Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was ist der Facharzttitel wert?
In Österreich, sagen mir meine Gewährsleute, vermeidet man es zwischenzeitlich, deutsche Facharztabschlüsse einzustellen (auch als Chefarzt), es sei denn, es läßt sich überhaupt nicht vermeiden (= kein Ösi geht dahin).
Du hast aber auch ein gewaltiges zu kompensierendes Ösiminderwertigkeitsgefühl, oder musst Du sonst irgendwelche persönlichen Demütigungen/Vorkommnisse aus Deiner deutschen FA-weiterbildung verarbeiten?
Ja, es gibt einige Länder die eine deutliche bessere FA-weiterbildung hinbekommen wie die Deutschen, die Ösis gehören jedoch (nach meinen Quellen :-)) jetzt nicht unbedingt dazu, eher UK, Niederlande, skandinavische Länder etc., aber auch da ist nicht alles Gold was glänzt. Meist arbeitet man als FA auch in D jetzt auch nicht sofort komplett eigenständig und ohne BackUp. Ausserdem bestehen da auch je nach FA-weiterbildung und nach persönlicher "Eignung" durchaus unterschiedlich lange Lernkurven.
Ich bin ja schon lange dafür mal eine fachübergreifende Inititative zu starten mit dem Sinn die Weiterbildung für alle Fachbereiche besser zu gestalten. Dazu sollte man wegkommen von einer rein zahlenmässigen Erfüllung von WB-inhalten, dafür hin zu einer kleinschrittigen Überprüfung der Kompetenzen (sozusagen "Zwischenprüfungen"), dafür könnte am Ende von mir aus die FA-prüfung wegfallen. Es sollten ausserdem die wichtigsten WB-inhalte curriculär vermittelt werden.
Ach, ja, ein Traum...
Der Facharzt stellt denke ich (oder sollte es zumindest) in den aller meisten Fächern ein relativen breiten Standard über das Fach dar. Ich habe das Gefühl, dass das Lernen für den FA bei den meisten zu einem solchen Standard führt auch wenn dieser gar nicht umfassend in einer mündlichen, relativ kurzen Prüfung überprüft werden kann. Inzwischen ist es aber in den allermeisten Fächern kaum noch für einen einzelnen möglich das gesamte Fach inkl. aller Subdisziplinen auf höchstem Niveau zu repräsentieren. Als Oberarzt an einer großen Klinik oder Uniklinik ist man üblicherweise für Subdisziplinen zuständig und dies sollte sicher möglichst auf einem höheren Niveau erfolgen als dies für eine Facharztprüfung verlangt wird. Das heißt für mich, dass es nahezu unmöglich ist, dass ein frischer Facharzt Oberarztniveau auf allen Bereichen seines Faches hat. Für Subdisziplinen in denen man sich während der Facharztzeit spezialisiert hat, ist dies aber sicher direkt nach FA Erhalt möglich.
Eigentlich ist der FA ja nur der formelle Abschluß eines meiner Meinung nach dynamischen "Reifungsprozesses", den man (hoffentlich) in seiner Weiterbildung durchlaufen hat, hin zu der Fähigkeit selbständige Einschätzungen und Entscheidungen treffen zu können und was fast noch wichtiger ist seine Grenzen zu kennen und zu wissen, wann und wo man sich auch trotz Facharztstatus von anderen weiterhelfen lässt.
Für die NIederlassung ist es ganz ähnlich. Man kann auch in der NIederlassung nur das machen, was man kann. Wenn man sehr kurz nach dem FA in die Niederlassung geht, wird man meist nur ein beschränkteres Spektrum anbieten als nach längerer Zeit an Kliniken oder PRaxen und ggf. noch Erwerb von Zusatzbezeichnungen, deren Prüfungen dann üblicherweise auch deutlich stärker ins Detail gehen.
Bandwurm
02.04.2013, 12:56
Ich denke fachliches Wissen eignet man sich im Laufe der Zeit an. Ich komme aus der Psychiatrie und hier ist es viel praktische Erfahrung gepaart mit ner Ecke theoretischen Backgrounds. Aber egal wie lang man FA ist, der Schritt als OA ist trotzdem was neues -im Besten Falle-. Als Assi habe ich geschimpft auf die Weitebildung und jetzt muss ich die Weiterbildung selber organisieren, ich versuche Ärger von Ämtern, -wütenden Angehörigen von meiner Abteilung fernzuhalten, schaue, das das Arbeitszeitgesetz eingehalten wird, setze mich mit der Verwaltung auseinander wg. Arbeitsmaterial, ect.
Und das man sich nur von Leuten behandeln lässt die soundsolang Erfahrung haben ist ja wohl für den größeren Teil der Patienten Quatsch. Ich kenne kaum einen Patienten, dessen wohl an einer Person hängt während eines stationären Aufenthaltes, die allermeisten haben etliche Therapeuten. Wenn die Persönlichkeit stimmt und der Support durch die Abteilung kann auch ein guter Berufsanfänger in der Psychiatrie schon verdammt gute Therapien machen. Man muss halt mehr aufpassen, dass keine Fehler unterlaufen. Aber dafür sollte es ja auch die OÄ und auch andere Berufsgruppe wie die berühmte "erfahrene Stationsschwester" geben, damit sowas nicht passiert.
genau-der-da
14.04.2013, 16:26
Das ist primär ein deutsches Problem, weil man hier a) nach dem Studienende keine verpflichtende praktische Breitbandausbildung wie etwa in Schweden oder UK oder (de facto) Österreich machen muß, um die Appro zu kriegen.
Es geht bloß darum, möglichst geschmeidig an die Scheine zu kommen und die dann meist im internationalen Vergleich eher leichte (mündliche) Facharztprüfung zu absolvieren.
In Österreich, sagen mir meine Gewährsleute, vermeidet man es zwischenzeitlich, deutsche Facharztabschlüsse einzustellen (auch als Chefarzt), es sei denn, es läßt sich überhaupt nicht vermeiden (= kein Ösi geht dahin).
Wie in der Schweiz ! :-))
Ob eine Breitbandausbildung sinnvoll ist, darüber kann man sicher streiten. Der Turnus (um dein österreichisches Beispiel aufzugreifen) soll ja nun schon seit Ewigkeiten abgeschafft werden. Turnusärzte gehen wegen den schlechten Ausbildungsbedingungen regelmäßig auf die Barrikaden. Davon abgesehen glaube ich nicht das du für den österreichischen Allgemeinmediziner (nach 3-jährigem Turnus) eine Lanze brechen willst...
Das man in Österreich keine deutschen Fachärzte einstellt, stimmt natürlich nicht. An der Uniklinik Graz gibt es massenweise deutsche Fach-, Ober-, Chefärzte und die sind sicherlich auch nicht schlechter/besser als ihre österreichischen Kollegen.
Ob die mündliche Facharztprüfung so/zu leicht ist, kann ich nicht einschätzen. Du aber vermutlich auch nicht. Ich kann es auch mittlerweile kaum noch ernst nehmen, wenn ohne belegbare Evidenz derartige Behauptungen in den Raum gestellt werden. Aber komischerweise wissen immer einige ganz genau wie schwer, gut, toll ihre eigene Uni, Ausbildung ist und wie schlecht, einfach die Ausbildung von anderen ist - natürlich Bundesland- und länderübergreifend.
Das hat zur Folge, daß man ca. 90% der Fachärzte für Psychiatrie/Psychotherapie in die Tonne kloppen und keinem Patienten empfehlen kann. Gruselig ist es, wenn solche Typen zu Ober- und Chefärzten gemacht werden (bzw. sich selbst dazu machen!). Patienten denken ja immer noch: je höher der Rang, desto mehr Expertise ist vorhanden.
Von einem in der Psychiatrie tätigen würde ich etwas mehr (Selbst)Reflexion der eigenen Urteilskraft über Andere erwarten...
Wie schön wäre es jedenfalls, wenn nicht "alle" von sich selbst so sehr überzeugt wären und erkennen würden, das andere auch nicht alles schlecht machen. Dann könnte man sogar voneinander lernen und alle würden davon profitieren.
Von einem in der Psychiatrie tätigen würde ich etwas mehr (Selbst)Reflexion der eigenen Urteilskraft über Andere erwarten...
Ich vermute, du möchtest mit deinem verschwurbelten Satz ausdrücken, daß ich überheblich auf andere schaue....?
Willkommen in der psychiatrischen Realität!
Relaxometrie
15.04.2013, 14:33
Ich habe mal von einer psychosomatischen Privatklinik gehört, in der Heilpraktiker (!!!) auf die selbstzahlenden gesetzlich versicherten Patienten losgelassen werden. DAS ist wirklich in höchstem Maße bedenklich, und das Fach tut sich damit in keinster Weise einen Gefallen. Dadurch wird der Hokuspokus sogar von Fachärzten (Chefs und anderen ärztlichen Mitarbeitern der Klinik) unterstützt, obwohl Fachärzte der "Psycho-Fächer" (Psychosomatik und Psychiatrie) eigentlich alles daran setzen sollten, ihr Fach sauber zu halten und eine gute Weiterbildung zu schaffen.
Wenn man sich dieses Vorgehen (Heilpraktiker sind gut genug für Kassenpatienten) mal genauer auf der Zunge zergehen lässt, muß man sich erstens fragen, ob der Chef dieser Klinik so wenig von der ärztlichen Ausbildung in den Psychofächern hält, daß er Heilpraktiker für genau so geeignet, wie Ärzte hält. Und vorallem: wie sieht die Ausbildung der Ärzte unter diesem Chef aus? Ist sie so gut, daß er seine eigenen Weiterbildungsassistenten als Facharzt einstellen würde? Oder bildet er überhaupt nicht aus?
Wie auch immer.......ich konnte es nicht fassen, als ich dieses Heilpraktiker-Konstrukt mal am Nachbartisch beim Essen während einer Fortbildung mitgehört habe. Vielleicht hätte ich mir die Klinik nennen lassen sollen, um mich mal zu bewerben :-))
Leider klang das Ganze nicht nach einer UrbanLegend, sondern schon realitätsnah. Allerdings war es eine Anästhesie-Fortbildung. Die erzählenden Ärzte kannten die Heilpraktikersache also auch nur vom Hörensagen.
Wenn du was Gutes tun willst: Geh zur ÄK und nenn Ort und Namen dieser Klinik!
Ist wesentlich sinnvoller, als hier im anonymen Forum eigene Neurosen auszuleben!:-keks
Relaxometrie
19.04.2013, 22:10
Wenn du was Gutes tun willst: Geh zur ÄK und nenn Ort und Namen dieser Klinik!
Geht nicht, da ich weder den Ort, noch die Klinik kenne.
Ist wesentlich sinnvoller, als hier im anonymen Forum eigene Neurosen auszuleben!:-keks
Ok, danke. Ich finde es toll, daß die 10% besten Psychiater (90% sind ja Schrott, wenn man Dir glauben möchte) Diagnosen per Internet stellen können. Ich werde mich vertrauensvoll an Dich wenden, wenn ich mal wirklich eine Erkrankung aus dem psychiatrischen Formenkreis ausbrüte.
Es geht nicht um die Neurose an sich, denn eine Spielart davon hat fast jeder von uns (daher habe ich keine Diagnose gestellt, sondern lediglich dein Verhalten kommentiert), sondern um das Ausleben derselben.
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