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Hat man als Arzt nicht auch die Möglichkeit, Aufgaben zu deligieren? Ich meine.... die sind euch doch weisungsbefugt oder nicht?
Absolute Arrhythmie
02.02.2012, 02:41
Hat man als Arzt nicht auch die Möglichkeit, Aufgaben zu deligieren? Ich meine.... die sind euch doch weisungsbefugt oder nicht?
Also der Arzt ist nicht der Vorgesetzte der Schwester. Das ist ein landläufiger Irrglaube. Mir als Pflegekraft ist meine zuständige Pflegebereichsleitung weisungsbefugt. Ein Arzt kann mir natürlich eine Anordnung geben, ich habe aber als Pflegekraft die Remonstrationspflicht und auch das Remonstrationsrecht. Also wenn ich mich einer Aufgabe nicht gewachsen fühle, sie nicht durchführen kann, sie zu gefährlich finde, usw, dann kann, darf und muss ich das auch sagen.
Natürlich liegen Tätigkeiten wie Magensonde legen ganz klar im Kompetenzbereich der Pflege. Keine Ahnung wieso das machen nicht machen, find ich aber albern.
Was sehr interessant ist, ist dass man als Pflegekraft auf Normalstation tatsächlich keine Medis i.v. spritzen darf. KI hingegen ist i.O. Fragt mich nicht wieso, ist aber wirklich so. Genau wie Erst- und Zweitgabe eines Antibiotikums Arztsache sind. Genau wie Blutprodukte.
Blut abnehmen oder wegen Betten telefonieren würde ich als Schwester aus Prinzip nicht. Wir haben auch Personalprobleme, und uns werden ständig Stellen gestrichen. Da übernehm ich keine Tätigkeiten aus dem "ärztlichen Katalog" die meinen Stellenplan noch zusätzlich belasten.
Ansonsten denk ich dass prinzipiell alles von der Kommunikation lebt. Wenn da son Schnösel von Arzt über Station fegt und meint er wär der Chef, dann muss er sich nicht wundern wenn die Schwestern alles tun um ihm das Leben so schwer wie möglich zu machen.
AA: Dann zeig mir mal eine Quelle nach der Erst- und Zweitgabe eines Antibiotikums nicht delegierbare ärztliche Tätigkeit sind; und dass "Normalstation-Schwestern" nicht iv spritzen dürfen. Blutprodukte verabreichen ist die einzige per Gesetz nicht delegierbare Tätigkeit. Alles andere ist Haus-Regelung. Unsere Onko würde niemals funktionieren wenn die Schwestern nicht Zofran aus der Hand spritzen dürften. Die Regelungen treffen vielleicht auf dein jetziges Haus zu, aber ich würde das nicht so 'absolutistisch' sehen.
Wenn meine Aufnahme-Schwestern nicht nach Betten telefonieren würden könnte ich in den Diensten gar nicht arbeiten. Da muss man doch nicht Arzt für sein um Schwestern auf einer Station zu sagen, dass sie für Bett x einen neuen Patienten bekommen.
Und glaubst du, dass es für den Stellenschlüssel der Pflege gut ist, wenn sie immer weniger medizinische Tätigkeiten machen will? Die Verwaltungsarbeit nimmt eh zu. Und je mehr die Pflegenden aus dem medizinischen Bereich rausgehen um so mehr werden sie ersetzbar durch billigere Arbeitskräfte.
Leidiges Thema! Hier gibt es wenig wirklich greifbar-rechtliches und viel Haus- und Berufspolitik. Vom rechtlichen her sind ärztliche Maßnahmen delegierbar, wenn die Pflegekraft diese beherrscht, der Arzt sich davon überzeugt hat und die Durchführung beaufsichtigt, die Maßnahme schriftlich angeordnet ist und die Delegation nicht verboten ist (Beispeil: Blut). Weiter ist natürlich das Einverständnis des Patienten einzuholen.
Bei uns im Haus gibt es eine offizielle Dienstanweisung vom Ärztlichen Direktor und der Pflegedirektorin, dass i.v.-Injektionen und venöse Blutentnahmen vom Pflegepersonal durchzuführen sind. Hierzu gibt es eine Schulung und eine Positivliste der Medikamente, die verabreicht werden können. Die i.v.-Medikation muss schriftlich mit genauer Dosierung und Applikationsform angeordnet sein.
Blutentnahmen sind außerhalb der Kernarbeitszeit vom Pflegepersonal durchzuführen, während ebendieser vom ärztlichen Personal. Pflegepersonal, das unsicher in der Durchführung ist oder im Einzelfall ein erhöhtes Risiko für den Patienten sieht, hat die Pflicht die Durchführung abzulehnen und den Arzt unverzüglich zu informieren.
Es hängt wirklich von den Kollegen und den Traditionen der Station ab. Wir geben i.v.-Injektionen auch frei aus der Hand (Neurochirurgische Station: wir haben immer eine aufgezogene Spritze Lorazepam für Krampfanfälle, die wir auch sofort verabreichen sollen, wenn wir einen beobachten), bei den Verbänden stellen sich meine Pflegekollegen hingegen etwas an. Redons ziehen bei uns die Ärzte, bei den benachbarten UCHis macht das die Pflege. Katheter und Magensonden sind auch kein Problem. Wenn wir den Katheter nach 3 Versuchen nicht geschafft haben, wird eh der Uro-Dienst geholt. Unsere Ärzte haben da ja noch weniger Routine als wir, warum sollen die das machen?
Es würde mich freuen, wenn es hier eine bessere Zusammenarbeit gäbe.
Blut abnehmen oder wegen Betten telefonieren würde ich als Schwester aus Prinzip nicht. Wir haben auch Personalprobleme, und uns werden ständig Stellen gestrichen. Da übernehm ich keine Tätigkeiten aus dem "ärztlichen Katalog" die meinen Stellenplan noch zusätzlich belasten.
Ansonsten denk ich dass prinzipiell alles von der Kommunikation lebt.
Verstehen kann ich das ja irgendwo. Schade nur, dass die Stellensituatiom bei uns auch nicht besser ist. Diese und letzte Woche waren bei uns vier Kolleginnen in Mutterschutz und drei krank - wir sind auch auf dem Zahnfleisch gegangen. Wenn in der Pflege übrigens ein so hoher Krankenstand herrscht, werden schnell mal eim paar Betten gesperrt. Verständlich. Nach Betten telefonieren ist immer meine Aufgabe. Blut nimmt bei uns ne Arzthelferin ab, warum die dafür jetzt besser qualifiziert ist als die Pflege, weiß ich nicht. Aber ich bin froh, dass wir sie haben. Ungefähr die Hälfte unserer Pflege gibt i.v.-Medis aus der Hand, die andere Hälfte nicht. Warum das so ist, weiß ich auch nicht. Fakt ist, dass ich ohne die Hilfe und Unterstützung der Pflege meinen ersten Dienst nicht überlebt hätte (und der eine oder andere Patient vielleicht auch nicht). Fakt ist auch, dass viele Anordnungen von uns irgendwie unter den Tisch fallen. Es kann nicht sein, dass ich nach dem Anordnen immer noch allem hinerher laufen muss. Wenn ich bei ner Patientin mit ner CK von 25 000 4L Insfusionen und ne Bilanzierung aufschreibe, möchte ich nicht um 18.00 Uhr entdecken, dass auf der Infusion Nr 1 von 4 steht und unter Ausfuhr auf der Bilanz "DK" - OHNE irgendeine Mengenangabe! Wenn ich dann als absouter Frischling, die - siehe oben - auf die Hilfe der Pflege angewiesen ist, kann es nichz sein, dass ich mich fast nicht traue, so einen Mist anzusprechen, aus Angst, eben dann im Dienst allein zu stehen ("Schnösel" und so). So viel zum Thema Kommunikation.
DrSkywalker
02.02.2012, 09:05
Blut abnehmen oder wegen Betten telefonieren würde ich als Schwester aus Prinzip nicht. Wir haben auch Personalprobleme, und uns werden ständig Stellen gestrichen.
Blut abnehmen und wegen Betten telefonieren würde ich als Arzt aus Prinzip nicht. Das sind eben keine ärztlichen Tätigkeiten. Blutabnehmen vielleicht wenn die Schwester nicht trifft, aber nicht standardmäßig. In meinem PJ-Haus war das Schwesternarbeit und das ist auch gut so.
StellaMaris
02.02.2012, 10:01
[...]Was sehr interessant ist, ist dass man als Pflegekraft auf Normalstation tatsächlich keine Medis i.v. spritzen darf. KI hingegen ist i.O. Fragt mich nicht wieso, ist aber wirklich so. Genau wie Erst- und Zweitgabe eines Antibiotikums Arztsache sind. Genau wie Blutprodukte.
[...]
So kenne ich es auch aus meiner Krankenpflegeausbildung, die ich vor dem Studium gemacht habe. I.V. Spritzen war für Schwestern grundsätzlich tabu, einzige Ausnahme: Intensivbereich. KI und i.m. war dagegen unsere Aufgabe, im Gegensatz zu anderen Häusern gehörte bei uns auch das Blutabnehmen zum pflegerischen Aufgabenbereich. Ich muß sagen, letzteres hab ich auch gern gemacht und in meinen Famulaturen war es auch ganz vorteilhaft, dass ich es schon konnte.
Wegen Betten telefonieren war bei uns aber auch eindeutig Arztaufgabe - warum, keine Ahnung.
Ich glaube, das ist zu großen Teilen einfach relativ willkürlich festgelegt von Haus zu Haus, ohne dass es konkrete Gründe gibt, warum man es im einen darf und im anderen nicht. Über die Sinnhaftigkeit oder -losigkeit läßt sich dabei tatsächlich streiten. Hängt sicherlich auch vom jeweiligen Fachgebiet ab.
Also der Arzt ist nicht der Vorgesetzte der Schwester. Das ist ein landläufiger Irrglaube. Mir als Pflegekraft ist meine zuständige Pflegebereichsleitung weisungsbefugt. Ein Arzt kann mir natürlich eine Anordnung geben, ich habe aber als Pflegekraft die Remonstrationspflicht und auch das Remonstrationsrecht. Also wenn ich mich einer Aufgabe nicht gewachsen fühle, sie nicht durchführen kann, sie zu gefährlich finde, usw, dann kann, darf und muss ich das auch sagen.Wobei die Ausbildung und das Examen der Pflegekraft natürlich schon auch einen gewissen Grad an Verantwortlichkeit bescheinigen den man auch nicht einfach nach Gutdünken einschränken darf.
Natürlich liegen Tätigkeiten wie Magensonde legen ganz klar im Kompetenzbereich der Pflege. Keine Ahnung wieso das machen nicht machen, find ich aber albern.Wie schon mehrfach geschrieben, das fluktuiert nach Haus und Abteilung. Bei uns (Innere) ist das auch Pflegeaufgabe, bei meiner Frau (Allgemeinchirurgie) ist das ganz klar ärztliche Aufgabe... :-nix
Was sehr interessant ist, ist dass man als Pflegekraft auf Normalstation tatsächlich keine Medis i.v. spritzen darf. KI hingegen ist i.O. Fragt mich nicht wieso, ist aber wirklich so. Hier wäre es vielleicht grundsätzlich sinnvoll zu schauen, was da injiziert/infundiert wird. Im von mir oben geschilderten Fall war es Vitamin B1, was ja ungefähr so gefährlich ist wie NaCl... und wenn ich es ausdrücklich erlaube, dann sollte die Pflege sich doch eigentlich freuen, dass sie keine KI aufziehen, anhängen aufdrehen und wieder abhängen muss, sondern das fix reinjubeln kann...
Genau wie Erst- und Zweitgabe eines Antibiotikums Arztsache sind. Auch hier keine Allgemeingültigkeit. Ich hab noch nie eine Zweitgabe eines ABs angehängt und bei der Erstgabe reicht es in der Regel aus, wenn ich in der Nähe bin. Selbst wenn ich es anhänge, dann steh ich eh nicht daneben bis es drin ist, von daher bin ich eh während 99% der Infusionszeit nicht anwesend...
V.a. nachts im Dienst: "Schönen Guten Abend, Herr XY, ich hänge Ihnen gerade noch ein neues Antibiotikum an, Allergien sind bei Ihnen nicht bekannt, oder? Wenn sie Juckreiz, Schwindel oder Übelkeit bemerken, danngeben sie uns sofort Bescheid, auf Wiedersehen und gute Nacht." und 45 Sekunden später bin ich zwei Stockwerke weiter...
Ich habe versucht mal die rechtliche Seite mit Quellen nachzuschlagen. Ist nicht ganz so einfach... :-(
Hier ist ein Link (http://www.wernerschell.de/Rechtsalmanach/Diagnostik%20und%20Therapie/delegation.php) von einem Menschen, der sich mit Patientenrecht und Recht im Gesundheitswesen beschäftigt (scheint jedoch kein Jurist zu sein). Das Interessanteste ist ein Zitat der Bundesärztekammer:
Stellungnahme der BÄK vom 16.2.1974:
Injektionen, Infusionen und Blutentnahmen sind Eingriffe, die zum Verantwortungsbereich des Arztes gehören. Der Arzt kann mit der Durchführung dieser von ihm angeordneten Maßnahmen sein medizinisches Assistenzpersonal beauftragen, soweit nicht die Art des Eingriffes sein persönliches Handeln erfordert. Da Injektionen, Infusionen und Blutentnahmen nicht zu dem üblichen Aufgabenbereich des ausgebildeten Assistenzpersonals gehören, bleibt der Arzt in jedem Falle für die Anordnung und ordnungsgemäße Durchführung der Eingriffe sowie für die Auswahl und Überwachung der Hilfskraft verantwortlich. Der Arzt darf daher die Durchführung nur solchen Hilfskräften übertragen, die in der Punktions- und Injektionstechnik besonders ausgebildet sind und von deren Können und Erfahrungen er sich selbst überzeugt hat. Die Durchführung von Injektionen, Infusionen und Blutentnahmen außerhalb des ärztlichen Verantwortungsbereiches ist nur in Notfällen vertretbar, in denen ein Arzt nicht erreichbar ist.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat in letzter Zeit versucht weitere Maßnahmen an Pflegepersonal zu delegieren, aber meines Wissens nach haben auch neuere Stellungsnahmen der BÄK oder des Ärztestages weiter sehr restriktive Haltungen zu diesem Thema.
Absolute Arrhythmie
02.02.2012, 17:33
Genau wie von Strodti zitiert habe ich es in der Ausbildung gelernt. Ich selbst hab auf ITS ständig i.v.-Injeltionen gegeben, und auch alles andere gemacht, was nötig war. Ich würde never ever irgendwas "aus Prinzip" nicht machen, wenn wirklich Not am Mann ist. Das gilt ja sowieso: Im Notfall darf ich alles, was nötig ist.
Aber abseits davon ist es nunmal so, dass Pflege ihre Aufgaben hat und ihr Ärzte eure. Ich kann aus meiner Erfahrung nur sagen dass ich als Schwester in der Vergangenheit deutlich öfter was für die Ärzte getan habe, als andersherum. Und Betten gesperrt werden bei uns auch nicht, wenn Leute in der Pflege fehlen. Dann muss man auf ITS eben drei oder vier Patienten versorgen und auf Normalstation ist man eben allein mit 24 Patienten.
Versteht mich bitte nicht falsch, ich bin bisher immer mit meinen Stationsärzten gut zurecht gekommen und versuche so gut es geht teamorientiert zu denken, aber ein wenig Berufspolitik muss man auch manchmal im Hinterkopf behalten.
Und dieses Argument "wenn ihr keine ärztlichen Tätigkeiten macht, dann seid ihr ersetzbar", finde ich nicht nachvollziehbar. Ist denn Blutabnehmen etwas, was nicht jeder dressierte Affe kann? Muss ich für die reine Durchführung einer Injektion irgend etwas können?
Nein, muss ich nicht.
Um einen Patienten korrekt zu lagern oder Prophylaxen korrekt durchzuführen, oder gar um eine Pflegeplanung zu erstellen, dafür muss ich aber was können. Und dafür brauch ich meine Zeit.
Ich mach nämlich lieber Mundpflege bei nem intubierten Patienten, als für irgendnen Arzt ein Telefonat zu führen.
Wenn der Arzt aber grad am reanimieren ist, dann geh ich gern ans Telefon und kümmer mich um alles. Ich hoffe dass meine Einstellung an dem beispiel klar wird.
Wir müssen in beiden Berufsgruppen so zusammenarbeiten, dass für den Patienten das Beste dabei heraus kommt.
Diese ganze Unterscheidung in Studierte und dumme Schwestern geht mir im Klinikalltag ganz schön auf den Geist.
ich habe aber auch schon in famulaturen und praktika gesehen, dass schwester einfach "beschließen", dass etwas nicht ihre aufgabe ist.
in meiner vorletzten famulatur zum beispiel. kinder... uniklinik
kaum alte hasen auf station, 2 neue, einer rotiert, eine frisch von der uni, nur ein facharzt, ein altassi, der aber nur am briefe abarbeiten war (andere baustelle) und eine halbzeitkraft.
so, das wurde irgendwie von der pflege ausgenutzt, um da mal "neuen wind" reinzubringen. die hatten sogar in der zeit ne krisensitzung, bei der natürlich niemand des ärztlichen teams dabei sein durfte um dann am nächsten tag ne beschwerde-liste anzubringen...
naja, u.a. haben sie beschlossen, dass sie ab jetzt nicht mehr für patiententransporte, taxis etc zuständig sind. wenn ein arzt was anordnet oder entlässt, sei er ja schließlcih dafür zuständig.
oder geil war auch das blutzuckertagesprofil.
arzt guckt am nächsten nachmittag in den computer... hm, 2 werte? ich gucke in die pflegeakte... vlt ist ja handschriftlich was... hm nö.
frage "wieso habt ihr das nicht gemacht"... antwort war: naja, der tag war dann ja zu ende, das wurde uns erst so spät gesagt. :-nix
oder: kann einer, der frei ist, mal bitte eben gerade mitkommen, wir brauchen bei ner blutentnahme noch jemanden zum festhalten.
antwort: nö, also ich hab keine zeit und die anderen sicher auch nicht. guck doch, ob im arztzimmer einer rumsitzt....
joar, sorgte für bombenstimmung auf dieser station
Traumjaegerin
02.02.2012, 18:01
Ich hab mir im PJ immer FSJler oder Krankenpflegeschüler mitgenommen, wenn ich irgendwo Hilfe gebraucht habe, zB. lass ich mir beim Port anstechen alles steril anreichen, für komplizierte Verbände oder zum Arm festhalten beim Blut abnehmen. Die waren immer ganz happy, mir zu helfen und natürlich hab ich sie nicht aus nem Zimmer gezerrt, sondern ihre Arbeiten erstmal fertig machen lassen (und zum Ausgleich hab ich sie dann auch mal unter meiner Aufsicht Blut abnehmen lassen und so). Aber manche Schwestern haben schon die fünf Minuten, die ich ihren Helfer in Anspruch genommen habe, als persönlichen Angriff gesehen - auch wenn ich, wie gesagt, drauf geachtet habe das nicht im größten morgendlichen Waschchaos zu tun.
Aber Assistenz bei ärztlichen Eingriffen ist doch eigentlich schon auch Aufgabe der Pflege, oder?
Ich stelle gerade mal wieder fest, dass ich im richtigen Land arbeite ;-)
Aber back to topic. Ich kenn das sehr gut, hatte aber fast überall in Deutschland Glück mit der Pflege. Die hatten phasenweise so viel Mitleid mit mir, dass, wenn ich morgens um viertel vor sieben zum Dienst kam, alles Blut schon abgenommen war. Dafür war ich mir halt auch nie zu fein, mal beim Betten mit anzupacken...
Aber insgesamt bin ich doch froh, dass die Pflege in CH sehr viel mehr Kompetenzen haben.
Ja, die Jahre gehen ins Land und doch ändert sich an den kafkaesken Gutdünkenregeln in deutschen Krankenhäusern nix. Ich habe so gut wie alle angesprochenen VArianten erlebt. AUch jetzt noch kann ich nur mit dem Kopf schütteln wenn ich mir überlege was für eine massive Arbeitsineffizienz manche dieser Pseudoregeln auslösen. Die Sache mit den Erstantibiosen ist ja man so was, was ich noch nie verstanden habe (und jetzt auch noch Zweitantibiosen, es wird ja immer doller, warum nicht auch die Drittantibiosen und die Zweit-Vit-B12-Gaben?).
Jedes Medikament (nein nicht nur die bösen Antibiotika) was ich einem Patienten neu anhänge kann eine Anaphylaxie auslösen, aber auch jede neue Pille, jedes Säftchen, ja sogar ein Erdnussriegel kann das tun. Wenn das ganze passiert bin ich als Arzt sowieso nicht mehr da. Die rechtliche Verantwortung habe ich als Arzt sowieso, wenn ich etwas verdordne ohne nach Allergien gefragt zu haben und zwar völlig unabh. davon wer nun das Rädchen an der Infusion aufgedreht hat.
Das ist für mich nur ein Beispiel von völlig sinnlosen Regelungen. Interessant ist auch, dass die meisten Arzthelferinnen tagtäglich, ohne juristische, oder sonstige Probleme selbstverständlich viele von den in manchen Krankenhäusern unter "Arztvorbehalt" stehenden Dingen erledigen, obwohl sie eigentlich medizinisch eher schlechter ausgebildet sind. Das ganze mit Stellenmangel zu entschuldigen ist letztlich auch ein schlechtes Argument, Stellenmangel gibt es im ärztlichen Bereich genauso. Im Pflegebereich wäre viel mehr die Ausweitung der Tätigkeit auch auf originär medizinische Dinge ein Argument für neue qualifizierte Stellen und würde qualifizierte Pflege auch nicht so leicht austauschbar machen gegen unqualifizierte Helfer.
Was solls, ich glaube ich werde es nie verstehen und sehe diese ganze Diskussion als deutsche Kuriosität. In anderen Ländern ist es keinerlei Frage, dass eine Schwester Blut abnimmt, i.v. Medikamente geben kann, überhaupt recht viel "medizinisches" kann. Na ja, vielleicht haben die dafür nicht so tolle "Pflegeplaner", wer weiss. Letztlich ist das ganze in manch Krankenhaus nix anderes als Dogmatik, rationale Argumente sind da völlig sinnlos. Das beste Argument ist anscheinend immer noch: "das haben wir schon immer so gemacht", gerne auch in der anderen genauso sinnbefreiten Form: "das haben wir ja noch nie so gemacht". Da kriege ich auch gleich wieder Blutdruck, alleine wenn ich an manche dieser sinnbefreiten Diskussionen denke.
Ich finde es kommt da wirklich sehr auf die einzelnen Stationen und hier auch auf die einzelnen Mitarbeiter an.
Eine garnicht so geringe Anzahl von Assistenzpersonal hat meiner Erfahrunng nach tatsächlich Angst, über Jahrzente im Knast zu landen, weil sie beim Abstrich machen die Haut verletzen oder nen Perfusor der auf Akku läuft auf dem se nicht eingewiesen sind und dafür gemäß MPD nicht alle erforderlichen 25 Formulare unterschrieben bekommen haben wieder in die Steckdose zu stecken.
Andere haben diese Angst garnicht, schieben aber das selbe Argument aus Prinzipienreiterei vor und diskutieren in der Zeit in ders gemacht wär, lieber 10 Minuten darüber rum, hätten am liebsten noch die größe der Salamischeibe zum Patientenabendessen aufs Gramm genau angeordnet, haben aber gleichzeitig keine Skrupel hinter dem Rücken jede Anordung bis hin zur Nichtausführung in Frage zu stellen. Das ist zugegebener Maßen aber eine Minderheit.
Die harmolese Form davon mit fließendem Übergang sind dann diejenigen, die , aus welcher Motivation auch immer, einen strengen Katalog "Aufgabe der Pflege" gegenüber "Aufgabe des Arztes" im Kopf haben, wobei man eigentlich nicht so genau weiß, auf welchem Lehrbuch, Gesetz oder Dienstanweisung dieser Katalog basiert und alles was nicht im streng gefassten Katalog "Aufgabe der Pflege" steht automatisch und nicht dellegierbar zur Aufgabe des Arztes wird.
Letztenendes habe ich aber auch die Erfahrung gemacht, dass man wenn man nicht den angesprochenen Stationsschnösel gibt, auch mal nen Patienten mit in dem Rullstuhl setzt wenn man eh grad im Zimmer ist oder ein vergessenes Frühstückstablett mit raus nimmt mit dem Rest eigentlich sehr gut zusammenarbeiten kann und einem auch durchauß auch mal bißchen was abgenommen wird.
ehemalige Userin 24092013
02.02.2012, 19:12
Und dieses Argument "wenn ihr keine ärztlichen Tätigkeiten macht, dann seid ihr ersetzbar", finde ich nicht nachvollziehbar
Nicht unbedingt mit diesen Worten aber ähnlich argumentierte vor gut zehn Jahren die Spitaldirektion meines Lehrkrankenhauses: "Man stellt doch pro Station und Schicht nur eine Examinierte KS ein und ansonsten ""niederes Hilfspersonal"" die in einem Kurs (oder was auch immer) die nötigsten Dinge lernen, auf Delegation der Pflege alles was zur allg. Pflege gehört und Visiten, sowie spezielle Pflege, fällt einfach der einsamen Examinierten zu.
""Niederes Hilfspersonal"" wäre natürlich sehr viel billiger....und unglaublich betribswirtschaftlich.
Ich persönlich fand seine Haltung auch daneben und ich kann auch den Stress auf einer normalen Station (vor allem internistisch) gut nachvollziehen. Trotzdem denke ich, die Pflege scheint sich im Allgemeinen sehr aus der speziellen Pflege zurück zu ziehen.
Personalmangel gibts genauso auf ärztlicher Seite. In der Regel geht die Pflege ja irgendwann nach Schichtende (aber doch recht pünktlich heim) und Ärzte eben sehr viel seltener.
In Arbeit ertrinken aber leider beide Gruppen.....bleibt also nur, sich wenigstens den Arbeitstag mit einer netten Zusammenarbeit einigermassen schön zu machen. :-nix
Grombühlerin
02.02.2012, 19:32
Vermutlich haben viele wirklich Angst, dass irgendetwas passieren könnte ober es Ärger von der Pflegedienstleitung gibt.
Als ehemalige Krankenschwester erinnere ich mich nur zu gut daran, dass uns in der Ausbildung sehr viel Angst gamacht, wurde was bei jeglicher Tätigkeit so alles schreckliches passieren kann. Das nahm bei jedem Thema den größten Raum ein!
Wie schnell man verklagt wird, was hier mal schief gegangen ist und da usw.
Geräteeinweisung wurde in der Pflegeausbildung auch deutlicher ernster genommen als ich es jetzt erlebe.
Ich will damit jetzt niemand verteidigen, aber wir waren regelrecht verängstigt, wenn wir dann auf Patienten los gelassen wurden.
Dagegen hat man als junger Mediziner (auch mit Angst vor den ersten Diensten) ein enormes Selbstvertrauen.
Und dann kommen ensprechende Weisungen von oben. Ich hatte im Studium eine Teilzeitstelle als Krankenschwester. Gleich an einem der ersten Tage wies mich die Pflegedienstleitung in strengem Ton darauf hin, dass ich auf keinen Fall ärztliche Tätigkeiten wie Blutabnehmen übernehmen dürfte, egal was ich studieren würde. Hätte ich ja eh nie gewagt, wollte ja weiterhin mit den Kollegen gut auskommen.
Ich glaube auch, dass viele in der Pflege ein großes Problem damit haben, dass sie (gefühlt) kein richtiges, klar umrissenenes Berufsbild haben, und da wird dann krampfhaft nach "meine Aufgabe/deine Aufgabe" gesucht.
na ja, der Bereitschaftsgrad zu helfen ist gerade auf der Schulkinderstation eher mau, da kommt schnell ein "damit musst du doch alleine fertig können werden" oder "können doch die Eltern halten". Wobei letzteres nach dem heutigen Blutbad bei meiner Kollegin mal wieder ne Weile out sein dürfte....
Was heißt hier 'freiwillig zum Blutabnehmen helfen'?! Du bist doch auch in der Pädiatrie. Ich habe es noch nie anders erlebt als dass ich mind. eine Schwester beim Blutabnehmen mit dabei habe (ohne zu fragen!). Es sei denn ich nehme auf der Onko aus dem Hickmann ab oder aus nem ZVK oder wenn es ein kleines Frühgeborenes ist das sich eh nicht wehrt oder nen ganz großer vernünftiger. Das wundert mich jetzt schon ;-)
WackenDoc
02.02.2012, 20:52
Bei uns war die Haltung "DU bist doch der Arzt, also bist DU für den Patienten verantwortlich" recht verbreitet.
Ging so weit, dass die Blutabnahmeröhrchen sehr schlampig vorbereitet wurden und als das Argument "Jeder mach mal nen Fehler" nicht mehr zog, hieß es dann nur "DU willst doch die Werte haben, dann ist es auch DEINE Aufgabe zu kontrollieren, ob die richtigen Röhrchen gestellt sind/das auf dem Laborblatt richtig ausgefüllt ist."
Hammer war dann, als an einem Freitag (war bei uns eh schon kurzer Arbeitstag) mal eben 5 Patienten selber vom Katheter abholen mussten (war eigentlich pflegerische Aufgabe, solange der Patient nicht auf Intensiv musste), weil nur eine Pflegekraft auf Station und es muss ja schließlich mindestens einer auf Station bleiben. Na, herzlichen Dank. Pflege ist natürlich pünktlich gegangen und wir haben dann 4 Überstunden gemacht.
Dagegen hat man als junger Mediziner (auch mit Angst vor den ersten Diensten) ein enormes Selbstvertrauen.
Kann ich so nicht nachvollziehen. Normalerweise hört man vom KPP über die Blockpraktika bis in die AssiZeit: Ihr habt eh keine Ahnung, ihr könnt nichts, hört auf die erfahrene Pflege.
Absolute Arrhythmie
02.02.2012, 23:52
Nicht unbedingt mit diesen Worten aber ähnlich argumentierte vor gut zehn Jahren die Spitaldirektion meines Lehrkrankenhauses: "Man stellt doch pro Station und Schicht nur eine Examinierte KS ein und ansonsten ""niederes Hilfspersonal"" die in einem Kurs (oder was auch immer) die nötigsten Dinge lernen, auf Delegation der Pflege alles was zur allg. Pflege gehört und Visiten, sowie spezielle Pflege, fällt einfach der einsamen Examinierten zu.
Das stimmt natürlich. Pflege muss weiter Spezielle Pflege machen, aber Blut abnehmen und Redons ziehen gehört für mich persönlich nicht zu den Aufgaben, die mich als Pflegekraft zu einer unentbehrlichen Spezialkraft machen. Das sind eher die schon erwähnten Prophylaxen und Pflegeplanungen, aber auch qualifizierte Verbandswechsel und Patientenberatung. Mir würds auch nix ausmachen, wenn ich wie im europäischen Ausland teilweise üblich, als Schwester manche Untersuchungen anordnen oder sogar durchführen dürfte. Oder wenn ich Patienten nicht rezeptpflichtige Medis ausgeben dürfte, ohne vorher den Diensthabenden mitten in der Nacht zu wecken ;)
Aber wenn ich mich so an meine Ausbildung zurückerinner muss ich zugeben, dass es auch ziemlich ätzende Pflegekräfte gibt, gegen die ist irgendwie kein Kraut gewachsen. Ich find es nur schade wenn hier über einen Kamm geschert wird, denn es gibt auch Schwestern die völlig normal sind...
.....bleibt also nur, sich wenigstens den Arbeitstag mit einer netten Zusammenarbeit einigermassen schön zu machen. :-nix
Das ist das allerwichtigste! ;)
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