Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Arbeitszeiten von Ärzten (offiziell und inoffiziell)
ich argumentiere ja auch nicht pro AG, sondern wollte eigentlich nur ganz simple fragen, ob das so einfach geht, täglich überstunden zu machen (also nicht nur das länger bleiben, sondern, dass diese auch angerechnet werden...)
Feuerblick
04.12.2012, 15:56
Ja, das geht. Da man keinen kranken Patienten einfach liegen lassen kann (bei Ämtern kann man Akten ja prinzipiell durchaus bis zum nächsten Tag beiseite legen), kann man nicht nur einfach länger arbeiten sondern bekommt in der Regel diese Überstunden im Nachhinein als "notwendig" vom Chef abgesegnet. Normalerweise hat man am Monatsende einen Stundenzettel, auf dem Dienste/Arbeitszeiten/Überstunden aufgeführt werden. Dieser muss vom Chef unterschrieben werden. Damit sind die Überstunden quasi "genehmigt". Und wenn der Chef sich einfallen lässt, sie nicht zu genehmigen, dann bleiben halt ab dem nächsten Monat die ganzen Briefe und Anfragen (natürlich mit entsprechender Ankündigung gegenüber dem unwilligen Chef) liegen - Patientenbetreuung geht dann vor. :-)) Wird ihm sicher nicht gefallen... Denn unbezahlte Überstunden würden zumindest MIR nicht in den Sinn kommen.
Bei meiner ersten Stelle musste man sich in der Tat Überstunden noch zeitnah (sprich: am gleichen oder nächsten Tag) vom Vorgesetzten abzeichnen lassen, damit die genehmigt waren... War aber auch kein Problem.
Wenn ich Dienst hab, bleib ich da bis zum nächsten Tag 8 Uhr, also ca 25h.
Mööööp! 25h geht schon mal gar nicht! Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz à la deluxe! Maximal sind 24h erlaubt, wenn nicht mehr als 49% der Bereitschaftsdienstzeit Arbeitszeit ist. Aber länger als 24h geht gar nicht...
kann man denn so einfach überstunden machen?
kenne das aus anderen betrieben, dass die angeordnet bzw nachträglich genehmigt werden müssen.
aber einfach länger bleiben und dann mehr geld wollen?.... glaube, in der freien wirtschaft würde man sich damit keine freunde machen :-nix
Naja, in der freien Wirtschaft geht aber auch niemand tot, weil der Arbeitnehmer jetzt nach Hause geht und der Patient noch offen und narkotisiert auf dem OP-Tisch liegt...
Bei uns war es früher so, dass ein OA die dokumentierten Überstunden unterschreiben musste. Die Verwaltung wollte dann irgendwann einführen, dass wir die Überstunden VORHER genehmigen lassen müssten... Also haben wir dann vor 16 Uhr den Chef angerufen, ob wir denn Überstunden machen dürfen. Das hatte sich aber schnell wieder erledigt, weil der keinen Bock drauf hatte, von 30 Leuten kurz vor 16 Uhr gestört zu werden...
naja, aber es geht ja auch keiner tot, weil 2 briefe erst nen tag später geschrieben werden.
mri hat meine nachbarin neulich erzählt, sie bliebe jeden tag zwischen 3 und 5 (!!!!) stunden länger, weil sie sonst ihre briefe nicht fertig bekommt. (hat im mai ihre erste stelle angefangen).
das geht doch nicht? :-nix
naja, aber es geht ja auch keiner tot, weil 2 briefe erst nen tag später geschrieben werden.
mri hat meine nachbarin neulich erzählt, sie bliebe jeden tag zwischen 3 und 5 (!!!!) stunden länger, weil sie sonst ihre briefe nicht fertig bekommt. (hat im mai ihre erste stelle angefangen).
das geht doch nicht? :-nix
Das fällt unter selber schuld ^^
seh ich auch so, nur wenn ich das sage, kommt immer die altbekannte keule "fang erst mal an zu arbeiten, du naivchen"
Feuerblick
04.12.2012, 16:43
Wer wegen Briefen so viele Überstunden macht, der sollte entweder sein Arbeitstempo oder seinen Schreib-/Diktierstil nochmal überdenken. 3-5 Überstunden täglich wegen Briefen und das nach mehr als einem halben Jahr noch? NEVER!!! Dann bleiben die Dinger halt liegen, wenn man sonst mit der Patientenversorgung nicht durchkommt... :-nix
An "länger bleiben"-Ü-Stunden habe ich bisher immer so höchstens drei pro Woche gemacht. Mein Konto ist voll mit Ü-Stunden von zusätzlichen Arbeitstagen, das läppert sich ja leider ganz schön.
Ansonsten war ich aber auch immer ehrlich, Ü-Stunden, die ich nur aus Interesse, weil ich noch etwas mitbekommen wollte, gemacht habe, nicht aufzuschreiben.
LG
Ally
LasseReinböng
04.12.2012, 19:13
naja, aber es geht ja auch keiner tot, weil 2 briefe erst nen tag später geschrieben werden.
mri hat meine nachbarin neulich erzählt, sie bliebe jeden tag zwischen 3 und 5 (!!!!) stunden länger, weil sie sonst ihre briefe nicht fertig bekommt. (hat im mai ihre erste stelle angefangen).
das geht doch nicht? :-nix
So war es bei mir ja auch. Wenn du einen hohen Turnover auf Station hast und erst nach offiziellem Dienstschluß überhaupt zu den Briefen kommst, sitzt du halt manchmal noch um 22 Uhr im Arztzimmer.
LasseReinböng
04.12.2012, 19:19
naja, aber es geht ja auch keiner tot, weil 2 briefe erst nen tag später geschrieben werden.
Korrekt - aber zwei Tage später hast du ja auch schon wieder Entlassungen inkl. Briefe...der Stapel wird nur noch höher. Irgendwann heißt es dann Samstag/Sonntag kommen zum Diktieren. Been there done that.
LasseReinböng
04.12.2012, 19:25
Dann bleiben die Dinger halt liegen, wenn man sonst mit der Patientenversorgung nicht durchkommt... :-nix
Aha, und wann soll dann im Stationsalltag mal Luft sein, um den stetig anwachsenden Stapel abzubauen ?
Mööööp! 25h geht schon mal gar nicht! Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz à la deluxe! Maximal sind 24h erlaubt, wenn nicht mehr als 49% der Bereitschaftsdienstzeit Arbeitszeit ist. Aber länger als 24h geht gar nicht...
Naja mitm bisschen Schönrechnen kommen die schon auf ihre erlaubte Zeit...
Wir haben auch regelmäßig so einen Stapel mit unerledigten Briefen, der anwächst...was halt einfach Mist ist, nicht nur weil jeden Tag 3 Hausärzte anrufen und fragen, wo der Brief bleibt, sondern weil es halt zum Teil wichtig fürs weitere Prozedere ist. Kam bei uns schon vor, dass wir beim Brief-Diktieren, der 2 Wochen liegen geblieben ist, gemerkt haben, dass der Patient vor einer Woche einen Termin in der Onkologie gehabt hätte, von dem ohne Brief zumindest der Hausarzt nicht wusste und dementsprechend eventuell keine Einweisung geschrieben hat, im schlimmsten Fall sind die Patienten dann nicht zu ihrem Termin gekommen etc etc...
Bei uns ist es klar ein Organisationsproblem, hauptsächlich weil wir zuwenig Ärzte sind, teilweise aber auch wegen hausgemachter Probleme. Ich finde z.B. 2 Visiten am Tag müssen nicht sein...
Feuerblick
04.12.2012, 20:13
Aha, und wann soll dann im Stationsalltag mal Luft sein, um den stetig anwachsenden Stapel abzubauen ?
Tja, das fragt man dann mal Chef und Verwaltung, die nicht ausreichend Personal einstellen... :-nix MAL kann das ja vorkommen, aber jeden Tag??? Wer sich das antut, der hat irgendwie nicht begriffen, was es mit dem Arbeitszeitgesetz auf sich hat bzw. hat Vorgesetzte, die das dringend mal begreifen müssen.
Also wir haben einen Riesen-Turnover, und ich mach im Monat selten mehr als 10 Überstunden... Und es geht niemand ohne vorläufigem Arztbrief! Diktieren kann man ja auch schon, wenn der Patient den ersten Tag da ist, der Rest wird nur noch ergänzt. Gut organisiert soll das alles gehen... Trotzdem schaffen es auch bei uns Kollegen, regelmäßig täglich 4 Überstunden zu machen und die Briefe stapeln sich immer noch.
WackenDoc
04.12.2012, 20:54
Ich hab auf meiner ersten Innerenstelle auch viele Überstunden gemacht, aber nicht primär wegen den Briefen.
Bei uns ist auch jeder mit nem recht ausführlichen vorläufigen Brief gegangen und in den endgültigen wurden vor allem ausstehende Befunde und dann ggf. eine Änderung des Procedere ergänzt.
Wir hatten die Station fast 2x jede Woche ausgewechselt und war ne Infektionsstation- also das große Sammelsurium (im Gegensatz zur Gastroentero- wo die Patienten teilweise Sonntags kamen, vom Diensthabenden aufgeklärt und aufgenommen wurden, 3 Tage später gegangen sind und eher Standardbriefe bekommen haben).
Mit den Briefen bin ich -wie gesagt, halbwegs zurecht gekommen- mein Kollege allerdings gar nicht. Der hat ewig an einem Satz rumüberlegt und sich zu Tode organisiert (der hatte immer irgendwelche Listen wie dringlich welcher Brief war- ich hab die einfach nach nem bestimmten Muster gestapelt). In der Zeit wo ich 3 Briefe fertig hatte, war der noch am ersten. Mehr sind bei mir aber auch nicht vom OA nach Korrektur zurück gekommen- ok, waren mehr Tippfehler drin, weil ich die nie nochmal selber Korrektur gelesen hab, war aber im Rahmen mit den Tippfehlern.
Der Kollege ist selbst am WE zum Briefeschreiben rein gekommen (fand der Chef gaanz toll, wie sehr der sich einbringt)- bei mir gab es da keine Notwendigkeit für.
Dafür hab ich in den Nachtdiensten, wo es halbwegs ruhig war (oder ich eh wach bleiben musste, weil ich auf irgendwas warten musste) einiges weggeschrieben.
Diktiert hab ich sehr wenig. Da unsere Schreibkraft aus nem ganz anderen Gebiet kam und etwas Probleme mit den medizinischen Begrifflichkeiten hatte (und auch teilweise einfach nicht nachgedacht hat, ob was zusammenpasst), hat das Diktieren und Korrigieren teilweise länger gedauert als Selberschreiben. und sie war nur ne Teilzeitkraft- so konnte es passieren, dass wir was diktierten, sie nicht fertig geworden ist,sie aber am Entlassungstag des Patienten nicht da war, so dass wir dann doch selber tippen mussten.
Wir hatten aber auch ziemlich gute Blanko-Briefe. War nur nervig, die ganzen Konsile und Befunde von Hand zu übertragen (MRT-Befunde waren nen Elend)
Stephie84
05.12.2012, 18:20
Ich finde, man sollte erst mal streng die Arbeitsrealität von Gesetzen unterscheiden. Überstunden genehmigen lassen... so schön ist es in den meisten Kliniken noch nicht. Und Überstunden von denen keiner was weiß, weil sie halt alle machen, kümmern auch keine Verwaltung. Das muss nicht immer an Personalmangel liegen. Es kann halt auch einfach mal VIEL Arbeit sein, die erledigt werden muss. Ich kenne keinen, der sich Überstunden genehmigen lässt. Manche dürfen ihre Überstunden aufschreiben und irgendwie abrechnen - andere nicht. Das hängt vom Chef ab. Ihr müsst mal überlegen, dass es auch noch nicht so extrem lange her ist, dass sich die Ärzte für eine Stelle halb tod geschuftet haben, sonst hätte sie sofort ein anderer genommen bzw. der 2 Monatsvertrag nicht verlängert worden. Und es kümmert auch niemanden ein Gesetz, dass nur 24h erlaubt sind... 24h Dienst werden abgerechnet und stehen auf irgendeinem Papier. In der Realität macht man erst mal ne Übergabe und hat dann vll noch Papier von der Nacht liegen...
Ich finde, man sollte auch nicht sagen, jemand, der wg. Briefen 3 Überstunden macht, ist selbst schuld. Beispiel: Ein operatives Fach: Erst mal bis um 14 Uhr im OP gewesen, dann Visite, dann Labor checken, Anordnungen treffen, Gespräche führen... und zack is Feierabend - auf dem Papier. Dann kann man erst zu Briefen kommen. Schön wäre man hätte viele, viele Kollegen, die die Station schmeißen, während der andere im OP steht aber leider ist dem nicht in jeder Klinik so - auch wenn alle Stellen besetzt sind.
Feuerblick
05.12.2012, 18:32
Tja, wer es mit sich machen lässt, unbezahlte Überstunden zu schieben oder regelhaft gegen das AZG zu verstoßen, der ist meiner Meinung nach wirklich selbst schuld. Alle Stellen besetzt heisst nicht, dass genug Ärzte da sind. Wer aber die Verwaltung in ihrem Sparbestreben unterstützt, indem er unbezahlte Überstunden schiebt, der hats nicht begriffen. Und ja, es gibt Tage, an denen gibt es viel Arbeit. Wenn das so ist, werden Überstunden nötig. Und die werden aufgeschrieben und irgendwie vergütet. Jeden Tag (!!!!) 3-5 Überstunden ist aber schlicht nicht haltbar - aus welchem Grund auch immer stimmt dann da was nicht....
Stephie84
05.12.2012, 18:50
Da stimm ich dir zu ok ist es nicht.... Es ändert sich aber eben nicht in allen Kliniken so schnell etwas, was jahrelang festgefahren ist.
Ich finds halbwegs unsympathisch, dass die unter den Ärzten, bei denen die Chefs kulant sind und das AZG eingehalten wird zu denen bei denen es noch nicht so ist oft so nach dem Motto "tja selber Schuld, warum arbeitest du auch da..." sagen... Man kann sich auch einfach nur so über seine tollen Arbeitsbedingungen freuen. Ich persönlich frag mich, ob alle, die das sagen, eigentlich selbst dafür gekämpft haben und ihre Stelle riskiert haben oder es schon so schön vorgefunden haben... und maximal verbale Revoluzzer sind.
Feuerblick
05.12.2012, 18:57
Nun.... mein Ex-Chef sagte des öfteren in abfälligem Ton zu mir "Na, SIE machen ja wohl auch immer regelmäßig Feierabend". Mir wäre im Traum nicht eingefallen, unbezahlte Überstunden auch nur zu akzeptieren. Warum auch? Man wird schon für Nachtdienste in unserem Job "bestraft", da muss man sich sowas nicht bieten lassen. Überstunden werden grundsätzlich aufgeschrieben. Und wenn der Chef dann vom Amt Ärger und eine Strafandrohung bekommt, weil an seiner Klinik das AZG nicht eingehalten wird, hat er die Quittung. Dafür muss niemand wild aktiv kämpfen. Passiver Widerstand reicht meist völlig aus ;-) Nur... EINIG muss man sich innerhalb der Abteilung halt sein :-nix
Thomas24
05.12.2012, 19:52
Abteilungsinterne Einigkeit ist zwar schön, aber wenn ein Klinikweiter Einstellungsstopp für alle Berufsgruppen verhängt wird und noch nichtmal für die ausscheidenden Kollegen (Schwangerschaft, Elternzeit, Laborrotation etc.) Ersatz eingestellt wird geschweige denn neue Kollegen eingestellt werden, dann rächt sich das irgendwo.
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