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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : In welchem Fach die wenigste Bürokratie



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netfinder
20.07.2012, 21:34
Musst du deine Briefe noch korrigieren???? Also ich hab dafuer nen PJler, die muessen sich ja auch nuetzlich machen.

LasseReinböng
20.07.2012, 21:58
Das Extrem habe ich in der Neurologie erlebt, wo 3 Seiten im Arztbrief die Untergrenze waren...die reinsten Romane. In der Inneren wurde auch recht viel geschrieben. Dagegen wars in der Chirurgie wirklich vergleichsweise entspannt, selbst die persischen Kollegen FOB haben die Arztbriefe nach kurzer Zeit gut hinbekommen.

"Aufnahme von Hänschen Klein zur elektiven Zirkumzision. OP komplikationslos, zügiger Kostaufbau, reizlose Wundverhältnisse etc. pp. Hochachtungsvoll, Dr. Doolittle"

Kackbratze
20.07.2012, 22:00
Sowas machen Urologen. Aus persönlichen Gründen möchte ich auf die Trennung zwischen diesen Fachdiziplinen hinweisen...

Meridion
20.07.2012, 23:01
Hm, ich frag mich eher manchmal, warum schreiben so verdammt unbeliebt ist.

Ich persönlich hab gegen die Zeit nachmittags, wenn ich mich mit dem Kaffee hinsetze und dokumentiere und den Tag "ausklingen" lasse gar nix. Und die Quote ist immer noch locker 60 zu 40, also 60% Patientenkontakt irgendwelcher Art und 40% Dokumentation. Und das in der Psychiatrie mit externen Gutachten, PsychKG/UBG, BGB inkl. Richterbesuchen... Aus meiner Zeit im PJ in der Inneren kann ich mich auch erinnern, dass Briefeschreiben erst so gegen 15 Uhr abwärts losging, davor war Patiententime. Ganz ohne schreiben kommt halt kein Beruf aus...

Ansonsten kann ich mich anschließen, von denen die Tod und Verderbnis gerufen haben im Studium von wegen "ich will bloss keine 20 Minuten am Tag mit Dokumentation zubringen, ich bin schliesslich Arzt/in" sind die meisten in die Anästhesie.

M

Kackbratze
20.07.2012, 23:11
Ich diktiere meine Briefe so gegen 9:00, also wenn die Verbände und die akuten Probleme durch sind.
Dann sind die Entlassungen für den aktuellen Tag so gegen 11 fertig geschrieben (also dann, wenn die Labore auch sicher fertig sind), die Briefe für den Folgetag/WE/Irgendwann sind auch sicher fertig.
Die Zeit ist dann parallel mit Tee/Kaffee und Hausarztgesrpächen gefüllt und danach kommen dann die endgültigen Entlassungen und Neuaufnahmen dran.
Diktate können nervig sein, wenn man den Patienten garnicht kennt (am WE aufgenommen und Montag Entlassung), aber in den meisten Fällen hab ich den Brief schon beim Aktenöffnen im Kopf und diktiere den bloss runter.
Bürokratie nervt, aber ein Entlassungsbrief zählt nicht zur Bürokratie, sondern zu einem normalen Verlauf. :-meinung

Meine seltenen Korrekturrückläufer im Vgl zu Kollegen geben mir Recht...

Meridion
21.07.2012, 00:06
Ich diktiere meine Briefe so gegen 9:00, also wenn die Verbände und die akuten Probleme durch sind.
Dann sind die Entlassungen für den aktuellen Tag so gegen 11 fertig geschrieben (also dann, wenn die Labore auch sicher fertig sind), die Briefe für den Folgetag/WE/Irgendwann sind auch sicher fertig.
Die Zeit ist dann parallel mit Tee/Kaffee und Hausarztgesrpächen gefüllt und danach kommen dann die endgültigen Entlassungen und Neuaufnahmen dran.
Diktate können nervig sein, wenn man den Patienten garnicht kennt (am WE aufgenommen und Montag Entlassung), aber in den meisten Fällen hab ich den Brief schon beim Aktenöffnen im Kopf und diktiere den bloss runter.
Bürokratie nervt, aber ein Entlassungsbrief zählt nicht zur Bürokratie, sondern zu einem normalen Verlauf. :-meinung

Meine seltenen Korrekturrückläufer im Vgl zu Kollegen geben mir Recht...

Also da geb ich Dir nun auch wirklich recht: Briefe sind das wenigste. Da werden 2 Wochen Therapieversuch zu 2 Zeilen Epikrise.
Wirklich nervig sind doch MDK Prüfungen mit folgendem "Kasse bezahlt die letzten 4 Wochen nicht weil am Medikament nichts mehr geändert wurde" und Zettel vom OA drauf: "Bitte Stellungnahme". <- Das nervt wirklich!

M

Kackbratze
21.07.2012, 11:21
Genau, nicht die Korrekturrückläufer, sondern MDK, Versicherungen und Sozialämter können mit ihren Anfragen und Stellungsnahmen einem echt den Tag ruinieren.

...und Patienten, die ihre Versicherungsformulare einfach abkippen ohne sie zu lesen...

Leelaacoo
21.07.2012, 11:53
Also da geb ich Dir nun auch wirklich recht: Briefe sind das wenigste. Da werden 2 Wochen Therapieversuch zu 2 Zeilen Epikrise.


M

Jup...2 Wochen am Pat. rumgebastelt, das liest sich dann "Komplizierter Weaningverlauf, die respiratorbedinge Pneumonie wurde antibiogrammgerecht therapiert, ein Spontanpneumothorax mittels Drainage erfolgreich behandelt. Erfolgreiche Extubation am...., wir verlegen den Pat. nun zur weiteren Therapie zu Ihnen." ...was da an Blut und Wasser geschwitzt wurde muss jetzt auch keinen interessieren...liest eh keiner. Hatte demletzt einen Langlieger, sehr komplexe, letztlich nicht komplett geklärte neurologische Erkrankung, viel viel Diagnostik, Therapieversuche, Labor, Interventionen etc. pp...und nach Verlegung ruft der Kollege von der anderen Station an und fragt nach den bisherigen Maßnahmen...ich: "Ähh...steht im Brief." Er: "Jup, aber der ist 4 Seiten lang, das les ich doch nicht." Prima ;-) das nächste Mal schreib ich dann: " War da, haben viel Krams gemacht, jetzt fertig."

LG Lee (für Entlassungen nach Hause an die Hausärzte stell ich Procedere vornedran, die haben wirklich nicht die Zeit, 30 Seiten zu lesen...aber im eignen Haus...na ja. Und es ist einfach nicht fach-sondern rztabhängig, wie die Briefe ausufern...ich mit meinem Deutsch-LK musste mich auch sehr bremsen, um die Romane in Zaum zu halten ;-) )

Meridion
21.07.2012, 12:24
Jup...2 Wochen am Pat. rumgebastelt, das liest sich dann "Komplizierter Weaningverlauf, die respiratorbedinge Pneumonie wurde antibiogrammgerecht therapiert, ein Spontanpneumothorax mittels Drainage erfolgreich behandelt. Erfolgreiche Extubation am...., wir verlegen den Pat. nun zur weiteren Therapie zu Ihnen." ...was da an Blut und Wasser geschwitzt wurde muss jetzt auch keinen interessieren...liest eh keiner. Hatte demletzt einen Langlieger, sehr komplexe, letztlich nicht komplett geklärte neurologische Erkrankung, viel viel Diagnostik, Therapieversuche, Labor, Interventionen etc. pp...und nach Verlegung ruft der Kollege von der anderen Station an und fragt nach den bisherigen Maßnahmen...ich: "Ähh...steht im Brief." Er: "Jup, aber der ist 4 Seiten lang, das les ich doch nicht." Prima ;-) das nächste Mal schreib ich dann: " War da, haben viel Krams gemacht, jetzt fertig."

LG Lee (für Entlassungen nach Hause an die Hausärzte stell ich Procedere vornedran, die haben wirklich nicht die Zeit, 30 Seiten zu lesen...aber im eignen Haus...na ja. Und es ist einfach nicht fach-sondern rztabhängig, wie die Briefe ausufern...ich mit meinem Deutsch-LK musste mich auch sehr bremsen, um die Romane in Zaum zu halten ;-) )

Es gibt aber echt Kollegen, vornehmlich die, DIE Epikrisen von 40 und mehr Zeilen schreiben, bei denen - auch wenn man die Epikrise liest - die Frage bleibt, was denn bitteschön jetzt führend war/ist und was das für mich bedeutet. Da denk ich mir oft "ja toll, ihr habt XYZ gemacht und es kam XZY raus, aber äh... was wollt ihr dass ich jetzt noch mit dem mache?"

M

Meridion
21.07.2012, 12:31
Jup...2 Wochen am Pat. rumgebastelt, das liest sich dann "Komplizierter Weaningverlauf, die respiratorbedinge Pneumonie wurde antibiogrammgerecht therapiert, ein Spontanpneumothorax mittels Drainage erfolgreich behandelt. Erfolgreiche Extubation am...., wir verlegen den Pat. nun zur weiteren Therapie zu Ihnen." ...was da an Blut und Wasser geschwitzt wurde muss jetzt auch keinen interessieren...liest eh keiner. Hatte demletzt einen Langlieger, sehr komplexe, letztlich nicht komplett geklärte neurologische Erkrankung, viel viel Diagnostik, Therapieversuche, Labor, Interventionen etc. pp...und nach Verlegung ruft der Kollege von der anderen Station an und fragt nach den bisherigen Maßnahmen...ich: "Ähh...steht im Brief." Er: "Jup, aber der ist 4 Seiten lang, das les ich doch nicht." Prima ;-) das nächste Mal schreib ich dann: " War da, haben viel Krams gemacht, jetzt fertig."

LG Lee (für Entlassungen nach Hause an die Hausärzte stell ich Procedere vornedran, die haben wirklich nicht die Zeit, 30 Seiten zu lesen...aber im eignen Haus...na ja. Und es ist einfach nicht fach-sondern rztabhängig, wie die Briefe ausufern...ich mit meinem Deutsch-LK musste mich auch sehr bremsen, um die Romane in Zaum zu halten ;-) )

Naja lieber was seitenlanges, wo man suchen muss, als n Zweizeiler aus dem nicht ersichtlich ist, was eigentlich unsere Behandlungsindikation darstellen soll. Und dann muss man sich in der Aufnahmesituation irgendwas aus den Fingern saugen...

M

McDreamy
21.07.2012, 15:04
Vielen Dank erstmal für eure zahlreichen Antworten - die Diskussion ist äußerst aufschlussreich für mich.

Erstmal möchte ich vorweg erwähnen, dass ich kein 25-jähriger Studienabgänger bin, der noch nie im Berufsleben stand. Ich hab Med. im 2. Bildungsweg gemacht (zuvor anderes Studium samt folgender jahrelanger Berufspraxis). Mir ist also bewusst, dass im Grunde fast kein Beruf ohne Schreiben auskommt (naja, vielleicht die viel zitierte Fließbandarbeiterin).

Mit Bürokratie meine ich selbstverständlich alles, also neben den Arztbriefen auch die ganze Kommunikation mit irgendwelchen Ämtern und Versicherungen. Auch das Vor- und Nachbereiten einer Visite kam mir erstaunlich "bürokratisch" vor. Ich hatte oft beobachtet, dass stundenlang im Arztzimmer die Kurven bearbeitet wurden und der tatsächliche Patientenkontakt danach nur noch als störend empfunden und dementsprechend kurz gehalten wurde. Das soll nun KEINE KRITIK sein, ich beschreibe nur, was ich gesehen habe und ich habe keinen Zweifel daran, dass es mir später ähnlich ergehen wird und ich mich dann auch so verhalten werde. Und ich habe auch keinen Zweifel daran, dass mich das auf Dauer nicht zufrieden stellen wird bzw. eher frustriert. Deshalb muss für mich das Verhältnis zur handwerklichen Arbeit (ich sage bewusst nicht "ärztlichen Arbeit") stimmen - nur für meine eigene Zufriedenheit und nicht, weil ich den Arztberuf generell in Frage stelle.

Aus diesem Grund (und natürlich noch vielen anderen Gründen) möchte ich gerne in die Anästhesie, wollte aber eure Meinung über noch weitere, "bürokratiearme" Fächer. Allgemeinmedizin hat mich überrascht, das hätte ich jetzt eher in die Büro-Schublade gelegt. Aus meiner Eigenen Erfahrung aus PJ und Famulaturen kenne ich jetzt u.a. die Unfallchirurgie, Anästhesie und Kardiologie. In der Unfallchirurgie hatte ich das Gefühl, dass dort die handwerkliche Arbeit zwar da ist, aber die Bürokratie überhaupt nicht weniger ist und obendrauf ja noch dazukommt. In der Kardiologie hatte ich das Gefühl, dass (aus der Sicht eines Assistenten!!) der Tag hauptsächlich aus Bürokratie (und dazu zähle ich auch das Vor- und Nachbereiten einer Visite) besteht.

Für mich muss halt irgendwie das Verhältnis stimmen...

WackenDoc
21.07.2012, 16:28
Als Allgemeinmediziner kannste auch nen Kollegen einstellen,der sich um sowas kümmert. Meine aktuellen Chefs haben ne Teilzeitkraft,die ihnen die ganzen Kuranträge bearbeitet. Kannste prinzipiell ja auch mit den Befundberichten fürs Sozialamt machen.
Oder lässt dich anstellen und vereinbarst,dass die Masse der Anfragen beim Arbeitgeber bleiben.

Noch ein Vorteil vom Notarztdasein: Du musst die Verdachtsdiagnose nicht verschlüsseln.Das nervt nämlich an unserer Praxissoftware.

Meridion
22.07.2012, 13:05
Vielen Dank erstmal für eure zahlreichen Antworten - die Diskussion ist äußerst aufschlussreich für mich.

Erstmal möchte ich vorweg erwähnen, dass ich kein 25-jähriger Studienabgänger bin, der noch nie im Berufsleben stand. Ich hab Med. im 2. Bildungsweg gemacht (zuvor anderes Studium samt folgender jahrelanger Berufspraxis). Mir ist also bewusst, dass im Grunde fast kein Beruf ohne Schreiben auskommt (naja, vielleicht die viel zitierte Fließbandarbeiterin).

Mit Bürokratie meine ich selbstverständlich alles, also neben den Arztbriefen auch die ganze Kommunikation mit irgendwelchen Ämtern und Versicherungen. Auch das Vor- und Nachbereiten einer Visite kam mir erstaunlich "bürokratisch" vor. Ich hatte oft beobachtet, dass stundenlang im Arztzimmer die Kurven bearbeitet wurden und der tatsächliche Patientenkontakt danach nur noch als störend empfunden und dementsprechend kurz gehalten wurde. Das soll nun KEINE KRITIK sein, ich beschreibe nur, was ich gesehen habe und ich habe keinen Zweifel daran, dass es mir später ähnlich ergehen wird und ich mich dann auch so verhalten werde. Und ich habe auch keinen Zweifel daran, dass mich das auf Dauer nicht zufrieden stellen wird bzw. eher frustriert. Deshalb muss für mich das Verhältnis zur handwerklichen Arbeit (ich sage bewusst nicht "ärztlichen Arbeit") stimmen - nur für meine eigene Zufriedenheit und nicht, weil ich den Arztberuf generell in Frage stelle.

Aus diesem Grund (und natürlich noch vielen anderen Gründen) möchte ich gerne in die Anästhesie, wollte aber eure Meinung über noch weitere, "bürokratiearme" Fächer. Allgemeinmedizin hat mich überrascht, das hätte ich jetzt eher in die Büro-Schublade gelegt. Aus meiner Eigenen Erfahrung aus PJ und Famulaturen kenne ich jetzt u.a. die Unfallchirurgie, Anästhesie und Kardiologie. In der Unfallchirurgie hatte ich das Gefühl, dass dort die handwerkliche Arbeit zwar da ist, aber die Bürokratie überhaupt nicht weniger ist und obendrauf ja noch dazukommt. In der Kardiologie hatte ich das Gefühl, dass (aus der Sicht eines Assistenten!!) der Tag hauptsächlich aus Bürokratie (und dazu zähle ich auch das Vor- und Nachbereiten einer Visite) besteht.

Für mich muss halt irgendwie das Verhältnis stimmen...

Naja wenn Kurvenvisite und dazugehörige Dokumentation schon unter den Oberbegriff "Bürokratie" fallen wirds schwierig was aus dem Hut zu zaubern. Vielleicht eher was Ambulantes? In manchen Fächern kann man durch ambulante Tätigkeit viel von der Facharztweiterbildung machen, Psychosomatik, Psychiatrie fallen mir ein... Da fällt dann Station schrubben weg und allgemeine Anträge/Anfragen gehen eher nicht an die Spezialambulanz, Ambulanzbriefe sind auch eher kurz. Allerdings machst du da dann auch nichts "handwerkliches" (im Sinne von Hand und Werk)...

Generell kursiert ja das Gerücht in operativen Fächern gäbs weniger "Zeit ohne Patient", was ich von Ex-Kommilitonen höre die jetzt in operativen Fächern sind ist es aber eher so, dass die "Zeit ohne Patient" einfach am Ende des OP-Plans nochmal oben draufgehauen wird.

Wahrscheinlich ist wirklich Anästhesie das ideale Fach wenn man ne Aversion gegen "nicht am Patient sein" hat.

M