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Keenacat
18.05.2012, 20:35
Besonders schön war auch folgende Situation auf unserer Intensiv: Geliebte gibt sich als Lebenspartnerin aus und lässt ihre Telefonnummer da, sie ist also unsere Ansprechpartnerin. Kurz darauf erscheint eine weitere Dame - die Ehefrau des Patienten (dieser intubiert) ... das war keine schöne Situation, weil die Ehefrau auch komisch guckt, da einige bei ihrem Erscheinen stutzten.

Au weia, der Horror! :-oopss

wjsl
19.05.2012, 00:37
So was hab ich sogar auch schonmal erlebt; der Patient hatte zuvor zwar geleugnet, jene Person zu kennen, allerdings war der sowieso im Delir und kannte auch seine Frau nicht mehr; so dass dort alle wirklich ein Problem hatten, weil sie nicht mehr wussten wen sie informieren oder ansprechen sollten...und ob die eine überhaupt seine Frau war. Persönliche Anwesenheit allein bringt die Lösung zugegebenermaßen doch nicht in jedem Fall...

Flauscheding
19.05.2012, 06:43
In vielen Kliniken werden bei Aufnahme Kontaktperonen abgefragt mit Name, Familienstand und Telefonnummer. Wie sieht das denn mit denen aus? Bedeutet das zeitgleich, dass diese Personen Auskunft erteilt bekommen können (wird das bei den Pat. gleich abgefragt?) ?
Ich muß sagen, ich hab das im letzten Jahr selber mitgemacht - von Patientenseite. Ich steh auch in der Patientenverfügung und darf alles wissen, aber das kam dann irgendwann später erst beim behandelnden Doc an. Zum Glück waren sie alle sehr kulant und haben mir Auskunft erteilt (am Tel), als ich das sagte (ich hätte ihnen natürlich auch was vom Pferd erzählen können). Und es ist schon schwer, zu Sprechzeiten dort aufzukreuzen, wenn man selbst weiter weg ist und man selbst arbeiten muß.
Und nur weil man nicht 3-4x/Woche dort auftaucht, heißt es ja nicht, dass weniger Sorge besteht.
Ist schon ein Spagat, den man machen muß. Auch und gerade als behandelnder Arzt.

Leelaacoo
19.05.2012, 08:44
In vielen Kliniken werden bei Aufnahme Kontaktperonen abgefragt mit Name, Familienstand und Telefonnummer. Wie sieht das denn mit denen aus? Bedeutet das zeitgleich, dass diese Personen Auskunft erteilt bekommen können (wird das bei den Pat. gleich abgefragt?) ?
Ich muß sagen, ich hab das im letzten Jahr selber mitgemacht - von Patientenseite. Ich steh auch in der Patientenverfügung und darf alles wissen, aber das kam dann irgendwann später erst beim behandelnden Doc an. Zum Glück waren sie alle sehr kulant und haben mir Auskunft erteilt (am Tel), als ich das sagte (ich hätte ihnen natürlich auch was vom Pferd erzählen können). Und es ist schon schwer, zu Sprechzeiten dort aufzukreuzen, wenn man selbst weiter weg ist und man selbst arbeiten muß.
Und nur weil man nicht 3-4x/Woche dort auftaucht, heißt es ja nicht, dass weniger Sorge besteht.
Ist schon ein Spagat, den man machen muß. Auch und gerade als behandelnder Arzt.

Es werden eben Daten desjenigen aufgenommen, welcher/welche gerade greifbar ist (gerade in der Aufnahmesitutaion). Stellt sich später heraus, dass die Informationskette anders laufen soll, wird es eben geändert...
Aber genau die Erfahrung, die du gemacht hast, zeigt doch genau das, was ich meinte: Realität ist nicht gleich Ideal oder gar rechtlich immer abgesichert. Und wir sind ja alle Menschen und zumindest den Nicht-Autisten unter uns traue ich es auch zu, zumindest ein Gefühl dafür zu haben, wie eine Person drauf ist, ob sie/er sich einfach Sorgen macht und mit wenigen Worten zu beruhigen/ zu informieren ist, auch am Telefon, oder ob man komplett abblockt. Ich habe auch kein Problem mit Konfrontationen (weil auch OA und CA dahinter stehen), wenn z.B. "Brüder" aggressiv auftreten und alles wissen wollen, weil die "Schwester" sich nicht mehr zu helfen wusste und Pillen geschluckt hat...da wurde auch schon randaliert bei uns und die netten Jungs und Mädels in Blau durften anrücken...

LG Lee

Flauscheding
19.05.2012, 09:09
Aber genau die Erfahrung, die du gemacht hast, zeigt doch genau das, was ich meinte: Realität ist nicht gleich Ideal oder gar rechtlich immer abgesichert. Und wir sind ja alle Menschen und zumindest den Nicht-Autisten unter uns traue ich es auch zu, zumindest ein Gefühl dafür zu haben, wie eine Person drauf ist, ob sie/er sich einfach Sorgen macht und mit wenigen Worten zu beruhigen/ zu informieren ist, auch am Telefon, oder ob man komplett abblockt.

Ja eben, zumal bei uns die besondere Situation bestand, dass der Lebensgefährte zwar täglich da war, die Infos aber nicht weitergegeben hat und auch alles miteinander vermischt hat. Der Pat. selbst wußte zu kaum einem Zeitpunkt was warum wie gemacht wurde und was eigentlich los war, trotz Vollbesitz der geistigen Kräfte. Dazu dann noch recht depressiv und passiv, so dass ich durchaus auch mit dem behandelnden Arzt sprechen mußte, um auch zu evaluieren, ob man nicht auch bitteschön die Depression mitbehandeln sollte. Und da gings schon um ne größere Sache, die insgesamt fast 3 Monate Klinikaufenthalt inkl. Reha mit sich brachte. Gerade manche Infos, die auch für den Bahndler wichtig waren, wurden vom Pat. nicht gesagt, so dass im Endeffekt sowohl ich als Angehörige, als auch der Arzt profitiert haben.
Ich fand diese Erfahrung allerdings mehr als erschreckend. Zum einen, weil ich innerlich nur gedacht habe "was machen die eigentlich für einen großen Sche*** (und ich hatte im Endeffekt auch Recht, weil meine Verdachtsdiagnose 6 Monate später doch bestätigt wurde), zum anderen weil ich viele Infos einfach so am Telefon bekommen habe (ich war ja froh, aber mit Schweigepflicht hat hatte das zu diesem Zeitpunkt recht wenig zu tun).

Brutus
19.05.2012, 09:58
Besonders schön war auch folgende Situation auf unserer Intensiv: Geliebte gibt sich als Lebenspartnerin aus und lässt ihre Telefonnummer da, sie ist also unsere Ansprechpartnerin. Kurz darauf erscheint eine weitere Dame - die Ehefrau des Patienten (dieser intubiert) ... das war keine schöne Situation, weil die Ehefrau auch komisch guckt, da einige bei ihrem Erscheinen stutzten.
^^ :-)) Kenn ich irgendwoher! :-))
Das gipfelte bei uns dann damit, dass die Ehefrau quasi der Geliebten ein Besuchsverbot ausgesprochen hat. Den Kindern war das alles ziemlich peinlich. Der Patient schwieg. Gut, kann am Schnudel gelegen haben, oder am Propofol. :-))
Als er dann irgendwann wieder wach war, drehte sich die Situation leicht! Die Ehefrau soll "bleiben wo der Pfeffer wächst", die Kinder und die "neue" Lebensabschnittsgefährtin dürfen weiterhin zu ihm kommen... :-))

Kackbratze
19.05.2012, 22:59
Immerhin keine postmortalen Vaterschaftstests. Das wurde mal von mir "gewünscht", ich habe dann freundlich auf den Staatsanwalt verwiesen...

wjsl
20.05.2012, 00:05
Besteht heute nicht die Möglichkeit, einfach eine Haarprobe oder ähnliches zu nehmen und selbst einzuschicken? Wofür brauchen die da den behandelnden Arzt?

Angehörigendaten können bei notfallmäßigen Aufnahmen nicht unbedingt aufgenommen werden, da ist eben eine Lücke da, die sich so wohl auch nie wirklich schließen lassen wird(es sei denn man will mit der Datenspeicherung in Ausweisen etc. noch weiter gehen). Aber ich denke, dass Doppelleben irgendwann sowieso auffliegen würden.

Coxy-Baby
20.05.2012, 08:07
Besteht heute nicht die Möglichkeit, einfach eine Haarprobe oder ähnliches zu nehmen und selbst einzuschicken? Wofür brauchen die da den behandelnden Arzt...

Sag mal meinst du das ernst? In den meisten Fällen ist ja mit einem Vaterschaftstest doch etwas mehr verbunden als nur mal so eben für das Seelenheil der Mutter festzustellen wer es war, sondern da geht es auch um Unterhalt etc. und diese Beweise sollten vielleicht auf nicht so tönernen Füssen wie anonyme Haareinsendung bestehen.

Flauscheding
20.05.2012, 08:14
Angehörigendaten können bei notfallmäßigen Aufnahmen nicht unbedingt aufgenommen werden, da ist eben eine Lücke da, die sich so wohl auch nie wirklich schließen lassen wird(es sei denn man will mit der Datenspeicherung in Ausweisen etc. noch weiter gehen). Aber ich denke, dass Doppelleben irgendwann sowieso auffliegen würden.


Sag mal, liest du die Posts auch, bevor du drauf antwortest? :-wand
Es war nie die Rede von notfallmäßigen Aufnahmen. Dass der Doc da nicht erstmal genau nachfragt, wen er informieren darf, wie die Namen und Kontaktdaten der nächsten Angehörigen ist, sollte wohl ohne dezidiertes aussprechen dieses Szenarios klar sein ... ("einen Moment bitte, bevor ich anfange zu reanimieren, muß ich bitte erstmal wissen, wen ich im Falle eines Falles benachrichtigen darf").
Manchmal frag ich mich echt ...:-keule

habichnicht
20.05.2012, 08:23
Angehörigendaten können bei notfallmäßigen Aufnahmen nicht unbedingt aufgenommen werden, da ist eben eine Lücke da, die sich so wohl auch nie wirklich schließen lassen wird (es sei denn man will mit der Datenspeicherung in Ausweisen etc. noch weiter gehen). Wenn man eine Patientenverfügung erstellt und/oder eine Vorsorgevollmacht erteilt hat, kann man diese im Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer registrieren lassen. Dort werden nicht die Schriftstücke (auch keine Kopien) hinterlegt, sondern nur die Namen und Anschriften eventueller Bevollmächtigter. Wird nun ein nicht ansprechbarer Patient aufgenommen, dessen Angehörige nicht bekannt und auf andere Weise nicht zu ermitteln sind, können Verwaltungen via Gericht beim Vorsorgeregister nachfragen, wer als Ansprechpartner für Ärzte und Verwaltung infrage kommt. Das kann ziemlich schnell gehen, da man vom Vorsorgeregister für die Brieftasche eine Karte im Kreditkartenformat bekommt, auf der steht, dass das Krankenhaus (via Gericht) von denen Namen und Anschriften der Ansprechpartner für Gesundheitsfragen erfahren kann.

MissGarfield83
20.05.2012, 09:54
Besteht heute nicht die Möglichkeit, einfach eine Haarprobe oder ähnliches zu nehmen und selbst einzuschicken? Wofür brauchen die da den behandelnden Arzt?

Angehörigendaten können bei notfallmäßigen Aufnahmen nicht unbedingt aufgenommen werden, da ist eben eine Lücke da, die sich so wohl auch nie wirklich schließen lassen wird(es sei denn man will mit der Datenspeicherung in Ausweisen etc. noch weiter gehen). Aber ich denke, dass Doppelleben irgendwann sowieso auffliegen würden.

Manchmal fragt man sich ob du in Rechtsmed überhaupt aufgepasst hast... private Tests sind mittlerweile ohne Einwilligung beider zu Testenden bzw eines Erziehungsberechtigten und des potentiellen Vaters / der potentiellen Mutter schlichtweg verboten! Mal vom Beweisaspekt überhaupt abgesehen ...

Anonymos
18.03.2014, 09:41
(...)
Infos gibts für Richter...
(...)

Dazu ein wichtiger Hinweis:

Und dafür reicht es zu behaupten man wäre Richter(in)?
Oder reicht es, wenn dies in irgendeiner Weise belegt ist, oder der Arzt den Richter schon kennt?
Die angezeigte Rufnummer (schnell gegooglet) eindeutig vom Gericht ist?
Auch die Rufnummer kann JEDER fälschen: http://de.wikipedia.org/wiki/Call_ID_Spoofing
Dafür gibt es extra Dienste aus den USA.


Auch wenn es eindeutig Richter sind, wird es zum Prozess (gegen Beide) kommen:
http://www.dorkawings.de/2011/12/auskunftsfreudige-arzte/


Und dann fand ich noch diesen Kommentar:



Ein flüchtiger Bekannter von mir wurde ebenfalls in einen Strafprozess gezogen (ist inzwischen freigesprochen worden) und war wegen schweren Asthma in der Klinik.

Da hat die Richterin kurzerhand im KKH angerufen und den Arzt ausgequetscht. Da der Arzt angab, dass die Situation nicht akut sei, hat sie Haftbefehl erlassen.

Gegen beide läuft jetzt ein Ermittlungsverfahren (Bruch der Schweigepflicht beim Arzt sowie Amtsmissbrauch bei der Richterin) (...).
(...)
( http://www.shortnews.de/id/1080983/massenabmahner-thomas-urmann-laesst-gerichtsprozess-platzen-update ).


Hier reichte schon die Auskunft, "dass die Situation nicht akut sei" für einen Prozess gegen Beide.