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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : frustranes Intubieren



throni
28.08.2013, 18:09
Hallo zusammen,
Ich bin gerade an meiner Uniklinik in der Anästhesie für eine Famulatur und bin eigentlich recht begeistert. Darf viel selber machen, sehe ne Menge spannender OPs von Viszeralchirurgie bis HNO und das Team ist auch nett. Nur das Intubieren macht mich fertig. Durfte es bis jetzt schon so knapp zehnmal probieren und habs noch nicht ein einziges mal hinbekommen. Wie lange hat das bei euch so gedauert? Komme mir ziemlich doof vor. Am Simulator hats super geklappt, in der Praxis sehe ich kein Land...

Nessiemoo
28.08.2013, 18:33
Hey, mache auch Anästhesie Famulatur - es ist halt echt nicht so einfach wie an den Puppen. Bei mir hat es auch erzt beim zehnten Mal geklappt, und auch nachdem klappt es so in...25% der Fälle :) Es ist ja auch sehr Patientenabhängig - am besten jemand ohne Zähne, dünn, klein, langer hals und grosse mundöffnung ;)

Du kannst ja den Arzt fragen es einzustellen, und dann von ihm den Laryngoskop erstmal übernehmen, damit man schaut wie es sich so anfühlt.

Und wenn jemand mit BMI >40 ist, dreifach Kinn, schlafapnoe hat, dann kann man ja es als neuling fast vergessen. Und in HNO sind die meisten so ;)

chil-i
28.08.2013, 19:05
Ging mir genau so, die ersten 5, 6 Mal hats nicht geklappt und ich dachte, ich sei zu blöd dafür. Plötzlich kam es dann. Versuch, alles zu optimieren, lange genug zu beatmen, damit das Relaxans wirklich wirken kann (ist immer fies, wenn die Narkoseschwester dir nach 30 Sekunden das Laryngoskop vor die Nase hält und der Patient noch nicht weich genug ist) und lass dir mit der Lagerung helfen. Was mir zu Beginn passiert ist: Ich war manchmal zu tief mit dem Spatel und habe die Epiglottis mit angehoben.
Ich glaube, das geht vielen am Anfang so! Nicht den Mut verlieren

mary-09
28.08.2013, 23:52
genau, einfach immer weiterüben und dir "genug Zeit lassen". Ich denke, man versteht, wie ich das meine ;) natürlich nicht ewig, aber am Anfang ist ein gut präoxygenierter Pat., der genug Reserve hat und nicht sofort mit der Sättigung abrauscht natürlich einfach hilfreich. Ich weiß noch, dass ich bei meinen ersten Versuchen selbst total hibbelig und aufgeregt war und in so einem Zustand klappt das einfach nicht...meiner Erfahrung nach. Also ganz wichtig: Entspannen :)
Und dann einfach vorsichtig und langsam Stück für Stück vorarbeiten, wenn du die Zunge zur Seite gedrängt hast und die Epiglottis noch nicht sofort siehst. Danach muss noch die Erkenntnis folgen, dass man nicht hebeln, sondern eher anheben muss und dann klappt das auch. Bei mir hats bis zu ersten Erfolgen in Serie glaube ich bestimmt auch 2 Wochen gedauert.

still-waiting?
29.08.2013, 16:58
Hey Throni,
ich hab mir anfangs immer über die Schulter gucken lassen und mir Rückmeldung geben lassen. Dann weißt du gleich wo deine Fehler liegen und kannst es korrigieren. Bei jungen Gesunden kannst du dir auch Zeit lassen und in Ruhe gucken. Das war anfangs immer mein Fehler. Ich war viel zu hektisch und hab gleich abgegeben wenn ich beim ersten Versuch nix gesehen hab.
Wichtig finde ich auch die richtige Tischhöhe und die richtige Lagerung des Kopfes. Den halte ich mir immer mit der rechten Hand und überstrecke ihn und dann kann ich schön mim Laryngoskop rein.

Nur nicht aufgeben und immer weitermachen :)

throni
30.08.2013, 13:34
Vielen Dank euch für den Beistand! Und sieh da: heute hat es zum ersten Mal geklappt! Ganz alleine, nur mit ein bisschen BURP vom Oberarzt (aber das muss ja drin sein :) ). Mein Fehler scheint tatsächlich vor allem gewesen zu sein, dass ich das Laryngoskop immer zu tief rein geschoben hatte!

Brownie
30.08.2013, 13:36
Was mir zu Beginn passiert ist: Ich war manchmal zu tief mit dem Spatel und habe die Epiglottis mit angehoben.
Ich glaube, das geht vielen am Anfang so! Nicht den Mut verlieren
ja das hab ich auch oft falsch gemacht und dann als hilfe genommen^^ immer wenn ich der meinung war alles richtig gemacht zu haben aber trotzdem nix sehe, hatte ich sie aufgeladen. also ein stück zurück ziehen und tada alles sichtbar :D
ich denke anfangs ist es auch schwierig sich zu orientieren. dass man um die epiglottis anzuheben halt eher richtung fuß als richtung decke zieht, war mir als orientierungslose bratwurst irgendwie nich so ersichtlich...
und was ich persönlich am effektivsten fand: wirklich gut überstrecken und dann den Kopf mit dem eigenen Bauch in der Lage halten beim Intubieren :-top

Nini_I
30.08.2013, 17:36
Ich famuliere auch gerade in der Augenklinik in der Anästhesie. Dort wird es leider nicht so viel mit einem Laryngoskop und einem Magill-Tubus gemacht:-heul in einer Woche bin ich vielleicht nur einmel dazu gekommen. Dafür kann ich täglich mit einer Larynxmaseke 2 bis 3 mal üben.:-) Nur bei den kleinen Kindern traue ich mich noch nicht so ganz habe ich extreme Hemmungen.

Brutus
30.08.2013, 17:52
und was ich persönlich am effektivsten fand: wirklich gut überstrecken und dann den Kopf mit dem eigenen Bauch in der Lage halten beim Intubieren :-top
Mit dem Überstrecken kann man es auch übertreiben. Und dann wird es schwieriger als ohne! Was teilweise einfacher ist, einfach den Kopf auf ein dünnes Kissen / Wärmedecke legen (Schnüffelposition). Damit verändert man den "Einstellwinkel" etwas, sodass es einfacher wird, man nicht so wild "hebeln" oder ziehen muss. Dann ganz entspannt entlang der Zunge mit dem Spatel vorschieben und wenn die Epiglottis sichtbar wird, zwischen dieselbe und Zungengrund gleiten und dann ganz leicht Richtung Fuß/Decke ziehen. -> Voilà: Stimmritze sichtbar und damit das Ziel erkannt. :-)

Nicht verzweifeln, wenn es anfangs nicht funktionieren will. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo man den Bogen rausbekommt. Und auch nicht verzweifeln, wenn es irgendwann nicht mehr klappen will. Diese Zeit wird kommen. Man meint, dass man es wirklich kann und dann geht kein Tubus mehr rein... :-(
Und dann kommt irgendwann wieder der Punkt, wo es einfach wieder geht. :-top
Ganz wichtig, nicht auf Teufel komm raus durchprobieren! Einfach wieder ein bißchen beatmen, selbst durchatmen, und dann ganz entspannt bei einer 100er Sättigung noch einmal probieren. Und wenn es partout nicht geht, einfach dem Anästhesisten noch einmal zugucken, was er anders macht. :-nix

Brownie
30.08.2013, 18:07
Mit dem Überstrecken kann man es auch übertreiben. Und dann wird es schwieriger als ohne! Was teilweise einfacher ist, einfach den Kopf auf ein dünnes Kissen / Wärmedecke legen (Schnüffelposition).
das stimmt. ich meinte aber eher das "festhalten" mit dem Bauch. war für mich zumindest so ein Aha-Erlebnis. weil mir anfangs das hübscheste Einstellen nix gebracht hat, sobald ich die zweite Hand in Gebrauch hatte um den Tubus reinzuschieben, war alles kaputt, weil sich der Kopf bewegte durch mein Hantieren.
und noch ein kleiner Tip, den ich (leider) erst spät bemerkte... ich bin klein und maskenbeatmung strengte mich immer mega an, konnte keine 2min durchhalten, weil meine arme dann gezittert haben. erst nach 8 Wochen PJ kam ich auf die Idee, mich auf eine Stufe zu stellen, sodass die Hand mit der Maske locker "abgelegt" werden konnte... und ich nicht mit leicht angewinkelten Armen in der Luft das ganze stemmen musste... plötzlich funktionierte es viel besser und ich hielt endlich bis zum "Ende" durch :D
Aber ich bin auch nur noch lernendes und übendes ex-pj. bin weit davon entfernt zu sagen ich hätte Erfahrung, dafür fehlen mir wahrscheinlich noch 2000 Intubationen ;-)

Frisko
02.09.2013, 19:59
Ich hab nur "frustranes" und dann "...tubieren" gelesen. Und ich so "Waaas!?"

M. Cremaster
06.09.2013, 13:58
In meiner PJ-Klinik wurden teils Videolaryngoskope eingesetzt (habs selber allerdings nicht probiert dort),
der Anästhesist konnte so Korrekturanweisungen geben ohne gleich händisch eingreifen zu müssen - Lerneffekt natürlich
um welten besser ... frag mal danach

In meiner Anästhesie Famulatur (anderes Haus) hab ich eine geschlagene Woche gebraucht bis zur ersten 100%
selbstständigen Intubation ... irgendwann machts klack :-)

Nessiemoo
06.09.2013, 15:49
Bei mir hängt es auch irgendwie sehr stark davon ab, wie gut ich mich mit dem Anästhesisten/ Pflege verstehe - leider. Mein Fell muss noch etwas wachsen glaube ich. :D Wenn es jemand ist, der sehr viel kritisiert, bei dem ich schon vorher was verkackt hab... dann klappt es auch in seiner Anwesenheit nie. Wenn es jemand ruhig zugeht und mich in Ruhe es machen lässt, klappt es auch direkt viel Besser. :-nix