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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Einsatz: Atemnot in Arztpraxis



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dreamchaser
13.12.2011, 08:07
Ich hätte trotzdem mal 20 mg Lasix gegeben vor dem Hintergrund der Stauung und des Asthma cardiale, da der Blutdruck doch aktuell sehr gut ist. Das MO würde ich 1:10 verdünnen und in 1 mg Schritten geben (und entsprechend warten - bei low output kann sich die Wirkung verzögern). Mit Volumen wäre ich eher restriktiv, das würde ich nur im Falle der Blutdruckdepletion geben. Bei einem Vorderwandinfarkt und V.a. ischämische Kardiomyopathie kann Volumen vieles verschlimmern und erst recht zur Intubation und allen Folgen führen. Das Abdomen würde ich als Folge der Stauung sehen - vermutlich ist der Patient schon länger kardial dekompensiert und jetzt führt der Infarkt zur Exazerbation.
Anmelden würde ich auf der internistischen Intensivstation einen beginnenden kardiogenen Schock bei Vorderwandinfarkt mit kardialer Dekompensation.

Brutus
13.12.2011, 09:53
Gut, geben wir ihm zusätzlich noch 20mg Lasix und Morphin. Volumen läuft über die Rosanüle zum Offenhalten.
Anmeldung ans Krankenhaus ist raus: kardiogener Schock bei HI mit kard. Dekompensation.
Aber auf die Intensivstation gehts da nicht sofort, die nehmen i.d.R. erstmal den Schockraum und ggf. von dort direkt ins LHK.
Soll während der Fahrt noch etwas gemacht werden oder können wir? Wir fahren BLAU, Doktor?

dreamchaser
13.12.2011, 10:12
Fahrt mit Sondersignal.
Vielleicht toleriert der Patient ja die NIV-Maske, so dass die resp. Situation gebessert werden kann. Lagerung mit erhöhtem Oberkörper und möglichst niedrigen Beinen. Wenn der Patient kann, dann würde ich ihm das Plavix noch geben (besser er nimmt es selbst, als über die MS nach Intubation). Und natürlich engmaschige RR-Überwachung.

flatliner
13.12.2011, 10:49
Wäre unter engmaschiger RR-Überwachung auch eine niedrig dosierte i.v. Nitrogabe denkbar?

Brutus
13.12.2011, 11:14
Gut, es geht also mit Sonderrechten zum Maximalversorger. NIV ist jetzt etwas doof, weil nicht möglich. Aber die Gesichtsmaske mit Reservoir erfüllt gerade ihren Zweck.
Plavix ist nicht, weil nicht auf dem Koffer verlastet. Engmaschige RR-Überwachung ist dran via Corpuls3, automatisch alle 3 Minuten.
Nitrogabe? Naja, im Prinzip nur mit Nitrospray möglich, da kein Isoket verfügbar. Und wer weiß schon, wieviel vom Spray ankommt? Insofern lieber nicht...
Der Blutdruck pendelt sich während der Fahrt auf 130/65mmHg ein, die HF bleibt um die 100/min stabil. Unter 8l O2 über die Maske bleibt die Sättigung um die 95% stabil. Die Spastik ist deutlich rückläufig, der Patient sagt, dass er deutlich besser Luft bekommt.
Fahrtzeit noch ca. 15 Minuten. Mittlerweile sind wir wirklich mitten im Nichts!

Eilika
13.12.2011, 11:23
Und wie ich Dich kenne geht jetzt irgendwas schief...

Brutus
13.12.2011, 11:44
:-)) Bin so durchschaubar?

p.s.: Ich habe mich gerade mal mit dem HA unterhalten, der hält mich über den weiteren Verlauf auf dem Laufenden. Leider ist ja meistens mit der Ablieferung im KH Schluß. Aber hier würde ich schon gerne wissen, was weiter gelaufen ist. :-))

Hoppla-Daisy
13.12.2011, 11:45
Wie sie ihn schon kennt :-)) :-)) :-))

Also Melchior, mit Pillepalle0815-Gedöns würdest du dich jetzt hier nicht abmühen :-D

dreamchaser
13.12.2011, 12:15
Wahrscheinlich hat der Patient jetzt eine Rhythmusstörung...

Evil
13.12.2011, 12:25
Torsaden? Halt schonmal das Magnesium bereit :-))

Sebastian1
13.12.2011, 13:22
Prophylaktische Defibrillation: "Wehe, du fängst an zu zicken" :-D

WackenDoc
13.12.2011, 15:58
Jetzt bin ich aber auch mal gespannt, was noch passiert.

LaTraviata
13.12.2011, 16:00
Ich auch... mitten zwischen Kleinnichtigheim und Oberwenighausen ;-) ... hau raus, hehe!

Brutus
13.12.2011, 16:40
Hab ich wirklich son schlechtes Karma? :-)) :-))

Nee, diesmal wurde es in anderer Richtung recht spektakulär. An der Autobahnauffahrt ca. 5 Minuten vorm Ziel-KH gucke ich auf den Patienten und was soll ich sagen? Rosige Akren, gut durchblutete Hände, das Gesicht rosig, der Bauch noch etwas fleckig, aber nicht mehr tief violett, sondern zartes rosa. Er guckt mich an und kann fast ohne Dyspnoe mit mir sprechen. Er wurde dann auch deutlich ruhiger, so dass wir am Ziel-KH das oben gezeigte EKG mit deutlich weniger Artefakten ableiten konnte.
RR stabilisierte sich bei 135/70mmHg, HF bei 100/min, die Sättigung war durchweg bei Werten zwischen 94-96% ohne weitere Abfälle... Gut, das Ganze unter 8l O2 mit Maske, aber immerhin. Im KH haben wir ihn trotzdem primär kardiologisch laufen lassen, aber ich bin schon gespannt, was es letztendlich war.
Heute beim Telefonat mit dem HA meinte dieser sofort: Na klar, das Dexamethason hat gewirkt. :-))
Ich habe ihn dann leise daraufhin gewiesen, dass wir ja auch noch ein paar Leckereien gegeben haben. :-))
Er fand es aber auch sehr spannend, dass der Patient sich doch so schnell wieder verbessert hat, wo wir in der Praxis beide nicht von aus gegangen waren. Deshalb habe ich ihm auch meine Telefonnummer gegeben. Er hält mich auf dem Laufenden...
:-)) :knuddel:

Evil
13.12.2011, 17:32
Der wird wahrscheinlich sowohl kardial als auch pulmonal grenzkompensiert sein, und da reicht dann ein keiner Schubser, daß er umkippt. Manchmal sogar nur Blähungen...

dreamchaser
13.12.2011, 17:42
Ich hatte auch mal einen Patienten, der 5 Tage zuvor nach einer Pankreatitis entlassen worden war. Kam jetzt mit Dyspnoe (Sättigung 81% ohne O2 bei Eintreffen RD), Spastik, prallem Abdomen mit Schmerzen auf Druck. Hat vom NA netterweise bei V.a. Pankreatitis (ungeachtet der Dyspnoe) in 20 min. Transport 1,5 Liter Infusion bekommen. Nach Gabe von 40 mg Lasix haben wir den Patienten zum Glück gut rekompensiert bekommen, nach 20-30 min. ging es ihm schon wieder recht gut. EKG sah unhübsch aus, leider im Voraufenthalt keins beschrieben im Brief.
Ging dann mit NSTEMI auf Intensiv, Z.n. Lungenödem - dort schon wieder Sättigung 95-97% mit sinkendem O2-Bedarf. Am nächsten Tag Coro - ED einer KHK 3-GE. Der Bauch war dabei auch nur stauungsbedingt prall, eine neue Pankreatitis hatte er keine.

WackenDoc
13.12.2011, 18:30
Vielleicht tatsächlich Stauung und Asthma cardiale bei dekompensierter Herzinsuffizienz. Durch eure Maßnahme hat sich das dann womöglich soweit rekompensiert, dass es gepasst hat.

Hatte schon mal nen Patienten, von dem wir nicht wussten, ob er nächste halbe Stunde packt. Und am nächsten Tag war er voll fit, hat sich erstmal beschwert, was er im Krankenhaus überhaupt soll und sich dann gegen ärztlichen Rat entlassen.
Übrigens waren wir erstmal seehr zuückhaltend mit der Therapie. Als er dann immer weiter gelebt hat, gab´s zumindest was Basisdiagnostik und auch nur unspezifische Therapie.

Brutus
15.12.2011, 09:35
Vielleicht tatsächlich Stauung und Asthma cardiale bei dekompensierter Herzinsuffizienz. Durch eure Maßnahme hat sich das dann womöglich soweit rekompensiert, dass es gepasst hat.

Jo, das wird es wohl gewesen sein! Gerade hat der Hausarzt angerufen. In der Klinik haben die wohl folgende Diagnosen gesichert: kardiale Dekompensation mit pulmonaler Stauung und einer zusätzlichen Pneumonie. Gut, das Fieber hätten wir feststellen können, aber in der Situation war das erst mal Nebenschauplatz.
Nachdem der Patient die letzten Tage antibiotisch abgedeckt war und ein paar Liter abgenommen hat, ist er mittlerweile wieder so fit, dass er wieder ohne Probleme belastbar in Form von Treppensteigen ist.
Was ihm letztendlich auf der Fahrt so gut rekompensiert hat, Dexa, ASS oder Heparin, keine Ahnung! Aber wie heißt es so schön: Wer heilt hat Recht! :-)) :-))

torrannagga
15.12.2011, 14:07
Wenn ich an manche HA-Liegen denke, dann ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass ihm einfach die adäquate Lagerung und Sauerstoff geholfen haben :-))

Sebastian1
15.12.2011, 19:46
Musste heute an den Fall hier denken, als ich einen ähnlichen Patienten (kardiale Dekomp. und COPD mit O2-Heimtherapie) gefahren habe, der sich im Gegensatz zu deinem Patienten leider auf der Fahrt dramatisch verschlechtert hat...
..aber danke mal wieder für den Fall, mach Spaß und ist lehrreich :-top