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PsychoFan
04.05.2012, 10:50
Da sehe ich eher sprachliche und soziale Gründe, warum niemand nach Deutschland kommt.
Es ist doch ein großer Unterschied, ob man z.B. als Inder in ein englischsprachiges Land zieht und die Sprache schon (fast) auf Muttersprachenniveau kann oder ob man als Erwachsener im Falle Deutschlands noch mal bei Punkt null anfangen muß.
.

Oder direkter ausgedrückt: welcher Inder wird nach Deutschland kommen? Nur der, der nicht gut genug ist, in den USA, in Kanada oder in Großbritannien als Arzt zurechtzukommen. :)

gnuff
04.05.2012, 10:55
...Freier Markt, mit Möglichkeit von Haupt- oder Zusatzverdienst im privaten Sektor statt Zwangskassenmedizin für alle - das ist die Lösung.

Das gehört nicht unbedingt hierher, aber das ist totaler Käse! Medizin und freier Markt passen absolut nicht zusammen. Medizin braucht einen starken Staat, der regulierend eingreift und für gerechten Zugang zur medizinischen Vesorgung sorgt. Das ist selbstverständlich eine Illusion, aber die totale Freigabe ist eine Katastrophe, die nur dazu führt, dass diejenigen, die Kohle haben es sich leisten können versorgt werden, der Rest kann verfaulen. Bestes Beispiel sind hier die USA. Sag mir einen Privatisierungsvorgang in der Medizin, der wirkliche Verbesserung für die Patienten nach sich gezogen hat. Was in Deutschland eingestampft gehört ist dieses unsägliche System aus kassenärztlichen Vereinigungen und 300 Krankenkassen. Privatisierung löst diese Mafia nicht auf.

Kackbratze
04.05.2012, 11:20
Und rumms ist die Diskussion auf einer anderen Ebene.

Hauptproblem ist und bleibt der monetäre Anreiz, selbst schlechte Arbeitsbedingungen werden durch viel Geld sehr gut kompensiert (siehe USA) oder man sucht sich gleich ein Land, wo die Arbeitsbedingungen besser organisiert sind und dafür die Entlohnung nicht so hoch ist (Norwegen, Schweden).
Sprachinteressen/Neigungen sowie persönliche Interessen spielen da sicherlich auch mit hinein, aber am Ende bleibt doch das Geld oder die Freizeit als Wechselgrund übrig.

Und weder beim Geld noch bei den Arbeitsbedingungen liegt Deutschland vorne.

gnuff
04.05.2012, 12:24
...Hauptproblem ist und bleibt der monetäre ...

Unbestritten! Geld ist das einzig wahre Lockmittel... nur diejenigen die man angelockt hat kann man mit guten Arbeitsbedingungen zum Bleiben überreden.

PS: Ich glaube übrigens nicht, dass das schwedische Lohnniveau unter dem deutschen liegt... ich verdiene als FA im zweiten Jahr das, was ein TdL-OA im ersten Jahr bekäme... nur so am Rande...

Kackbratze
04.05.2012, 12:34
Das wollte ich nicht sagen, aber das Lohnniveau ist ähnlich bei wesentlich besserer Work/Life/Balance, oder?

gnuff
04.05.2012, 12:37
Das wollte ich nicht sagen, aber das Lohnniveau ist ähnlich bei wesentlich besserer Work/Life/Balance, oder?
OK, missverstanden...

Absolut richtig! Ich habe wesentlich mehr Zeit für meine Familie und ich habe darüberhinaus Zeit für Hobbies... auf Grund des o.g. Lohnniveaus sogar teure Hobbies ;-)

Muriel
04.05.2012, 12:47
Kostet die Elchjagd so viel? ;-)

LasseReinböng
04.05.2012, 12:52
Die meisten indischen Ärzte landen in den USA aber nicht in den gut bezahlten Spezialitäten sondern in Fächern wie Family Medicine, Pädiatrie usw. deren Einkommensniveau nicht über dem unsrigen liegt, die Top-Fächer sind für US graduates reserviert.

Und in Kanada fahren pakistanische, indische MDs eher Taxi als daß sie eine residency Stelle kriegen.

Zu dem Thema Ausweitung des Privatsektors ...der Hauptgrund für Privatinsolvenzen in den USA sind Arzt- und Krankenhausrechnungen, die nicht mehr bezahlt werden können.

Jaja, alles besser in der Neuen Welt -not !

gnuff
04.05.2012, 12:57
Kostet die Elchjagd so viel? ;-)

Wenn man mit Steinen nach den Viechern wirft nicht... ;-)

PsychoFan
04.05.2012, 13:03
Das gehört nicht unbedingt hierher, aber das ist totaler Käse! Medizin und freier Markt passen absolut nicht zusammen. Medizin braucht einen starken Staat, der regulierend eingreift und für gerechten Zugang zur medizinischen Vesorgung sorgt.

Für den Patienten mag es Katastrophe sein. Für den Arzt ist es aber besser, wenn es außerhalb der Kassenmedizin möglich ist, privat mit geringem Zeitaufwand noch das doppelte "Kassengehalt" dazuzuverdienen.

Tut mir leid, als Arzt ist mir die medizinische Versorgung der Gesellschaft recht egal. Wäre es anders, wäre ich z.B.Politiker oder Mutter Theresa geworden. Für mich zählt, mit meiner Arbeit mit sowenig Zeitaufwand soviel Geld wie möglich zu verdienen. Spätestens ab dem Facharzt ist dabei Deutschland nicht mehr konkurenzfähig.

Ich finde, dass das Thema einer angemessenen Vergütung durchaus hierher gehört. Es ist doch für diemeisten Menschen der Welt der Hauptgrund, weshalb sie überhaupt einer Arbeit nachgehen.

In ganz Osteuropa, in Asien, Afrika und Südamerika bietet der private Sektor den dortigen Ärzten die Möglichkeit ein angemessenes Lebensniveau zu halten, weit über dem dortigen Standard.

LasseReinböng
04.05.2012, 13:15
In ganz Osteuropa, in Asien, Afrika und Südamerika bietet der private Sektor den dortigen Ärzten die Möglichkeit ein angemessenes Lebensniveau zu halten, weit über dem dortigen Standard.

In Afrika braucht es hohe elektrisierte Zäune mit Stacheldraht und Wachpersonal, um das eigene Glück genießen zu können. Ich bewege mich lieber frei ohne Angst vor Gewaltverbrechen und Entführung der Kinder etc. pp.

LasseReinböng
04.05.2012, 13:16
doppelpost - blöder Chrome-Brauser.

Fr.Pelz
04.05.2012, 13:38
Für den Patienten mag es Katastrophe sein. Für den Arzt ist es aber besser, wenn es außerhalb der Kassenmedizin möglich ist, privat mit geringem Zeitaufwand noch das doppelte "Kassengehalt" dazuzuverdienen.

Tut mir leid, als Arzt ist mir die medizinische Versorgung der Gesellschaft recht egal. Wäre es anders, wäre ich z.B.Politiker oder Mutter Theresa geworden. Für mich zählt, mit meiner Arbeit mit sowenig Zeitaufwand soviel Geld wie möglich zu verdienen. Spätestens ab dem Facharzt ist dabei Deutschland nicht mehr konkurenzfähig.

Ich finde, dass das Thema einer angemessenen Vergütung durchaus hierher gehört. Es ist doch für diemeisten Menschen der Welt der Hauptgrund, weshalb sie überhaupt einer Arbeit nachgehen.

In ganz Osteuropa, in Asien, Afrika und Südamerika bietet der private Sektor den dortigen Ärzten die Möglichkeit ein angemessenes Lebensniveau zu halten, weit über dem dortigen Standard.

Ehrlich?
Ich wollte auch nie Mutter Theresa oder Politikerin werden, aber Ärztin um (ist mir egal wie naiv das klingt) um Menschen zu helfen. Wenn es mir ums Geld gegangen wäre, hätt ich BWL studiert und mich von McKinsey anstellen lassen.

PsychoFan
04.05.2012, 14:09
Ehrlich?
Ich wollte auch nie Mutter Theresa oder Politikerin werden, aber Ärztin um (ist mir egal wie naiv das klingt) um Menschen zu helfen. Wenn es mir ums Geld gegangen wäre, hätt ich BWL studiert und mich von McKinsey anstellen lassen.

Ehrlich.
Ich helfe auch gerne, deshalb bin ich schliesslich Arzt geworden. Die Hilfe sollte jedoch meiner Meinung nach angemessen vergütet werden.

gnuff
04.05.2012, 15:24
Ehrlich.
Ich helfe auch gerne, deshalb bin ich schliesslich Arzt geworden. Die Hilfe sollte jedoch meiner Meinung nach angemessen vergütet werden.

Angemessene Vergütung sollte eine Selbstverständlichkeit sein, nur muss ich dafür nicht auf die Patienten schei$$en und auf Privatwirtschaft pochen. Ich zum Beispiel fühle mich nicht wirklich unterbezahlt und ich arbeite in einem mehr oder weniger staatlichen Gesundheitssystem. Ärzte in England sind auch nicht unterbezahlt obwohl sie für den NHS arbeiten. Nicht jedes gesetzliche System muss so schlecht sein wie das deutsche...

hiddl
04.05.2012, 18:04
Angemessene Vergütung sollte eine Selbstverständlichkeit sein, nur muss ich dafür nicht auf die Patienten schei$$en und auf Privatwirtschaft pochen. Ich zum Beispiel fühle mich nicht wirklich unterbezahlt und ich arbeite in einem mehr oder weniger staatlichen Gesundheitssystem. Ärzte in England sind auch nicht unterbezahlt obwohl sie für den NHS arbeiten. Nicht jedes gesetzliche System muss so schlecht sein wie das deutsche...
Dem kann ich nur absolut zustimmen. Mein Schiegervater ist nach Norwegen ausgewandert, dort ist das Gesundheitssystem auch im wesentlichen staatlich und funktioniert definitiv besser als bei uns.
"Angebot und Nachfrage" ist einfach nicht das richtige System, wenn es um Kranke geht.

BTW, das mit dem "unterbezahlt" ist doch immer sehr relativ, je nach dem, mit wem man sich so vergleicht.
Eine Bekannte arbeitet beim Jugendamt, mit Uni-Abschluß, Familienbetreuung einschließlich der Frage nach Kindswohlgefährdung, hat auch eher nie pünktlich Feierabend, eine Verantwortung, die ich nicht haben möchte (da ist nicht viel mit Leitlinien) und verdient netto (alleinstehend) gerade mal gut 1800 Euro. Aufstiegschancen gleich null.

Thomas24
04.05.2012, 21:15
Ich finde, dass das Thema einer angemessenen Vergütung durchaus hierher gehört. Es ist doch für diemeisten Menschen der Welt der Hauptgrund, weshalb sie überhaupt einer Arbeit nachgehen.

In ganz Osteuropa, in Asien, Afrika und Südamerika bietet der private Sektor den dortigen Ärzten die Möglichkeit ein angemessenes Lebensniveau zu halten, weit über dem dortigen Standard.


Die Frage des "angemessenen Lebensniveaus" ist auch eine Betrachtungsfrage-
kein Kollege muss in D wirklich am Hungertuch nagen. Und ab einem Jahreseinkommen von +126 K Euro/Jahr (Brutto) gehört man, man glaube es oder nicht, tatsächlich zum bestverdienenden 1 % der erwerbstätigen Bevölkerung. Und das sind Bereiche, die man durchaus in seiner Karriere erreichen kann.

Klar, die subjektive Reichtumsgrenze fühlt sich anders an- und natürlich sind die Bedingungen hier aber weit davon entfernt, die Leistungshungrigen und Leistungsfähigen der Welt zu uns zu locken- ganz klar.

Und was Osteuropa, gewisse Gegenden Asiens, Afrikas und Südamerikas angeht- natürlich ist dort möglich, ein Lebensniveau weit über dem dortigen Standard zu führen, aber das liegt auch an der ausgeprägte Ungleichheit dieser Länder. Einem dt. Harz IV Empfänger geht es nach indischen Standards nicht schlecht- und in einigen Ecken Afrikas würde man sich zum reichen Stammesfürsten qualifizieren.
Mit einem monatlichen Einkommen von 1 Lakh Rupien (derzeit ca. 1.500 - 1.600 Euros) kann man sich derzeit in Indien, einen Fahrer, ein bis zwei Haushälterinnen und ein bis zwei Köche anstellen.

Kackbratze
04.05.2012, 23:15
Okay, hat hier jemand ein paar Adressen in Indien, wo deutsche Ärzte gesucht werden?

Thomas24
05.05.2012, 09:05
Kann ich dir bei Interesse gerne geben, aber ich habe Zweifel, dass Du in ein Land, in dem in weiten Teilen Toilettenpapier noch unbekannt ist, auswandern willst...
Dein neuestes Familienmitglied wäre vielleicht auch nicht happy (wegen der Strassen- und Verkehrszustände ist auf den "national highways" tagsüber maximal 80-100 km/h drin. Und nachts sollte man da nicht fahren, und innerstädtisch- man muss es einfach gesehen haben, um es zu glauben)...:-D

Peter_1
05.05.2012, 12:14
Es werden nicht viele sein, aber die Verwaltungen werden trotzdem mit ihnen argumentieren um die eigenen Verträge zu drücken.

Moin,

ich glaube wohl kaum dass angesichts des momentanen Stellenangebots hier wirklich irgendeine Form von Lohndumping erfolgreich betrieben werden kann. Diesbezügliche Ängste halte ich für übertrieben. Die Gründe sind hier ja schon angesprochen: 1. Deutschland ist kein gelobtes Land, die Sprachbarriere im Gegensatz zu vielen englischsprachigen Löndern nicht unerheblich. 2. Deutschland gilt immer noch nicht als Einwanderungsland. 3. es existieren nach wie vor einfach keine geregelten Programme zur sprachlichen und fachlichen Qualifizierung. Punkt 3. ist übrigens der Knackpunkt, eigentlich sollte es logisch sein, dass wenn man sich ausländische Ärzte holt, es logischerweise auch geregelt sein sollte, dass man sich um deren sprachliche und ggfs. fachliche Qualifizierung kümmert (siehe Skandinavien). Wenn man das aber so gar nicht macht, dann sollte man sich nicht beschweren wenn die Kollegen eben schlecht zurecht kommen und vor Allem sollte man es ihnen nicht anlasten.
Ich sag mal das "southparksche": "They took our jobs", greift hier (wie häufig) zu kurz.