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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : FA Innere Medizin + Kardiologie vs. FA Kardiologie



SarahT.
01.09.2012, 15:30
Hi,
wenn ich es richtig verstanden habe, gibt's 2 Möglichkeiten, Kardiologin zu werden. Entweder 6 Jahre FA Innere + 2 Jahre Spezialisierung für Kardiologie oder eben nur 6 Jahre Kardiologie. Wozu würdet ihr raten und warum?
Wie ist es später mit der Niederlassung? Kann man als FA für Innere Medizin + 2 Jahre Kardiologie mehr Leistungen erbringen bzw. abrechnen als ein reiner Kardiologe? Und wie ist es mit dem Arztsitz? Haben die reinen Kardiologen da ein anderes Kontingent als die FA für Innere Medizin, d.h. hat man als FA für Innere + Kardiologie später mehr Möglichkeiten, einen Sitz zu erwerben?

SuperSonic
01.09.2012, 19:13
wenn ich es richtig verstanden habe, gibt's 2 Möglichkeiten, Kardiologin zu werden. Entweder 6 Jahre FA Innere + 2 Jahre Spezialisierung für Kardiologie oder eben nur 6 Jahre Kardiologie.
Schau mal in die WBO deiner LÄK.

"Kardiologe" = Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie

Weiterbildungszeit:
72 Monate bei einem Weiterbildungsermächtigten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 6 Abs. 1 Satz 1 WBO, davon
- 36 Monate in der stationären Basisweiterbildung im Gebiet Innere Medizin
- 36 Monate in Kardiologie, davon
* 6 Monate internistische Intensivmedizin, die auch während der Basisweiterbildung abgeleistet werden können
* können bis zu 18 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden


Wer "allgemeiner Internist" (Facharzt für Innere Medizin) nach 5 Jahren WB geworden ist, kann mit 36 Monaten WB in Kardiologie eine zweite Facharztkompetenz erwerben.

SarahT.
01.09.2012, 19:24
Danke, so meinte ich es auch.
Was bringen mir 2 Fachärzte, warum sollte ich da 8 Jahre investieren? Was spricht dagegen, in 72 Monaten FA für Innere Medizin und Kardiologie zu werden?

Evil
01.09.2012, 20:31
Wenn Du als Oberarzt internistische Hintergrunddienste in einer kleinen Klinik machst, solltest Du auch als Kardiologe Notfall-Endoskopien halbwegs beherrschen, dafür ist der Allgemein- Internist gedacht. Als Niedergelassener oder an Kliniken der Maximalversorgung brauchst Du den nicht, da ist der Fachidiot sinnvoller.

dreamchaser
02.09.2012, 13:03
Wenn Du als Oberarzt internistische Hintergrunddienste in einer kleinen Klinik machst, solltest Du auch als Kardiologe Notfall-Endoskopien halbwegs beherrschen, dafür ist der Allgemein- Internist gedacht. Als Niedergelassener oder an Kliniken der Maximalversorgung brauchst Du den nicht, da ist der Fachidiot sinnvoller.

Naja, ich finde es übertrieben, dass der Kardiologe, der auch Internist ist, eine Notfallgastro machen soll. Natürlich steht das in der internistischen Ausbildung, aber nur weil man es u.U. einmal gemacht hat kann man es ja noch nicht.

Ich selbst strebe ja auch zunächst den Internisten an um dann den Kardiologen darauf aufzubauen. Das aber sicher nicht, um später gastroskopieren zu können (ich habe bisher noch nie gastroskopiert, nur bronchoskopiert), sondern um eine fundierte internistische Ausbildung zu bekommen, auf die ich aufbauen kann. Und wenn man in der Zeit, in der man ja sehr viel Stationsarbeit machen wird, auch noch Sono, Echo und Duplex lernt, dann ist das eine gute Basis um darauf aufzubauen und die spezielleren kardiologischen Untersuchungen (TEE, SM, ICD, HK) zu erlernen.

Ex-PJ
04.09.2012, 15:41
Zitat dreamchaser;
"Naja, ich finde es übertrieben, dass der Kardiologe, der auch Internist ist, eine Notfallgastro machen soll. Natürlich steht das in der internistischen Ausbildung, aber nur weil man es u.U. einmal gemacht hat kann man es ja noch nicht."
--> Also in den Krankenhaus, in dem ich bin insgesamt 80 - 130 internistsiche Betten (einige Ebenen werden gemischt von der Inneren und den chirurgischen Abteilungen belegt) in einer Stadt in NRW muss auch der nichtinsvasive Kardiologe gelegentlich zum Gastroskop greifen.
Die Situation ist also gar nicht so selten. Einige Krankenhäsuer in vergelichbarer Grösse haben jedoch auch ärztliche Endoskopie-Rufbereitschaften festgelegt.

dreamchaser
04.09.2012, 17:04
Ist dieser Kardiologe denn auch sicher in der endoskopischen Blutstillung? Wenn nein, dann doch bitte gleich an ein Haus weiterleiten, welches das auch beherrscht. Und nicht erst nach der Aspiration.
Ich habe schon Internisten/Diabetologen endoskopieren sehen, die das bisher auch nur wenige Male gemacht hatten - das waren dann immer die "unstillbaren Blutungen", die erst sistierten, als ein versierter Endoskopeur das Ruder übernahm, oder die Aspirationen, die dann reintubiert werden mussten, oder die Reanimationen bei Drucklosigkeit nach zuviel Propofol - nein, das möchte man einem Patienten nicht zumuten. Wenn der Kardiologe das dort häufig macht und sich gleich gut mit Endoskop und allem anderen auskennt, dann ok (eine diagnostische Gastro ist ja was anderes als eine Blutstillung, um die es ja im Dienst meistens geht).

Evil
04.09.2012, 17:41
Ist dieser Kardiologe denn auch sicher in der endoskopischen Blutstillung? Wenn nein, dann doch bitte gleich an ein Haus weiterleiten, welches das auch beherrscht.
Was voraussetzt, daß ein solchiges in der Nähe vorhanden ist, was in ländlichen Regionen auch in NRW an einigen Stellen ganz anders ausschaut. Ich möchte jedenfalls nicht einem Patienten mit Ösophagus-Varizenblutung notfallmäßig einen Sengstaken hineinpfriemeln und 30km bis zur nächsten Endoskopie gurken.

Es soll auch nicht jeder "allgemeininternistische Kardiologe" ein As bei der endoskopischen Blutstillung sein, aber wenn Du in einem kleinen ländlichen KH internistische Hintergrunddienste machst, solltest Du das imho beherrschen. Und dies zu erlernen soll u.a. die breitere allgemein-internistische Vorbildung ermöglichen. Der erweiterte Horizont ist natürlich auch ein wichtiger Aspekt.

Ex-PJ
05.09.2012, 18:10
Zitat Evil (bezüglich Blutstillung): "Was voraussetzt, daß ein solchiges in der Nähe vorhanden ist, was in ländlichen Regionen auch in NRW an einigen Stellen ganz anders ausschaut."
--> Ich bin noch nicht mal in Ostwestfalen. Das ist eine Situation aus dem Rand des Ruhrgebiets.

Christoph_A
06.09.2012, 15:27
Prinzipiell ist, wenn man weiß, daß man Kardiologe werden will, der Spezialfacharzt das kürzere und probatere Ziel.
Wenn man allerdings dann als OA an nem kleinen bis mittleren Haus steht, ist Evils Einwand nicht von der Hand zu weisen, aber wozu sind wir alle Internisten, auch die spezialisierten von uns? Ich kann auch Bronchos und Rudimentgastros, obwohl ich ein "Fachidiot" bin, das sollte man von nem internistischen OA auch erwarten können. Und notfalls ist ne schlechte Endo besser als gar keine ;-)