Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Alarm RTW/NEF - bewußtlose Person in Bus
RS-USER-Brutus
18.01.2011, 17:31
Jawohl ja. 5mg Dormicum sind drin. Nach ca. einer Minute sistiert der Krampf. Abfahrt? Mit / ohne SoSi?
Rettungshasi
18.01.2011, 20:11
Ich würde den Guten (sofern ich's nicht überlesen habe), auf die Seite legen, wenn wir schon nicht schnorcheln wollen und - wenn wir nicht gerade im dicksten Stau stehen - ohne SoSig in die Klinik mit Voranmeldung im CT.
Wenn möglich (und im Bereich so üblich) während der Fahrt noch Laborblut abnehmen und natürlich die Vitalparameter engmaschig überwachen.
RS-USER-Brutus
18.01.2011, 20:37
Naja, so richtig strenge Seitenlage ist in den Strykertragen mit dem neuen Gurtsystem nicht drin. ;) Also Oberkörperhochlagerung und los gehts. Wir sind keine Minute unterwegs und die Sättigung geht streng Richtung 70%. Auf energische Ansprache öffnet er die Augen um sie direkt wieder zu schließen. Dank Esmarch und Unterkieferzug fängt er an zu moppern und atmet wieder ausreichend. Und jetzt? Fahrzeit ohne SoSi ca. 15 Minuten. Medikamente? Intervention? Verdachtsdiagnose?
RS-USER-Bärentöter
18.01.2011, 20:38
ich nehme den Publikumsjoker...
Geht's morgen weiter?
RS-USER-Nalox
18.01.2011, 20:52
Wenn ich kurz dazwischen Quacken darf ?
Wofür steht denn bitte die Abkürzung ÄLRD ?
Danke ! :)
LG
Nalox
RS-USER-Saphira
18.01.2011, 20:54
Ärztlicher Leiter Rettungsdienst
RS-USER-Brutus
18.01.2011, 20:54
ÄLRD = Arztlicher Leiter Rettungsdienst.
Wir können gerne morgen weitermachen...
Schlaft gut!
Knusperriegel
19.01.2011, 07:18
Fahrzeit ohne SoSi ca. 15 Minuten.
Verkürzt sich die Fahrtzeit aufgrund der Uhrzeit und der Verkehrslage eindeutig?
Wird diese Verkürzung aufgrund schneller Reaktionen in der Klinik auch aufrecht gehalten oder kommt da gemütlich irgendein Internist oder Neurologe angeschlurft, obwohl Voranmeldung?
Dem Patient geht es nicht gut, keine Frage.
Doch die Eigensicherheit des RD sollte auch eine Rolle spielen.
RS-USER-Brutus
19.01.2011, 07:36
Verkürzt sich die Fahrtzeit aufgrund der Uhrzeit und der Verkehrslage eindeutig?
Wird diese Verkürzung aufgrund schneller Reaktionen in der Klinik auch aufrecht gehalten oder kommt da gemütlich irgendein Internist oder Neurologe angeschlurft, obwohl Voranmeldung?
Dem Patient geht es nicht gut, keine Frage.
Doch die Eigensicherheit des RD sollte auch eine Rolle spielen.
Naja, wir befinden uns wie gesagt in einer größeren Stadt im Ruhrpott im Feierabendverkehr mit einem Krankenhaus am Rande der Stadt und einer Fahrtroute durch dieselbe... Also schon ein deutlicher Zeitvorteil. Bei Voranmeldung sollte ein Neurologe in der Aufnahme sein, aber wir sind ja noch ein der Kernarbeitszeit, Neurologe also auf jeden Fall vor Ort!
Knusperriegel
19.01.2011, 08:20
Wenn da ein Neurologe "Gewehr bei Fuss" steht, bedeutet das auch, daß dieses Haus CR + MRT sowie eine Stroke-Unit hat?
Bevor das ganze jetzt zu sehr oder zu schnell in Richtung Zentral-cerebaler-PC abdriftet: welche elektrophysiologishen Erkenntnisse ergeben sich denn aus einem Ausdruck oder auch nur vom Monitor-Anblick?
RS-USER-Brutus
19.01.2011, 08:27
Wenn da ein Neurologe "Gewehr bei Fuss" steht, bedeutet das auch, daß dieses Haus CR + MRT sowie eine Stroke-Unit hat?
Bevor das ganze jetzt zu sehr oder zu schnell in Richtung Zentral-cerebaler-PC abdriftet: welche elektrophysiologishen Erkenntnisse ergeben sich denn aus einem Ausdruck oder auch nur vom Monitor-Anblick?
Nix. Vitalwerte unverändert, SO2 weiterhin schwankend, abhängig davon ob ihr den Unterkiefer etwas stützt oder nicht, Vigilanz ebenfalls unverändert, wobei er mittlerweile bei stärkerer Manipulation zu Unmutsäußerungen (unverständlich) neigt.
Das EKG ist weiterhin unauffällig.
Das Zielkrankenhaus ist ein Haus der Maximalversorgung mit CT / MRT / Neurologie / Neurochirurgie, etc...
Wollen wir was an der Strategie verändern? Oder lieber asap inne Klinik?
Knusperriegel
19.01.2011, 08:40
Wenn wirklich alle Zahnprothesen draussen sind, die saure Luft weiter läuft bzw. eine Intubationsbereitschaft besteht, der Patient gut verkabelt und auf der Trage gesichert ist -> ab in die Klinik mit SoSi bei entsprechender vorsichtiger Fahrweise.
Voranmeldung: Neurologe in die Aufnahme, Ausschluß cerebrale Blutung/Hirninfarkt evtl. Lysekandidat.
Ab jetzt läuft die Uhr, auch wenn die maximale Zeitspanne von 3 Std. keine Gültigkeit mehr hat. Time is brain!
RS-USER-Brutus
19.01.2011, 08:51
Wenn wirklich alle Zahnprothesen draussen sind, die saure Luft weiter läuft bzw. eine Intubationsbereitschaft besteht, der Patient gut verkabelt und auf der Trage gesichert ist -> ab in die Klinik mit SoSi bei entsprechender vorsichtiger Fahrweise.
Voranmeldung: Neurologe in die Aufnahme, Ausschluß cerebrale Blutung/Hirninfarkt evtl. Lysekandidat.
Ab jetzt läuft die Uhr, auch wenn die maximale Zeitspanne von 3 Std. keine Gültigkeit mehr hat. Time is brain!
Gut, einverstanden. Ab jetzt mit SoSi. Wollen wir denn noch irgendetwas auf dem Weg verändern?
Voranmeldung ist so raus.
Anmerkung: Formal hat Du sicher recht bzgl. der Zahnprothesen. Ich mache es mittlerweile allerdings so, dass ich gut sitzende und FESTSITZENDE Prothesen drin lasse. Warum? Weil sie dem ganzen labberigen Innenleben zusätzlich etwas Halt geben. Zu oft haben die Patienten eine richtige Verlegung der Atemwege NACH Entfernung der Prothesen bekommen. Zur Intubation kommen sie dann natürlich raus, wenn sie sich "einfach" lösen lassen. Alles was wirklich "fest" sitzt, kann m.E. drinbleiben. Zur Not in der Klinik entfernen (lassen).
Knusperriegel
19.01.2011, 10:20
Ok, natürlich gibt es Patienten, die alleine mit ihrem Haftpulvereinkauf die Gewinnlage eines bekannten Unternehmens steigern helfen.
Ich komme nach Nachlesen auf nichts Bedeutsames, was bisher noch nicht gemacht wurde.
Natürlich könnte man noch komplettes Laborblut abnehmen, aber dies handhabt jeder RD-Bereich anders.
Als Ausnahme (Seltenes kommt selten vor) denke ich gerade noch an eine Intoxikation, die neben der veränderten Bewusstseinslage auch ein verstärktes "Sabbern" hervorruft.
Natürlich ist es sebstverständlich, daß der Patient auf seiner Trage gut gesichert ist.
Egal ob Krampf wg. Epilepsie oder aufgrund meiner Vermutung:
ein Sturz von der Trage ist höchstens im Gefechtseinsatz ein Kollateralschaden.
RS-USER-Brutus
19.01.2011, 10:28
OK. Wir haben also alles gemacht und fahren weiter Richtung Klinik. ETA 5 Minuten, Patient weiter auf besagtem Niveau stabil. Tatsächlich haben auch wir nichts mehr gemacht bis zur Klinik. Meine Frage war halt, ob ich evtl. für die Verschlechterung verantwortlich war und evtl. etwas revidieren möchte...
Knusperriegel
19.01.2011, 10:48
Hast Du auf dem Sauerstoffschlauch gestanden?:rolleyes:
Bekommt Ihr einen Endbericht aus der Klinik?
Ich würde gern wissen, was es denn letztendlich gewesen ist.
RS-USER-Brutus
19.01.2011, 11:25
Hast Du auf dem Sauerstoffschlauch gestanden?:rolleyes:
Bekommt Ihr einen Endbericht aus der Klinik?
Ich würde gern wissen, was es denn letztendlich gewesen ist.
Neeee. Aber ich erzähle einfach mal weiter. Wir sind mit dem Patienten in die Notaufnahme gekommen, wo der Neurologe zwar da, aber gerade mit einem Patienten mit Apoplex und V.a. ICB im CT steckte. Da ich keine Lust mehr hatte, den Kiefer weiter hochzuhalten habe ich ihm einfach einen Wendel aus der Notaufnahme verpasst und siehe da: Atmung fast unbehindert. Vigilanz aber weiter im Keller.
Meine Befürchtung war eigentlich, dass der gute die 5mg Dormicum nicht so gut verpackt hat und eigentlich wollte ich während der Fahrt noch ein wenig Anexate versuche. Problem: Anexate ist im Antidotkoffer --> ist im NEF --> ist irgendwo vor oder hinter uns im Verkehrschaos. Im Krankenhaus war es ebenfalls nicht zu finden, weil ich Anexate haben wollte, die aber NUR Flumazenil da hatten. :grins: Der Neurologe kam dann auch endlich, konnte sich aber auch nach der Anamnese keinen Reim draus machen. Zumindest war ihm die Geschichte aber so unheimlich, dass wir direkt mal in den Schockraum rüber sind und er mit dem Anästhesisten diskutierte, ob man vielleicht doch intubieren solle. Das letzte, was ich gesehen habe, war der Anästhesist, der eine Ampulle Flumazenil / Anexate in den Mann versenkte, dann hatten wir den nächsten Einsatz...
Soll ich auflösen??? Oder will noch jemand was am Konzept anmerken / verändern / etc...
Knusperriegel
19.01.2011, 12:45
Jetzt hätte ich noch die Option Allohol/Drogen/Medikamente im Überfluss.
Nicht immer stinkt eine Schnapsleiche und es gibt tatsächlich Patienten, die sind sowohl Suffköppe als auch einmal ernsthaft krank.
RS-USER-Brutus
19.01.2011, 13:07
Herzlichen Glückwunsch!
Zwei Tage später waren wir mit einem Apoplex in der gleichen Klinik. Gleicher Neurologe und der erzählte folgendes: Der Patient wurde nach einer Ampulle Anexate leidlich wacher. Augen weiterhin spontan offen, Atmung wieder etwas stabiler, auch ohne Wendeltubus. Vitalwerte weiter stabil. Keine Reaktion auf Ansprache, aber adäquate Abwehrreaktion und Reflexe. Daher erst mal keine Intubation und vorrangig Schädel-CT unter Intensivüberwachung. Dann die kleine Sensation im CT: NIX! Dafür die nächste Überraschung im Labor: Blutalkoholspiegel 3,5 Promille. Gut, da hätte ich wohl auch bei 5mg Dormicum das Schnaufen eingestellt. :grins: Der Patient hat dann die nächsten 24 Stunden auf der Intensivstation ausgeschlafen und war schon wieder "entlassen".
Niemand von allen Beteiligten hatten auch nur einen Hauch Alkohol erschnüffelt. Und der Krampfanfall im RTW hat mich ehrlich gesagt auch auf die falsche Fährte geführt...
Der Neurologe hatte übrigens noch eine nette Arbeitshypothese für kommende Fälle vom HBF: sind sie auf dem Weg ZUM HBF ist es ein Entzugkrampf, kommen sie VOM HBF war es wohl etwas zu viel des Guten.
Ich fand's ein schönes Beispiel dafür, dass es manchmal auch einfach die banalen Dinge sind, und man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht.
RS-USER-Bärentöter
19.01.2011, 13:11
Danke! War ein schönes Fallbeispiel, vor allem, weil es letztendlich etwas "banales" war und nicht eine Orchideenkrankheit.
Die Hypothese des Neurologen ist auch nett...
Edit: unter den gegebenen Voraussetzungen sehe ich die Dormicumgabe dennoch nicht als Fehler.
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