Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Drogenvergehen und Approbation
Man muss in die Rechnung auch immer die Folgen einer prohibitiven Politik miteinbeziehen (keine Kontrollmöglichkeit hinsichtlich Verunreinigungen, Wirkstoffgehalt, Jugendschutz, entgehende Steuereinnahmen, Aufwand für Polizei und Justiz, Förderung krimineller Strukturen, Unterminierung der Glaubwürdigkeit usw.) und fragen, ob sie die Nachteile des Drogenkonsums wirklich aufwiegt. Kleines Beispiel: https://de.wikipedia.org/wiki/Drogenkrieg_in_Mexiko Aber solange die Gesellschaft zwischen Alkohol ("Kulturgut") und "Drogen" ("Rauschgift") trennt wird, wird sich sowieso nicht viel ändern. ;-)
Leelaacoo
26.02.2013, 19:48
And the story goes on....
(ich hätte übrigens kein Problem mit einem Alkoholverbot ;-) )
LG Lee
Alkoholische Getränke sind kulturell tatsächlich tief verwurzelt, und das kann man nicht so schnell ändern. Immerhin waren alkoholische Getränke über Jahrtausende die einzigen mit einer gewissen Haltbarkeit und niedrigem Infektionsrisiko. Trinkwasser aus der Leitung oder dem Supermarkt gibt es noch nicht so lang, in der dritten Welt flächendeckend oft immer noch nicht.
Daher die "Alkoholkultur".
Wobei ich persönlich aber eine Lanze für den kontrollierten Alkoholgenuß brechen möchte; auf ein gelegentliches Glas Wein oder Bierchen möchte ich jedenfalls nicht verzichten, und das hat durchaus auch etwas mit der traditionellen Genuß-Kultur (die bei uns für TCH so nicht existiert) zu tun.
Das Cannabis nicht gerade gesund ist bestreitet niemand... Allerdings muss man sich doch schon mal überlegen, ob es nicht besser wäre, Cannabis kontrolliert abzugeben um damit 1. Qualitätskontrolle betreiben zu können, 2. Die Leute nicht zu Dealern zu schicken (wo sie auch noch ganz andere Sachen kaufen können) 3. Sich die massiven Kosten für die Verfolgung von "kleinen Kiffern" zu sparen, die ein paar Krümel in der Hosentasche haben 4. Das eingesparte Geld in sinnvolle Präventions- und Therapiemaßnahmen zu stecken, die evtl. besser greifen, weil man (wenn man das Coffee-Shop-Modell wählt) direkt und unmittelbar am Konsumenten im Coffee-Shop ansetzen kann usw. (siehe der Post von milz)
Zu den Argumenten dass man Cannabis nicht legalisieren sollte, weil der Konsum für viele (insb. junge) Menschen gravierende Folgen (Psychosen etc.) haben kann: Diese Folgen bestehen ja schon, es gibt schon viele Menschen, die Cannabis illegal konsumieren und natürlich haben einige von Ihnen Probleme damit, keine Frage. Aber wie die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht in Ihren Berichten zeigt, gibt es wohl keinen Zusammenhang zwischen der Legalisierung von Cannabis und einem Anstieg der Zahl der Konsumenten, das heisst, das Problem würde sich durch eine Legalisierung wohl nicht verschärfen, es könnten aber bessere Maßnahmen zum Schutz der Menschen ergriffen werden (s.o.). Prohibition bringt offenbar gar nichts.
Ich muss mich dann schon fragen, wieso über gute Argumente hier im Thread offenbar gar nicht erst nachgedacht wird sondern z.B. irgendwelche "lustigen" Charts gezeichnet werden. Es macht den Eindruck als wollten manche einfach ihre "Cannabis ist ganz böse"- Haltung bewahren ohne auf sinnvolle Argumente einzugehen.
P.S.: Natürlich kann man die Legalisierung der Substanz A nicht mit der Schädlichkeit von B rechtfertigen, aber es besteht schon eine dezente Unverhältnismäßigkeit in unserer Gesellschaft zwischen der Kriminalisierung von Cannabiskonsum auf der einen- und der "Verherrlichung" von Alkoholkonsum auf der anderen Seite. Man denke an die Massenbesäufnisse auf Oktoberfest und Volksfesten jedes Jahr, oder das Politiker -Derblecken wo sich einige Spitzenpolitiker eine Mass Starkbier nach der anderen reinstellen. Das ist dann Kultur.
(ich hätte übrigens kein Problem mit einem Alkoholverbot ;-) )
LG Lee
Es bringt nur leider nichts ausser noch mehr Leid (Kriminalisierung mit all ihren Folgen), beim Alkohol wissen wir das aus der Geschichte doch sehr gut! So richtig nachvollziehen kann ich diese vehemente Abwehr gegenüber einer liberaleren Drogenpolitik von Medizinern nicht. Eigentlich haben bisher meines Wissens alle Projekte zur Entkriminalisierung von Drogen nur positive gesundheitliche Aspekte gezeigt.
Zu denken ein Verbot würde das gesundheitliche Problem besser in den Griff bekommen ist doch eigentlich mittlerweile so gut wie überholt, nur will es keiner zugeben.
Natürlich kann und muss man gesundheitlich schädliche Drogen auch ächten ohne die Konsumenten zu kriminalisieren und ohne den Handel damit krminellen Banden zu überlassen. Der Umgang mit Tabak und Alkohol ist ein gutes (aber noch auszubauendes) Beispiel dafür. Eine kontrollierte Abgabe von Drogen unter strengen Richtlinien, unter Beibehaltung der Ächtung und der Aufklärung über die Gefahren ist mit Sicherheit "gesünder" für die Gesamtbevölkerung als der jetzige Zustand mit den Todesfällen/Schäden durch Beimengung, durch Beschaffungskriminalität, Todesfälle/Schäden durch den Geldfluss an das kriminelle Milieu, usw..
Fazit: Kinners seit euch mal nicht zu sicher auf der guten Seite der Macht zu argumentieren.
Und um auch mal als Atheist die Bibel zu zitieren: "Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie." An diejenigen ganz ohne Sünden: Get a life!
Interessenskonflikte: gelegentl. Wein/Biertrinker, aber Nichtraucher, Nichtkiffer und anderes erst recht nicht.
Das Cannabis nicht gerade gesund ist bestreitet niemand... Allerdings muss man sich doch schon mal überlegen, ob es nicht besser wäre, Cannabis kontrolliert abzugeben um damit 1. Qualitätskontrolle betreiben zu können, 2. Die Leute nicht zu Dealern zu schicken (wo sie auch noch ganz andere Sachen kaufen können)
...und damit die armen keine gestreckten drogen nehmen.... *gähn*
mit dem argument kann man ja so gut wie jede straftat legalisieren. verkaufen wir doch auch noch extasy, crystal und co in der apotheke, um die dealer zu fall zu bringen...
...und damit die armen keine gestreckten drogen nehmen.... *gähn*
mit dem argument kann man ja so gut wie jede straftat legalisieren. verkaufen wir doch auch noch extasy, crystal und co in der apotheke, um die dealer zu fall zu bringen...
Tja Du sagst es, wäre durchaus mal ne Idee ;-)
So jetzt steinigt mich ihr aufrechten Kämpfer für die Gesundheit. :-)
Relaxometrie
01.03.2013, 15:56
Aber solange die Gesellschaft zwischen Alkohol ("Kulturgut") und "Drogen" ("Rauschgift") trennt wird, wird sich sowieso nicht viel ändern. ;-)
Das sehe ich auch so.
Dem in stephan1989s Posting Geschriebenen stimme ich auch zu 100% zu.
Und die Meinung von Peter_1 teile ich auch. Ich nehme aus seinem Posting jetzt mal folgendes Zitat, welches mir besonders gut gefällt:
Eine kontrollierte Abgabe von Drogen unter strengen Richtlinien, unter Beibehaltung der Ächtung und der Aufklärung über die Gefahren ist mit Sicherheit "gesünder" für die Gesamtbevölkerung als der jetzige Zustand mit den Todesfällen/Schäden durch Beimengung, durch Beschaffungskriminalität, Todesfälle/Schäden durch den Geldfluss an das kriminelle Milieu, usw..
Meiner Meinung nach bindet die aktuelle Drogenpolitik dermaßen viele Kräfte, ohne dabei effektiv zu sein.
Das willkürliche Kriminalisieren einiger Drogen ist in der Tat ungerecht. Warum dürfen sich der Alkoholiker und der Kettenraucher legal ruinieren und sich ihren Stoff ohne Beschaffungskriminalität kaufen, wohingegen diejenigen, die (manchmal im Rahmen eines gescheiterten Selbstheilungsversuchs bei einer psychiatrischen Erkrankung) von illegalen Drogen abhängig sind, kriminalisiert werden?
Unter dieser Kriminalisierung leidet sogar die nicht-süchtige Bevölkerung, denn die Beschaffungsriminalität führt genau zu den Delikten, die immer kopfschüttelnd als "unsere Gesellschaft ist verroht" abgetan werden. Da wird die gangunsichere Oma niedergerungen, weil sie vielleicht ein paar Euro dabei hat. Da werden Einbrüche und andere Delikte begangen, weil für den nächsten Schuß halt noch wenige Euro (oder auch mal mehr) fehlen.
Ohne die Drogenabhängigkeit gut zu finden, bin ich -vielleicht auch durch meine einjährige Tätigkeit in der Suchtabteilung in der Psychiatrie- zu dem Schluß gekommen, daß die Politik, die diesbezüglich gefahren wird, ineffektiv und auch ungerecht ist.
Mein Drogenkonsum:
Ab und zu Bier, Wein, Sekt, Whisky. Einmal im Leben SpaceCookies gegessen (ohne Wirkung) und 3x an einer Zigarette gezogen.
Hier eine Doku mit Hintergrundinformationen über eine sehr interessante Bewegung bestehend u.a. aus ehemaligen Präsidenten und Regierungschefs (insbesondere auch aus Latein- bzw. Südamerika, aber z.B. auch aus der Schweiz), die für eine Änderung der Drogenpolitik eintreten.
Breaking the Taboo
http://vimeo.com/58966069#
Prädikat: Sehens- und Nachdenkenswert.
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