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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : CT oder MRT?



Pünktchen
08.07.2003, 16:28
Hi :-)

ich hab da mal ne Frage, mir ist etwas nicht klar in der Diagnostik von einem Apoplex.

Da der Apoplex durch verschiedene Ursachen entstanden sein kann, brauche ich eine schnelle und effektive Diagnostik. nun hab ich in verschiedenen Büchern unterschiedliches gelesen und meinte auch, daß mein Neurologieseminarleiter was anderes gesagt hat...

Ok :-)

also was mach ich zu erst CT oder MRT und warum????

Also ich würde zuerst nen CT machen, um zusehen obs nen Infarkt oder ne Blutung oder nen Tumor ist. das möglichst innerhalb von 3 Stunden.
Aber manche Bücher schreiben sofort nen MRT machen! Wieso?
Das CT und das MRT kann nach einem Infarkt in den ersten 3-6 Stunden stumm sein und im MRT kann man Blutungen in frühen Stadien schlechter sehen...

Achja und noch ne dumme Frage zum schluß: CT mit oder ohne Kontrastmittel???


Gruß
Pünktchen :-)

FataMorgana
08.07.2003, 17:15
Hallo Pünktchen,

ich kann Dir nur aus meiner PJ- und Famulaturerfahrung berichten, was ich in mehreren KHs als Standardverfahren erlebt habe.

Zuerst macht man ein CT, um eine Blutung auszuschließen. In den meisten Fällen wird das CT ohne KM gemacht "CCT nativ", nur bei konkretem Tumorverdacht mit KM. Warum ein CT? Man kann damit eine Blutung sicherer ausschließen als mit dem MRT, es ist billiger, geht schneller und ist in den meisten KHs schneller und rund um die Uhr verfügbar.

Ob man dann im Verlauf eine weitere Bildgebung macht und ob dies CT oder MRT ist, hängt sehr vom klinischen Verlauf im Einzelfall ab. Hier wird man aber sicherlich häufiger ein MRT machen als in der Notfallsituation (es ist schließlich etwas sensitiver, die Bilder sind schöner und ein bisschen aussagekräftiger, man erfasst auch seltenere Diagnosen wie Entzündungsprozesse sicherer usw.).

Wenn Du in einem Buch liest, man solle gleich ein MRT machen, dort aber keine Begründung steht, würde ich mich dadurch nicht überzeugen lassen. Wenn Geld keine Rolle spielt und das MRT in gleicher Weise verfügbar ist wie das CT, dann kann man sich natürlich überlegen, sofort ein MRT zu machen. Dies halte ich in den meisten KHs aber (noch?) für Fiktion.

Pünktchen
08.07.2003, 17:58
huhu :-)

danke ...

mir ist grade eingefallen warum ich darauf komme...
hier in Rostock ist die Neurologie von der Chirurgie ca 20 minuten Autofahrt entfernt...die chirugie inkl. Neurochirurgie hat CT und MRT und die neurologie nur CT, aber ne Stroke unit...wie sinnig (?)...naja und ich konnte mich erinnern, daß unser Neurologieseminarleiter gesagt hat... die Patienten gehen primär in die Chirurgie..weil dort nen MRT steht...nun weiß ich wider warum.... das MRT braucht man zur weiteren Diagnostik und die Neurochirurgie ist dann auch gleich da. *versteh*

und ich denke in der Dualen Reihe Neurologie steht, daß man ein MRT zuerst macht...ich hab leider nur den Poeck/Hacke, da steht CT zuerst!!!



Gruß
Pünktchen

lala
08.07.2003, 19:32
Huhu Punkt,

also wir machen zunächst - im akuten Notfall- ein CCT, ganz klar um die Blutung auszuschließen. Manchmal sieht man schon nach 6h Infarktfrühzeichen, in der Regel erst später im CT.
Normal ohne KM, aber wenn eine potentielle Indikation zur Lyse besteht (Mediastromgebiet Zeitfenster ca 3 Stunden, intraarteriell auch schon mal großzügiger, vertebrobasilär sowieso großzügiger bei Basilaristhrombose wegen schlechter Prognose..) immer MIT KM als Angio-CT (will ja wissen was die Media so macht bzw. die Basilaris..Doppler gehört natürlich immer dazu, aber wenn man kein Knochenfenster hat ist es immer schön das Angio-CT zu haben.).
Dann ggf. auch noch Perfusions-CT um das Perfusionsdefizit (den potentiellen Infarkt) einschätzen zu können (Kern und Penumbra des Infarkts sozusagen).
Das MRT macht in der Akutphase gar keinen Sinn, da der Infarkt in seiner Ausdehnung noch nicht einzuschätzen ist, später schon da man dann in der EPI-Sequenz die Diffusionsstörung als Hinweis auf die frische Ischämie sieht. Schön ist dann auch `ne MR-Angiographie direkt dazu um intrakraniell nach Stenosen zu suchen (wie gesagt manchmal hat man im Doppler kein Knochenfenster...).
Aber nicht jeder muß zur weiteren Diagnostik ein MRT haben, zur Verlaufskontrolle reichen auch CCT -dann ggf. mit KM um die Schrankenstörung beurteilen zu können...

So ist es bei uns jedenfalls (und wir machen viele Lysen obwohl noch keine offizielle Stroke-Unit...),

Liebe Grüße,

doclala

hobbes
11.07.2003, 23:21
Als Erstdiagnostik soll ein CT gemacht werden.

:-meinung

hiddl
12.07.2003, 13:29
Also, im Prinzip ist es schon, wie Doclala sagt: CT um zu unterscheiden, ob Blutung oder nicht.
Der Rest hängt wohl auch einfach von der Infrastruktur des Hauses ab. Bei einer möglichen Indikation zur Lyse gibt's bei uns gleich MRT, mit Perfusions- und Diffusionsdarstellungen. Mismatch zwischem beidem => Lyse (mal vereinfacht dargestellt).
Solche jederzeit verfügbaren MRTs gibt's aber nicht besonders oft, insofern ist CT ja auch nicht falsch.
Grüße, Ute

lala
12.07.2003, 16:27
Hallo Ute!

Das interessiert mich jetzt mal, ihr könt wirklich bei Lyse-Indikation JEDERZEIT ein MRT bekommen? Tag und Nacht?? Wo arbeitest Du?
Für die Lyse reicht uns eigentlich das CT (wie schon erwähnt möglichst mit Spirale und Perfusion) und der Doppler.
Wenn ich keine Infraktfrühzeichen habe und im Doppler die Media zu ist verzichte ich auch auf Perfusion (kriegen eh nicht alle Radiologen gebacken...).
Und wie lange dauert das MRT, mit Perfusion und EPI doch ziemlich lange oder? Da ist man schnell auch wieder aus dem Zeitfenster draußen ;-)

timokaan
24.09.2005, 13:02
Wobei die Beurteilung ja im MRT wirklich einfacher ist, was frische Ischämien angeht (Diffusionswichtung).

Bei uns wird auch überlegt, ob der Regeldienst (Tagsüber) n MRT-Standby bekommt. Weniger wegen der Lysen, sondern einfach auch aus Kostengründen. Vielfach legen wir noch ein 2. CT nach am nächsten Tag und es kommt kjostentechnisch dann schon wieder aufs gleiche raus.

Nachts n MRT... *träum*
Kann schon froh sein, meine CT's nachs von der Praxis zu bekommen...