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Absolute Arrhythmie
16.08.2013, 06:14
Und wer dreht die 2. EK dann auf bzw. den 3-Wege-Hahn??

Na die Schwester.

Brutus
16.08.2013, 11:26
Und wer dreht die 2. EK dann auf bzw. den 3-Wege-Hahn??
Erstmal: wenn Du es geschickt machst, dann niemand. Denn dann laufen die EK wirklich nacheinander rein, ohne dass da jemand was umstellen muss. Eins einfach höher hängen, das andere tiefer, und schon ist die Reihenfolge gesichert.
Andererseits, wenn die Schwester es macht (und unsere ITS-Pflegenden haben es gemacht), dann ist es auch gut. ICH habe sie ja trotzdem angehängt. Warum nicht 2 EK's gleichzeitig laufen dürfen, weiß ich auch gerade nicht... Denn statt eines 3-Wegehahns kann ich ja genausogut eine 2. oder 3. Viggo legen...
Und bei Massivtransfusionen? Na, welches EK war es? Deswegen werden ja die EK hinterher 24h gekühlt gelagert. Denn WENN was passiert, kann man immer noch feststellen, welches Schuld war. :-nix

Absolute Arrhythmie
16.08.2013, 15:34
Vor allem: ist es beim Transfusionszwischenfall nicht erstmal eh egal, welches EK es war? Ändert ja nix an der Lage des Patienten, wenn man weiß, mit welchem EK man schimpfen muss, oder?

Fr.Pelz
16.08.2013, 15:51
Na doch, ich glaube da gibts strenge Richtlinien, dass das EK dann zurückverfolgt werden muss, und geguckt werden muss ob irgendwo im "Produktionsprozess" was schief gelaufen ist.
Hab eh das Gefühl, dass das Transfusionswesen ein klein wenig hypertrophiert ist. So viele Richtlinien, Belehrungen und Anweisungen es da gibt, Transfusionsbeauftragte für jede Klinik (würde nicht einer pro Krankenhaus reichen?) etc... jedes Mal wenn ich EKs kreuze und anhänge, hab ich das Gefühl, ich mache etwas fast schon Rituelles :-D
Allein die 4 Unterschriften pro EK plus die genaue Angabe der Uhrzeit der Transfusion.... die Zettel sind bei uns rosa, auf dass man Sie von weitem erkennt.

Naja. Deswegen die Frage, vielen Dank für alle Antworten.

Absolute Arrhythmie
16.08.2013, 15:52
Naja, ich meinte auch eher im Akutfall der Transfusionsreaktion.
Das man das hinterher nachverfolgt, war mir klar.

Brutus
16.08.2013, 17:13
Na doch, ich glaube da gibts strenge Richtlinien, dass das EK dann zurückverfolgt werden muss, und geguckt werden muss ob irgendwo im "Produktionsprozess" was schief gelaufen ist.
Aber deswegen muss man die ja nicht einzeln geben. Wenn man die, wie gesetzlich gefordert, 24h gekühlt aufbewahrt, und es kommt zu einer Reaktion, dann gibt man eben ALLE gegebenen EK zurück ins Labor mit einer erneuten Blutentnahme und dann soll das Labor und das Blutspendeinstitut sehen, welches die Reaktion gemacht hat...


Hab eh das Gefühl, dass das Transfusionswesen ein klein wenig hypertrophiert ist. So viele Richtlinien, Belehrungen und Anweisungen es da gibt, Transfusionsbeauftragte für jede Klinik (würde nicht einer pro Krankenhaus reichen?) etc... jedes Mal wenn ich EKs kreuze und anhänge, hab ich das Gefühl, ich mache etwas fast schon Rituelles :-D
Allein die 4 Unterschriften pro EK plus die genaue Angabe der Uhrzeit der Transfusion.... die Zettel sind bei uns rosa, auf dass man Sie von weitem erkennt.
Und? Ist nicht soooo vieles in der Medizin hochsterilisiert? :-))
Wenn man mal alleine an die Totenscheine denkt: Da ist auf der ersten Seite 4 (!) Mal das Datum einzutragen.
Davon 3(!) Mal unten im Unterschriftenfeld... :-nix

Mondschein
16.08.2013, 19:36
Fr. Pelz, wieso unterschreibst du denn vier mal pro EK? Ich unterschreib nur einmal auf dem Konservenschein (der ist bei uns auch rosa). Und halt einmal Bedsidetest mit Unterschrift.
Offiziell sollen die EKs - außer bei vital bedrohlichen Notfällen - nacheinander einlaufen, damit man überlegen kann, ob man klinisch einen Transfusionszwischenfall einer bestimmten Konserve zuordnen kann.
Da aber ja Transfusionszwischenfälle auch verzögert auftreten können, werden in der Regel sowieso alle an dem Tag gegebenen Konserven nachgetestet. Oft kommt ja auch nichts raus bei den Nachtestungen, aber ein paar Mal hab ich dann z.B. Coombs-positive Konserven schon gesehen im Nachhinein.

Vorsicht ist beim Transfundieren halt einfach geboten, da können schnell böse Fehler passieren. Auf Stationen, auf denen viel transfundiert wird, können Patientenverwechlsungen da schneller passieren als man denkt (ich weiß von zwei blutgruppeninkompatiblen Transfusionen in meiner Klinik und arbeite noch nicht ewig. Ist aber beide Male glimpflich ausgegangen zum Glück).
Je öfter mans macht, desto schlampiger wird man irgendwie leider (grade, wenn der Dienst wieder irgendwelche Transfusionsorgien beinhaltet und ganz sicher korrelierend zur eigenen Müdidkeit, find da kann man auch mal offen drüber reden, dass da auch mal Mist passiert). Zum Glück ist noch nie was schlimmes passiert, aber z.B. beim Nummern-vergleichen hab ich mich selbst schon das ein oder andere Mal bei einer Unachtsamkeit (sprich falscher Schein fürs FFP, aber zum Glück trotzdem aus dem FFP-Stapel des Patienten, d.h. für ihn getestet und kompatibel) ertappt! Die Anfänger-Sorgfalt ist hier also durchaus gut :)

Fr.Pelz
17.08.2013, 17:58
Hm also bei uns ist pro EK ein Konservenschein (1 Unterschrift) und eine Transfusionsrückmeldung (2 Unterschriften+ Stempel) und eben der Bedside-Test zu unterschreiben. (1x für Konserve, 1x für Patient), also eigentlich sogar 5.

Nee ich mach das schon auch immer sehr sorgfältig, mit Handschuhen, vorher alle Materialien zusammensuchen, Nummern und Haltbarkeitsdaten vergleichen, Aufklärung checken etc...und komm mir da eben bei vor wie ein Priester beim Weihwasser weihen :-D

MissGarfield83
17.08.2013, 18:45
Warum testest du noch die Konserve? Muss man doch gar nicht ...

Fr.Pelz
17.08.2013, 20:34
Ächz...wo steht das denn schon wieder?

Coxy-Baby
17.08.2013, 20:51
Da kannst du mal in eurer Blutbank nachfragen, bei uns steht die seit 2004 dafür gerade, also nur ein bedsidetest mit Patientenblut...

Evil
18.08.2013, 10:01
http://www.bundesaerztekammer.de/downloads/Querschnittsleitlinie_Gesamtdokument-deutsch_07032011.pdf


Unmittelbar vor der Transfusion ist vom transfundierenden Arzt oder unter seiner direkten Aufsicht der AB0-Identitätstest (Bedside-Test) beim Empfänger vorzunehmen und das Ergebnis schriftlich zu dokumentieren [7].
Konzentrate müssen nicht mehr getestet werden, man darf sich auf die Angaben auf dem EK verlassen. Allerdings müssen die Daten kontrolliert werden (Name, Geburtstdatum, Konservennummer).

Frau Pelz, habt Ihr einen Transfusionsbeauftragten? Bekommt Ihr regelmäßige Fortbildungen?
Entweder passt Du grandios nicht auf oder Deine Klinik sollte dichtgemacht werden, scheint mir.

Fr.Pelz
18.08.2013, 10:20
Ja wir haben einen Transfusionsbeauftragten und in den Belehrungen hab ich auch aufgepasst, es gab glaub ich mittlerweile 3 in den 13 Monaten, in denen ich da arbeite. Aber dass man die EK nicht testen muss, hat niemand gesagt und meine Kollegen machen es auch alle. Die Schlauchsegmentöffner wurden sogar scherzhaft nach dem Transfusionsbeauftragten umbenannt. Vielleicht verbürgt sich ja unsere Blutbank nicht dafür? Ich frag mal nach.

Brutus
18.08.2013, 10:26
Hmmm. Die Blutbank / Spendedienst macht eine Umfangreiche Prüfung der Blutprodukte. Danach gehen die zu Eurer Blutbank im Haus. Die machen mit der Blutentnahme die Kreuzprobe, ggf. mit Sonderuntersuchungen.
Und DU willst mit dem Bedsidetest am Patientenbett die Kompatibilität feststellen? :-))
Zumal Du ja Blutprodukt und Patient in jeweils einem Bedsidetest testest. Damit kannst Du allenfalls sagen: Ja! Patient und EK haben die gleiche Blutgruppe, sonst nix. Wenn Du die beiden noch miteinander testen könntest, DAS würde ja noch Sinn machen. Geht aber mit den üblichen Bedsidekärtchen nicht.

THawk
18.08.2013, 11:13
Manchmal sind doch Kliniken auch einfach etwas "rückständig". So auch unsere Neo-Abteilung. Wir müssen ebenfalls noch den Konserven-Bedside-Test machen aufgrund einer Festlegung durch unsere (Trafu-zuständige) Oberärztin. Es wird argumentiert mit "damit man sich die Konserve genauer ansieht" oder so ähnlich - meine persönliche Meinung: Grober Unfug. Ist nicht notwendig und die Zeit, die ich mit der Transfusion verbringe, nutze ich lieber für die notwendigen und sinnvollen Sachen (ID-Nummern vergleichen etc.)

Schädelspalter
18.08.2013, 11:53
Je öfter mans macht, desto schlampiger wird man irgendwie leider (grade, wenn der Dienst wieder irgendwelche Transfusionsorgien beinhaltet und ganz sicher korrelierend zur eigenen Müdidkeit, find da kann man auch mal offen drüber reden, dass da auch mal Mist passiert). Zum Glück ist noch nie was schlimmes passiert, aber z.B. beim Nummern-vergleichen hab ich mich selbst schon das ein oder andere Mal bei einer Unachtsamkeit (sprich falscher Schein fürs FFP, aber zum Glück trotzdem aus dem FFP-Stapel des Patienten, d.h. für ihn getestet und kompatibel) ertappt! Die Anfänger-Sorgfalt ist hier also durchaus gut

Ich klebe immer ein Etikett mit Konservennummer (da sind ja immer viel zu viele auf dem Blut-Produkt-Beutel) auf den Konservenschein - wenn die nummern direkt übereinander stehen, ist das vergleichen einfacher, als wenn man immer hin - und Herschaut ....

//stefan
19.08.2013, 13:22
ich hab immer die plastikhülle einer 1er nadel in die anstechöffnung der konserve gesteckt, dadurch war die dicht und man hatte beim aufbewahren keine sauerei bzw. konnte sie so auch ohne tüte auf dem narkosegerät/narkosewagen lagern.

getestet wird bei uns auch nur 1 mal per bedside test (und zwar vom patienten, nicht von der konserve). bei uns hieß es, dass jeder neu übernehmende arzt (pausenablösung oder der intensivarzt, der post-op übernimmt) sich selber von der richtigen blutgruppe des patienten überzeugen musste.

es gab ärzte, die für jede konserve/ffp neue systeme wollten, die 6 (oder waren es 8??) stunden-regel gab´s bei uns aber auch. ich hab für wenige kosnerven (4-6) neue systeme genommen, bei massentransfusionen (wir hatten den ranger und den level1) mehrere konserven mit einem system transfundiert.

zwei beinaheverwechlsungen hab ich verhindert (direkt falscher name beim abholen im labor aufgefallen), sonst gabs keine größeren schweren zwischenfälle - allerdings haben wir auch viel mit dem cell-saver gearbeitet (schönes gerät!).

Bille11
19.08.2013, 17:46
ich teste jede Schicht/OP, die ich mit einem Patienten verbringe und in der ich diesem Patienten Fremdblut/-produkte zukommen lasse, den Bedsidetest am Patienten. Ich klebe auch ein Klebchen auf den zugehörigen Wisch und gucke alles selbst nach. Ich lese die Klebchen immer halblaut vor & checke gegen.
Transfusionssysteme halte ich nach der 4-6h Regel. FFP und EK lasse ich getrennt laufen. Ich gehe sogar mit einem Bedsidetest ans Licht, wenn ich weiss, dass dieser BG x haben wird, weil ich diesen Patienten schon mehrfach rezent getestet habe. Auch Nachts um 3 in der 4. Nacht.
Unterschreiben tu ich bei Massivtransfusionen dann, wenn ich Zeit habe. Aber keine Konserve geht ohne vor meinen Augen und ohne dass ein Klebchen auf meinem Arm landet, in den Patienten. Das dauert Sekunden. Die Zeit hat man immer. Ansonsten benötigt man eben personelle Verstärkung.
Ich bin da gründlich und genau! (Und meine Freunde und Kollegen wissen, dass ich sonst gerne mal 5 gerade sein lassen kann.) Ich checke aber auch sonst alles selbst & teste lieber einmal mehr als 'ach das dürfte reichen..'.
Meine Devise (und deswegen gelte ich auch durchaus als streng in unserem Intensivbetrieb) - wenn Du es nur irgendwie tust, dann kannst Du's gleich sein lassen. Dein Job ist es mit - hier Blutprodukten - peinlichst genau zu sein. Es tut nicht weh, das zu tun, weh tut nur die ggf Verwechslung/Nachlässigkeit Der Patient kann daran sterben oder Nachteile haben. Deine Versicherung und Deine OHL haben auch keinen Spass an durch Nachlässigkeit entstandenen Fehlern von Dir. Und kein Gericht der Welt gibt Dir Recht.