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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Migräneprophylaxe



EKT
30.12.2012, 15:14
Was ist derzeit Goldstandard?
Habe eine Pat. Ende fünfzig mit Migräne plus medikamenteninduziertem Kopfschmerz mithilfe von Cortison vom Thomapyrin- und Maxalt-Mißbrauch entzogen. Sie bekommt morgens und abends Metoprolol wegen art. Hypertonie und zur Migräne-Prophylaxe.
Meine Befürchtung ist, daß das nicht ausreicht. Wie sind eure Ideen dazu, liebe Neuros und andere kluge Kollegen? Habt ihr Erfahrung mit Topiramat oder Valproat?

Strodti
30.12.2012, 15:51
In meiner PJ-Abteilung wurde bei Metoprololversagen Topiramat empfohlen. Mit 25 mg eindosieren, Zieldosis 100 mg. Valproinsäure ist derzeit noch off-label, scheint aber auch gut zu gehen. Deckt sich auch mit den aktuellen Leitlinien (http://www.dgn.org/inhalte-a-z/461-leitlinien-der-dgn-therapie-der-migraene.html). Flunarizin habe ich nicht zur Prophylaxe erlebt. Wie häufig hat die Patientin denn Migräneattacken?

Hellequin
30.12.2012, 17:20
Standard ist bei uns auch Metoprolol oder Topiramat. Wobei ich da wenig über die klinischen Verläufe sagen kann, dazu sind die Patienten zumeist zu kurz da. In welcher Dosis nimmt sie den das Metoprolol?

EKT
30.12.2012, 17:47
Sie nimmt morgens und abends je eine 95mg Metoprolol, Attacken hat sie unregelmäßig, aber etwa einmal monatlich. Das Komische: seit der Jugend Migräne, mit 50 J. plötzlich Beschwerdefreiheit, ab 52 J. ging es erneut los.
Macht Topiramat denn keine spürbaren kognitiven Einschränkungen?
Wie sieht es mit nasalen Triptanen im Anfall aus, wirken die zuverlässig?

lio
30.12.2012, 19:01
Maxalt-Mißbrauch entzogen
Mal so rein interessehalber - was kann man sich denn unter Maxalt-Missbrauch vorstellen? Hat die Patientin das Zeug prophylaktisch genommen?

Strodti
30.12.2012, 20:40
Die Akutbehandlung ist nach bekannten medikamenteninduzierten Kopfschmerz natürlich schwierig.

Wir hatten Sumatriptan-Nasenspray (Imigran) und das hat recht gut geholfen. Wenn sie jedoch schon Analgetikakopfschmerz nach Rizatriptanabusus hatte, ist eine Akutbehandlung mit Triptanen schon problematisch. Es darf nur einmal wiederholt genommen werden, nicht an mehr als 10 Tagen im Monat, nicht an mehr als 3 Tagen hintereinander und die Patientin muss gut zwischen Spannungskopfschmerz und Migränekopfschmerz unterscheiden können.

Für den weiterbehandelnden Neurologen wäre sinnvoll, dass sie ein Kopfschmerztagebuch führt.

Hellequin
30.12.2012, 20:43
Sie nimmt morgens und abends je eine 95mg Metoprolol, Attacken hat sie unregelmäßig, aber etwa einmal monatlich. Das Komische: seit der Jugend Migräne, mit 50 J. plötzlich Beschwerdefreiheit, ab 52 J. ging es erneut los.
Macht Topiramat denn keine spürbaren kognitiven Einschränkungen?
Wie sieht es mit nasalen Triptanen im Anfall aus, wirken die zuverlässig?
Doch, Topiramat kann diverse kognitive Nebenwirkungen haben, deswegen dosiert man das auch langsam ein. Ich finde ein Anfall pro Monat geht noch (das Patientenempfinden kann da sicherlich dtl. anders sein), muss man sicherlich kritisch überlegen ob man einen Therapieversuch mit Topiramat unternimmt.
Wir haben Zolmitriptan als Nasenspray bei uns, von der Verwendung in der Notaufnahme her, wirkt es eigentlich schon gut, wobei ich durchaus auch schon Patienten gehabt habe, mit eher mässiger Wirkung. Edit: Und natürlich das was Strodti sagt.