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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Versagensängste - Wie geht ihr damit um?



die Giraffe
14.04.2013, 22:47
Hallihallo!
Ich bin Berufsanfängerin seit ein paar Monaten. Eigentlich macht mir die Arbeit rießig Spaß, aber die Angst zu versagen ist doch irgendwie immer da. Ich habe ständig das Gefühl, dass ich eigentlich gar nicht so richtig weiß, was ich da tue und alles "irgendwie" halt mache... ich versuche meine Unsicherheit immer offen zu kommunizieren und den Oberärzten klar zu machen, dass ich noch Backup und Kontrolle brauche. Und die Oberärzte sind wirklich supernett und haben immer ein offenes Ohr für meine Anrufe/Fragen. Aber ich merke schon, wie ich nun mehr und mehr mit kleinen Entscheidungen im Stationsalltag alleine zurecht kommen soll. Das ist ja auch gut so, ich soll ja auch eigenständig arbeiten. Aber mir macht das doch sehr viel Angst! Vor allem an Tagen wie einem Sonntag, wo ich zur Ruhe komme, fallen mir meine ganzen Fehler ein, die ich in der letzten Woche so gebaut habe... und die Angst, der "Versager" unter den Assis zu sein wird immer größer... Ich merke gerade sehr deutlich, dass ich die meisten Fehler deswegen mache, weil alles immer so viel auf einmal ist und weil man eine Aufgabe niiiiie in Ruhe zu ende machen kann, da immer der Funk/ Angehörige/ Pflege dazwischen kommen... achje!
Kennt ihr solche Gefühle auch? Wie seid ihr damit umgegangen? Ist es ganz normal, sich in den ersten Monaten so wahnsinnig unsicher zu fühlen und von einem Fehler in den nächsten zu humpeln? War es bei euch auch so, dass JEDER Tag für euch so ein Chaos war, weil immer irgendwas dazwischen kommt und ihr irgendwann gar nicht mehr wisst, wo euch der Kopf steht?
...Und vor allem: Wann wird es besser/leichter/ruhiger? :-blush
LG! Die Giraffe

FirebirdUSA
15.04.2013, 07:11
Hallo Giraffe, was du beschreibst hat in der einen odern anderen Form eigentlich jeder am Anfang durchgemacht. Man ist am Anfang mit vielem erstmal überfordert (das ist nicht nur ein Gefühl) und jeder Mensch macht Fehler. Den Anspruch an sich zu haben nie eine Fehlentscheidung zu treffen sollte man nicht haben.
Mit der Routine komt in der Regel auch etwas mehr Sicherheit bei den eigenen Entscheidungen, diese auch mal zu hinterfragen ist ja nichts schlechtes. Außerdem gibt es ja immernoch die Oberärzte die dazu da sind auch mal große Fehler zu bemerken und abzufangen.

WackenDoc
15.04.2013, 07:22
Früher oder später wird es besser.
Ganz wichtig: Versuchen am WE abzuschalten- es gibt genug Sicherungsmechanismen, dass der Patient das WE übersteht.
Dann nach Möglichkeit bei der Arbeit nicht stören lassen, bzw. nur unvermeidbare Störungen zulassen- Für Angehörige kann man Sprechstunden oder Termine vereinbaren. Nicht jeder Pups des Patienten muss mit Angehörigen besprochen werden. Erst recht nicht wenn der Patient wach und orientiert ist.
Ähnliches gilt für die Pflege: Ich hatte Pflegekräfte, die wirklich wegen jedem Pups einzeln ankamen, gerne auch mehrere Pflegekräfte mit der gleichen Frage im Abstand von 5min, statt sich abzusprechen oder Fragen zu sammeln, im Gegenzug aber z.B. nicht mit zur Visite sind.
Schaff die einen Zeitraum, in dem du nur in Notfällen gestört werden willst. Machen andere auch- versuch mal in ner Pflegeübergabe zu stören: da kann teilweise die Station abfackeln und du bekommst trotzdem für die Störung einen auf den Deckel.
Und To-Do-Listen zu schreiben hilft zumidnest das Wichtigste nicht zu vergessen.

Wann das besser wird: Kann man nicht sagen. Und du wirst dir z.B. die Zeit zum konzentrierten Arbeiten erkämpfen müssen.

Fr.Pelz
15.04.2013, 20:42
Hi ja- ich kenn das auch gut. Bin quasi von der jüngste-Anfänger-Unsicherheit in die ich-muss-als-Stationsärztin-alles-koordinieren-Unsicherheit reingestrampelt.
Mittlerweile hab ich aber gute Sicherungsmechanismen. z.B eine To-Do-liste (die sich hauptsächlich während der Visite füllt) in der ich die Dinge markiere, die ich den OA fragen will. Man muss und soll ja als Anfänger nicht alles entscheiden. Wichtig ist, dass dir die wichtigen Dinge einigermaßen rechtzeitig auffallen (da helfen auch so täglich abzuarbeitende Checklisten oder auch eine Checkliste für Aufnahmen z.B).
Wichtig ist auch, denk ich, dass man die Erfahrung machen muss, dass selbst wenn mal was schief läuft, das in den meisten Fällen kein Weltuntergang ist.
Chaos ist auf meiner Station auch IMMER- aus Prinzip. Aber sobald man nicht das Gefühl hat, dass alles aus dem Ruder läuft, geht es eigentlich. Irgendwann merkt man, dass man mit einer kleinen Unterbrechung z.B durch Rückfragen von Schwestern mit 2 Worten schnell was klären kann - was einem selbst vielleicht gar nicht aufgefallen wäre-

Wenn ich nicht im OP bin, sitz ich entweder auf meinem Platz mitten im Getümmel und bekomm alles mit, inkl "Wo sind denn hier die Vasen" und "ist der Essenplan schon fertig?" aber auch "Herr xy hat gerade wieder gebrochen" und "Die Hausarztpraxis hat angerufen, die Epikrise ist nicht angekommen" - klar sind das Unterbrechungen, aber man kann so auch Probleme lösen, die sich anstauen können.
Oder ich sitze in Abgeschiedenheit im Arztzimmer und diktiere- das kann ich nur empfehlen. Eine Zeit in der du nur Aufgaben wahrnimmst , die nicht sehr viel Konzentration benötigen , aber auch unterbrochen werden kannst und eine Zeit, in der du die Dinge machst, die Ruhe brauchen, an einem anderen Ort.
Und wenn es zuviel wird, das auch ruhig mal äußern. Manchmal steht man da, muss 3 Dinge gleichzeitig machen und dann kommt jemand und will das 4. von einem. "Moment, ich muss erst mal eine Sache zu Ende machen, schreiben Sie es mir auf n Zettel" beleidigt niemanden.

Am Wochenende abschalten kann ich aber leider auch so gar nicht :-(

fch33
22.04.2013, 22:45
Ich denke auch, dass es jedem am Anfang ähnlich erging. Ist schließlich auch sehr viel. Man lernt im Studium sehr viel, aber sehr viel auch eben nicht. Die Versagensängste habe ich sogar noch nach zwei Jahren... Sind aber vieeeeel weniger geworden.
Und die Verantwortung ist enorm groß, da ist es nur verständlich, wenn man sich oft Gedanken über eventuelle Fehler macht... Ist nicht gerade tröstend, ich weiß. Ich spreche oft mit Kollegen über Schwierigkeiten, die ich habe. das entlastet. Jeder neue Assistenzarzt muss einiges aushalten, denke ich. Am Anfang macht man halt noch Fehler. Die stehen einem zu, aber der Umgang mit diesen ist seitens der Oberärzte manchmal unter der Gürtellinie und verunsichert noch mehr (habe ich jedenfalls so erlebt). Dann heisst es: Durchhalten und durch Freunde trösten und aufbauen lassen. Es geht vorbei und wird besser. Irgendwann.

die Giraffe
23.04.2013, 21:05
Hallo!
Vielen Dank für eure lieben Antworten!
Viele Grüße! Giraffe

Lava
24.04.2013, 10:40
Wie Wacken schon gesagt hat: soooo schnell läuft das schon nicht aus dem Ruder. Wenn du dir die Laborwerte erst am nächsten Tag anschaust, ist das kein Beinbruch. Man kann nicht mehr schaffen, als man halt schafft in seiner Arbeitszeit. Wenn es zu viel für einen Arbeitstag ist, muss man Prioritäten setzen. Ich gucke z.B. immer, dass ich alle Aufklärungen rechtzeitig mache, damit keine OP verschoben werden muss und der Stationsablauf nicht ins stolpern gerät. Verbandswechsel und eventuelle Kontrolluntersuchungen müssen auch gemacht werden. Briefe stehen bei mir da eher hinten dran. Die kann ich zur Not auch noch am Entlasstag diktieren, dann muss der Patient eben zwei Stunden länger auf seine Entlassung warten.

Schülerlein
28.04.2013, 16:18
Danke@Giraffe für die gestellte Frage und dem Rest für die Antworten.

Bin ja auch erst ein Paar (2? :) ) Monate dabei und ein klein wenig beruhigt es dann doch, zu Lesen,
das man nicht der/die Einzige ist, die sich dann nach dem Dienst, nach der Woche Gedanken macht, was man vielleicht übersehen hat/besser hätte machen können. Gerade im Vergleich mit den erfahrenen Kollegen frag ich mich zumindest gerade immer, wie ich zu dieser Sicherheit gelangen soll :) Für mich ist jeder Anruf im Dienst mit: XY geht es irgendwie gerade ganz schlecht ein totaler Adrenalin-Schub. Passend dazu hab ich bei meinen ersten WE-Diensten dann noch ganz nette, aber leider noch unerfahrene Schwestern, die mich mit ihren Fragen dann noch mehr verunsichern :)

Noch einen schönen Sonntag!

par
28.04.2013, 16:25
auch von mir ein "Danke" für deine Frage, Giraffe (Lg :)) und alle bisherigen Antworten!
Ich freue mich sehr aufs Arbeiten und es sind genau diese Gedanken die mich verunsichern!
Auf jeden Fall lese ich weiter mit und sobald ich etwas dazu beitragen kann, werde ich das tun! :)

die Giraffe
28.04.2013, 17:35
texttexttext

schmapie
30.04.2013, 16:35
Puh, mir geht es genauso. Ich bin jetzt einen Monat dabei, und obwohl ich in der Anästhesie relativ behütet "aufwachse", hab ich andauernd das Gefühl mich total doof anzustellen. Es ist einfach soooo viel was auf einmal von einem erwartet wird. Und wenn ich denke dass ich an alles gedacht habe, fehlt dann was anderes. Aber ich habe die Hoffnung dass das mit der Zeit besser wird. Alle Kollegen berichten dass es ihnen genauso gegangen ist, daher habe ich Hoffnung dass wir das alle schaffen. :)