Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : nach 6 jahren wartezeit, medizinstudienplatz sicher?
Absolute Arrhythmie
23.01.2013, 08:25
Naja, da es ja vor menschheitsgeschichtlichen gesehen sehr kurzer Zeit einen Ärzteüberschuss gab (90er, "Ärzteschwemme"), wohlgemerkt bei gleicher bzw etwas niedrigerer Absolventenzahl, ist es nicht völlig unlogisch, den Schluss zu ziehen, dass sich so etwas wiederholen kann.
Herzkasperl
23.01.2013, 10:00
Die großen Faktoren in dem Spiel kann man nur begrenzt und langfristig beeinflussen: An erster Stelle dürfte die bisher abnehmende Lebens-Arbeitszeit pro Arzt stehen. Pro Ärztin müsste man besser sagen, denn der Effekt kommt hauptsächlich dadurch zustande, dass der Nachwuchs einen zunehmenden Frauenanteil aufweist. Wenn die Frauen mehr arbeiten würden (Stichwort Kinderbetreuung) oder der Frauen-Anteil wieder zurückgeht, bspw. durch Änderung der Zulassungskriterien hin zu einem "Medizinertest", könnte sich alles drehen. Der nicht kontrollierte Zuzug ausländischer Ärzte, die Abwanderung von Absolventen in nicht kurative Bereich oder ins Ausland... Es gibt so vieles. Hinzu kann dann noch kommen, dass vielleicht in Zukunft weniger operiert wird, wer kann das vorhersagen. Jeder, der den Übergang vom Taxi-fahrenden Arzt zum Ärztemangel erlebt hat, weiß, dass das innerhalb von ein paar Jahren ohne Vorwarnung passiert - und vor allem ohne dass einer der zahllosen "Experten" das über einen Zeitraum von mehr als 5-10 Jahren vorhergesehen hätte.
roxolana
23.01.2013, 12:00
Aber wieso sollte das geschehen? Und wann? Da ist momentan nichts in Planung. 20:20:60, und das ist gut so. So wird allen gerecht.
Ich denke auch gerade in Hinblick auf die aktuelle Wartezeit wird die Quote nicht verringert werden.
was weiß ich, was sich die gesetzgeber noch so einfallen lassen. wenn sie z.b. die olle landarztquote tatsächlich einführen, dann muss es ja auf kosten einer anderen quote (oder aller quoten zusammen) gehen. vielleicht wird die wartezeitquote auch komplett abgeschafft und alle müssen einen test machen. die ausgangsfrage war ja: ist es richtig, dass einem der studienplatz nach 6 jahren garantiert wird, die antwort ist: nein, denn man kann über die wartezeitquote keine prognosen machen, weil man weder weiß, wie die nachfrage aussehen wird, noch wie die zulassung dann gesetzlich geregelt ist.
Herzkasperl
23.01.2013, 15:41
Naja, ich würde sagen: Ja, der Studienplatz für ein Erststudium ist garantiert (ein Abschaffen der Wartezeitquote erfordert eine Grundgesetzänderung...), und nein: wir wissen nicht, wie lange die Wartezeit sein wird. Als persönliche Anmerkung: Ich gehe nicht davon aus, dass die Wartezeit über 14, maximal 15 Semester ansteigt.
Absolute Arrhythmie
23.01.2013, 18:02
Da ja bereits im letzten Semester eine Stagnation der Bewerberzahlen zu erkennen war, gehe ich auch davon aus, dass der Höhepunkt der benötigten Wartezeit erreicht sein dürfte.
WackenDoc
23.01.2013, 19:01
Was irgendwie nicht in meinen Kopf rein will:
Warum ermöglicht man nicht Abiturienten die eh so lange auf einen Medizinstudienplatz warten müssen, ein anderes Studium ohne dass diese dann befürchten müssen, niemals Medizin studieren zu können?
Kann doch sein,dass sich schon früh jemand für Medizintechnik, Medizininformatik, Recht, Controlling etc. interessiert. Dann könnte derjenige doch wunderbar die Wartezeit schonmal für ein entsprechendes Studium nutzen.
Klar, kann er dann später begründen, warum Medizin dazu passt-aber mit nem schlechten Schnitt im Erststudium wird es schon nicht einfach und derjenige wäre darauf angewiesen, dass seine Gründe auch anerkannt werden.
Stattdessen werden Ausbildungen boniert, die im Studium nur bedingt was bringen und auf langfristige Sicht außer Lebenserfahrung kaum was. Dabei wird dann der Personalmangel in diesen Berufen auch noch verschärft- also wir bilden dann ja junge Leute in einem Beruf aus, in dem sie eh nicht arbeiten wollen.
Was irgendwie nicht in meinen Kopf rein will:
Warum ermöglicht man nicht Abiturienten die eh so lange auf einen Medizinstudienplatz warten müssen, ein anderes Studium ohne dass diese dann befürchten müssen, niemals Medizin studieren zu können?
Kann doch sein,dass sich schon früh jemand für Medizintechnik, Medizininformatik, Recht, Controlling etc. interessiert. Dann könnte derjenige doch wunderbar die Wartezeit schonmal für ein entsprechendes Studium nutzen.
Klar, kann er dann später begründen, warum Medizin dazu passt-aber mit nem schlechten Schnitt im Erststudium wird es schon nicht einfach und derjenige wäre darauf angewiesen, dass seine Gründe auch anerkannt werden.
Stattdessen werden Ausbildungen boniert, die im Studium nur bedingt was bringen und auf langfristige Sicht außer Lebenserfahrung kaum was. Dabei wird dann der Personalmangel in diesen Berufen auch noch verschärft- also wir bilden dann ja junge Leute in einem Beruf aus, in dem sie eh nicht arbeiten wollen.
Das verstehe ich auch nicht. Viele könnten sich ja eventuell auch mit was anderem anfreunden, trauen sich aber natürlich nicht, das zu studieren weil in der Zeit die Wartesemester nicht zählen. Ich könnte mir vorstellen, dass allein dadurch die Wartezeit für alle gesenkt würde, weil es sicher einige gibt, die nach dem "Wartestudium" in diesem Bereich einen Job finden, mit dem sie genauso glücklich werden.
vllt. um keine ewigen studenten finanzieren zu müssen? medizin ist ja teuer, andere studiengänge weniger, aber immerhin. wenn man arbeitet, kostet man den staat nichts.
ich finds auch nicht gut, dass jetzt so viele eine ausbildung machen, die sie dann doch nur kurz ausüben.
ich denke, dass viele von der hohen wartezeit abgeschreckt werden (habe ich so im bekanntenkreis mitbekommen) und doch lieber was anderes studieren. wenn die wartezeit sinkt, werden es vllt. wieder mehr bewerber.
Mit der aktuellen Taktik mag sich der Staat vielleicht kurzfristig Geld sparen und die Kosten auf die Firmen/Krankenhäuser abschieben, aber so Dinge wie der Pflegekräftemangel werden ja auch nicht besser dadurch, dass viele die Ausbildung zur Überbrückung machen und sofort weg sind, wenn der Zulassungsbescheid kommt. Und das trifft dann auf lange Sicht schon den Staat bzw den steuerzahlenden Bürger.
klar. aber wahrscheinlich sind diese regelungen so alt, dass es früher nicht so das problem war. müsste man jetzt ändern.
Herzkasperl
24.01.2013, 16:34
Einen Punkt verstehe ich nicht: Warum sollte die lange Wartezeit den Fachkräfte-Mangel im Pflegebereich verschärfen? Umgekehrt wird ein Schuh draus: Die Warter sind junge und billige Arbeitskräfte.
Absolute Arrhythmie
24.01.2013, 17:20
Einen Punkt verstehe ich nicht: Warum sollte die lange Wartezeit den Fachkräfte-Mangel im Pflegebereich verschärfen? Umgekehrt wird ein Schuh draus: Die Warter sind junge und billige Arbeitskräfte.
Die Warten werden aber ausgebildet und gehen dann nach kurzer Zeit im Job wieder weg. Fallen dann also komplett weg und sind "umsonst" ausgebildet worden. Dadurch werden weniger Leute ausgebildet, die sich vorstellen können langfristig in der Pflege zu arbeiten.
Herzkasperl
24.01.2013, 17:53
Die "Azubis" sind doch fast vom ersten Tag weg betriebswirtschaftlich positiv. Kosten ja fast nix. Und dass ein Mangel an Ausbildungsplätzen in Pflegeberufen herrschen würde, wär mir neu.
Erdbeermond
24.01.2013, 18:28
Azubis in der Krankenpflege sind defintiv teurer als du denkst. Ein Azubi bekommt bereits im ersten Jahr ca. 800 Euro brutto und im dritten Jahr 1300. Du kannst im Endeffekt immer nur die Hälfte deiner Azubis in der Klinik einsetzen, weil die anderen in der Schule hocken. Selbstständig arbeiten dürfen sie nicht, also kannst du sie höchstens als "hilfskräfte" einsetzen. Du musst das Schulgebäude und Lehrkräfte finanzieren.
Und es herrscht kein Mangel an ausbildungsplätzen, sondern ein Überangebot. Und jetzt kannst du eh nur zwanzig Leute ausbilden, weil sich kaum einer bewirbt und dann brechen drei davon die Ausbildung ab und fünf davon hören nach drei Jahren in diesem Beruf auf, weil sie Medizin studieren wollen - und das nennst du betriebswirtschaftlich positiv?
WackenDoc
24.01.2013, 19:17
Rein volkswirtschaftlich würde es aber wahrscheinlich wirklich mehr bringen, einen Wartezeitler erst ein anderes Studium absolvieren zu lassen (mit dem er womöglich auch nach Abschluss und bis zum Medizinstudium ordentlich Geld verdienen kann) als ihn regelrecht in eine Ausbildung zu drängen, die er eigentlich nicht will und in der er unterfordert ist.
Dann kann man genausogut eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich bonieren, von der derjenige womöglich langfristig mehr hat als von einem medizinischen Assistenzberuf, der ihm außer der Lebenserfahrung vor allem in den ersten Studienjahren was bringt und wo andere Studenten den Wissensvorsprung schnell aufholen können.
So macht ein Wartezeitler erst eine Ausbildung, die ihn nur bedingt interessiert, arbeitet evtl. noch 3 Jahre in dem Beruf, macht sein Medizinstudium, hängt dann ein Zweitstudium dran, was kompatibel zur Medizin ist und hat dann das Problem, dass er als Assistenzarzt es schwerer hat, weil er eben nicht direkt nach dem Examen mit dem frischen Wissen angefangen hat.
Würde doch mehr Sinn machen, die Wartezeit für das andere Studium zu nutzen.
stimmt. weiß jemand, wie es zu diesen regelungen kam? muss ja mal begründet worden sein. hab jetzt aber keine lust mehr, es zu googeln ;-)
Herzkasperl
25.01.2013, 10:05
@Wacken-Doc: Das mag aus persönlicher Betrachtung des Studenten vollkommen richtig sein. Ich sag meinen Kommilitonen auch, sie sollen sich in der Vorklinik lieber etwas Zeit lassen und jetzt umsonst die BWL-Kurse machen, die sie ansonsten später abends für teures Geld machen. Aber aus Sicht des Staates und Steuerzahlers sieht die Welt ganz anders aus.
Volkswirtschaftlich sinnvoll und Medizin ist ein eigenes Thema. Da muss man definieren, was man unter volkswirtschaftlichem Gewinn versteht. Wenn man das knallhart durchzieht und nur die produzierten Waren und exportierbaren Dienstleistungen betrachtet, sind vermutlich 90% der Medizin "unwirtschaftlich" oder schädlich, weil man alte Leute behandelt, die nicht mehr arbeiten. Und jeder Arzt kostet mehr Geld als eine Pflegekraft oder ein Student - und beide geben in dem volkswirtschaftlichen Ansatz oben gar nichts oder fast nichts zurück, so lange sie studieren oder als Arzt arbeiten. Deswegen hat ja auch niemand der Politiker in Deutschland ein ernsthaftes Interesse an mehr Medizinstudenten. Gibt nur mehr Ärzte, die dann mehr Geld verlangen.
Aber zurück zu den Pflegern: 800€ für eine Halbtags-Hilfskraft ist fast geschenkt. Und besser als nichts. Und wenn die dann auch noch in den niedrigen Entgeltstufen (Berufsanfänger) und gut gebildet, Deutsch sprechend arbeiten brauch ich darüber, ob diese Leute einen positiven Beitrag fürs Krankenhaus und die Allgemeinheit liefern, nicht lange nachdenken.
jetzt sind wir ganz schön weit weg vom Thema:-) Aber, Fazit: Der Staat hat weder ein Interesse noch hat die Politik realistische Möglichkeiten, an der Lage etwas zu ändern.
WackenDoc
25.01.2013, 13:29
Weiss eigentlich jemand, warum die Regelung, dass Abischnitt und Wartezeit miteinander verrechnet wurde, abgeschafft wurde?
Damit mussten ja Abiturienten mit besserm Abi kürzer warten als die mit schlechterem Abi.
Herzkasperl
25.01.2013, 14:17
Naja, damals war das ja alles nicht so dramatisch. Wollte ja kaum mehr jemand Arzt werden. Dann hat man es eben drastisch vereinfacht, auch die Pflicht, sich jedes Semester zu melden wurde (aus meiner Sicht dummerweise) abgeschafft. Außerdem wurde da ja dauernd was geändert, als ich abi gemacht habe, hat hauptsächlich der Medizinertest gezählt.
Gerade die Rückmeldepflicht jedes Semester würde die Warterei planbar machen (man weiß dann genau, wie viele Warter vor einem sind), weil nicht dauernd irgendwelche Leute "querschießen".
ehem-user-19-08-2021-1408
04.02.2013, 22:07
@Wacken-Doc: Das mag aus persönlicher Betrachtung des Studenten vollkommen richtig sein. Ich sag meinen Kommilitonen auch, sie sollen sich in der Vorklinik lieber etwas Zeit lassen und jetzt umsonst die BWL-Kurse machen, die sie ansonsten später abends für teures Geld machen.
Kannst du mir das bitte erläutern? Was für BWL Kurse? Meinst du als Zweitstudium? :)
Das kann man auch problemlos als Arzt (kostenlos, also nur Studiengebühen, falls überhaupt) nach Medizin machen. Viel Anwesenheitpflicht wird da ja nicht sein
@WackenDoc
Ja früher war vieles einfacher. Ich fände es auch besser, wenn ein 1,8er weniger warten müsste als ein 3,8er, aber mei, die Unis sind zu faul.
Schau, als ich mich 2009 beworben habe war alles auch einfacher und so musste ich nur 1 Umschlag mit 3-4 Dokumenten an die ZVS schicken, das wars. Heute will zB München teilweise Interviews und gibt komplizierte Boni auf Schulleistungen/Ausbildungen und so Bullshit, die es 2009 alle nicht gab.
Da werden jetzt Dinge reformiert, die aber nichts bringen. Denn der Anatomie Hörsaal ist genauso klein und überfüllt und wird bis zur letzten Treppenstufe verklagt. Aber so sinnvolle Dinge, wie kürzere Wartezeit für Leute mit besseren Abi, will keiner ändern. :-nix
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