Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Obduktion - Teilnahme zwingend?
Naja, im Studium bringt einem die Obduktion vielleicht jetzt nicht sooo viel. Aber ich muss gestehen, dass ich mir mehrere Sektionen im Laufe meiner Intensivzeit angesehen habe. DAS war schon interessant. Denn da kamen z.T. ganz andere Todesursachen bei rum als wir dachten. Organe rausreißen ist ja nicht alles. Unser Pathologe hat uns eine wirklich gute Demonstration dabei gemacht... Alles eine Frage der Motivation! :-)
Mondschein
24.07.2012, 00:17
Das stimmt. Und dazu nehm ich auch (freiwillig) die PJ-Studenten/Famulanten etc. mit. Denn wenn man den Fall kennt, ist es wirklich spannend!
Rechtsmedizin/Patho: Bei beidem war bei uns die Teilnahme an der Sektion in Kleingruppen freiwillig, aber lehrreich und der Großteil ist da auch hingegangen. Leichen waren aber in beiden Fächern auch während der Vorlesung die Regel, gerne auch mit Vorkommen einzelner Studenten (das dann meist auf Freiwilligenbasis). Find ich auch - grad für Leichenschau-lernen (und das macht man ja auf Station doch oft) - wichtig, gruselig find ichs nicht! Man gewöhnt sich dran, aber einen gewissen Respekt vor Toten hab ich und den möcht ich auch nicht verlieren.
Meridion
24.07.2012, 01:32
Das stimmt. Und dazu nehm ich auch (freiwillig) die PJ-Studenten/Famulanten etc. mit. Denn wenn man den Fall kennt, ist es wirklich spannend!
Rechtsmedizin/Patho: Bei beidem war bei uns die Teilnahme an der Sektion in Kleingruppen freiwillig, aber lehrreich und der Großteil ist da auch hingegangen. Leichen waren aber in beiden Fächern auch während der Vorlesung die Regel, gerne auch mit Vorkommen einzelner Studenten (das dann meist auf Freiwilligenbasis). Find ich auch - grad für Leichenschau-lernen (und das macht man ja auf Station doch oft) - wichtig, gruselig find ichs nicht! Man gewöhnt sich dran, aber einen gewissen Respekt vor Toten hab ich und den möcht ich auch nicht verlieren.
Welchen Umfang hatte das denn bitte bei euch im Studium?
Ich erinnere mich an das Modul, das ging 3 Vormittage von Montag bis Mittwoch in denen der kleinste Teil Todesursachen/Liegezeiten/Rechtsmedizinische Zeichen-Kram und der weitaus größte Teil Medizin und Arztrecht war und Donnerstag und Freitag waren Verkehrsmedizin, das hatte ja dann eh nix mehr mit Leiche zu tun. Was bei mir hängen geblieben ist sind einige widerliche Bilder von ermordeten Menschen...
...Ich war froh als der Donnerstag erreicht war und ich mir Sachen wie Einschränkungen der Fahrtauglichkeit, Gründe für falsch-positive und falsch-negative Drogenscreenings etc. anhören konnte. Das brauch ich für meinen jetzigen Alltag jeden Tag, dass jemand auf Station ermordet wurde ist irgendwie noch nicht vorgekommen.
Patho ist was anderes, ich glaube da kann man wenn man auf Menschen ausräumen steht wirklich was über Krankheiten lernen... Hab ich mir auch so viel eben ging geschenkt, das hab ich im Gegensatz zu Rechtsmedizin aber dann doch in der Prüfung gemerkt.
M
Was bei mir hängen geblieben ist sind einige widerliche Bilder von ermordeten Menschen...
...Ich war froh als der Donnerstag erreicht war und ich mir Sachen wie Einschränkungen der Fahrtauglichkeit, Gründe für falsch-positive und falsch-negative Drogenscreenings etc. anhören konnte. Das brauch ich für meinen jetzigen Alltag jeden Tag, dass jemand auf Station ermordet wurde ist irgendwie noch nicht vorgekommen.
Dann solltest Du nur tunlichst immer in der Klinik bleiben! Solltest Du nämlich mal mit dem feuerroten Spielmobil durch Deutschlands Straßen fahren, dann könnten so unschöne Sachen wie ermordete Menschen (die müssen übrigens mitnichten widerlich aussehen), seit mehreren Wochen / Monaten vor sich hin schimmelnde Leichen, Wasserleichen, in Autos total deformierte Körper (tot und (noch) lebendig) und tote Kinder vorkommen... Und auch DAS ist Alltag!
Schon der Geruch in den Kellern der Rechtsmedizin. Kotz. Allein das würde mich davon abhalten. In Hamburg ist die selbst durchgeführte Leichenschau auch Pflicht. Am schönsten fand ich den Moment, als man auf den Thorax drücken sollte, um die ausströmende Luft mit dem scharfen Geruchssinn auf abnormales zu kontrollieren. Hab nur so getan als ob, sonst hätte ich darübergekotzt...
WackenDoc
24.07.2012, 14:12
Auf die Gefäßchirurgie solltest du dann auch nicht. Und dein Herz sollte auch nicht unbedingt für die Diabetologie schlagen.
Fäulnis ist KEIN sicheres Todeszeichen.
StellaMaris
24.07.2012, 15:41
Auf die Gefäßchirurgie solltest du dann auch nicht. Und dein Herz sollte auch nicht unbedingt für die Diabetologie schlagen.
Fäulnis ist KEIN sicheres Todeszeichen.
Oh ja, diabetische Ulcera verbreiten mitunter auch betörende Geruchsnoten. Oder septische Wunden (ich erinnere mich da noch lebhaft an eine Stumpfinfektion, die ich als Krankenpflegeschülerin mal verbunden hab).
Aber die Gerüche während der Rechtsmedizinfamulatur waren schon noch mal 'ne Spur extremer. Wobei die Gerüche allein noch zu verkraften waren, wenn man tapfer durch den Mund geatmet hat. Schlimmer war es, wenn dann noch wimmelnde Tierchen aus dem Körperinneren dazukamen oder man beim Ausschöpfen des Mageninhaltes noch en detail die letzte Mahlzeit erkennen konnte (ich habe wochenlang einen Bogen um Reisgerichte gemacht).
Trotzdem fand ich die Obduktionen immer sehr spannend, zum Berufsalltag würde ich es allerdings nicht machen wollen.
Leichenschau war bei uns glaub ich Pflicht, war allerdings im Spätherbst/Winter und die Leiche noch relativ frisch, also war da die Geruchsbelästigung nicht so extrem hoch.
In Patho hatten wir manchmal Kurse mit Leichen, wenn die da grad irgendwas interessantes und zeigenswertes hatten.
Meridion
24.07.2012, 16:52
Auf die Gefäßchirurgie solltest du dann auch nicht. Und dein Herz sollte auch nicht unbedingt für die Diabetologie schlagen.
Fäulnis ist KEIN sicheres Todeszeichen.
Mein Herz schlägt für überhaupt nix widerliches. Ich bin auch in jedem Dienst angewidert von den Alkis die einem um halb drei entgegenwanken und deren Geruch das Dienstzimmer schon penetriert während sie sich noch gröhlend durch die Flügeltür arbeiten.
Aber es hilft halt nix. Ich bin auch nicht aus Zucker, aber dass man solche Widerlichkeiten mit freudigem Blick empfängt als wäre es eine Erdbeertorte, so ein guter Schauspieler bin ich nun auch wieder nicht.
Ansonsten ist Psychiatrie ein eher ekelferneres Fach... zumindest wenn man es mit madenzerfressenen Leichen, septischen Bäuchen und superinfizierten Ulcera vergleicht...
M
EDIT: Und Rettung bin ich vor dem Studium jahrelang gefahren. Danke, verzichte, ich stell mir mein Leben geruhsamer und familienkompatibler vor... ;)
Mondschein
24.07.2012, 23:27
Welchen Umfang hatte das denn bitte bei euch im Studium?
.....Ich war froh als der Donnerstag erreicht war und ich mir Sachen wie Einschränkungen der Fahrtauglichkeit, Gründe für falsch-positive und falsch-negative Drogenscreenings etc. anhören konnte. Das brauch ich für meinen jetzigen Alltag jeden Tag, dass jemand auf Station ermordet wurde ist irgendwie noch nicht vorgekommen.
M
Hm, anscheinend war das bei uns tatsächlich etwas umfangreicher. Haben einen etwas skurilen Rechtsmed.-Prof. Der hat quasi immer, wenns einen "interessanten" Fall gab - egal, was ansonsten das Thema war, also auch wenn wir grad Drogen oder Gesetze gemacht haben - die ersten zehn Minuten mit einer kurzen Leichenschau verbracht. Live in der Vorlesung. Und danach gings dann mit dem Vorlesungs-Thema weiter. Aber wens gestört hat, der hat sich etwas weiter hinter gesetzt und die, die vorgegangen sind, haben das freiwillig gemacht, also Angst muss man davor nicht haben!
PS: Ich hoffe nicht, dass auf meiner Station schon mal jemand ermordet wurde. Aber eine Leichenschau mit sicheren Todeszeichen etc (es haben sich durchaus schon laut Pflege "Verstorbene" als lebendige Patienten entpuppt in Diensten!) sollte man in der Inneren beherrschen und braucht die wahrscheinlich auch häufiger als in der Psychiatrie. Und bei uns lernt man die in Rechtsmed., nicht in Patho. Aber ist vielleicht uniabhängig.
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