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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : NEF-Einsatz: Bewusstloser Patient



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Brutus
28.02.2013, 23:52
Hmm. Bevor wir hier das Maximalprogramm starten... Du hast uns nicht verraten, was bei dem BZ rausgekommen ist. Nicht, dass der Patient schlichtweg keine Glucose mehr intus hat, um noch cerebral irgendwas auf die Kette zu kriegen...
Denn eine Hypoglykämie intubiert zum Maximalversorger zu bringen, ist uncool! :-))

FirebirdUSA
01.03.2013, 02:27
Sollte die Hypoglykämie wirklich vom Tisch sein (siehe Brutus) würde ich gerne noch einmal testen ob der Patient einen Meningismus hat (ggf. V.a. SAB), ansonsten bei V.a. Basilaristhrombose ins nächste KH mit Stroke und wenn möglich interventioneller Neuroradiologie.

*milkakuh*
01.03.2013, 05:04
Hmm. Bevor wir hier das Maximalprogramm starten... Du hast uns nicht verraten, was bei dem BZ rausgekommen ist. Nicht, dass der Patient schlichtweg keine Glucose mehr intus hat, um noch cerebral irgendwas auf die Kette zu kriegen...
Denn eine Hypoglykämie intubiert zum Maximalversorger zu bringen, ist uncool! :-))

Also gut, ihr fragt bei eurem Team also nochmal nach, wie der BZ war. Alle schauen ganz verdutzt und der RA vom NEF fragt, ob den überhaupt jemand gemessen hat??? Mist, diese Maßnahme ist im Trubel ganz untergegangen, der RA hatte ja nur seinen Tubus im Kopf...BZ-messen wird aber schnell nachgeholt und Tadaaaaaaaaa: euer Gerät piept hektisch und zeigt einen BZ von 30 mg/dl an. Und jetzt? Wollt ihr Glucose geben? Wenn ja, wie viel?

Und die Frage aller Fragen: Warum hat ein Pat. ohne Diabetes so eine ausgeprägte Hypoglykämie?

Edit: Sorry, dass ich euch den BZ nicht früher verraten habe. WackenDock wollte ihn ja nur, wenn der Pat. Diabetiker ist und ansonsten war el suenio die einzige, die gefragt hat. Hätte ich euch an dieser Stelle den BZ schon verraten wäre das Fallbeispiel schnell vorbei gewesen. Hier geht es ja gerade darum, dass nach der Anamnese ein zerebrales Ereignis sehr wahrscheinlich scheint und man so schhonmal die BZ-Kontrolle vergessen kann. Es hat aber auch erstmal niemand von euch noch mal nach dem BZ gefragt.

Coxy-Baby
01.03.2013, 05:27
Wackens Frage habe ich etwas anders aufgefasst, nämlich ob der Mann bekannter Diabetiker und unabhängig davon wie hoch der BZ ist......

*milkakuh*
01.03.2013, 05:29
Wackens Frage habe ich etwas anders aufgefasst, nämlich ob der Mann bekannter Diabetiker und unabhängig davon wie hoch der BZ ist......

Ok, dann hab ich es falsch verstanden. Sorry!

Coxy-Baby
01.03.2013, 05:31
...nene man hätte ja auch nochmal nachfragen können.. ;-)

WackenDoc
01.03.2013, 06:49
Na,das hat schon gepasst:Bei bekanntem DM direkt den BZ stixen und ansonsten wenn ich die Viggo leg. Bin da aber wahrscheinlich verwöhnt,da unsere RAs immer den BZ aus Viggo machen ohne das der Doc was sagt.

Erdbeermond
01.03.2013, 06:52
So läuft das bei uns aber auch - sobald ein Zugang gelegt wird, wird ein BZ aus dem Mandrin gemacht. Standard quasi.

Brutus
01.03.2013, 09:08
Jaja, der BZ! :-))
Bei 30mg/dl würde ich mit 8g Glc starten. Sprich 20ml G40%. Danach 5 Minuten warten und noch mal messen. Und dann gegebenfalls noch mal 4g / 10ml Glc. Ich würde den BZ schon auf über 100mg/dl anheben wollen. Da ja hier kein Diabetes im Raum stehen sollte, würde mir das für den Anfang reichen.
Wenn Insulin im Spiel ist, ruhig über 150mg/dl, und dauf der Fahrt noch mal nachmessen (so Hälfte Wohnung / KH)...
Warum der so im Keller ist? Keine Ahnung. Wenn er wieder wach ist, einfach mal fragen?! Infektion? Fastenzeit und nur noch Wasser getrunken, nix gegessen? Oder aber Achtung: Erstmanifestation (Jaaa, ich habe keinen OA, der das Wort verbietet... :-))) eines Diabetes?

Leelaacoo
01.03.2013, 10:08
Nee, eine Erstmanifestation ist mir in der Diabetologie mit nem Unterzucker noch nie begegnet...wie sollte das pathophysiologisch gehen? Ein Insulinom wäre eine maximalst unwahrscheinliche Diagnose (auch hier habe ich leider noch keines tatsächlich diagnostizieren dürfen...bin aber auch nicht sooo lange dabei..alle (meist weiblich, um die Ende 30 bis Ende 40, häufig Doppelname, häufig gestresst) die bei uns bei V.a. Insulinom abgeklärt wurden, waren entweder nach 3 tagen Hungerversuch fertig mit den Nerven, aber nie im Unterzucker...oder man hatte wunderschön die facticia nachgewiesen (blöd, wenns C-Peptid supprimiert ist....). Auch beim fasten geht der "normale" Mensch meines Wissens nicht unter 45-50 mg/dl...zumindest habe ich noch keinen gesehen....was ja nichts heißen muss..aber 30 mg/dl? Schon sehr verdächtig auf was BZ-Senkendes...
Meine Vermutung: das Glimepirid o.ä. von der Ehefrau wurde mit eigenen Medis verwechselt (Insulin verwechselt man ja nicht sooo schnell)...oder gar ein Drama ums Erbe? ;-) Oder die Leute haben doch nen Diabetes und Medis und wissens nimmer (was durch häufige Hypos ja begünstigt wird ;-) ).

LG Lee

(PS: da fällt mir ein, ich hatte tatsächlich doch mal einen Unterzucker ohne Diabetes und ohne Insulinom, aber da gab es bei einer HIV-Therapie eine komplexe Wechselwirkung mit einem Antimykotikum...das dürfte hier auch eher nicht der Fall sein). der Gluckosegabe von Brutus schließe ich selbstverständlich vollumfänglich an *gefaelltmir*

Brutus
01.03.2013, 10:27
alle (meist weiblich, um die Ende 30 bis Ende 40, häufig Doppelname, häufig gestresst) die bei uns bei V.a. Insulinom abgeklärt wurden, waren entweder nach 3 tagen Hungerversuch fertig mit den Nerven, aber nie im Unterzucker...
Hatte ich vor 2 Wochen im Dienst. :-)
16j. Mädchen, etwas "fülliger", fühlte sich von den Freunden "gemobbt", wegen ihres Gewichtes. Und dann war sie wohl auch noch verliebt... Ist dann im Jugendtreff plötzlich beim Kickern umgekippt. BZ 40mg/dl. Laut der Mutter und der jungen Dame seit 7 Tagen nur noch Mineralwasser... :-wand
Gut, da sie bei Eintreffen leidlich wach war, haben wir sie erstmal 0,33l Cola trinken lassen. Und nachdem der BZ nach 10 Minuten und einer weiteren Cola auf 130mg/dl angestiegen war, und sie soweit unauffällig war, haben wir sie der Mutter mit nach Hause gegeben.
Ach so, von der Klinik, die die Betreuer des Zentrums beschrieben haben, wäre ich von einem Krampfanfall oder einem Apoplex ausgegangen. Aber mit 16 Jahren ein Apoplex und eine Epilepsie nicht bekannt? Naja, hatte sich ja nach dem BZ und der Anamnese erledigt...

Absolute Arrhythmie
01.03.2013, 11:02
So, und wie ist der BZ nun, nach der Glucose? Und ich würde nach der Infusion auch nochmal versuchen den Patient anzusprechen, vielleicht wird er ja schon etwas wacher.
Und wenn grad alle so rumstehen und warten, dass was passiert oder die Ehefrau uns Kaffee und Kuchen anbietet, könnte man die Frau ja mal fragen, ob sie uns mal die Tabletten zeigen kann, die so im Haus rumliegen.

FirebirdUSA
01.03.2013, 11:12
HAber mit 16 Jahren ein Apoplex und eine Epilepsie nicht bekannt? Naja, hatte sich ja nach dem BZ und der Anamnese erledigt...

So extrem selten ist ein Apoplex bei Kindern nun auch nicht, hab in den letzten 4 Jahren mindestens vier gesehen, dreimal Dissektion einmal unklarere Genese.

Ursache der Hypoglykämie: Entweder die Tabletten der Ehefrau genommen oder den Insulinpen mit dem eigenen Heparin verwechselt? Bei Insulin würde ich erwarten, dass der BZ nach kurzer Erholung auf die Glukose relativ schnell wieder fällt.

Leelaacoo
01.03.2013, 11:23
...und ich eher bei Glimepirid...das macht gerade bei Älteren schwer zu beherrschende Hypos...

LG Lee

*milkakuh*
01.03.2013, 13:08
Nach der Glucosegabe hat euer Patient eine BZ von 146 mg/dl und zeigt keine neurologischen Ausfälle mehr. Der Patient ist wach und ansprechbar und weiß gar nicht so genau, was hier eigentlich los ist. :-)) Sollen wir ihn jetzt mitnehmen oder daheim lassen?

Die Angehörigen sehen zwar alle so aus als hätten sie einen DM Typ 2, auf Nachfrage verneinen sie dies allerdings. Es befinden sich also keine Insuline und blutzuckersenkenden Medikamente im Haus.

Einen Suizidversuch kann sich auch niemand vorstellen, schließlich ist der Patient ja trotz seiner hohen Altes noch völlig fit und selbstversorgend. :-)

Ich löse schonmal den Rest auf, fahre nämlich über's Wochende in die Berge zum Skifahren und gleich geht's los :-)

Ein Insulinom konnte in der Klinik ausgeschlossen werden.

Die behandelnden Ärzte gehen darvon aus, dass die Hypoglykämie eine seltene Nebenwirkung des Medikamentes ist, was er zur Reduktion der Thrombozyten einnimmt. Der behandelnde Hämatoonkologe berichtet, dass er eine ähnliche Symtomatik schonmal bot und daraufhin das Medikament (allerdings gleicher Stoffklasse) umgesetzt wurde. Falls es euch interessiert hake ich gerne nochmal nach, um welches Medikament es sich genau gehandelt hat (glaube ein Anagrelid aber 100%ig sicher bin ich mir nicht).

Ich hoffe, dass euch das Fallbeispiel ein wenig Spaß gemacht hat, auch wenn ich euch den BZ erst so spät verraten habe. Ich fande die Konstellation einfach interessant. Ein zerebrales Ereignis wäre rein von der Anamnese einfa
ch viel naheliegender gewesen als eine Hypoglykämie.

WackenDoc
01.03.2013, 18:19
Danke für das Fallbeispiel.
Zeigt mal wieder, wie wichtige die Basics sind.

Miss
01.03.2013, 20:58
Ja, danke! :-)

Manchmal vergißt man es ja doch (aus irgendeinem Grund), und ich nerv spätestens auf der Anfahrt immer nochmal deswegen rum (bisher :-angel). Wir haben ja trotzdem erstmal hier rumgedoktort, und erst später wurde noch mal nachgehakt. Immerhin!

WackenDoc
01.03.2013, 21:10
Deswegen finde ich es so wichtig, dass bestimmte Dinge bei jedem Patienten gemacht werden. Also z.B. jedes Mal BZ wenn man nen Zugang legt- auch wenn es sich um den jungen, ansonsten gesunden Patienten mit ner Patellalux handelt.

Brutus
03.03.2013, 14:46
Ich lasse normalerweise auch grundsätzlich nochmal aus der Viggo einen BZ machen. :-)
Wäre nicht der erste Patient, der versucht hat, mit Traubenzucker zu retten, was noch zu retten ist, und noch Rückstände vom Traubenzucker an den Fingerbeeren hatte und damit sein / unser Gerät getäuscht hat... :-)

Schönes Fallbeispiel. :-top

*milkakuh*
05.03.2013, 17:00
Danke für eure Rückmeldung. Ich habe mir Mühe gegeben. :-winky

Noch als kleine Anmerkung von mir: evt. wäre noch ein kurzer Bodycheck sinnvoll gewesen (Pat. ist ja mehr oder weniger von der Toilette gefallen) außerdem hätte man sich vllt. noch die Ausscheidung des Pat. anschauen können, falls diese noch da ist (Blut? --> kann mich da an ein nettes Fallbeispiel von neulich erinnern ;-))