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Kotenchek
05.06.2013, 20:16
Hallo zusammen!
Ich habe folgende Frage:
Nach 2 Jahre Innere Medizin überlege ich in Praxis zu wechseln. Worauf muss mann beim Vorstellungsgespräch achten:
-Gemeinschaftspraxis oder Einzelpraxis
-Praxisgröße (Scheinzahl)
-Zusatzbezeichnungen
-Land oder Stadpraxis
-wann redet man über Bezahlung (ob es möglich wäre auf Klinikniveau bezahlt werden).
Danke für eure Antworten!

WackenDoc
05.06.2013, 21:58
Ich würde zur Gemeinschaftspraxis tendieren. Dort verteilt sich die Arbeit mehr, das Spektrum ist größer, wenn man mit einem Kollegen nicht soo gut kann, gibt es noch genug andere und die Wahrscheinlichkeit, dass man an genau den Urlaub des Inhabers gebunden ist, ist geringer.
Praxisgröße: Ich glaube, das ist nicht so wichtig- zumindest war das bei meiner Praxisauswahl kein Thema.
Zusatzbezeichnungen: Mitnehmen was geht. Mit etwas Glück haben die sogar eine Weiterbildungsermächtigung dafür. Und selbst wenn nicht, kannst du das Wissen mitnehmen.
Land oder Stadt: Damit kann ich nicht dienen. Bei Landpraxen aber unbedingt absprechen wie das mit Hausbesuchen sind- ob du die alleine machen sollst und wann und ob du die Kosten erstattet bekommst, wenn du mit deinem eigenen Auto fährst.
Dienste solltest du auch absprechen. Ich hatte Glück und die Praxis hatte die wegen Überlastung komplett outgesourced. In dem Landkreis war das aber sehr gut über eine Notdienstpraxis im Krankenhaus organisiert. Diese Dienste hätte ich gesondert von meiner Tätigkeit in der Praxis machen können. Alle paar Monate kam mal ne Anfrage von der KV, dass sich doch bitte ein Freiwilliger für einen Dienst melden möge, da sonst jemand bestimmt werden würde. So weit ich weiss, hat sich immer ein Freiwilliger gefunden.
Bezahlung: Gleich beim Bewerbungsgespräch ansprechen, wenn einem so grob klar ist, das man dort arbeiten möchte und die einen wollen (letzteres sollte nicht das Problem sein- meine Praxis hat z.B. seit Monaten händeringend jemanden gesucht).
Ich würde sogar empfehlen sich in verschiedenen Praxen weiterbilden zu lassen. Das hat zwar Nachteile, was das selbständige Arbeiten und die Integration in das Team angeht. Aber so kann man verschiedene Arbeitsweisen und Arten der Praxisorganisation kennenlernen. Wenn die Praxen unterschiedliche Schwerpunkte haben- um so besser.

Harvey
06.06.2013, 18:54
durch die Förderung der KV und Krankenkassen gibt es grundsätzlich 3500 Euro - der Hausarzt zahlt dann noch etwas hinzu, natürlich muss er auch noch die Nebenkosten bezahlen, aber letztlich bist du eine günstige Arbeitskraft, bist daher eher in der guten Verhandlungsposition. Gibt auch Stellen die relativ viel zahlen, jedoch sicher auch viel Arbeit abwälzen wollen. Würde besonders auf Arbeitsklima achten und organisierte Abläufe. Würde auch eher empfehlen Praxis mit mehreren Leuten - weil mehr Wissensspektrum. Wichtig ist auch, ob alle Geräte da sind die du noch für die Weiterbildung brauchst - anständiges Sono-Gerät! zum üben.

Würde auf Schwerrpunkte achten - hat der Arzt z.B. Psychotherapie dann kommen viele Patienten mit vorwiegend auch psychsomatischem Gepäck. Glaube Landarztpraxis ist cooler, aber eben wirklich vorher abklären, ob Spritkosten bezahlt werden für Hausbesuche.

Wichtig auch Fortbildungstage - möglichst viele machen, brauchst u.a. Psychosomatische Grundversorgung, aber man hat in der Allgemeinpraxis mehr Bedarf nach breitem Wissen und neigt eher zu vermehrtem Fortbildungsbesuchen.

Würde auch nach Arbeitszeiten fragen - wann Beginn, wann Ende. Natürlich soll man viel machen und so, bleibe selbst auch oft länger, aber Praxisinhaber sind Selbständige, für die ist es normal (fast) immer da zu sein runumdieuhr - da wird man unfreiwillig in dieses Schema mit reingezogen.

Man sollte auch hospitieren und gucken, was die Praxishelfer/Innen alles erledigen und wie viel an dir hängen bleibt und ich würde mir überlegen auch eine Nische zu suchen, die einen interessiert und die man dann mit in die Praxis einbringt.

Jedenfalls ist es immer gut alles vorher anzusprechen, dank der 3500 Euro Förderung ist man als Weiterbildungsassistent eher begehrt...

Kotenchek
06.06.2013, 20:38
Vielen Dank für eure Antworten!
Jetzt bin ich mehr schlauer)))
Wenn ich eine Stellenangebote auf Homepage der Landesärztekammer aufmache, ich so eine riese Liste drin. Und kann mann nicht alle besuchen und angucken, deswegen will ich schon ein Filter machen, was einigen Maßen passt und was nicht..
Auf jeden Fall ist Forum sehr hilfreich)
LG I.

CD95
06.06.2013, 20:43
Aber ist es nicht so, dass man wenn man die Förderung von 3500 Euro in Anspruch nimmt sich für 3 weitere Jahre nach der Fachausarztausbildung verpflichtet hausärztlich tätig zu sein!?
Ansonsten muss man doch alles zurück zahlen, oder?

Ich meine man weiß ja nie was passiert- man könnte krank werden oder will als Frau plötzlich Familie...;)

Harvey
06.06.2013, 21:42
Soweit mir bekannt besteht keine Verpflichtung als Hausarzt niedergelassen tätig zu sein, außer, dass man eben den Facharzt für Allgemeinmedizin macht. Wer würde das sonst machen, zumal bei Pflicht zum Hausarztsein ja dann auch ein Kassensitz verpflichtend bereit gestellt werden müsste.

Kotenchek
07.06.2013, 20:50
Könntet Ihr so Alltag des Allgemeinmediziner beschreiben? Wieviel Überstunden gibts in der Regel? Der Praxisinhaber ist gleich so etwas wie OA und Chefarzt? Wie verteilt sich die Zeit zwischen Sprechstunden, Hausbesuchen und Papierkram?
Vielen Dank an alten Hasen)

merlin
08.06.2013, 14:22
Als niedergelassener Hausarzt in einer großen ÜBAG mit 2 WBA würde ich gerne folgendes beitragen:

Die meisten Hausärzte können sich glücklich schätzen, wenn sie eine(n) Ärztin/Arzt in Weiterbildung finden und beschäftigen können. Wir zum Beispiel mussten wir hart um unsere Ärztin in Weiterbildung an einem Standort kämpfen :-) Das bedeutet das ihr selbst die Bedingungen stellen könnt !
Uns wurden die Wünsche der WBA erst später bewust. (siehe auch
http://www.update-arztpraxis.de/organisation-praxisfuehrung/was-sich-unsere-aerztin-in-weiterbildung-wuenscht/)

Wir zahlen die vollen 5000€ für eine 100%-Stelle und ich denke, dass das ein gerechter Lohn für die Arbeit ist, da wir ja auch die Förderung erhalten.

Die Förderung muss man nur zurückzahlen, wenn man den Facharzt für Allgemeinmedizin nicht innerhalb einer gewissen Zeit macht, man muss sich nicht niederlassen.

Zu unserem Alltag:

Wie viele Überstunden gibt es in der Regel?

=> Keine, es sei denn, diese werden von unserer WBA freiwillig gemacht, und dass kommt häufig vor. D.h. ich muss Sie oft darum bitten, Schluss zu machen. Sie hat auch einen Zugang von zu Hause und bereitet sich dann freiwillig auf die kommenden Termine am Vortag vor. Das erwarten wir nicht, aber es gibt ihr ein Gefühl der Sicherheit.

Der Praxisinhaber ist gleich so etwas wie OA und Chefarzt?
=> ja, nur dass der Umgang um einiges freundschaftlicher ist. Hier arbeitet man kooperativ und schätzt die Arbeit der Kollegen in aller Regel.

Wie verteilt sich die Zeit zwischen Sprechstunden, Hausbesuchen und Papierkram?
=> Unsere WBA nutzt die Zeit zwischen den Patienten, um noch einmal Krankheiten nachzulesen, oder mit uns Patienten zu diskutieren. Für sie fällt kein Papierkram an, dass ist sicherlich etwas was wir von ihr fernzuhalten. Hausbesuche darf sie durchführen, muss es aber nicht tun. Derzeitig macht sie hauptsächlich Hausbesuche in der Verwandschaft :-)
Sie wird bald einen ersten freiwilligen Nachtdienst und Samstagsdienst übernehmen, sie möchte das aber aus Eigeninitiative.


Grüße

Kotenchek
10.06.2013, 19:47
Wie kann man dann bewerben: manche Weiterbilder haben e-mail, kann man sicherlich schreiben. Manche haben nur Telefon, muss man anrufen und fragen? ist es eher schlechtes Zeichen, dass man keine e-mail Adresse hat?

WackenDoc
10.06.2013, 20:01
Ich würde anrufen.
Viele Praxen haben keinen Internetauftritt und keine öffentlich bekannte E-Mail-Adresse.
Ein schlechtes Zeichen muss das nicht sein.

Kotenchek
11.06.2013, 05:54
Ich habe auf meine Anfrage eine 96-seitige Liste bekommen, das wird ja lustig alles durchgehen. Ich habe richtig was zu tun).Kenn jemand vielleicht eine gute Praxis in Nürnberg und Umgebung?

denkstdu
11.06.2013, 07:29
Ohja ne gute Praxis in Nürnberg und Umgebung würde mich auch interessieren. Also wenn du eine gefunden hast und damit glücklich bist und diese weiterempfehlen kannst, nur raus mit der Sprache. Ich brauche das erst in ca. 2 jahren ;-)

Kotenchek
13.06.2013, 20:43
Hallo zusammen!
Ich habe schon meine Liste angefangen zu bearbeiten und habe festgestellt, dass in manchen grossen Praxen mehrere Weiterbilder sind, sie konnen ihre eigene Assistenten einstellen? Das bedeutet, dass Praxis mehrmals in der Liste vorhanden ist. Das verstehe ich nicht so ganz...
Hab noch eine Frage, was die bezahlung angeht: Wie viel muss mann schon verlangen und wie viel wäre es Frechheit? Will gerne in PKV wechseln...