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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ich sehe ein Basaliom...



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Evil
27.02.2013, 20:38
Wie hat sie denn reagiert? Und war die Info neu für die Person, oder wusste sie schon, was das ist? Oder war es ihr vorher noch gar nicht aufgefallen :-wow
Sie hat nur "jaja" geantwortet und sich dann abgewandt, dabei habe ich es bewenden lassen. Was sie daraus gemacht hat, weiß ich nicht, aber den Hinweis hat sie erhalten.

In der vollbesetzten U-Bahn mit 100 Zuhörern würde ich keinen ansprechen, aber vielleicht draußen in der Station, wenn sich eine passende Gelegenheit ergibt.

hypnotel
27.02.2013, 20:46
Neulich im Einkaufszentrum:

'Entschuldigung, junger Mann, aber... Ihre Mydriasis scheint auf eine Intoxikation mit Stimulanzien hinzudeuten!'

'Guten Tag! Wussten Sie dass dieses Feuermal in ihrem Gesicht typisch für Morbus Sturge-Weber-Krabbe ist?'

'Verzeihung... haben Sie diese Gesichtsmuskellähmung jemals untersuchen lassen? Dahinter könnte sich eine Borreliose verbergen... oder hatten Sie gar einen SCHLAGANFALL?'


(sorry, aber die Vorstellung ist einfach erheiternd) :-))

Fr.Pelz
27.02.2013, 20:48
Ganz ehrlich? Ich bin noch NIE auch nur auf die Idee gekommen, einen mir wildfremden Menschen anzusprechen und auf eine mögliche Erkrankung hinzuweisen... Wieso auch???? :-nix

Naja, theoretisch stellt sich die Frage schon, du hast als Ärztin einen Informationsvorsprung und kannst dazu beitragen eine Krankheit früh genug zu diagnostizieren, die sonst vielleicht un- oder zu spät behandelt worden wäre...
Praktisch würd ichs wie gesagt auch nicht tun, die Wahrscheinlichkeit dass derjenige schon beim Arzt war oder noch hingeht ist zumindest hier relativ hoch.
In anderen Ländern mit schlechter Gesundheits-infrastruktur und weniger Möglichkeiten sich zu informieren, Internet etc, würd ich mir das schon überlegen.

@hypnotel Soo belustigend find ich das nicht, im positiven Sinne zeigt das doch, dass man sich um seine Mitmenschen kümmert und nicht bloß wie einer, der bei nem Notfall auch nicht helfen würde a la "wird sich schon einer kümmern" in seiner eigenen Welt lebt...

Feuerblick
27.02.2013, 20:53
Dann bin ich halt ne schlechte Ärztin... mir sind wildfremde Menschen und deren Krankheiten außerhalb der Praxis (und natürlich abseits von akuten Notfallsituationen) sowas von schnurzegal... :-nix Im Privatleben bin ich keine Ärztin sondern Privatmensch und habe nicht die geringste Lust, mir über Fremde Gedanken zu machen...

hypnotel
27.02.2013, 21:00
Ich kann guten Gewissens behaupten, jeden Patienten den ich betreue und bei dem ich suspekte Hautveränderungen bemerke, darauf hinzuweisen (bzw. dessen Angehörige, da meine Patienten oft unter eingeschränkter Kognition leiden).

Letztlich kann es jeder halten wie der vielzitierte Dachdecker. Die NNT (number needed to treat) fände ich interessant, vielleicht gäbe sie denen die es ansprechen würden sogar recht.

Thomas24
27.02.2013, 21:11
Hm, die Frage hab ich mir auch schon öfter gestellt, in Berlin sieht man ja doch einiges als sensibilsierter und häufig U-Bahn-fahrender Medizinstudent. Man weiß als eben solcher aber auch, dass man für "von der Seite anlabern" auch mal eins auf den Deckel bekommen kann. :-keks

"Entschuldigung, aber Sie scheinen an morbider Adipositas zu leiden..."
*Zakk/ Bumm*
"Und Sie haben jetzt ein schönes Monokelhämatom. Tach auch"

Schubbe
27.02.2013, 21:40
"Entschuldigung, aber Sie scheinen an morbider Adipositas zu leiden..."


"An waaaaaaaaaas?!" ;)

epeline
27.02.2013, 21:56
Ganz ehrlich? Ich bin noch NIE auch nur auf die Idee gekommen, einen mir wildfremden Menschen anzusprechen und auf eine mögliche Erkrankung hinzuweisen... Wieso auch???? :-nix

dito!

Muriel
28.02.2013, 14:29
Ein einziges Mal habe ich überlegt bei einem kleinen Kind mit Leukokorie vor mir an eer Supermarktkasse. Aber das Kind war sicherlich unter einem Jahr alt und damit regelmäßig beim KA, dem das auffallen wird (oder schon aufgefallen ist) so dass ich die etwas eigenartig wirkende Mutter nicht ansprach.

Moorhühnchen
28.02.2013, 14:41
Puuuh, bei der Geschichte muß ich an einen Leserbrief denken, den ich neulich hier im Kreisblatt gelesen habe... da schrieben Eltern davon, daß sie vom Kinderarzt auf die Leukokorie ihres Kindes aufmerksam gemacht wurden mit dem Hinweis, sie sollten sich einen Termin in der hiesigen Augenklinik machen - was sie auch getan haben. Allerdings war dieser Termin dann erst Monate später, das Kind mußte mit der Diagnose Retinoblastom sowieso an die Uniklinik überwiesen werden und endete mit der Enukleation des Auges, soweit ich mich erinnere.... manche Eltern sind da vielleicht einfach nicht sensibilisiert genug.
Der Vorwurf im Leserbrief ging übrigens an die erste Augenklinik, man hätte einen früheren Termin vergeben müssen......... :-sleppy

Heikles Thema, ich tendiere auch eher dazu, Leute nicht auf irgendwelche Verdachtsdiagnosen anzusprechen - aber im Fall des Kindes an der Supermarktkasse hätt ich mir das echt zweimal überlegt. Wahrscheinlich ist es dem Kinderarzt aber - wie Du schon schreibst - sowieso aufgefallen.... :-)

Muriel
28.02.2013, 14:46
Monatelang auf einen Termin bei so was zu warten, geht tatsächlich nicht, aber:
1. Wusste die Klinik denn überhaupt, warum sich das Kind vorstellen soll? Eher nicht, sonst wäre die Wartezeit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht so ausgefallen.
2. Ist die Therapiemöglichkeit bei einem Retinoblastom sowieso meist eingeschränkt, was den Bulbuserhalt anbelangt.

Bei Diagnosen, die nicht auf der Stelle aber sehr zügig in der Klinik vorgestellt werden müssen, habe ich es mir angewöhnt, selber dort anzurufen und Termine zu vereinbaren.

Lava
01.03.2013, 15:33
1. Wusste die Klinik denn überhaupt, warum sich das Kind vorstellen soll? Eher nicht, sonst wäre die Wartezeit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht so ausgefallen.

Termine vergeben halt nicht die Ärzte, sondern irgendwelche medizinischen Fachangestellten und denen ist der Terminkalender heilig.

Muriel
01.03.2013, 15:34
Nöö, nicht zwangsläufig. Das kenne ich anders. Da wird normalerweise explizit gefragt, was der Vorstellungsgrund ist, um dann eine sinnbolle Planung zu gewährleisten.

Lava
01.03.2013, 15:38
DAS fragen die bei uns auch, aber die Schlüsse, die daraus gezogen werden, sind oft mangelhaft.

Muriel
01.03.2013, 16:00
Ok, dann sollte da vielleicht noch mal geschult werden. Bei einer von uns organisierten Fortbildung für Arzthelferinnen haben wir übrigens genau dieses Thema aufgegriffen: was frage ich den Patienten, welche Nachfragen stelle ich und wie habe ich das einzuordnen.

eve05
01.03.2013, 16:11
und imZweifel rufen unsere MFAs uns Ärzte noch einmal an (leider recht häufig und oft auch wegne Banalitäten, aber lieber so als andersherum)

Moorhühnchen
01.03.2013, 22:25
Wie's letztlich dazu kam, weiß ich nicht mehr, aber beim Lesen dieses Briefes hab ich immer nur denken müssen, daß das arme Kind ja nix dafür kann. ;-)
Ich stell mir gerade vor, wie die Mutter wohl drauf reagiert hätte, wenn Du sie doch angesprochen hättest. Wahrscheinlich hätte sie die Augen verdreht und gemeint "Erzähl mir was Neues..."

Muriel
02.03.2013, 10:00
Das Doofe in so einer Situation ist halt eben genau das: Wie reagiert der Andere? Wird er pampig? Fühlt er sich stigmatisiert? Oder nimmt er es tatsächlich dankbar an? Ich fürchte, Letzteres ist eher eine seltene Reaktion. Zumal man ja nicht vergessen darf, dass dam denjenigen damit überrumpelt. Ich habe ein einziges Mal einen Angehörigen einer Patientin angesprochen, der dann aber auch froh war wie ich einige Wochen später erfuhr, dass so sein Basedow diagnostiziert und eben auch behandelt wurde. Aber da war die Ausgangssituation schon eine ganz andere, die den Schritt einfacher und auch passender machte.

par
02.03.2013, 10:15
Das Doofe in so einer Situation ist halt eben genau das: Wie reagiert der Andere? Wird er pampig? Fühlt er sich stigmatisiert? Oder nimmt er es tatsächlich dankbar an? Ich fürchte, Letzteres ist eher eine seltene Reaktion. Zumal man ja nicht vergessen darf, dass dam denjenigen damit überrumpelt.Ich denke, da kommt es darauf an, wie man es sagt und welche Diagnosen man anspricht. Unübersehbare, für jeden Laien auffällige Veränderungen anzusprechen, könnte leichter als Stigmatisierung empfunden werden (z.B. Vitiligo; wobei es hier völlig unsinnig ist, darauf hinzuweisen), als z.B. der Basedow oder das Erythema migrans (:)), was oft erst im Nachhinein auf Nachfrage erinnert wird, was zeigt, dass es zum Zeitpunkt nicht ernst genommen wurde.
Und natürlich kann man etwas diskret rüberbringen (man wirkt doch automatisch authentisch, wenn man tatsächlich informieren möchte), oder es als Anlass aufnehmen, die/den Ärztin/Arzt raushängen zu lassen ...
Dann gibt es natürlich immer noch die, die es einem übel nehmen, aber solange ich die nicht kenne, ist mir das egal :D

Relaxometrie
03.03.2013, 09:35
Naja, theoretisch stellt sich die Frage schon, du hast als Ärztin einen Informationsvorsprung und kannst dazu beitragen eine Krankheit früh genug zu diagnostizieren, die sonst vielleicht un- oder zu spät behandelt worden wäre...
Genau dieser Informationsvorsprung, den man als Arzt hat, ist für mich der einzige, aber entscheidende Grund, etwas zu sagen, wenn man zufällig einen auffälligen Befund sieht.
Wobei es natürlich gestaffelt ist, wann man wem etwas ungefragt sagt.
Als Hausarzt, der sich für die Gesundheit seiner Patienten mitverantwortlich sieht, spricht man vielleicht auch das Übergewicht und Rauchen an.
Als konsiliarisch hinzugegozener Facharzt wird man sich da schon kürzer halten.
Auf der Straße hätte man als Arzt hingegen viel zu tun, wenn man Übergewichtige und Raucher ansprechen würde :-)) Bei diese beiden Gesundheitsrisiken sehe ich auch kaum einen Informationsvorsprung bei Ärzten, denn es ist eigentlich Allgemeinwissen, daß beides nicht gesund ist.
Fazit: bei krassen Befunden, bei denen ich denke, daß die betreffende Person nicht um das Risiko weiß, würde ich etwas sagen. Auch auf die Gefahr hin, mich lächerlich gemacht zu haben. Bisher bin ich allerdings noch nie in der Situation gewesen, ungefragt Rat geben zu wollen.