Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Einsatz RTW/NEF: Verbrennung bei Säugling
Sebastian1
18.08.2012, 17:07
Nach der Gabe von Dormicum und Ketanest ist der Kleine ruhig genug, eine halseitliche Lagerung zu tolerieren (Rücken geht schlecht). Zugang ist jetzt wie gesagt drin. Monitoring zeigt dir einen Sinusrhythmus mit 150 bpm, SpO2 100%, RR 80/45 mmHg.
Er ist von der Dosierung allerdings bereits so platt, dass er zwischendurch hypopnoeisch wird, so dass man ein wenig mit bebeuteln unterstützen muss.
Wir stehen jetzt aber immer noch auf der Straße. Sollen wir den Kleinen so in den RTH einladen?
Unsere Verlegungsflüge (ins Herzzentrum) werden eigentlich immer mit intubierten und beatmeten Kindern durchgeführt. Und da der Kleine jetzt schon bebeutelt werden musste, würde ich ihn für den Transport intubieren, ca. mit nem 4er.
LG
Ally
Sebastian1
18.08.2012, 17:31
Einverstanden! Was in welcher Dosierung, was für ein Spatel? Tuben gibt's ab 2,5 ID (hier bis 5,0 nur ohne Cuff).
Ich hatte ja oben schon geschrieben, wohl mit einem 4,0er. Spatelgröße - puh, ich hatte bisher nur 00er und 0er in der Hand. Klappt da ein 0er noch?
Und braucht das Kind noch zusätzlich was zur Intubation oder ist es platt genug? Oder meintest Du jetzt für den Flug, also als Dauerinfusion über Perfusor?
LG
Ally
Sebastian1
18.08.2012, 17:55
1er Spatel habe ich genommen, also 0er wäre nur ein gerade da gewesen (und die hasse ich ;) Wäre aber glaube ich auch zu kurz gewesen.
Na, der Kleine ist etwas ansediert, aber bei weitem nicht intubationsfähig....
Relaxometrie
18.08.2012, 18:14
Wieviel wiegt er denn (oder habe ich es überlesen)?
Er ist 9 Monate alt, also würde ich mal schätzen, daß 0,25mg Rapifen und 40mg Propofol ausreichen? Oder hast Du andere Medikamente genommen? Noch ein Relaxans? Oder gibt es das nicht auf dem Wagen?
Sebastian1
18.08.2012, 18:18
Du kannst Trapanal, Propofol, Fentanyl, Dormicum, Ketanest und Succi haben. Gewicht hatte ich glaube ich weiter oben geschrieben, ziemich genau 10 kg.
Relaxometrie
18.08.2012, 18:20
Dann also kein Relaxans, weil Succi bei Verbrennungen kontraindiziert ist.
Zur Intubation dann also Propofol (wie oben erwähnt 40mg). Fenta müsste ich nachlesen, da weiß ich die Dosierung für Kinder nicht auswendig. Würde 0,05mg schätzen (wäre aber schon eher viel)?
Sebastian1
19.08.2012, 19:11
Stimmt aber schon so :) 40 mg Propofol, 0,05 mg Fentanyl zur Einleitung und - genau - kein Succi. Vorher noch ein Tuch unter die Schultern gelagert, um die Bedingungen zu verbessern. Und - tadaa - der Kleine lässt sich problemlos intubieren und beatmen.
Nun geht's in den RTH und in die entsprechende Klinik.
Dort ist er dann gewärmt worden (hat trotz wärmen im RTW nicht gereicht) un brauchte noch Füssigkeit (konnten durch die Zugangsprobleme ja kaum verbünftig was zuführen), auch dort wurde die Verbrennungsfläche mit 18% geschätzt und lag somit in unserem Schätzspektrum.
Vielen Dank für's mitmachen. War diesmal nicht so viel zu "rätseln", aber mich hat der Fall präklinisch dann dich ins Schwitzen gebracht. Narkose bei Kindern unter einem Jahr ist ja schon geplant und ind er Klinik mit erfahrenem Anästhesiepersonal immer spannend, auf der Straße im RTW muss ich sagen, wird es nicht entspannter...
Ich hoffe, euch hat's auch ein wenig Spaß gemacht :-)
Ich kann mir gut vorstellen, daß einen so ein Fall ins Schwitzen bringt, kleine Patienten sind halt schon was Besonderes.
Vielen Dank für den Fall! :-)
(es muß nicht immer hochdramatisch sein, um interessant zu sein! :-top)
Das mit den i.m. Injektionen hatte ich in einer Empfehlung gelesen, da es aber nichts Offizielles ist und ich diesbezüglich sonst keine klare Kontraindikation gefunden habe, vergesst das einfach. Wo injiziert Ihr denn dann normalerweise? und wo hast Du bei dem Säugling?
Sebastian1
20.08.2012, 19:39
Beim Erwachsenen Patienten mache ich i-m.-Injektionen gluteal, Oberarm oder Oberschenkel. Beim aktuellen Fall: Oberarm.
Rückmeldung aus der Klinik im Übrigen: noch intubiert, steigendes CRP, Antibiotikatherpaie begonnen, aber ansonsten stabil. Ich hoffe, das bleibt so.
Und die Dramatik hat mir gereicht, danke ;)
Als kleine Anmerkung: Dormicum und Ketanest kann man gerade bei den ganz Kleinen wunderbar rectal geben. :D
Nach relativ kurzer Zeit (5-10 Minuten) sind die wunderbar sediert und lassen (fast) alles mit sich machen. Auf jeden Fall Zugänge aller Art ohne besondere Abwehrreaktionen...
Einfach 0,5mg/kgKG Dormicum und 2mg/kgKG Ketanest in eine Spritze aufziehen und entweder mit Rektalapplikator oder eben ganz vorsichtig mit der Spritze verabreichen. Bevor ich da i.m. anfange, probiere ich erst mal das...
Vielleicht noch für die Nichtanästhesisten, oder diejenigen, die nicht sooo häufig Kinder einleiten: Kinder können erst nach Narkoseeinleitung vernünftig präoxygeniert werden... d.h. erst dann kann man effektiv bebeuteln und somit ein (zugegebenermaßen kleines) Zeitfenster schaffen. Tut man dies nicht, sollte man sich nicht über eine ziemlich schnell und krass abfallene SO2 wundern. Außerdem wichtig: ausreichende Narkosetiefe! Sonst riskiert man einen Laryngospasmus und das ist nicht witzig (vor Allem, wenn man es noch nicht gesehen hat und entspannt einfach weiter beutelt).
Ansonsten danke fürs Beispiel. Draußen hatte ich bislang noch keine ausgedehnten Verbrennungen. Die haben wir meist in der Klinik gesehen und meist war es der Wasserkocher oder eben Töpfe auf dem Herd...
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