Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Neues Dienstsystem - kann man irgedwas machen?
Hm, naja solche Drohgebärden sind halt noch neu für mich, (wie ja alles andere auch) man bekommt da schon erstmal Angst. Es gab vor nicht allzulanger Zeit ein Interview mit der Geschaftsführung, wo auf das Bewerberproblem in unserer strukturschwächeren Region angesprochen, so etwas in der Art "dann holen wir uns halt die willigen Ärzte aus dem Ausland" (übertrieben ausgedrückt) geantwortet wurde.
John Silver
12.05.2013, 08:23
Prinzipiell sind ausländische Kollegen kein Übel. Übel ist aber, wenn sie kein oder kaum Deutsch sprechen, denn das zieht einen Riesenschwanz an Problemen mit sich. Solche Leute kann man weder in der Sprechstunde noch in der Notaufnahme einsetzen, und auch auf Station sind sie kaumzu gebrauchen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ihr, die der deutschen Sprache mächtig seid, für diese Aufgaben eingeteilt werdet, während die sprachunkundigen den ganzen Tag im OP stehen. Schön, nicht wahr? Ferner sind schlechte Sprachkenntnisse ein enormes Sicherheitsrisiko, das habe ich bereits erwähnt. Wenn ihr nicht dumm seid, solltet ihr euch geschlossen gegen die Einstellung solcher Bewerber positionieren.
Schichtdienst ist Grundsätzlich ein beliebtes Thema bei den Verwaltungen, weil sie kurzsichtig sind und von Medizin, über die sie täglich entscheiden, nicht die geringste Ahnung haben. Da sollte man sich nicht allzu große Sorgen machen. Wenn euer Chef nicht dumm ist, wird er schon den Schichtdienst zu vermeiden wissen.
Ja, ich finde es auch schwierig mit der Kommunikation. Bis jetzt hält es sich bei uns im Rahmen, eben weil der Chef solche Bewerbungen schnell unter den Tisch fallen lässt.
Gerade haben wir einen neuen Kollegen aus dem asiatischen Raum, er bemüht sich wirklich redlich, aber ich muss oft 3mal nachfragen, wenn er was sagt, andersrum er auch. Und ich gewöhn mich ja irgendwann dran, aber die Patienten ja nicht (einer war schon beleidigt, weil er sich ausgelacht fühlte vom dauerlächelnden Kollegen).
Dann gibt noch einen aus dem Osteuropäischen, der bemüht sich auch und kann auch schon recht gut sprechen, nur beim Schreiben haperts- macht also kaum Epikrisen und wenn doch, muss man sie so lang kontrollieren, dass maan sie selbst schreiben könnte. Und dann aktuell: Erasmus-Studenten aus dem Mittelmeerraum. Wir bemühen uns alle zu integrieren, aber es ist stressig - und wir sind ja quasi noch privilegiert, da hab ich z.b an der Charité Zustände mitbekommen, wo Stationen völlig in arabischer Hand waren und Patienten geflohen sind.
Dagegen, dass nichtdeutschsprechende bevorzugt im OP eingesetzt werden, würde, denk ich, nicht nur ich mich wehren. Für die Operateure ist doch auch schwierig, wenn die Assistenten ihre Anweisungen nicht verstehen.
Für Studenten gibt es doch Simulationspatienten im Rahmen der Lehre, im Rahmen von Sprachprüfungen sollten die auch eingesetzt werden. Wenn die den Bewerber nicht verstehen, muss er so lange Kurse besuchen, bis sie es tun. Schließlich braucht man im Krankenhaus nochmal bessere Kenntnisse als fürs Brötchenholen.
Fakt ist aber auch ganz einfach, dass es völlig gängige Praxis ist, Kollegen einzustellen, die kaum Deutsch und meist auch noch kaum Medizin können. Dass das verantwortungslos ist und dass, wenn sich das rumspricht, die Klinik nen schlechten Ruf bekommt, liegt auf der Hand, komischerweise wirds aber tagtäglich hundertfach praktiziert. Was anfangs nur in den angesprochenen strukturschwachen Gegenden der Fall war, weitet sich immer mehr in urbane, eigentlich attraktive Regionen aus. Ich stand letztens nachts als Notarzt im Schockraum und war der einzige deutsche Muttersprachler und bin mir nicht so sicher, ob meine Übergabe umfassend verstanden wurde. Zum Glück waren fähige Schwestern da, aber in der Situation dachte ich auch kurz: "shit". Ich glaube also nicht, dass ein Chef im Falle von großem Personalbedarf durch ein neues DP Modell eine große Wahl haben wird, es sei denn, er punktet mit Weiterbildung, aber das scheint ja in dem Fall nicht so hoch im Kurs zu stehen. Und mal ganz persönlich an die Erstautorin des Threads: ich wollte nicht unter einem Chef arbeiten, der auch nur den Funken eines Gedanken wie "dann wird derjenige eben entfernt" äußert. Andere Mütter haben auch schöne Töchter und andere Orte schöne Kliniken...
Kackbratze
17.05.2013, 07:52
"dann wird der eben entfernt" ist die nächste Drohgebärde, spätestens wenn der erste "entfernt" wurde, fällt nämlich dem Rest auf, wie in der Abteilug von oben agiert wird und haut gleich mit ab.
Been there, done that, got the t-shirt.
Naja, davon hat sich der Chef distanziert, er meinte, dass die Geschäftsführung so agieren würde.
Mein asiatischer Kollege entpuppt sich so langsam als wenig hilfreich. Der macht und tut und ich denke noch, ach das klappt ja gut- und dann macht er etwas Dummes. Ordnet Medikamente an ohne bei der Aufnahme nach Allergien zu fragen, kapiert trotz mehrfachen Hinweisen nicht, dass wir keine ICD-10 Codes in Briefe einfügen... und ich hab keine Lust (und es ist ja auch nicht meine Aufgabe) auf den irgendwie aufzupassen.
Naja, ich werde bald rotieren und ich denke, auf einer anderen, ruhigeren Station lässt sich auch das Dienstsystem aushalten, wenn man nicht allzuviele Dienste macht. Wir haben jetzt jedenfalls im Kollegium beschlossen uns nicht weiter zu wehren, zumahl die meisten Neuerungen auch "nur" die Assistenzärzte betreffen und die Fachärzte auch keine Lust mehr haben weiter zu dikutieren, für etwas was sie nur minimal tangiert.
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.