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UweWoellner
18.07.2013, 19:15
Vielen Dank für Deinen Einwand, ich stimme Dir allerdings nicht zu. Um bei dem Beispiel mit den Herzgeräuschen zu bleiben: Ich erinnere mich gut an eine Episode in meinem Innere-Tertial. Wie immer machte ich alle Aufnahmen (ohne dass mir anschließend einer zur Verfügung stand um die Ergebnisse meiner Anamnese und körperlichen Untersuchung zu besprechen und auszuwerten, es ging ledigleich darum, dass überhaupt etwas auf diesem Bogen stand). Ich dachte, als ich bei dem Patienten auf's Herz hörte: Hmm, irgendwie nicht wie immer. Ging also zum Stationsarzt: "Ich glaube der Patient hat ein Herzgeräusch, könntest Du da auch gleich mal draufhören?" - "Ne, keine Zeit, meld halt ein Echo an...".
In diesem Stil hat sich ein nicht unerheblicher Teil meines Studiums abgespielt. Wenn es bei Dir anders war, dann bleibt mir Dich zu beglückwünschen.


Deinen Aufruf nach mehr Anleitung unterstütze ich im großen und ganzen aber so wie du es dir erhofft hast, funktioniert es einfach nicht. Es kommt eben nicht oft vor, dass ein Arzt sagt: "So du machst jetzt die Untersuchung, ich gucke zu und danach besprechen wir die Befunde und was du besser machen kannst".
Wieso hast du dir das Echo nicht angeschaut? Wenn dabei beispielweise eine hochgradige Aortenstenose gesehen worden wäre, hättest du deinen Auskultationsbefund besser einschätzen können. Die meisten Oberärzte bringen einem ja oft erst dann was bei, wenn Sie merken dass man wie ein Terrier dahinter herläuft was zu lernen. Und dann wird gerne erklärt. So habe ich das System kennen gelernt ;-)
Wir hatten übrigens einen sog. Harvey Kurs, wo an einer Puppe diverse Auskulationsbefunde demonstriert wurden.

Kyutrexx
18.07.2013, 19:35
Lasse Dir von niemandem erzählen, man wolle Dir nur helfen. Keine Sau will Dir helfen. Wenn man Dir so etwas sagt, ist das nur einlullendes Geschwafel. Man will Dich damit hinters Licht führen, damit Du auch noch mitmachst, obwohl man in Wahrheit Dir ins Fleisch schneidet. Wenn Du das merkst, ist es zu spät.
Richtig.

Da muss ich irgendwie an vor zwei Tagen denken ...

Da war so ein Kabel Deutschland Fritze hier und hat etwa alle 2 Minuten betont, dass er NUR FÜR MICH ALS KUNDE tätig ist und nur, damit ich das beste rauskriege.
Natürlich betonte er nebenbei, wie toll Kbl. Dtl. ist.

Je breiter das Grinsen, desto schärfer die Klinge.


Es gibt n paar gute Charaktere. Es gibt sie überall.
Aber die halten sich gut bedeckt und sind eben nicht die, die am lautesten brüllen.


Im Übrigen hab ich beim ersten Lesen Studiengang Assistenzarzt gelesen.
Habe vorher den Begriff Arztassistent auch noch nie gehört.

Gehe mal schwer davon aus, dass wenn jemand "Arztassistent" auf dem Namensschild stehen hat, werden locker 90% der Leute es nicht richtig lesen und denken, sie werden von einem Arzt behandelt.

Da denke ich böses.
Auch ohne Schelm sein.

John Silver
18.07.2013, 20:00
Ich denke, dass das Erschaffen neuer Berufsbilder wie Arztassistent, chirurgisch-technischer Assistent etc. keinen guten Weg zur Lösung des Ärztemangels darstellt. Dieser Weg führt letztlich nur zur billigen Substitution von Ärzten zum Wohle des gewinnorientiert denkenden Managers. Kurzfristig kann man durch Substitution tatsächlich Engpässe überbrücken; langfristig jedoch erschafft man dadurch ein viel schlimmeres Problem, nämlich einen riesigen Mangel an gut ausgebildeten Fachärzten. Das wurde hier bereits thematisiert.

Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass der durchschnittliche deutsche Arzt ca. 50 Jahre alt ist. Das bedeutet u.a., dass in den nächsten 15 Jahren mehr als 100.000 Fachärzte in Rente gehen werden. Es ist schon im aktuellen System schwierig, rechtzeitigfür adäquaten Ersatz zu sorgen. Was wird erst sein, wenn Assistenzärzte zunehmend durch niedriger qualifizierte Hilfsberufe ersetzt werden? Klar, kann man darauf entgegnen, wir strukturieren das System so um, dass insgesamt viel weniger Ärzte benötigt werden. Dieses Geschwätz höre ich ständig von irgendwelchen Anzügen. Doch kein Anzug macht sich die Mühe, auszumalen, was das genau bedeutet. Das bedeutet jedoch unausweichlich, dass die Zeit des Arzt-Patient-Kontakts weiter deutlich reduziert wird, weil immer weniger Ärzte immer mehr Patienten behandeln werden. Stattdessen wird sich der Patient die meiste Zeit über mit Hilfspersonal begnügen müssen, welches dem Patienten weder umfassende Antworten auf die unvermeidlichen Fragen geben kann, noch den Patienten im Zweifelsfalls adäquat versorgen kann. Ist das die Medizin, die wir anstreben? Wollen wir eine Medizin, in der der Arzt nur noch als Leistungserbringer gesehen wird, und möglichst ressourcenschonend nur für die wichtigsten (sprich: lukrativen) Leistungen im System verwendet wird? Na dann gute Nacht.

Die Lösung kann im Grunde nur lauten, die Aufgabenverteilung zwischen den bereits existierenden Berufen zu verändern. Blut abnehmen und Zugänge legen - das soll das Pflegepersonal tun, ebenso wie die Visite dokumentieren, Untersuchungen anmelden, Termine vereinbaren, für die weitere Behandlung des Patienten, z.B. in der Reha, sorgen etc. Das Pflegepersonal ist für alle diese Dinge bereits jetzt ausreichend qualifiziert. Damit das Pflegepersonal all diese Aufgaben erledigen kann, muss selbstverständlich die Anzahl der Pflegekräfte deutlich aufgestockt werden. Eine neue Pflegekraft auszubilden, geht relativ schnell, und kostet erheblich weniger, als bspw. die Ausbildung eines Arztassistenten. Für Dinge wie Kodieren, Briefe vorschreiben etc. können willige Pflegekräfte weitergebildet werden; auch das geht deutlich schneller, und ist deutlich billiger.

Shizr
19.07.2013, 06:34
Ich denke, dass das Erschaffen neuer Berufsbilder wie Arztassistent, chirurgisch-technischer Assistent etc. keinen guten Weg zur Lösung des Ärztemangels darstellt.
Aber einen billigen.

Und wenn in Deutschland eines gewünscht ist, dann billige Arbeitskräfte.
Siehe "Fachkräftemangel". Objektiv besteht der in dieser Form nicht.
Was sehr wohl besteht: Mangel an BILLIGEN Fachkräften.

Die Wirtschaft hat halt kein Interesse, den einfachen Arbeiter an ihren Milliardenumsätzen der Exportweltmeisterschaft partizipieren zu lassen. Guck dir nur mal die Gewinnentwicklung der Firmen der letzten Jahrzehnte an und dann die Reallöhne.

Erstere schießen durch die Decke, zweitere durch den Boden.


Der Arztassistent ist nur ein weiterer Versuch, teures, gut ausgebildetes Personal durch billiges, weniger gut ausgebildetes Personal zu setzen.

Kyutrexx
19.07.2013, 10:03
Grausig. Obwohl ich weiß, wie der Titel des Threads lautet, lese ich jedes Mal wieder "Assistenzarzt", weil man das Wort kennt und dran gewöhnt ist.

Anyway ...

Es stimmt: hierzulande geht alles auf Kostensenkung.
Da sind übrigens die Amis etwas anders (große und mittelständische Unternehmen): die arbeiten auf Gewinnmaximierung.

Der Unterschied mag zunächst haarscharf bzw. kaum differenzierbar sein, ist aber erheblich.

In Amilanden setzt man dafür vor allem auf Expansion - das heißt MEHR Personal insgesamt und nicht wie bei uns immer weniger und weniger (bzw. immer billigeres).


Ist beides ökonomischer Raubbau, aber mit unterschiedlichen Folgen.

PRIND
19.07.2013, 10:36
"Arztassistent" ist halt die wörtliche Übersetzung der amerikanischen Berufsbezeichnung "Physician Assistant". Da in den Staaten für die Assistenzärzte die Bezeichnung "Medical Doctor" oder manchmal auch nur "Physician" verwendet wird, gibt es dort keine Verwirrung mit der Bezeichnung.

Glaube auch ehrlich gesagt nicht, dass diese Verwirrung hier in Deutschland jetzt geplant war, aber es scheint auch nicht so zu sein, dass es die Verantwortlichen stört ... "Arztassistent" oder "Assistenzarzt" Tja der Patient kann das vermutlich eh nicht differenzieren...

Das ist aber meiner Meinung nach das geringste Problem dieser Berufsgruppe. Beim Rettungssanitäter, Rettungsassistenten und Notfallsanitäter ist es auch nicht so viel besser :D. Was war nochmal gleich die korrekte Reihenfolge der Qualifikation?

UweWoellner
11.09.2013, 17:09
Gibt es irgendwelche verbindlichen Richtlinien oder Gesetze was ein Arztassistent/Physician Ass. darf und was nicht? Finde dazu im Netz nichts.