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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nicht Arzt werden, trotzdem Medizin studieren



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Stardust13
26.04.2013, 22:34
Hallo,

ich mach grad mein Abi und überlege, was ich machen soll.
In der Schule hat mich Bio nicht so sehr interessiert, aber ansich ist Interesse für den menschlichen Körper da.
Besonders pharmakologische Themen oder Krebsforschung etc finde ich sehr reizvoll.
Allerdings kann ich es mir momentan zumindest nicht vorstellen, als Arzt (wg Arbeitsbedingungen mit den Zeiten, Hierarchie im KH, Leid der Patienten) zu arbeiten.
Aber trotzdem wird mir oft geraten, statt Pharmazie oder Biochemie zu studieren, da es dort in der Forschung auch nicht gut aussieht.
Jetzt meine Frage: Kann man mit Medizin einfach in die Forschung einsteigen? Sprich: Postdocs zB auch in den USA?
Oder gibt es Fachärzte, wo man keinen Patientenkontakt hat und wofür es auch einigermaßen viele Stellen gibt (also jetzt nicht, dass zb nur die Topleute da reinkommen)?
Oder Fachärzte, wo die Schichten nicht so krass sind wie in der Inneren?

bugger
26.04.2013, 22:48
Fachärzte ohne Patienten? Facharzt für: Anatomie, Physiologie, Biochemie, Phamakologie, Pathologie

Allerdings wirst du in der Ausbildung massiv in die Klinik müssen. (1 Jahr PJ, 4 Monate Famularur, 3 Monate Krankenpflege)

Lava
26.04.2013, 22:54
Wenig Patientenkontakt haben auch Labormediziner und Radiologen z.B.

Und Patientenkontakt ist gar nicht soooo schlimm. Ich hatte da anfangs auch meine Bedenken und hab mich dann doch dran gewöhnt. :-)

Herzkasperl
26.04.2013, 23:02
Wenn Du nur forschen möchtest, wird es Dir als Mediziner auch nicht viel besser gehen als den Biochemikern (denen es btw gar nicht so schlecht geht). In der Industrieforschung, wo das Geld verdient wird, ist es ohnehin egal, was Du studiert hast.

Mir scheint aber eher, dass die ganze Ecke für Dich nichts ist: Wenn Du Bio nicht magst und keinen Patientenkontakt magst, dann frag ich mich, warum Du nicht lieber Physik, Germanistik, BWL oder Jura studierst. Null Bio, null Patientenkontakt, garantiert.

P.S.: Dass man sich für den menschlichen Körper interessiert kommt in unterschiedlichen Ausprägungen wiederkehrend im Leben vor. Bei fast jedem.

netfinder
26.04.2013, 23:05
Wenig Patientenkontakt haben auch Labormediziner und Radiologen z.B.

Und Patientenkontakt ist gar nicht soooo schlimm. Ich hatte da anfangs auch meine Bedenken und hab mich dann doch dran gewöhnt. :-)

Ja, aber wenn einen das Leid plaettet, ist Radiologie nichts.

PumpkinSouup
27.04.2013, 14:18
wie wär's mit Molekulare Medizin?

davo
27.04.2013, 17:39
Meine Sichtweise: für medizinische Forschung gibt es andere Studienrichtungen die sinnvoller sind. Das naturwissenschaftliche Grundlagenwissen das man im Medizinstudium durchnimmt ist ziemlich minimal.

ABER es ist aus Tradition oft so dass die die medizinische Forschungsprojekte leiten Ärzte sind. (Ob das sinnvoll ist ist ein anderes Thema - aber es ist nunmal so.) Deshalb kann es aus strategischen Gründen notwendig sein Medizin zu studieren wenn man da höhere Ambitionen hat. Da würde sich ein MD-PhD-Programm anbieten wie es z.B. in Greifswald und an einigen anderen deutschen Unis angeboten wird, da man dort dann mehr naturwissenschaftliches Grundlagenwissen erwerben kann als wenn man "normal" promoviert.

Außerdem wichtig: ich hatte bei deiner Frage teilweise den Eindruck dass es dir vielleicht gar nicht so sehr um das Interesse an medizinischer Forschung geht sondern eher darum dass du Angst vor Patientenkontakt hast. Wenn das der Fall ist, wenn dein eigentliches Ziel also nicht ist in die medizinische Forschung zu gehen, sondern wenig Patientenkontakt zu haben, dann gibt es etliche medizinische Fachrichtungen die dir das ermöglichen. Anatomie, Biochemie, Humangenetik, Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie/Virologie, Pathologie, Pharmakologie, Physiologie, um nur ein paar zu nennen. Du müsstest zwar in Jahren 3-5 des Studiums ein wenig Patientenkontakt haben, und dann in Jahr 6 des Studiums viel Patientenkontakt, und teilweise auch noch eines der fünf Jahre der FA-Ausbildung in einem Bereich mit Patientenkontakt, aber nach der FA-Ausbildung hättest du dann wenig oder keinen Patientenkontakt.

Insofern stellt sich mir die Frage was dein wirkliches Ziel ist. Sobald du dir darüber im klaren bist kannst du überlegen welcher Weg der sinnvollste zu diesem Ziel ist.

Miyu
27.04.2013, 17:55
Ach, ich dachte anfangs auch, dass ich nie Bock auf Patientenkontakt haben werde. Anfangen, ausprobieren, Famulaturen und sowas abwarten. Pathologe werden kannst du immernoch. :grins:

Stardust13
28.04.2013, 11:22
Wow, danke für die vielen Antworten! :D
Ich denke, davo, du hast eig ganz gut meine Gedanken zusammengefasst.
Ich kann natürlich noch nicht sagen, ob ich wirklich endgültig in der Forschung landen werde (da werden sicher nur die Cracks sein).
Aber genau solche Fachärzte kann ich mir schon sehr gut vorstellen. Ein bisschen Patientenkontakt ist ja ok.
Meine Frage wäre: Kriegt man "einfach" solche Assistenzstellen? Klar sollte man immer gute Noten und PJ in den Bereichen haben. Aber ich habe gelesen, dass zb FA-Stellen in Orthopädie und Innere sehr leicht zu kriegen seien, weil es dort eben einen großen Mangel gibt.
Auch frage ich mich, wie die Arbeitszeiten in Anatomie, Biochemie, Humangenetik, Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie/Virologie, Pathologie, Pharmakologie, Physiologie, vllt auch Radiologie so sind.
Ist es teilweise wirklich ein 8h Job? Das kann ich mir gar nicht vorstellen, wenn im KH dann alle Assistenzärzte nach dem gleichen Tarif bezahlt werden. Wäre das nicht unfair den Leuten gegenüber, die 24h Schichten schieben müssen?
Bitte versteht mich nicht falsch, ich möchte mich nur genau informieren.

Feuerblick
28.04.2013, 11:24
8h-Jobs sind in der Medizin doch eher selten (vertraglich sehr oft 42-Stunden-Woche)... Und natürlich werden Dienste jenseits der Regelarbeitszeit zusätzlich bezahlt.

Leelaacoo
28.04.2013, 12:01
8-h-Jobs in der forschenden NaWi sind aber auch nicht die Regel...

Ich denke, Medizin ist nichts für dich, diese Ponyhofgedanken an "Krebsforschung" sind doch sehr naiv und entsprechen nicht der Realität in diesem Bereich...mache etwas, das dich auch wirklich interessiert...den menschlichen Körper "studieren" kann man übrigens auch außerhalb des Hörsaals ;-) (sowohl als auch...ihr versteht....)

LG Lee (@davo: ein paar Satzzeichen wären nicht übel, versuchs bitte mal mit Kommas, dann kann man das besser lesen)

WiWi18
28.04.2013, 14:12
Alternativen zum Arztberuf sind:

- Unternehmensberatung. Achtung, die großen Beratungen sind extrem selektiv, und die Auswahlprozesse auch etwas zufallsgetrieben und nicht immer transparent ("personal fit"). Allerdings suchen die eher Leute mit naturwissenschaftlichem Hintergrund als Betriebswirte, die Chancen, zumindest ins Interview zu kommen, sind also so schlecht nicht - sofern die 1 vor der Abschlussnote steht.

- Pharmakonzerne. Da gibts einige Stellen/Traineeprogramme explizit für Leute mit Medizinstudium.

Man muss als Mediziner nicht zwingend Arzt werden, wenn man das nicht möchte. Ich sehe es eher so, dass Medizin auch die Türen öffnet, die durch die auch hier vorgeschlagenen Alternativen geöffnet werden, aber eben noch einige Türen mehr. Strategisch gesehen ist damit ein Medizinstudium in jeder Hinsicht klüger als die Alternativen.
Es sei denn, du willst unbedingt in eine ganz besondere Richtung, die mit einem nicht-medizinischen Studium vielleicht leichter zu erreichen ist als mit Medizin - dann würde ich das Alternativstudium wählen. Du scheinst mir bisher aber eher planlos zu sein.

Nessiemoo
28.04.2013, 22:56
Hast du schon Erfahrungen im Krankenhausbereich gemacht? So definitiv sagen ob es einem steht oder nicht ohne es auszuprobieren, kann man eigentlich so pauschal nicht. ;) Mach doch 1-2 Wochen Praktikum im Krankenhaus (am besten direkt mit den Ärzten rumlaufen, Pflegepraktikum würde aber auch gehen) und entscheide erst dann dich.

Ich würde aber wenn man nicht arzt werden will, nicht medizin studieren. Da würde mir persönlich schon viel an Motivation einfach fehlen, weil teilweise haltet man sachen nur aus, damit man später doch Arzt werden kann.

Wenn du richtung Forschung gehen willst, würde ich dir ein anderes Studiengang raten - zB Medizintechnik, molekulare Medizin, Biochemie oder Life Sciences, oder Biologische Chemie, oder Pharmazie. :)

Miss Callie
29.04.2013, 21:06
Das liest sich hier fast so, als ob Forschung ein Ponyhof wäre!

Ich würde Medizin studieren. Dann kannst Du Dir aussuchen, ob Du forschen willst oder nicht. Ein Arzt findet viel leichter einen Job als ein Biologe, der die Forschung nicht mehr erträgt!

Leelaacoo
29.04.2013, 21:15
Das liest sich hier fast so, als ob Forschung ein Ponyhof wäre!

Ich würde Medizin studieren. Dann kannst Du Dir aussuchen, ob Du forschen willst oder nicht. Ein Arzt findet viel leichter einen Job als ein Biologe, der die Forschung nicht mehr erträgt!

Wer lesen kann ist klar im Vorteil...ich meinte mit Ponyhofgedanken die naive Vorstellung von manchen, die in "die Krebsforschung wollen" um "Leben zu retten"...ohne irgendeine Vorstellung von der Materie zu haben...

LG Lee

Miss Callie
30.04.2013, 13:31
Wer lesen kann ist klar im Vorteil...ich meinte mit Ponyhofgedanken die naive Vorstellung von manchen, die in "die Krebsforschung wollen" um "Leben zu retten"...ohne irgendeine Vorstellung von der Materie zu haben...

LG Lee

Ich meinte Deinen Kommentar gar nicht. Im Gegenteil!

Die Spitze hätte aber so oder so nicht sein müssen. Meine Antwort dazu lasse ich jetzt mal weg..;)

Stardust13
01.05.2013, 12:15
Genau das mit der Jobsituation denke ich mir eben auch.
Habe viele NaWis kennengelernt, die hier kaum Promotionsstellen oder PostDocs finden.
Als Mediziner hätte man die Chance, immer noch die genannten FAs zu machen oder auch zu praktizieren.
Ich frage mich eben, ob man als Mediziner auch ins Labor kommen kann oder das fast unmöglich ist, da es heute so viele Biochemiker etc gibt.

@ Leelaacoo
Klar ist Forschung nicht das einfachste und kann ziemlich frustrierend und zeitaufwendig sein.
Hast du bspw eine experimentelle Dissertation gemacht und kannst von deinen Erfahrungen berichten?
Würde mich sehr interessieren :)

maniac89
01.05.2013, 15:59
Genau das mit der Jobsituation denke ich mir eben auch.
Habe viele NaWis kennengelernt, die hier kaum Promotionsstellen oder PostDocs finden.


Promotionsstellen findet man als Biologie problemslos in jedem Bereich. Post-Doc-Stellen auch, aber nach dem zweiten Post-Doc wird die Luft dünn.

test
01.05.2013, 17:09
Promotionsstellen findet man als Biologie problemslos in jedem Bereich. Post-Doc-Stellen auch, aber nach dem zweiten Post-Doc wird die Luft dünn.

Dein Wissen beruht auf welcher Erfahrung??

Ich bin als Arzt in einem Fach der direkten Patientenversorgung und parallel in der experimentellen Forschung an einer Uniklinik tätig und würde auf jeden Fall abraten eine NaWi oder einen der neuen Studiengänge wie molekulare Medizin, BIomedizin usw.. zu studieren, wenn man sich nicht absolut der Konsequenzen bewußt ist.

Bleibt man als NaWi in der Forschung und fängt man als Doktorand an wird man, wenn man Glück hat 65% TV-L E13 Stelle, entsprechend ca. 2200 brutto/monat, bekommen, alternativ 50% oder Stipendium von 1100-1500 für ca. 3-5 Jahre. Es gibt durchaus auch nicht wenige NaWi, die keine Promotionsstelle bekommen. Wenn ich für NaWi Doktorandenstellen ausgeschrieben habe, bekam ich regelmäßig BEwerbungen von Diplom oder Masterabsolventen, die seit 1-3 Jahren im Drogeriemarkt arbeiten! Deren NOten sind zwar meist nicht gerade berauschend (2er-3er Bereich) aber trotzdem ernüchternd.
Im Anschluß an die Promotion bekommt man, wenn man das möchte und Glück hat eine Postdoc Stelle TV-L E13 und hat den entsprechenden Druck (Hochschulrahmengesetz) schnell zu habilitieren, evtl. noch post doc im AUsland, eine PRofessur zu erwerben, Drittmittel einzuwerben usw...
Wenn es das ist, was einem Spaß ist und man wirklich gut ist, ist das sicher eine gute und schöne Möglichkeit. Alternativ kann man eine der wenigen sehr raren Hausstellen für NaWi erwischen und darauf alt werden, ist aber sehr selten. Alternativ gehen viele Diplom oder Master NaWi in die Industrie und arbeiten dort als MTA. Das ist inzwischen absolut üblich und auch an den Unis werden B.sc. und M.sc. ABsolventen, die nicht promovieren wollen, als MTA beschäftigt. Wenn man als promovierter NaWi in die Industrie gehen will, gibt es sehr viele Jobs mit repräsentativen Aufgaben, die nicht mehr viel mit der klassischen Forschungsarbeit im Labor zu tun haben (Marketing, Vertreter, Support, usw...). Diese Stellen erscheinen promovierten NaWis häufig eher unattraktiv. In der Industrie Forschung ist man als promovierter NaWi dann vor allem in Supervision und Projektplanung eingesetzt, diese Stellen sind jedoch im Vergleich eher etwas seltener als die vorher Genannten.

Ich wollte ursprünglich vor meinem Studium eigentlich sicher in die Forschung und hatte zunächst überlegt molekulare Medizin oder dergleichen zu studieren. Hiervon wurde mir jedoch glücklicherweise in meinem Bekanntenkreis abgeraten und zur Medizin geraten, was ich dann auch gemacht habe und im direkten Vergleich nie bereuen würde.
Als Mediziner kann man, wenn man das möchte, auch sehr gut in die experimentelle Forschung (nur nicht zu spät, also nicht unbedingt erst nach der retrospektiven Promotion ;) ) mit oder ohne paralleler Kliniktätigkeit. Man hat mit wenigen Ausnahmen eine wesentlich bessere PErspektive als die allermeisten NaWi, da man mit Abschluß des Studiums als AA schon mehr als ein postdoc verdient und als Facharzt meist schon mehr als ein Professor in einem GRundlagenfach. Zudem ist die Arbeitsplatzsicherheit eines Arztes (nicht nur in der kurativen Medizin sondern auch in Schreibtischjobs, wie MDK, Versicherungen, Gesundheitsämtern, usw..) etwas wovon der NaWi nur träumen kann.

Aber auch als MEdiziner ist die experimentelle Forschung üblicherweise nicht etwas, was man mal so macht, weil einem die anderen Bereiche nicht gefallen, da sie auch für Mediziner anspruchsvoll ist und man auch hier um langfristig dabei zu bleiben einen hohen Erfolgsdruck hat. Von daher würde ich mir eher noch andere Alternativen als die Forschung überlegen, wenn man nicht Patientennah arbeiten will. Da gibts aber meiner Meinung nach in der Medizin mehr als genug andere mit bessere work-life-salaray Balance als die Forschung ;)

maniac89
01.05.2013, 18:53
Dein Wissen beruht auf welcher Erfahrung??

Auf dem, was man mitbekommt, wenn man seinen BSc in obigem Fach gemacht hat, während dessen oft mit Leuten ins Gespräch kam, die als Biologe an der Uni arbeiten und demnach auch viele Freunde und Bekannte hat, die mit dem Master fertig sind oder im Fertigwerden begriffen sind. Und ich persönlich kenne niemanden, der promovieren wollte, aber keine Stelle gefunden hat, dafür aber einige, die das jetzt zwangsweise tun, weil sie sonst nichts bekommen haben.