Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 12 Stunden Schichtsystem
WackenDoc
04.10.2012, 11:17
Die fehlenden Pausen hab ich mir ja auch nicht gutschreiben lassen- hab dann eher die Pausen in der normalen Arbeit überzogen- war vom Arbeitsaufkommen kein Problem.
Aber letztendlich ist das doch das Problem des Arbeitgebers wenn er die Arbeit so organisiert, dass ich keine Pausen nehmen kann.
Da hilft auch das Gelaber vom Personalrat nix: Das geht aber nicht, Sie müssen Pause machen (und nicht im Sinne von "Ich schieb mir mein Snickers beim Befunden des EKGs zwischen die Kiemen").
Ja, so meinte ich das mit dem "vom OA organisieren oder ähnlichem". Das Problem ist, wenn Du es dokumentierst, dass Du die Pausen nicht genommen hast, dann gibst Du ja quasi direkt den Verstoß zu. Und damit bist Du auch mit Schuld. Klar, der AG muß die Arbeit zu organisieren, dass Du die Pausen einhalten kannst, zur Not mit mehr Personal. Aber Du musst eben auch alles dafür tun, dass es nicht zu dem Verstoss kommt. Und das wird Dir der AG im Fall des Falles auch vorhalten! (Spreche da aus eigener Erfahrung)
Und da kann ich nur vor warnen! Wenn ich eine nicht genommene Pause im Zeitkonto als solche vermerke, dann kann ich dem Staatsanwalt auch direkt eine Durchschrift schicken! Wenn man eine Pause nicht nehmen kann (aus was für Gründen auch immer), dann fällt die eben unter den Tisch, wird vom OA irgendwie in Freizeit ausgeglichen, oder eben als Überstunde im System hintendran gehängt. Aber nienienienich die Pause als durchgearbeitet im System markieren! Erstens stellt dies ein Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz dar. Zweitens versicherungstechnisch ein ganz heißes Eisen (was ist, wenn Dir etwas passiert in den letzten Stunden, und die BG guckt sich im Nachhinein mal die Arbeitszeiten an? / was ist, wenn Du jemanden schädigst, und die Haftpflicht schaut nach, wie lange Du vorher gearbeitet hast?).
Volle Zustimmung! Wobei ich sage: Egal welcher Schichtdienst (2 oder 3 Schichten), für mich eine klare Indikation, da entweder ganz schnell weg oder erst gar nicht hin! Ich habe sowohl in der Familie, als auch im Freundeskreis genügend Beispiele für alle möglichen Schichtmodelle. Und mittlerweile weiß ich weder, zu welcher Zeit man dort anrufen (darf) kann, noch, wie die Betroffenen gerade mal wieder arbeiten. Natürlich sind 24h-Dienste anstrengend und man braucht u.U. mal den nächsten Tag, um wieder klar zu kommen. Aber das ist allemal besser, als ständig einen Schicht-Jet-Lag zu haben und nicht mehr am "normalen" Leben teilhaben zu können!
Hmh, aber wie soll man sonst die Arbeit auf einer Intensivstation gestalten? 24h-Dienste? Null Kontinuität. Da leidet die Qualität der Patientenversorgung drunter, und ich finde es persönlich schon total nervig, nur mal 2 Nächte für nen Nachtdienst da zu sein, weil man die Patienten überhaupt nicht kennt.
Tigerettes15
11.10.2012, 06:30
Hi, also ich arbeite in den USA und hier ist alles im 12 Stundensystem..Aerzte und Schwestern. Wenn wir auf normal Station sind kommen wir um 6:30 zur Uebergabe, die dauert 10-30 min und arbeiten dann bis 18:30 und dann ist wieder Uebergabe an den Nachtdienst. Das ist von Mo-Freitags. Wochenende haben wir dann Interns (Assis im 1. Jahr) die auch im 12 Stundensystem arbeiten allerdings noch bleiben und dann morgens auf der Neugeborenenstation Visite machen und dann um 10:30 gehen (Interns duerfen nur 16 Stunden am Stueck arbeiten) und die arbeiten dann Sa und Sonntag und haben dann Freitagh oder Montags frei. Seniors (Assistenzaerzte im hoeheren jahr) arbeiten 24+4 Stunden entweder am Samstag oder Sonntag von 6:30 bis 6:30 (plus Uebergabe). Die am Wochenende arbeiten, sind meistens welche die in der Poliklinik rotieren und dort quasi ein easy 8-17 Uhr Tag haben. Wir kommen so auf Wochenenddienste als Interns zwei Mal im Monat und im hoeheren 1-2 Mal (12 im jahr). Wir rotieren alle 4 Wochen, was ich sehr mag, da man immer motiviert bleibt. Im Jahr haben wir dann 1-2 Monate Nachtdienst, wo wir 5 Naechte/Woche im 12 Stunden im Nachtdienst arbeiten fuer je 4 Wochen am Stueck. Dies schlaucht natuerlich dafuer hat man dann aber keine anderen Nachtdienste wahrend anderer Rotation (abgesehen vielleicht wenn man einem Monat auf Intensiv or Neo ist. Ich finde das System echt gut. Da man auf einen Schlag die Nachtdienste hinter sich hat. Das staendige hin und herwechseln faende ich zu anstrengend. Wir machen das wenn wir einen Monat Notaufnahme machen..Da habe wir 6 Tag und 6 12-Stunden Nachtdienst abwechselnd und das finde ich aetzend! Am Wochende finde ich allerdings die 24 Stundendienste besser, weil man wenigstens an einem der beiden Tagen zu Hause ist.
Sorry, alles recht kompliziert. Hoffe man kann es verstehen. Hier wurden die Arbeitsmodelle so geandert (mit Tag und Nachtschicht) vor einem Jahr, weil man jetzt nur noch 80 Stunden pro Woche arbeiten darf und 12+4 Stunden pro Schicht im ersten Jahr und 24+4 Stunden im hoeheren Assistenzjahr.
aschenputtel1977
11.10.2012, 08:35
... weil man jetzt nur noch 80 Stunden pro Woche arbeiten darf.....
Nur noch??? ^^ Ich bin schon platt bei 60 Stunden... Oder zwei Wochenenden hintereinander.
Kurz noch zum Schichtthema: Wir haben in der Woche 3-Schicht und am Wochenende 2-Schicht-System. Mit jeweils Überlappung, reicht aber meist nicht aus für die Übergabe, so dass man automatisch immer etwas länger macht. Und die Pause im Nacht- oder Spätdienst ist immer dann ein Witz,wenn man schlechte Patienten hat und ist dann halt alleine da. Also da muss man dann Pause neu definieren :) Gab schon den Versuch, das sich als Überstunde schreiben zu lassen, da will aber verständlicherweise der Arbeitgeber nicht ran...
Ich hab s hinter mir bis auf gelegentliche Gastspiele bei Leute-Mangel, aber ich mach 50 Kreuze, dass ich nicht mehr in Schicht arbeiten muss. Gift für s soziale Leben, alle anderen können sich einfach nicht merken was Nacht-SCHICHT bedeutet und man sieht mit viel Pech wochenlang niemanden. Obwohl ich mittlerweile auch gut auf die 24h-Dienst verzichten könnte, ehrlich!
Gruß
Nur noch??? ^^ Ich bin schon platt bei 60 Stunden... Oder zwei Wochenenden hintereinander.
Das habe ich auch gedacht! ;-)
Besten Dank auch, die 50-60 std. bisweilen reichen mir völlig.
Bin auch froh, aus dem ständigen Schichtsystem auf ITS raus zu sein und da nur noch nächtliche oder wochenendliche Gastspiele geben zu müssen. Das normale Wechselschichtsystem im OP reicht mir völlig, aber da verdient man wenigstens mehr Geld bei weniger Stress und sozial besserer Verträglichkeit :-)
Und die Pause im Nacht- oder Spätdienst ist immer dann ein Witz,wenn man schlechte Patienten hat und ist dann halt alleine da. Also da muss man dann Pause neu definieren :) Gab schon den Versuch, das sich als Überstunde schreiben zu lassen, da will aber verständlicherweise der Arbeitgeber nicht ran...
Naja, dann muss man dem AG halt entsprechend primen, dass man für die Pausen doch Bitte-Danke eine Ablösung bereithalten möchte, der dann für 45 Minuten Anwesenheitsdienst machen darf. Am Besten einen Rufdienst, dem fürs erste Mal direkt 3 Stunden gutgeschrieben werden. Ich wette, dass ihr dann sehr schnell die Pausen als Überstunden verbuchen dürft. :-))
Ich hab s hinter mir bis auf gelegentliche Gastspiele bei Leute-Mangel, aber ich mach 50 Kreuze, dass ich nicht mehr in Schicht arbeiten muss. Gift für s soziale Leben, alle anderen können sich einfach nicht merken was Nacht-SCHICHT bedeutet und man sieht mit viel Pech wochenlang niemanden. Obwohl ich mittlerweile auch gut auf die 24h-Dienst verzichten könnte, ehrlich!
Gruß
Mein Reden! Schicht geht gar nicht. 24h Dienste sind für mich OK, zumindest die deutlich bessere Alternative zur Schicht!
WackenDoc
11.10.2012, 08:56
Was ich auch noch zu bedenken gebe: Bei so einem starren Schichtplan, der ja letztendlich über fast 2Monate läuft ist auch nix mit mal nem Tag frei für Familienfeierlichkeiten etc. Die Urlaubsplanung wird auch nicht gerade einfacher, Krankheitsausfälle sind anscheinend auch nicht eingeplant. Vereinszugehörigkeit, Volkshochschule, fortlaufende Kurse dürfte damit auch nahezu ausgeschlossen sein.
Dieses "Wir haben nicht genug Personal für ein anderes System" ist in meinen Augen nur ne Milchmädchenrechnung.
An sich ist es ganz einfach: Für jeden Posten, den man durchgängig besetzen will braucht man 24x265 Stunden Nettoarbeitskraft. Jeder Mitarbeiter arbeitet aber nur eine bestimmte Anzahl an Stunden in der Woche/im Monat/im Jahr- das ergibt sich zum einen aus einer festgelegten Wochenarbeitszeit unter Berücksichtigung von Urlaub, Krankheit, sonstige Abwesenheiten.
Ich hab´s mal ausgerechnet, dass man für jeden 24/7-Posten 5,5 Mitarbeiter braucht. Egal wie diese Schichten. Wobei gilt, dass kürzere Schichten mehr Arbeitszeit wegen den Übergaben verbrauchen (und genau diese Zeiten würde ich auf keinen Fall unter den Tisch fallen lassen-also auf jeden Fall überlappende Arbeitszeiten oder Anerkennung von Überstunden)
Kackbratze
11.10.2012, 09:06
Ich find diese theoretischen Planungen der Verwaltungen immer Klasse und am Ende wird sich beschwert, dass so viele Honorarärzte eingestellt werden müssen für die Schichten/Dienste, weil die normal bezahlten Assistenten irgendwann das Handtuch schmeissen.
24h-Dienste klingen erstmal hart, aber wenn man danach garantiert nach Hause darf, hat man wieder bessere Freizeitplanung als in jedem 12h-Schichtsystem.
WackenDoc
11.10.2012, 09:23
An sich gibt´s ja- unabhängig vom Schichtsystem- nur 2 Optionen:
Entweder gibt es Diensttuer, die an sich woanders hin gehören und nur für den Dienst auf diese Station gehen (So wie die normalen Dienste eben). Oder es gibt einen festen Pool an Leuten, die dort zur Rotation sind (wie oft auf Intensivstationen).
Dieses Rein-und Rauswabern über nen Zyklus von insges. 56 Tagen ist doch Murks.
Beim Lesen des Berichtes von Tigerette sehe ich mal wieder einen Grund, warum mich nichts aber auch gar nichts in die USA zieht. Absolute Katastrophe solche Arbeitsbedingungen :-meinung
Thomas24
11.10.2012, 21:05
Hat aber auch Vorteile, durch die enorme Arbeitsverdichtung und "clinical exposure" kann den Residents eine sehr intensive Aus- und Weiterbildung in vergleichsweise kurzer Zeit angeboten werden. Viele Residencies sind "nur" 3 jährig- dann noch vielleicht ein oder zwei Fellowships im Anschluss - und binnen fünf Jahren ist man klinisch sehr gut ausgebildet. Und ab dem Attending Level oder nach der WB kann das Arbeitsleben sich dann deutlich entspannen.
Hier braucht man bis zum Basisfacharzt in den meisten Fächern fünf- sechs Jahre, und die Weiterbildung ist nur ein Abfallprodukt der klinischen Patientenversorgung. Hier gibt es keine täglichen clinical teachings, grand rounds, oder auch nur "resident protected time"- die rein der Ausbildung gewidmet wird. Dafür wird man auf geringerer Intensität halbgar geköchelt und muss dann feststellen, dass man nach 5 Jahren echt nicht genug kann und dann nochmal ein paar Jahre Klinik anschliessen darf...
Tigerettes15
12.10.2012, 04:52
Das stimmt! Die Ausbildung hier ist einfach mal super!! Wir haben jeden Morgen von 8:30 bis 9:00 morning report, wo ein Fall vorgestellt und dann diskutiert wird (also Krankheitsbild, Management etc.). Montag morgens ist das Wochenendteam dran, Dienstags das Nachtteam und Mittwoch das Tagteam oder ein Medizinstudent, Donnerstag wird abwechseln, ITS oder Neofall vorgestellt und Freitags machen wir Multiple choice Facharztfragen, wo wir wie bei Wer wird Millionaer mit dem Handy A-E auswaehlen und dann die Frage im Anschluss diskutieren. jJeden Tag von 12-13 Uhr ist ebenfalls Lecture. Wir habe jeden Monat bestimmte Themen, zB diesen Monat Neuro, naechsten Monat Kinderintensiv medizin etc. Die Weiterbildungen sind alle Pflicht (ausser man ist im Nachtdienst oder man macht gerade ne Wiederbelebung). und am Ende des Monat haben wir nen internen Multiple Choice Test. So hat man zum Ende der 3 Jahre Facharztweiterbildung alles durch und ist relativ fit. Ausserdem hat man jedes Jahr eine Art Minifacharztpruefung die alle in den USA machen muessen, wo man sieht wo man steht. Man hat auch nicht immer 80 Stundenwochen. Ich habs nur wahrend der Nachtschicht gehabt oder wenn ich am WE ein 24 Stundendienst habe. Sonst sind es so zwischen 45-65 Stunden. Ueberstunden gibt es als solches nicht. Man hat festes Gehalt im Monat egal ob man 30 oder 80 Stunden arbeitet pro Woche. Zur Zeit rotiere ich in der Kinderradiologie, da arbeite ich von 9-12Uhr, plus die 2 Stunden Pflicht Weiterbildung und der Rest ist zum eigenen Lernen oder Wissenschaftlichen arbeiten. Diese ist natuerlcih eine der leichtesten Rotationen. Und man verlangt nicht von mir Roentgenbilder zu lesen, nein der Radiologe soll mir Dinge erklaeren, zeigen und mir alles wichtige beibringen was ich alle Kinderarzt wissen muss. Hier wird viel mehr auf die Ausbildung wertgelegt. Je nachdem wie wir das Program jaehrlich evaluieren und unsere Pruefungsergebnisse sind, danach wird entschieden ob die Residencyprograms ihre Zulassung behalten oder eben nicht. Ich weiss sicher, dass ich am 30.Juni mit der Facharztausbildung fertig bin, danach mache ich noch 3 Jahre Neonatologie Fellowship, was genau wie residency organisiert ist. Alles ist genau festgelegt...ich muss nicht darum kaempfen irgendwo hinzurotieren. Ich habe electives (wie zB Radiologie, Sports Medicine oder Pediatric Surgery) und wir haben auch Clinic, wo man wie in der eigenen Praxis seine eigenen Patienten hat. Von Geburt an, hat man sie zu Vorsorgeuntersuchungen und Akutfaelle. Man hate jede Woche ein Nachmittag Sprechstunde. Ich habe zB meine eigene Sprechstunden jeden Mittwochnachmittag fuer die drei Jahre und man hat auch da kleine Lectures und immer einen Facharzt, mit dem man jeden Patienten kurz bespricht. Man ist also viel besser fuer die eigene Praxis ausgebildet.
Allerdings vermisse ich hier bestimmte Dinge. Hier hat man fuer allees Techs..Sonogram-Techs, Echo-Techs, Phlebotomist, Respiratory Therapist (RT) etc. Man man macht also so gut wie nie selber Sonos, viele Intubationen und Beatmungsgeraete etc werden von den RT gehandhabt etc. und IV machen alles die Schwestern (obwohl ich oft es auch selbst mache, einfach weil is es vermisse). Sorry bin vom Thema abgekommen, aber will mal zeigen, dass in Deutschland nicht alles schlecht ist (Arbeitszeiten und Urlaub, Mutterschutz sind super in Deutschland....hier in den USA kriegt man ja nur 15 Tage Urlaub im Jahr und viele muessen nach 4-6 Wochen nach der Geburt wieder arbeite, und Mutterschutz vor der geburt gibt es nicht) dafuer kann man sich in Sachen Ausbildung von anderen Laendern doch gewaltig was abgucken.
Kackbratze
12.10.2012, 05:26
Oder man sucht sich in Deutschland eine gute Klinik
Man muss nicht über den Teich fliegen um gut und interdisziplinär ausgebildet zu werden.
Tigerettes15
12.10.2012, 20:33
Das stimmt! Ich haette auch nicht die ganzen USMLE Pruefungen gemacht und waere nicht komplett ruebergegangen. Da aber mein Freund Amerikaner ist und kein Wort Deutsch kann, gabs da nicht viele Optionen.
Man muss sich das wirklich gut ueberlegen, denn man gibt viel auf und soviele besser ist es hier in den USA auch nicht....ausser vielleicht die Bezahlung wenn man dann mal Facharzt ist. :)
Angel Oak
18.10.2012, 19:21
Ich fand das 3-Schichtsystem auf Intensiv hundertmal angenehmer, als unsere 25h Durcharbeitdienste. Ich bin am Tag danach immer komplett abgeschossen, so dass weder Sozialleben noch Sport an diesen zwei Tagen stattfindet. Und an normalen Tagen bin ich spätestens um21.00 Uhr todmüde, bis Mitternacht durchhalten ist mir kaum möglich.
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