... Wieder was dazu gelernt (und die entsprechenden Fragen im Hinterkopf vermerkt)!
R.
RS-USER-Anonym
16.09.2009, 22:02
Grundsätzlich wäre bei der Massenzunahme im Medistinum auch noch an eine Sarkoidose zu denken (Zunahme der Luftnot, Druck im Thorax )...die dort unter auch Umständen eine fulminante LK-Vergrößerung hervorrufen kann...Temperaturen ebenso... hier bringt letztlich eine gute Diagnostik die Klarheit.
Schreib es nur, weil die Sarkoidose relativ unbekannt ist, gerne übersehen wird und oft ein Zufallsbefund ist (unklare Sympomatik)...-weil Rö-Thorax gemacht wird und dort die LK-Massen auffallen
Viele Grüße
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