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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mein Freund ohne Approbation will Eingriffe machen. Rechtslage?



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CalvinHobbes
25.03.2012, 14:39
Hallo Freunde.

Ich habe eine einfache aber wichtige Frage:

Welche nicht-invasiven und minimal-invasiven Eingriffe darf man in Deutschland ohne Approbation an einem anderen Menschen mit seiner Einwilligung durchführen?

Ich habe einen Freund, der im 2. klinischen Semester ist und sich in den Kopf gesetzt hat und sehr heiß darauf ist, unbedingt schon Eingriffe machen zu wollen, um nicht die vielen Jahre bis zur Assistenzarztausbildung warten zu müssen.

Natürlich nur nicht- und minimalinvasive Techniken, zum Beispiel will er einer Freundin Hyaluronsäure in die Lippe spritzen. Ich finde das ganze Vorhaben ziemlich riskant, weil er das bloß bei seinem Hilfsjob bei einem plastischen Chirurgen "lernen" durfte (er durfte zuschauen, wie der Arzt das tut). Er hat mir auch immer von seinem Praktikum in Wien vorgeschwärmt, bei dem er bei einem Arzt miterleben durfte, wie dieser mit einer Kanüle Stammzellen aus dem Hüftknochen der Patientin aspiriert, diese dann aufgearbeitet und an einen defekten Knochen injiziert, wo sich die Stammzellen zu körpereigenem Knochen differenziert haben. Das findet er so faszinierend, dass er das jetzt auch bei seinem Freund machen will, weil dieser es benötigt und er meint, es bestehen fast keine Risiken, wenn er das tut. Außerdem habe er Zugang zu den erforderlichen Kanülen und Zentrifugen. Natürlich nimmt er für all das kein Geld von ihm, er tut dies also nicht aus gewerblichen Zwecken.

Einerseits ist das natürlich riskant, weil er keine Erfahrung hat.

Andererseits habe ich schon oft erlebt, dass in Praxen diese "Jobs mit der Spritze" oder zB Elektro-Lipolysen von "nur angelerntem" nicht-ärztlichen Personal übernommen wurden, die ja auch keine Approbation und, im Gegensatz zu meinem Kumpel, natürlich nicht das 1. Staatsexamen, in der Tasche haben.

Wie ist die juristische Grundlage? Kann mein Freund zB von den Eltern seiner Freundin, trotz ihrer Einwilligung, wegen "Körperverletzung" angezeigt werden und setzt damit evt. sogar seine zukünftige Arzttätigkeit aufs Spiel, weil er dadurch vorbestraft werden könnte?

Kann er diese Substanzen wie Hyaluronsäure usw. ohne Approbation überhaupt legal beziehen?

Kann er für das ganze Vorhaben rechtlich belangt werden?

Ich bin gespannt auf Eure Antworten! :-love

Euer Calvin

Solara
25.03.2012, 14:59
Immer diese Freunde, für die hier gefragt wird ;-) ... (und für sowas meldet man sich extra im Forum an)

Brutus
25.03.2012, 15:09
:-wand :-wand :-wand

Brutus
25.03.2012, 15:12
:-wand :-wand :-wand

Arbeiten ohne Berufserlaubnis! Körperverletzung bei JEDEM einzelnen Eingriff.
Berufsverbot als mögliche Strafe?!
Wie es die Uni sieht? Exmatrikulation?

WackenDoc
25.03.2012, 15:19
Ich frag mich, wer so dämlich ist und sowas an sich machen lässt.
Wenn´s ganz blöd läuft, ist es nicht nur wegen gefärlicher Körperverletzung, sondern auch fahrlässiger Tötung dran.

McDübel
25.03.2012, 15:23
:-wand :-wand :-wand

Ich übernehme mal!!

Ich würde als Mutter diesen Voll-Bubi, der meiner (offensichtlich noch nicht volljährigen) Tochter Fahrradschläuche verpasst hat, aber sowas von anzeigen...kannste glauben!! Tss... :-keule

DrSkywalker
25.03.2012, 15:38
Du solltest dir dringend neue Freunde suchen, der Morbus Shadow wird ab und zu auch von Mensch zu Mensch übertragen....

Feuerblick
25.03.2012, 16:05
Nun... ich verlinke da mal zu einem Artikel (http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/klinikmanagement/article/804153/bodenseeklinik-visier-staatsanwaltschaft.html) in der Ärztezeitung... Dort hat ein ärztlicher Kollege, der aber anscheinend keine Approbation besaß, operative Eingriffe (und genau davon redet ja dein "Freund") durchgeführt. Die Staatsanwaltschaft findet das offensichtlich gar nicht gut :-)) Damit wäre dann auch die Frage beantwortet, wie das juristisch aussieht... :-wand
Sollte dein Freund also wirklich scharf aufs Operieren sein, wird er sich entweder bis zum Ende seines Studiums gedulden müssen oder es könnte sein, dass er NIE einen OP aus der Nähe sieht, weil er seine Approbation ganz sicher nicht bekommen wird. Einzige Ausnahme: Er führt die Eingriffe zu Lehrzwecken unter Aufsicht eines approbierten Arztes im Rahmen seines Studiums durch. Das aber scheint ja nicht sein Ziel zu sein, oder?

CalvinHobbes
25.03.2012, 16:24
Danke Leute! :)

Zünder
25.03.2012, 16:25
Ich frag mich warum Leute tatsächlich auf sowas antworten und die Moderation das nicht einfach dicht macht...*gefaelltmirnicht*

gnuff
25.03.2012, 16:39
Ich frag mich warum Leute tatsächlich auf sowas antworten und die Moderation das nicht einfach dicht macht...

wegen des Unterhaltungswertes! :-top

Feuerblick
25.03.2012, 16:48
Ich frag mich warum Leute tatsächlich auf sowas antworten und die Moderation das nicht einfach dicht macht...*gefaelltmirnicht*
Warum sollten wir? Auch eigentlich dumme Fragen kann man beantworten. Es könnte durchaus Laien geben, die sich genau diese Frage stellen und per Google hier im Forum landen. Wäre doch albern, wenn der Thread sofort geschlossen würde... :-meinung Es steht aber jedem frei, einen Thread NICHT zu lesen ;-)

Michael72
25.03.2012, 17:06
Welche nicht-invasiven und minimal-invasiven Eingriffe darf man in Deutschland ohne Approbation an einem anderen Menschen mit seiner Einwilligung durchführen?

(...)

Andererseits habe ich schon oft erlebt, dass in Praxen diese "Jobs mit der Spritze" oder zB Elektro-Lipolysen von "nur angelerntem" nicht-ärztlichen Personal übernommen wurden, die ja auch keine Approbation und, im Gegensatz zu meinem Kumpel, natürlich nicht das 1. Staatsexamen, in der Tasche haben.

Wie ist die juristische Grundlage?

Ich versuche mal eine ernsthafte Antwort, und die lautet ja, darf er und zwar alle. Selbstverständlich darf ein Medizinstudent all diese Tätigkeiten und noch viele andere mehr ohne Approbation durchführen. Dazu muss lediglich ein approbierter Arzt anwesend sein, der die Verantwortung übernimmt. Sonst wäre es ja unmöglich, auszubilden und niemand hätte im Studium jemals punktieren oder bei OPs assistieren dürfen.

Der juristische Clou ist ein anderer: jeder Eingriff ohne gültige Aufklärung ist Körperverletzung und Aufklärungen sind (auch wenn das in der Realität anders gehandhabt wird) nicht delegierbare ärztliche Aufgabe. Das wiederum bedeutet, das Dein Freund derartige Eingriffe nicht legal durchführen kann, wenn die behandelte Person nicht vorher durch einen approbierten Arzt aufgeklärt wurde.

WackenDoc
25.03.2012, 17:33
Die Tätigkeiten kann man im Rahmen von Famulaturen, Praktika und auch einer Anstellung bei einem approbierten Arzt machen.
Ist aber wahrscheinlich nicht so cool, als wenn man das komplett selber macht.

Coxy-Baby
25.03.2012, 20:50
Wieso denk ich bei solchen storys immer an ...

WackenDoc
25.03.2012, 20:57
Was ist aus dem eigentlich geworden?

Rico
25.03.2012, 21:09
Die Tätigkeiten kann man im Rahmen von Famulaturen, Praktika und auch einer Anstellung bei einem approbierten Arzt machen.
Ist aber wahrscheinlich nicht so cool, als wenn man das komplett selber macht.Pft... warum so kompliziert, dabei gibt es doch den üblichen Trick, wie man ohne jede Ahnung praktisch *alles* machen kann: Heilpraktiker!

Einfach die Zulassung als Heilpraktiker machen (die Prüfung (http://www.heilpraktiker-fragen.de/pruefungsfragen/framen.html) ist für nen klinischen Medizinstudenten mit sehr wenig Aufwand machbar), dann darf man alles quasi alles (außer den verbotenen Sache wie Impfung, Geburtshilfe, etc) machen was man will, denn man hat ja Therapiefreiheit. Bloß wenn was schief geht, dann sollte man aber irgendeine Form der Befähigung vorweisen können, sonst wird es problematisch, aber wer allen ernstes mal eben Autologe Stammzelltherapien machen will, der lässt sich von solchen Details nicht abhalten... Nur einen approbierten Narkotiseur bräuchte er halt noch, denn ohne Narkose ist eine Beckenkammpunktion... naja... etwas unangenehm. Zumindest für Wehleidige. Und leider sind Propofol und Lokalanästhestika verschreibungspflichtig und somit für Heilpraktiker nicht zur Verfügung..
Dann einfach nach der Approbation (so man sie denn je erhält nach den Harakiriaktionen) die Heilpraktikerzulassung zurückgeben und fertig ist die Laube.

Kackbratze
25.03.2012, 23:09
Habt ihr keine Haustiere? Da kann man viel besser üben und man umgeht so die Prozesse und Probleme.

Rico
25.03.2012, 23:26
Habt ihr keine Haustiere?Nicht mehr. Es gab Komplikationen.
Deshalb ja jetzt der Ansatz mit der Freundin...

Kackbratze
25.03.2012, 23:36
Also quasi wieder jemand, der im Schlafzimmer nächtigen darf.